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Rezensionen zu
Aufzeichnungen aus dem Untergrund

Fjodor M. Dostojewski

Manesse Bibliothek (25)

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€ 25,00 [D] inkl. MwSt. | € 25,70 [A] | CHF 35,90* (* empf. VK-Preis)

Dostojewskis Kurzroman „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ erschien 1864 in der Zeitschrift „Epoche“, deren Herausgeber er gemeinsam mit seinem Bruder Michail war. Der Erzähler ist ehemaliger Beamter, der nach einer kleinen Erbschaft den Dienst quittiert und sich in seine Wohnung zurückgezogen hat. Er ist ein Außenseiter, hat keine Freunde und verabscheut seine Nachbarn. Verbittert, voller Rachsucht und Neid gegenüber den Menschen und in allen Punkten unzufrieden mit sich selbst, ist es ihm doch das größte Vergnügen, über seine Person zu schreiben. Er hält sich selbst für klug, für klüger als die meisten anderen und er beschreibt seine Klugheit als Fluch, weil sie ihn dazu verleitet, sich die Beweggründe seiner Handlungen vor Augen zu führen und zu erkennen, dass er genaugenommen nur aus Egoismus handelt. Der Roman besteht aus zwei Teilen. Im ersten, eher essayistischen Teil lässt Dostojewski den namenlosen Erzähler seine Haltung zur Gesellschaft darlegen. Er hält sich bewusst abseits, zieht eine klare Trennung zwischen sich und den anderen und klagt über die Selbstzufriedenheit der „Menschen der Tat“, deren Dummheit jeden Zweifel an sich selbst verhindert. Er zieht dabei den Bogen zu Zeitgeschehen und neuen Ideen. Der Erzähler wendet sich an imaginäre Gesprächspartner, die er mit „meine Herrschaften“ anspricht und diskutiert mit ihnen über das Wesen des Menschen, über Möglichkeiten, Menschen durch Bildung umzuerziehen und über die Definition von Vorteil und freiem Willen. Er vertritt die Meinung, dass Menschen zwanghaft wider die Vernunft handeln, um sich zu beweisen, dass sie es können. Ganz gleich, ob sie damit sich selbst schaden. Im zweiten Teil unternimmt er den Versuch, über sein Handeln und die zugrunde liegenden Motive zu berichten und dabei in jedem Punkt bei der Wahrheit zu bleiben. Zugleich kann die Darstellung der Ereignisse auch als Beleg für die vorher aufgeworfenen Theorien beziehungsweise Meinungen gelten. Der Erzähler beschreibt eigene Erlebnisse aus Schulzeit und Arbeitsleben und die folgenschwere Begegnung mit ehemaligen Schulkameraden, bei der ihn Fehlentscheidungen und rüdes Verhalten immer tiefer in die Misere treiben. Damit belegt er, dass selbst ein gebildeter Mensch, welcher das „Schöne und Erhabene“ zu erkennen und wertzuschätzen in der Lage ist, nicht zwangsläufig vernünftig oder edel handelt. Dem Roman ist ein umfangreiches Glossar beigefügt, in dem die vielen zeitgeschichtlichen und literarischen Bezüge, die der Text enthält, ausführlich erklärt werden. Zudem gibt es ein Nachwort der Übersetzerin, welches für das tiefere Verständnis des Werkes von Nutzen ist. Dostojewski arbeitet mit Anspielungen, die dem heutigen Leser schwerlich etwas sagen dürften. Ich lerne unter anderem, dass sich die Diskussion über freien Willen, Vernunft und Bildung auf das sozialutopische Buch „Was tun“, geschrieben von Nikolai Tschernyschewski und erschienen im Jahre 1863, bezieht. Aber auch, dass es in Petersburg in den 1860er Jahren mehrere Zahnärzte mit dem Namen Wagenheim gab. Besondere Erwähnung verdient die hochwertige Ausführung des Buches. Von Umschlaggestaltung über Schrift bis zum Papier ist dem Manesse Verlag ein echter Hingucker gelungen.

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>>Ich vermochte nicht nur nicht bösartig, sondern auch sonst nichts zu sein: nicht böse noch gut, nicht Mistkerl noch Ehrenmann, nicht Held noch Insekt. Und nun friste ich mein Leben in meinem einsamen Winkel und verhöhne mich selbst,...<< „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ von Fjodor M. Dostojewski ist anlässlich des 200. Geburtstags am 11.11.2021 eine Neuübersetzung durch Ursula Keller, erschienen im Manesse Verlag. Zuerst einmal muss man sagen, dass dieses neue Gewand wirklich gelungen ist und für mich einen Teil der Stimmung dieser besonderen 'Aufzeichnung' gut einfängt! Insgesamt finde ich, beweist der Manesse Verlag bei der Gestaltung der neu aufgelegten Klassiker ein sehr gutes und geschmackvolles Händchen, wie ich finde. Auch die Übersetzungen empfand ich bisher als wirklich gut und vor allem immer mit den nötigen Erklärungen und Nachweisen etc. zum Verständnis. Nun kommen wir aber zu Dostojewski's Werk... und hier maße ich mir nicht an eine Kritik, geschweige denn eine fachlich fundierte Analyse oder Dergleichen zu schreiben, da ich dafür gar nicht den nötigen fachlichen Backround habe. Viel mehr möchte ich auch hier auf mein Lesegefühl eingehen. Innerhalb eines Monologs lässt der Ich-Erzähler uns hier sehr an seinen Gedanken teilhaben, diese zeugen nach meinem Empfinden von größtem Groll gegen Menschen und nicht zuletzt auch gegen sich selbst. Gleich zu Beginn setzte sich für mich eine melancholische aber auch sehr aggressive, mitunter von Ironie behaftete freche und negative Grundstimmung ein, die sich beim lesen durch das ganze Werk zog und mich dieses Buch hat wirklich nur in Häppchen lesen lassen können. Denn diese Negativität schlug auf mich als Leser über und es viel mir mitunter auch ein bisschen schwer mich von den Gedanken, die damit einher gingen loszureißen. Letztlich übt der Ich-Erzähler hier nicht nur Kritik an sich selbst und anderen Menschen gegenüber, er benennt letztlich eben auch die Fehler im System und was daraus resultiert. Er greift alte Muster auf und zeigt, dass der Mensch aus seinen Fehlern letztlich nicht lernt, sondern diese wieder und wieder macht. Man schaut in den Spiegel und sitzt gleichzeitig in einem dunklen Loch, so hat es sich für mich beim Lesen mitunter angefühlt. Letztlich war „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ eine echte Herausforderung, die ich ganz sicher nicht in Gänze aufnehmen konnte, dafür braucht es nach meinem Empfinden noch ganz ganz viele Blickwinkel mehr auf die Erzählung und auch vom Verständnis wesentlich mehr Hintergrundwissen. Aber mich hat dieses Buch sehr neugierig gemacht, wer Dostojewski ist, wie er gelebt hat, was sein Leben geprägt hat, mit welchen Menschen er sich umgeben hat und vor allem was vielleicht Auslöser, Ereignisse waren, die ihn haben solch eine innere Dunkelheit schreiben lassen. Und nach ein bisschen mehr Hintergrund zum Autor selber, gelingt mir dann vielleicht auch ein weiterer etwas veränderter oder erweiterter Blick auf sein Werk.

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Aufzeichnungen aus dem Untergrund – Fjodor M. Dostojewski (Rezensionsexemplar) (Manesse Bibliothek, Band 25) Buddyread mit Lisa @gedankenlabor „Die Abrechnung eines Zukurzgekommenen – Urbild aller Wutbürger, Menschen- und Weltverächter Ein ehemaliger Beamter sitzt verbittert in seiner Kellerwohnung am Stadtrand von St. Petersburg und klagt die Welt an.“ „Ich bin ein kranker Mensch..Ich bin ein zorniger Mensch. Ein hässlicher Mensch bin ich.“ (Seite 9) Gleich vorneweg, für mich und sicher auch für Lisa war dieses Buch eine echte Herausforderung. Da wir beide auch eine Biographie über Dostojewski im Regal stehen haben, wollen wir diese nun zeitnah lesen um dieses Buch besser verstehen zu können. Dies ist auch mein Rat an all jene die sich ohne Vorwissen an dieses Buch wagen wollen, ich glaube, ich habe mir noch nie so viele Notizen zu einem Buch gemacht wie hier. Von mir aber auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung. Ich denke dies ist eines jener Bücher die man einmal im Leben lesen sollte. Die wunderschöne Manesse - Ausgabe wird durch zahlreiche Anmerkungen und durch das hervorragende Nachwort der Übersetzerin Ursula Keller ergänzt, die schreibt, dass die „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ den Auftakt zu Dostojewskis Hauptwerk bilden. In ihrem Nachwort greift sie die Lebensgeschichte Dostojewskis auf und erläutert uns die Bedeutung von Aufzeichnungen aus dem Untergrund. Ein großes Danke an sie an dieser Stelle. 🙏🙏🙏 Dostoljewskis Leben war geprägt von vielen Hochs aber noch mehr von vielen Tiefs. Ursula Keller sagt : „Dostoljewski‘s Untergrundmensch streitet sich mit seinen imaginären Lesern oder Zuhörern, an die er sich wendet (..) >>Die menschliche Natur sei nicht rational, der freie Wille des Menschen nicht vernünftig, und das menschliche Handeln sei nicht notwendigerweise nutzbringend für Individuum und Gesellschaft, sondern beinhalte stets auch die Möglichkeit, sich selbst und anderen durch seine Taten zu schaden<< …“

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Klassiker der Weltliteratur

Von: meine.literaturliebe

22.10.2021

"Aufzeichnungen aus dem Untergrund" (Erstveröffentlichung 1864) in der Übersetzung von Ursula Keller. Der namenlose männliche Ich-Erzähler präsentiert in einem Monolog die Gedanken eines Außenseiters. Der ehemalige Beamte lebt alleingezogen in einer Kellerwohnung. Er rechnet gnadenlos mit der Gesellschaft und seinen Erfahrungen ab. Der Mensch sei nicht rational, der freie Wille nicht vernünftig. Er berichtet von seiner Beziehung zu einer Prostituierten. Offenbart Scham und Wut, dramatisch und wehleidig. Ein Szenario, das oft in Dostojewskis Werken zu finden ist. Nach Dostojewskis Tod fanden u.a. Friedrich Nietzsche und Franz Kafka große Bewunderung an dem Werk. Tatsächlich habe ich auch einige Szenen in Kafkas "Die Verwandlung" erkannt. In gesellschaftlicher Hinsicht hat der Kurzroman keinesfalls an Aktualität verloren. Ein Meisterwerk der Weltliteratur, das es verdient hat gelesen zu werden.

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„Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ - 1864 erstmals veröffentlicht, ist die Abrechnung eines Zukurzgekommenen. Urbild aller Wutbürger, Menschen- und Weltverächter. Ein ehemaliger Beamter sitzt verbittert in seiner Wohnung am Stadtrand von St. Petersburg und klagt die Welt an. Obwohl erst 40 Jahre alt, hat er seinen Dienst quittiert und lebt von einer kleinen Erbschaft mehr schlecht als recht. Im Teil I ‚Untergrund‘ stellt der Ich-Erzähler sich selbst vor, erregt sich über die Gesellschaft, berichtet über sein Scheitern – und geht mit dem Leser regelrecht ins Gespräch. Zum Beispiel: "Schauen Sie doch besser bei sich selbst, meine Herrschaften, dann werden Sie einsehen, dass es sich so verhält." (S. 37) Immer mehr redet sich der Erzähler in Rage – eine Abrechnung mit sich und der Welt – eben der klassische Wutbürger. Im Teil II „Angelegentlich nassen Schnees“ erzählt die Person über einige Begebenheiten ihres Lebens, wie es der Autor Dostojewski einleitend beschreibt, und geht gut 20 Jahre zurück. Der Ich-Erzähler nennt es Aufzeichnungen ‚des Liebhabers Paradoxa‘. Seinen Leser gibt er abschließend noch einige Weisheiten auf dem Weg. (S. 262) Dostojewski schafft es in wenigen Seiten auf das wesentliche konzentriert ein Abbild eines Menschen- und Weltverächters zu skizzieren. Jemand, den es in jeder Gesellschaft gibt. Nicht als Einzelgänger, sondern überall in jeder sozialen Schicht, ob Beamter, Arbeitsloser oder Studierter. Eine psychologische Studie radikal, emotional aufwühlend. Ein Nachwort gibt dem Leser einen umfassenden Einblick in das Leben des Autors Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Die Übersetzerin Ursula Keller gibt in ihrer „Editorischen Notiz“ einen interessanten Hinweis zum Titel. Oft als Aufzeichnungen aus der Kellerwohnung oder Souterrain-Wohnung übersetzt, scheint „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ für Ursula Keller treffender. So heißt es an einer Stelle im Text, dass der Ich-Erzähler die Tür öffnet und Schritte auf den unteren Stufen vernimmt und hört, wie die Haustür geöffnet und dumpf wieder zu fällt. „Dieses Geräusch stieg das Treppenhaus herauf.“ (S. 257). Ein spannendes kleines Werk, dass aktueller den je ist und verdient gelesen zu werden.

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