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Fjodor M. Dostojewski

Aufzeichnungen aus dem Untergrund

Roman

(5)
Hardcover
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Die Abrechnung eines Zukurzgekommenen – Urbild aller Wutbürger, Menschen- und Weltverächter

Ein ehemaliger Beamter sitzt verbittert in seiner Kellerwohnung am Stadtrand von St. Petersburg und klagt die Welt an. Obwohl erst in den Vierzigern, hat er seinen Dienst quittiert und lebt von einer kleinen Erbschaft mehr schlecht als recht. Was seinen Furor erregt, ist der »moderne Mensch« und die von diesem geprägte Gesellschaft. Mit hemmungsloser Offenheit berichtet er auch über seine eigenen Erfahrungen des Scheiterns, von Entfremdungen und Missverständnissen. Je weiter er sich in seine Generalabrechnung hineinsteigert, desto unerbittlicher wird er gegen sich selbst.

Dostojewskis meisterliche psychologische Studie besticht durch die Suggestivkraft einer durch und durch radikalen Selbst- und Weltbeschreibung. Pünktlich zum 200. Geburtstag des Autors am 11.11.2021 erscheint dieses große kleine Werk in Neuübersetzung durch Ursula Keller.

»Eine Abrechnung, die sich gewaschen hat, flächendeckend, allzeit aktuell, obwohl sie im Original schon 1865 veröffentlicht wurde.«


ORIGINALAUSGABE
Aus dem Russischen von Ursula Keller
Originaltitel: Zapiski iz podpolʹja
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 9,0 x 15,0 cm
ISBN: 978-3-7175-2536-3
Erschienen am  27. September 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Von Wut und Scham

Von: Jana Jordan

27.01.2022

Dostojewskis Kurzroman „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ erschien 1864 in der Zeitschrift „Epoche“, deren Herausgeber er gemeinsam mit seinem Bruder Michail war. Der Erzähler ist ehemaliger Beamter, der nach einer kleinen Erbschaft den Dienst quittiert und sich in seine Wohnung zurückgezogen hat. Er ist ein Außenseiter, hat keine Freunde und verabscheut seine Nachbarn. Verbittert, voller Rachsucht und Neid gegenüber den Menschen und in allen Punkten unzufrieden mit sich selbst, ist es ihm doch das größte Vergnügen, über seine Person zu schreiben. Er hält sich selbst für klug, für klüger als die meisten anderen und er beschreibt seine Klugheit als Fluch, weil sie ihn dazu verleitet, sich die Beweggründe seiner Handlungen vor Augen zu führen und zu erkennen, dass er genaugenommen nur aus Egoismus handelt. Der Roman besteht aus zwei Teilen. Im ersten, eher essayistischen Teil lässt Dostojewski den namenlosen Erzähler seine Haltung zur Gesellschaft darlegen. Er hält sich bewusst abseits, zieht eine klare Trennung zwischen sich und den anderen und klagt über die Selbstzufriedenheit der „Menschen der Tat“, deren Dummheit jeden Zweifel an sich selbst verhindert. Er zieht dabei den Bogen zu Zeitgeschehen und neuen Ideen. Der Erzähler wendet sich an imaginäre Gesprächspartner, die er mit „meine Herrschaften“ anspricht und diskutiert mit ihnen über das Wesen des Menschen, über Möglichkeiten, Menschen durch Bildung umzuerziehen und über die Definition von Vorteil und freiem Willen. Er vertritt die Meinung, dass Menschen zwanghaft wider die Vernunft handeln, um sich zu beweisen, dass sie es können. Ganz gleich, ob sie damit sich selbst schaden. Im zweiten Teil unternimmt er den Versuch, über sein Handeln und die zugrunde liegenden Motive zu berichten und dabei in jedem Punkt bei der Wahrheit zu bleiben. Zugleich kann die Darstellung der Ereignisse auch als Beleg für die vorher aufgeworfenen Theorien beziehungsweise Meinungen gelten. Der Erzähler beschreibt eigene Erlebnisse aus Schulzeit und Arbeitsleben und die folgenschwere Begegnung mit ehemaligen Schulkameraden, bei der ihn Fehlentscheidungen und rüdes Verhalten immer tiefer in die Misere treiben. Damit belegt er, dass selbst ein gebildeter Mensch, welcher das „Schöne und Erhabene“ zu erkennen und wertzuschätzen in der Lage ist, nicht zwangsläufig vernünftig oder edel handelt. Dem Roman ist ein umfangreiches Glossar beigefügt, in dem die vielen zeitgeschichtlichen und literarischen Bezüge, die der Text enthält, ausführlich erklärt werden. Zudem gibt es ein Nachwort der Übersetzerin, welches für das tiefere Verständnis des Werkes von Nutzen ist. Dostojewski arbeitet mit Anspielungen, die dem heutigen Leser schwerlich etwas sagen dürften. Ich lerne unter anderem, dass sich die Diskussion über freien Willen, Vernunft und Bildung auf das sozialutopische Buch „Was tun“, geschrieben von Nikolai Tschernyschewski und erschienen im Jahre 1863, bezieht. Aber auch, dass es in Petersburg in den 1860er Jahren mehrere Zahnärzte mit dem Namen Wagenheim gab. Besondere Erwähnung verdient die hochwertige Ausführung des Buches. Von Umschlaggestaltung über Schrift bis zum Papier ist dem Manesse Verlag ein echter Hingucker gelungen.

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...keine leichte Kost aber sehr sehr interessant!

Von: Gedankenlabor

15.11.2021

>>Ich vermochte nicht nur nicht bösartig, sondern auch sonst nichts zu sein: nicht böse noch gut, nicht Mistkerl noch Ehrenmann, nicht Held noch Insekt. Und nun friste ich mein Leben in meinem einsamen Winkel und verhöhne mich selbst,...<< „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ von Fjodor M. Dostojewski ist anlässlich des 200. Geburtstags am 11.11.2021 eine Neuübersetzung durch Ursula Keller, erschienen im Manesse Verlag. Zuerst einmal muss man sagen, dass dieses neue Gewand wirklich gelungen ist und für mich einen Teil der Stimmung dieser besonderen 'Aufzeichnung' gut einfängt! Insgesamt finde ich, beweist der Manesse Verlag bei der Gestaltung der neu aufgelegten Klassiker ein sehr gutes und geschmackvolles Händchen, wie ich finde. Auch die Übersetzungen empfand ich bisher als wirklich gut und vor allem immer mit den nötigen Erklärungen und Nachweisen etc. zum Verständnis. Nun kommen wir aber zu Dostojewski's Werk... und hier maße ich mir nicht an eine Kritik, geschweige denn eine fachlich fundierte Analyse oder Dergleichen zu schreiben, da ich dafür gar nicht den nötigen fachlichen Backround habe. Viel mehr möchte ich auch hier auf mein Lesegefühl eingehen. Innerhalb eines Monologs lässt der Ich-Erzähler uns hier sehr an seinen Gedanken teilhaben, diese zeugen nach meinem Empfinden von größtem Groll gegen Menschen und nicht zuletzt auch gegen sich selbst. Gleich zu Beginn setzte sich für mich eine melancholische aber auch sehr aggressive, mitunter von Ironie behaftete freche und negative Grundstimmung ein, die sich beim lesen durch das ganze Werk zog und mich dieses Buch hat wirklich nur in Häppchen lesen lassen können. Denn diese Negativität schlug auf mich als Leser über und es viel mir mitunter auch ein bisschen schwer mich von den Gedanken, die damit einher gingen loszureißen. Letztlich übt der Ich-Erzähler hier nicht nur Kritik an sich selbst und anderen Menschen gegenüber, er benennt letztlich eben auch die Fehler im System und was daraus resultiert. Er greift alte Muster auf und zeigt, dass der Mensch aus seinen Fehlern letztlich nicht lernt, sondern diese wieder und wieder macht. Man schaut in den Spiegel und sitzt gleichzeitig in einem dunklen Loch, so hat es sich für mich beim Lesen mitunter angefühlt. Letztlich war „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ eine echte Herausforderung, die ich ganz sicher nicht in Gänze aufnehmen konnte, dafür braucht es nach meinem Empfinden noch ganz ganz viele Blickwinkel mehr auf die Erzählung und auch vom Verständnis wesentlich mehr Hintergrundwissen. Aber mich hat dieses Buch sehr neugierig gemacht, wer Dostojewski ist, wie er gelebt hat, was sein Leben geprägt hat, mit welchen Menschen er sich umgeben hat und vor allem was vielleicht Auslöser, Ereignisse waren, die ihn haben solch eine innere Dunkelheit schreiben lassen. Und nach ein bisschen mehr Hintergrund zum Autor selber, gelingt mir dann vielleicht auch ein weiterer etwas veränderter oder erweiterter Blick auf sein Werk.

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Vita

Fjodor M. Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821–1881) war das zweite von acht Kindern einer verarmten Adelsfamilie aus Moskau. Vier Jahre Zwangsarbeit wegen revolutionärer Umtriebe prägten sein Leben ebenso wie seine Spielleidenschaft und daraus resultierende Geldsorgen. Neben neun Romanen verfasste Dostojewski ab 1846 zahlreiche Erzählungen, Novellen und Essays.

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Pressestimmen

»Es ist auf jeden Fall dieses psychologische Feingefühl, diese logisch erscheinende Abkehr von der Welt, die der Autor so nachvollziehbar erschreibt.«

»Dieser gnadenlose Querdenker aus der Verwaltung führt uns weit auf die Gipfel seiner Verzweiflung, die eine weitestgehend selbstgemachte scheint, aber lesen sie selbst und erfreuen sie sich an der wohlfeilen Neuübersetzung und der buchgestalterischen Schönheit des Bandes.«

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