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Im Frühling

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Taschenbuch
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"Ich habe gerade dieses Buch für dich beendet. Was im Sommer von vor drei Jahren passierte, und die Nachwehen davon, ist alles längst vorbei. Manchmal tut es weh zu leben, aber es gibt immer etwas, wofür es sich zu leben lohnt."

Ein Tag im Frühling. Ein Tag zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Geprägt vom Anfang des Lebens, von Aufbruch und Licht, aber auch von Dunkelheit und Beschwernis. Ein Vater und seine neu geborene Tochter - auf dem Weg durch eine Landschaft voller Fülle, die das Schwere noch in sich birgt. Ein Roman, geschrieben wie ein einziger Liebesbrief an eine Tochter und an das Leben.


Aus dem Norwegischen von Paul Berf
Originaltitel: Om våren
Originalverlag: Luchterhand HC
Taschenbuch, Klappenbroschur, 256 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-77046-5
Erschienen am  08. February 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Südschweden, Schweden

Rezensionen

Eine Erzählung über Nähe und Distanz

Von: Dagmar

16.03.2021

Das Buch liegt schon einige Tage gelesen auf dem Tisch. Immer noch versuche ich ihm näher zu kommen. Mein Einstieg in den Knausgard mit dem für Einsteiger empfohlenen, nun als Taschenbuch herausgekommenen kleinen Band „Frühling“, in dem er die Zeit der Geburt und die ersten Monate seiner jüngsten Tochter retrospektiv beschreibt, während seine Frau an einer schweren Depression leidet und immer wieder in der Klinik stationär behandelt werden muss, geht über das Buch hinaus. Die Erzählung ist eingepackt in einen einzigen erlebten Tag zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Es ist eine eigentümliche Erzählweise. Sie gibt in längeren essayistischen Passagen das preis, womit der Autor sich gedanklich beschäftigt, sie erzählt in einer Flut von Assoziationen über seinen Gefühlshaushalt und sie neigt dazu, vor allem die eigene Seele im ständigen Kreisen darum erkunden und erklären zu wollen. Dabei bedient er sich großartiger beschreibender Stilmittel und kann die Leserin/ den Leser in einen regelrechten Bann der Beobachtung und des Einfühlenwollens ziehen. Gleichwohl bleibt eine gewisse Distanz. Beim Lesen ist es natürlich von großem Interesse - wenn man schon weiß, dass all diese Geschichten autobiographisch angelegt sind - der Person hinter der Erzählung zu begegnen. Da ist ein Mann der aufscheint, nicht unsympathisch, aber auch nicht in großem Austausch mit seiner Umgebung, der aber doch eine Nebelgestalt bleibt. Das, was tatsächlich interessant wäre, zu erfahren, bleibt verborgen. Vielleicht ist das gut so, vielleicht bleibt so eine Restneugierde über die Bände hinweg erhalten. An diesem einen Tag ist er immer wieder im Zwiegespräch mit dem neugeborenen Kind. Er erklärt ihm die Liebe, die Familie, die Freundschaft, das Leben. Und während er mit dem Kind spricht, wird immer mehr der gesamten Familiensituation um diesen Tag herum sichtbar. Ein Sommerurlaub auf der Insel Farö weckt eine Erinnerung an einen Urlaub vor acht Jahren. Damals suchte er nach dem Haus von Ingmar Bergman. „Bergman selbst lebte damals noch, ohne dass ich den Wunsch gehegt hätte, ihn zu treffen, den habe ich bei Künstlern oder Schriftstellern nie gehabt, da ich die Ansprache im Werk immer persönlicher fand als in der Wirklichkeit und er oder sie einem dort wesentlich näher kam, als es bei einer persönlichen Begegnung jemals der Fall gewesen wäre. Was wäre die Literstur denn anderes als ein Ausdruck für eine ansonsten unzugänglich und in der Wirklichkeit nicht existierende Nähe?“ S. 122 Ob die Nähe entsteht oder nicht ist hier in hohem Maße von der momentanen Verfasstheit des Lesers/ der Leserin abhängig. Aus irgendeinem Grund hat es gerade jetzt bei mir nicht ganz verfangen. Bestimmt ist Knausgard ein Schriftsteller, den man in unterschiedlichen Lebensphasen sehr unterschiedlich rezipiert. Der fehlende Widerhall der Welt, den seine Frau nicht mehr spürt in ihrer Depression, etwas davon ist auch bei ihm vorhanden, so sehr er sich müht, die ihn umgebende Welt und sein Erleben derselben als etwas dialogisches Aufscheinen zu lassen. „Und vielleicht ist das Folgende nichts anderes als ein Selbstbetrug: Das leichte Leben ist nichts Erstrebenswertes, das einfache Leben ist nie eine vollwertige Lösung, nur das schwierige Leben ist ein vollwertiges Leben? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass es so ist.“ S. 169 Er schreibt das Buch als eine „Art Apologie“ (nach S.167) für das Kind, damit es später, wenn es diese Zeilen läse, gut von ihm denke. Warum ist das so? Allein daraus könnte man ein Interesse an weiteren autobiographischen Romanen von ihm ableiten. Die Gedankenfluten der autobiographisch angelegten Erzählung, seine intuitiv essayistischen Passagen halten das Leseinteresse, man lauscht gebannt.

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Karl Ove Knausgard, Im Frühling

Von: susannebecker@online.de

04.01.2019

„Ich hatte begonnen, eine Art Tagebuch für dich zu schreiben, oder einen langen Brief darüber, wer wir waren und was hier passierte, während wir auf dich warteten….Als eine Art, Platz für dich zu schaffen.“ Dieser Gedanke ist so wunderschön, dass er mich jedesmal lächeln lässt: für ein noch im Mutterleib heran wachsendes Kind eine Art Tagebuch schreiben, um für es in dem bereits existierenden Leben einen Platz zu schaffen. Unwillkürlich wünschte ich mir, ich wäre auf diese Idee gekommen, während ich mit meinen Töchtern schwanger war. Mit dieser Aussage hat Karl Ove Knausgård einmal mehr umschrieben, für wie wichtig und mächtig er die Sprache hält. Sie ist für ihn das Medium, welches uns alle im Leben verankern kann, egal, was uns zustoßen mag, egal, wie heftig das Leben sich uns um die Ohren schlägt. Im Frühling hat mich auf eine unvorhersehbare Art kalt erwischt. Denn ich hatte ja bereits Im Herbst und Im Winter gelesen, welche ich beide mehr oder weniger ähnlich fand, gerne gelesen hatte, aber sie hatten mich jetzt nicht so aus der Reserve gelockt wie zum Beispiel Lieben aus der Mein Kampf Reihe. Lieben war bislang mein absolutes Lieblingsbuch von Knausgård. Keines der anderen von mir gelesenen Werke reichte für mich an dessen rohe, mitten aus dem Leben und Jetzt gegriffene Intensität heran. Die es für mich vielleicht auch deshalb hatte, weil ich mich so gut zurück versetzen konnte in die absolut chaotische und einen ständig überfordernde Phase mit kleinen Kindern. Dann kam Im Frühling, von dem ich erwartete, dass es den vorgegangenen Bänden strukturell und auch inhaltlich irgendwie sehr ähneln würde, aber es ist ganz anders als die anderen Jahreszeitenbände. Es ist eine einzige Erzählung, nicht das Erklären unterschiedlicher Begriffe für seine noch ungeborene Tochter. In einem langen Text schildert Knausgård vielmehr seiner zu diesem Zeitpunkt bereits geborenen Tochter einen gemeinsamen Tag mit ihr innerhalb der Familie und schweift immer wieder ab in den vergangenen Sommer, als sie gerade erst gezeugt worden war. Seite für Seite erfasst man immer deutlicher, dass etwas geschehen sein muss, dass irgendetwas nicht stimmt. Und bald versteht man: die Mutter des winzigen Säuglings ist nicht da. Sie befindet sich in einer Klinik. Knausgård kümmert sich allein um sie und die anderen drei Kinder, ist dabei oft an den Grenzen dessen, was er leisten kann und berichtet dennoch minutiös alles. So kennen wir es von ihm. So liebe ich es von ihm. Die Rücksichtslosigkeit im Erzählen sich selbst gegenüber, dadurch natürlich auch notwendig allen gegenüber, die er liebt. In Rückblenden erzählt er akribisch vom Sommer des letzten Jahres, in welchem die Mutter eine extrem schwere Depression hatte. Knausgård berichtet von den gesamten Vorkommnissen in seiner gewohnt ausführlichen und intimen Art. Er zeigt sich selbst nackt und verletzlich und spricht von seiner Frau und den Kindern mit großer Liebe. Ich mag Knausgård aus vielen verschiedenen Gründen und aus anderen nervt er mich auch manches Mal. Vor allem nervt er mich dann, wenn ich das Gefühl habe, er labert verkopft daher und umschifft das blutige Herz der Angelegenheit mit einem Schwall an intellektuellem Wissen und literaturkritischen Ergüssen. „…regte sich in mir erstmals der Gedanke, dass akademisches Wissen, akademische Erfahrung, intellektuelle Erkenntnis auch nichts anderes waren als ein Schutz gegen das nackte Leben. Und dass die meisten Bücher, Filme und Kunstwerke es auch waren.“ Diese Worte schreibt er in einem Abschnitt über Ingmar Bergman und Liv Ullmann, denen er attestiert, sich mit ihrer Kunst kopfüber ins nackte Zentrum des Lebens zu stürzen. Während ich es lese, verstehe ich plötzlich, oder glaube zu verstehen, dass Knausgård genau das auch möchte und oft schafft, und dass die ganzen ausschweifenden Worte wie so ein Anlauf sind auf dieses Ziel zu, ein Anlegen des Pfeils, ein Anspannen des Bogens. Nach meinem Empfinden ist dieses Buch einmal mehr frontal ins Ziel gegangen. Im Frühling ist für mich nicht nur das Buch, das mich die gesamte Jahreszeitenreihe anders sehen lässt, ist nicht nur ein Schlüssel zu diesen vier Büchern, sondern für mich ist es auch ein Schlüssel zu Knausgård selbst und zu allem, was ich bislang von ihm gelesen habe. Er hat sich mir darin noch einmal in einem anderen Licht gezeigt, vielleicht verletzlicher als je zuvor. Auch offener als je zuvor. Alles ist gültig. Er richtet nicht. Er beschreibt, was geschieht und nimmt nicht für sich in Anspruch, die Wahrheit zu wissen. Er nimmt noch nicht einmal für sich in Anspruch, dass das, was er erzählt, tatsächlich so gewesen ist. „Und genau deshalb habe ich geschrieben, dass der Selbstbetrug das Menschlichste von allem ist. … , dass du versuchen musst, nicht zu vergessen, dass andere das Gleiche wie du auf eine völlig andere Weise sehen und erleben können und dass dies ihr gutes Recht ist.“ Wie alle seine Bücher ist auch dieses eine Hommage an das Leben als Mensch. Es ist vielleicht das schönste und ergreifendste Buch über Liebe, das ich in langer Zeit (oder je?) gelesen habe. Ich empfehle es sehr und danke dem Luchterhand Verlag herzlich für das Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von Paul Berf aus dem Norwegischen übersetzt. Die wunderschönen, wilden und berührenden Bilder stammen von der Künstlerin Anna Bjerger. Hier andere Texte von mir, die ich zu Büchern von Knausgård geschrieben habe: Leben Sterben Im Herbst Das Amerika der Seele Angeregt durch dieses Buch, also durch Knausgård, habe ich mir übrigens gleich zwei Filme und zwei Bücher besorgt, um tiefer in die Welt Ingmar Bergmans einzusteigen: Szenen einer Ehe, den ich als ganz junges Mädchen einmal gesehen, aber damals mit Sicherheit nicht verstanden habe. Auf der Suche nach Ingmar Bergman von Margarethe von Trotta (die in meiner Jugend meine absolute Lieblingsregisseurin war und bis heute liebe ich viele ihrer Filme. Das Buch Die Unruhigen von Linn Ullmann, sowie das Buch Private Confessions von Ingmar Bergman selbst. Und dann liegt hier natürlich noch Im Sommer! (c) Susanne Becker

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Vita

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Die Romane seines sechsbändigen, autobiographischen Projektes wurden weltweit zur Sensation. Sie sind in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt. 2015 erhielt Karl Ove Knausgård den WELT-Literaturpreis, 2017 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Er lebt in London.

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Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

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