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Rezensionen zu
Alles ist möglich

Elizabeth Strout

Die Lucy-Barton-Romane (2)

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Elizabeth Strout hat mit ‚Alles ist möglich‘ ein kleines feines Buch mit Kurzgeschichten aus einer fiktiven Kleinstadt in Illinois, USA, geschaffen. Alle neun Kurzgeschichten hängen miteinander zusammen, denn die Schicksale der Bewohner sind wunderbar miteinander verwoben. Man lernt die unterschiedlichsten Menschen und Charaktere dieser Kleinstadt kennen und lieben. Ein sehr berührendes, facettenreiches und gedankenvolles Buch, das ich regelrecht verschlungen habe.

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Elizabeth Strout erzählt in "Alles ist möglich" wieder einmal Geschichten über Leute einer Kleinstadt der USA. Sie erzählt von Liebe und Glück, aber auch von Kummer und Schmerz. Im Mittelpunkt stehen einfache Menschen im Mittleren Westen, Menschen unterschiedlichen Alters. Wie auch bei Strouts "Olive Kitteridge" geht es hier um Beziehungsprobleme, Eifersucht, Selbstverwirklichung, Ängste, Sehnsüchte, Menschenliebe - es geht um das Leben. Die Pulitzerpreisträgerin schafft es wunderbar, einzelne Episoden zu einem Ganzen zu verweben. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen, jedoch tauchen die Personen immer wieder in anderen Abschnitten des Romans auf.  Für "Alles ist möglich" wurde die Autorin 2018 zurecht mit dem Story Prize ausgezeichnet.  Es ist eine sehr berührende und tiefgründige Lektüre, die meisterhaft geschrieben ist.  Absolut empfehlenswert!  Das Buch hat 256 Seiten und ist als Taschenbuch im btb Verlag der Verlagsgruppe Random House erschienen. 

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Ich bin im Leserausch und das tatsächlich schon seit Beginn des Jahres. Gelesen habe ich in den letzten fünf Wochen schon acht Bücher und bin gerade beim neunten. Ich denke, damit kann ich bisher ganz zufrieden sein. Es gilt immerhin aber auch, die angepeilten siebzig Bücher zu knacken. Ein Roman, der mich zuletzt sehr bewegt hat, war »Alles ist möglich« von der US-Amerikanerin Elizabeth Strout. Das Buch ist hierzulande 2019 im btb-Verlag erschienen. Im Mittelpunkt des Romans stehen die aktuellen und ehemaligen Bewohner einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Illinois. Die Menschen unterschiedlicher Generationen, berichten von Vergangenem und Erlebtem. Sie alle haben eines gemeinsam: sie such(t)en ihre Erfüllung im Leben und mussten sich vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten stellen, um annähernd eine solche zu finden. Nicht jedem ist dies gelungen und jeder trägt sein Schicksal auf andere Weise. Nach den ersten Seiten wusste ich mit »Alles ist möglich« noch wenig anzufangen, da mich sowohl die beschriebene Handlung, als auch die betreffenden Figuren nicht packen konnten. Kurz darauf aber änderte sich dieser Umstand und meine Aufmerksamkeit war vollständig hergestellt. Die Kapitel sind so miteinander verknüpft, dass die erwähnten Protagonisten dem Leser kurz darauf wieder begegnen. So werden die Geschichten aus den individuellen Blickwinkeln erzählt und immer wieder neue Personen eingeflochten. So waren mir schnell viele Namen geläufig und ich konnte mir Gesichter zu den Figuren erdenken. Die nüchterne Erzählweise von Strout ermöglicht es dem Leser, alle Charaktere unvoreingenommen kennen zu lernen und ein eigenes Bild von diesen zu entwickeln. Der kluge und schnörkellose Sprachstil, sowie das gute Empfinden für menschliche Seelenlagen bereichern das Lesen des ohnehin ansprechenden Romans ungemein. Die Bewohner der Provinzstadt sind Menschen mitten aus dem Leben, sie werden geplagt von Eifersucht, Neid, Armut, Wut und Verbitterung. Sie suchen Erfüllung, die wahre Liebe und Zusammenhalt. Nach und nach fügen sich die kurzen Abschnitte zu einem Ganzen zusammen und es entsteht eine gelungenes Werk über die menschliche Seele und deren Abgründe. Elizabeth Strout überzeugt durch ihr gutes Gespür für menschliche Emotionen und eine feine Sprache. Ihr gelingt es, ihre Charaktere authentisch und mit ihren Schwächen darzustellen und ihre Leser dennoch nicht zu beeinflussen.

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Momentaufnahmen einer Kleinstadt

Von: marvellous.books

14.03.2019

Kurzepisoden im Leben der Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt, bzw. derer, die dort groß geworden sind. Es sind Momentaufnahmen gelebten Lebens, die deutlich machen, wie sehr wir alle durch unsere Kindheit geprägt werden, wie viel trotz schwieriger Kindheit dennoch möglich ist, und wie unterschiedlich das Leben der Protagonisten verläuft, obwohl sie alle einen ähnlichen Startpunkt hatten. Es geht um Einsamkeit, Verbitterung, Liebesglück, Eifersucht, Wut. Wir treffen auf verkorkste junge Leute, liebestolle Partner, auf nicht erfüllte Kinderwünsche und nicht verarbeitete Kindheitstraumata. Das ganz normale Leben, wie es eben so spielt, das eine so, das andere so, fein zusammengewebt zu einer tollen Geschichte. Die Episoden sind durch klitzekleine Wegweiser miteinander verbunden, meinem Geschmack nach sind diese zwar etwas zu konstruiert platziert, aber sei’s drum. Stouts Erzählweise ist wundervoll lebendig, auf den Punkt gebracht und zielt trotzdem mitten ins Herz!

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Der Blick in eine Kleinstadt

Von: Ritja

27.02.2019

Ich muss zugeben, dass ich mich mit der ersten und zweiten Geschichte etwas schwer getan habe. Es entstand kein so richtiger Lesefluss und ich holperte mehr als ich las. Dann hatte ich einen freien Nachmittag und gab dem Buch noch einmal eine Chance und einen Neustart. Ich musste einfach länger abtauchen können, länger an der Geschichte bleiben, um die vielen kleinen Details im Kopf zu verankern, um dann die nächste Geschichte besser verstehen zu können. Einmal im Lesefluss macht dieses Buch Spaß. Viele kleinere Geschichten über Menschen, die mehr oder weniger in ihrem Leben und in der Kleinstadt gefangen sind. Die Geschichten fügen sich jedoch immer mehr zusammen und am Ende hat man das Gefühl jeden Einzelnen in der Kleinstadt zu kennen. Man weiß nicht nur ihre Namen und ihr Aussehen, sondern auch ihre tiefen Gefühle, ihre Vergangenheit und ihre Probleme. Elizabeth Strout schreibt schnörkellos und mit ganz klaren Worten. Sie lässt tief in das Innere der Charaktere schauen und manchmal möchte man gar nicht so viel trauriges, wütendes und enttäuschtes hören. Aber man fängt an nachzudenken und zu reflektieren. Es ist keine leichte Kost, aber doch mit einem kleinen Sinn für Humor und einen guten Gespür für Menschen.

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Es braucht kein großes Ereignis, um einen guten Roman zu schreiben. Das Leben bietet Geschichten genug. Letztendlich ist dieser Roman eine Vernetzung von Kurzgeschichten. Eine Kleinstadt im ländlichen Mittleren Westen, Amgash, Illinois, ist der zentrale fiktive Ort. Menschen, Schicksale, Protagonisten, die sich immer mal wieder kreuzen. Alles ist möglich, wenn man es tut – oder unterlässt, zulässt. Der eine ist mutig, der andere ist ein Zauderer, dem nächsten passiert einfach etwas und wieder ein anderer ist boshaft. Elisabeth Strout hat die Gabe, Menschen zu beobachten, die Essenz der Schicksale zusammenzufassen. Weiter: https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/alles-ist-moglich-von-elisabeth-strout.html

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„Ihm schien, je älter er wurde, desto klarer sah er, wie wenig er diesen verwirrenden Widerstreit zwischen Gut und Böse begriff, und vielleicht waren die Menschen ja schlicht nicht dafür gemacht, dass sie die Dinge hier auf Erden begriffen.“ In ihrem neuen Roman erzählt Elizabeth Strout unvergessliche Geschichten über die Leute einer Kleinstadt im Mittleren Westen, die wie alle Menschen überall von Liebe und Glück träumen, aber oft Kummer und Schmerz erleben. Nach „Mit Blick aufs Meer“ ist dies mein zweiter Roman der großen Geschichtenerzählerin Elizabeth Strout. Und auch dieser Roman hat mich wieder abgeholt zu einem Besuch in einer amerikanische Kleinstadt. Das Buch ist wie ein Spaziergang durch den kleinen Ort Amgash in Illinois, bei dem man einen Blick durch fremde Fenster wirft. Man hält inne, lauscht und taucht kurz ein in das Leben von anderen Menschen. Es ist keine durchgängige Geschichte. Vielmehr ist es ein bunter Strauß aus Episoden über ganz unterschiedliche Personen, welche am Schluss dennoch ein großes Ganzes ergeben. Im Mittelpunkt der Erzählungen steht Lucy Barton. Sie war bereits Protagonistin in „Die Unvollkommenheit der Liebe“, ein Roman der vor gut zwei Jahren erschien. Zunächst ist sie die große Unbekannte im Roman und taucht selbst erst in der zweiten Hälfte des Buches auf. Aber alle Geschichten sind lose mit ihrer Person verbunden. Alle Erzählungen sind tiefgründig, sympathisch und sie werden niemals kitschig. Es ist das ganz normale Leben, scheinbar gleichförmig und unaufgeregt. Aber wer dahinter schaut, entdeckt die Verzweiflungen, Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte und das kleine Glück zwischen den Zeilen. Und genau diese Gemütszustände beschreibt Elizabeth Strout wie keine andere. Da ist Tommy, Patty, Linda, Charlie, Mary, Pete und Dottie und am Ende möchte man ihnen winken und rufen: alles war doch möglich, für jeden von euch! „Alles ist möglich“ erschienen im Luchterhand Verlag ist ein grandioses Buch, still, sensibel und sehr berührend. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sabine Roth, die bereits Werke von Jane Austen und Hilary Mantel übersetzt hat.

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Wunderbar

Von: LiteraturReich

23.12.2018

Die US-amerikanische Autorin Elizabeth Strout wird gerne die „Chronistin des Alltäglichen“ genannt. Weil sie sich mit dem Alltag der Menschen in der Provinz beschäftigt und ihre Beziehungen untereinander analysiert, Mutter-Tochter- und Geschwisterbeziehungen, generell Familiengefüge untersucht. Undramatisch und unsentimental erzählt sie von deren Leben, den Erinnerungen, den Lasten, die sie mit sich herumschleppen, ihren Ängsten, Träumen, Hoffnungen, oder dem, was davon übrigblieb. Aber ist das wirklich nur alltäglich? In ihrem neuesten Roman „Alles ist möglich“ gibt es Ehebruch, verheimlichte Homosexualität, Inzest, bitterste Armut, Kriegstraumata, Misshandlung, Verrohung und Brandstiftung. Weil Strout davon aber so unaufgeregt erzählt, nehmen auch wir Leser diese Dinge als das hin, was sie sind – Lebensalltag, etwas, das bestanden werden muss. Die Charaktere in den Büchern von Elizabeth Strout sind alle irgendwie unglücklich, zeitweise zumindest, alle auf die eine oder andere Weise verletzt, aber sie mühen sich weiter, den einen gelingt das besser als den anderen, aber die meisten machen kein Drama daraus. Wie beispielsweise Tommy Guptill, den man gleich zu Beginn des Buches kennenlernt. Einst ein erfolgreicher Farmer, verlor er seinen ganzen Besitz bei einem verheerenden Brand. Er und seine Familie überlebten aber unverletzt. Und Tommy hat seinen Frieden mit dem Schicksal geschlossen. Er arbeitet seitdem als Hausmeister der Schule und ja, vielleicht weiß er sein Glück seit damals sogar mehr zu schätzen. Tommy ist einer der Charaktere, der vielleicht positivste, in einem Vielpersonenstück, das nach Art der „Short Cuts“ aufgezogen ist. Neun kunstvoll verwebte Geschichten erzählen von dem kleinen Ort Amgash, irgendwo in der Provinz von Illinois. Nachbarn, Verwandte, Bekannte sind in einem Beziehungsreigen miteinander verknüpft, selten sind sie Freunde, denn dafür sind sie alle viel zu vereinzelt. Elizabeth Strout erstellt ein Soziogram der amerikanischen Provinz, recht düster, aber niemals hoffnungslos. Denn: „Alles ist möglich“. Auch die Erfüllung der Sehnsucht, die die meisten der Menschen dort umtreibt, die Sehnsucht nach dem „Draußen“, dem Weg raus aus der Enge, der Beschränktheit, der Einsamkeit. Einer der Personen ist das gelungen. Elizabeth Strout LeserInnen ist sie aus dem letzten Roman „Die Unmöglichkeit der Liebe“ bekannt (Original: I am Lucy Barton), eben jene Lucy Barton, die nach New York gezogen ist und dort nun als sehr erfolgreiche Schriftstellerin lebt. Hier in „Alles ist möglich“ ist sie nur eine der vielen Charaktere. Sie besucht im Rahmen einer Lesung in Chicago nach siebzehn Jahren zum ersten Mal wieder ihre Heimat, ihren Bruder Pete und die Schwester Vicky, nachdem sie als junge Frau vor der schrecklichen Armut und Verrohung ihrer Familie floh. Die Mutter, die im letzten Roman eine tragende Rolle gespielt hat, ist mittlerweile gestorben. Schwester Vicky trägt immer noch einen immensen Groll gegen die kleine Schwester, den „Liebling“ der Mutter, der die Flucht und der gesellschaftliche Aufstieg gelang. Lucy wiederum verkraftet die Wiederbegegnung mit ihrer Vergangenheit gar nicht, sie erleidet eine Panikattacke. Andere in der Charaktere wiederum bewundern Lucy, so der Bruder Pete und auch die Lehrerin Patty. Deren Mann ist vor einer Weile gestorben, Lucys autobiografische Kindheitserinnerungen sind für sie eine Offenbarung. Seit langer Zeit fühlt sie sich zum ersten Mal wieder verstanden. Abel, ein entfernter Cousin von Lucy, trifft diese auf einer Lesung nach vielen Jahren wieder. Bei ihm endet das Buch, passend zur jetzigen Lesezeit, mit einer „Weihnachtsgeschichte“. Er besucht mit Tochter und Enkeln eine Aufführung des Dickens-Klassikers. Da die kleine Enkelin ihr geliebtes Plasikpony dort vergessen hat, fährt er lang nach Aufführungsende noch einmal ins Theater zurück und begegnet dort „Scrooge“. Eine merkwürdige und schicksalhafte Begegnung. Dies sind nur wenige der Personen, die „Alles ist möglich“ bevölkern. Sie alle sind Meister der Verdrängung unliebsamer Erinnerungen, Meister des Weitermachens. Alle biegen sich ihr Leben ein wenig zurecht. Ihre Erinnerungen sind immer unzuverlässig. Elizabeth Strout erzählt stilistisch brillant, sachlich, aber immer mit einer großen menschlichen Wärme. Sie schont ihre Figuren nie, stellt sie aber auch niemalsfür mich bloß. Ihre Romane sind mit das Wunderbarste, was amerikanische Literatur zu bieten hat, allen voran „Mit Blick aufs Meer“, für den sie 2009 den Pulitzer Prize erhalten hat, und „Das Leben, natürlich“ (2013). „Alles ist möglich“ ist zersplitterter, die vielen Charaktere und ihre Geschichten sind unübersichtlicher, aber dadurch nicht weniger erhellend und berührend. Wie eine Kritikerin schrieb: „Es ist ein Strauß von Geschichten über Menschen. Man kann sie sich auch nicht gut merken, aber man fühlt sich nach der Lektüre doch tatsächlich wie Patty, Lucy Bartons Buch lesend: irgendwie im Innersten verstanden.“

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