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Joel F. Harrington

Meister Eckhart

Der Mönch, der die Kirche herausforderte und seinen eigenen Weg zu Gott fand

(1)
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Die große Biographie des berühmten deutschen Mystikers

Er ist der Ahnherr der Selbsthilfephilosophie, der Guru der New Age-Bewegung, die Millionen von Anhängern hat: Meister Eckhart, Dominikaner, Mystiker und Philosoph. Doch wer war der Mann hinter den Lehren, die nach sieben Jahrhunderten noch Menschen begeistern? Wie sind seine Ideen entstanden? Der Mönch aus Thüringen zeigte damals, dass nur der persönliche Weg zu Gott zum Seelenheil führt und predigte, dass diese spirituelle Erfahrung allen möglich war, die die innere Haltung des Loslassens („Gelâzenheit“) einnahmen. Dieses verblüffend moderne Denken brachte den Mönch Eckhart in Konflikt mit der Kirche, die sich von der Sprengkraft seiner Ideen herausgefordert fühlte. Der Historiker Joel F. Harrington hat sich auf die Spuren des bedeutenden Mystikers begeben und lässt in seiner Biographie eine der faszinierendsten Figuren des Mittelalters auferstehen.

»Eine gelungene intellektuelle Biografie, die gleichzeitig ein breites Publikum in die Umbruchzeit des Spätmittelalters ein- und entführt.«

Münchner Feuilleton (10. June 2021)

Originaltitel: Dangerous Mystic: Meister Eckhart's Path to the God Within
Originalverlag: Penguin Press
eBook epub (epub), 32 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-641-21103-5
Erschienen am  26. April 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

profunde Biographie und Bildnis einer Zeit

Von: Monika Caparelli-Hippert

19.09.2021

Meister Eckhart wird oftmals als der Ahnherr aller Selbsthilfephilosophie genannt, als mittelalterlicher Mystiker, der seiner Zeit weit voraus war. Wer sich jemals ernsthaft mit Meditation beschäftigt hat, der stösst auch immer wieder auf diesen Namen: Meister Eckhardt, der viele Dinge schon vorweg genommen hat. Bei ihm hiess die Meditation noch Kontemplation und war im christlichen Glauben eingebettet, aber vieles in seinem Denken kommt dem zeitgenössischem spirituellem Aspiranten sehr modern vor. Meister Eckhart war überzeugt, dass spirituelle Erfahrung jedermann zugänglich sei, und es vor allem auf die innere Haltung ankommt – das Loslassen, die innere Gelassenheit sind wichtig. Kommt einem bekannt vor, oder? Als Yogalehrerin bekomme ich immer wieder aus den verschiedensten Richtungen häppchenweise „Meister-Eckhart-Weisheiten“ präsentiert, und da kam mir jetzt diese neue Biographie recht – ich wollte endlich wissen, wer dieser Mystiker eigentlich war. Momentan gibt es auch gerade gefühlt wieder einen „Meister-Eckhart-Hype“; auf Youtube wird er zahlreich diskutiert und es wird mit ihm meditiert, was das Zeug hält. Und nun hat der Historiker Joel F. Harrington eine umfassende (538 Seiten!) Biographie des Dominikanermönches vorgelegt, die zum einen sehr, sehr gut und flüssig lesbar ist, zum anderen sehr wissenschaftlich fundiert ist und uns den Menschen Eckhart nahe bringt. Ich sag‘s vorweg, das Werk ist mMn rundum gelungen. Für alle, die noch nie etwas von Meister Eckhart gehört haben: Er wurde etwa 1260 geboren in Hambach als erster Sohn eines thüringischen Landadligem, dem Ritter Eckehart von Hochheim, dessen Namen er weiterführen sollte. Gestorben ist er 1328 in Avignon. Mit etwa 15 Jahren trat er als Novize in den Erfurter Dominikanerorden ein, nahm seine Studien auf, wurde einflussreicher Prediger, trat für eine konsequent spirituelle Lebensweise ein, und entfernte sich damit ziemlich vom krichlichem Dogma. Das wurde ihm irgendwann zum Verhängnis, und es wurde ein Inquisitionsprozess gegen ihn in Avignon eingeleitet – allerdings verstarb Meister Eckhart noch vor dem Ende des Prozesses. Nichtsdestotrotz wurde er als Häretiker eingestuft, viele seiner Lehren wurden von der Kirche als Irrlehren eingestuft und verboten, was aber nicht verhindern konnte, dass er unglaublichen Einfluss auf die Spiritualität im spätmittelalterlichem deutschen und niederländischem Raum hatte. Der Autor zeichnet hier nicht nur das Leben von Eckhart nach, sondern schafft es, dem Leser einen Rundum-Einblick in das Leben des 13. Jahrhunderts zu geben. Er berichtet bildlich über die damaligen Lebensbedingungen und Glaubenssätze der Menschen, und bettet so das Leben des Meisters ein in ein grosses Ganzes. Das hier ist nicht nur eine simple Biographie, sondern auch ein Bild der damaligen Zeit. Die übrigens erstaunlich modern war. Das 13. Jahrhundert hat durchaus einige Parallelen zu heute: die Wirtschaft befand sich im Umbruch, da das Geld sich nun komplett durchsetzte und der Kapitalismus begann. Das fand ich ganz spannend: Meister Eckhart teilte viele der für sein Zeitalter typischen Sorgen über die Allgegenwärtigkeit einer Verbrauchermentalität, insbesondere unter den Führern der Kirche. Wer hätte das gedacht? Meister Eckhart hat sein Publikum verzaubert mit seiner Redekunst und seiner Bildung, die er aber auch dem einfachsten Zuhörer vermitteln konnte. Er muss wohl überdies ein sehr einnehmendes Wesen gehabt haben, und war überaus beliebt. Ich will jetzt hier gar nicht auf den Inhalt der Lehren eingehen – das tut der Autor, und das kann man auch ansonsten überall nachlesen. Wer aber wissen will, wer dieser fromme Mystiker war, dem lege ich dieses Buch wirklich ans Herz. Für ein Sachbuch ist es wirklich erstaunlich flott lesbar; und trotzdem habe ich nicht das Gefühl gehabt, dass man populärwissenschaftlich „abgespeist“ wird. Es gibt ein reichhaltiges Glossar und Literaturverzeichnis, und sehr viele wissenschaftliche Quellenangaben. Herzlichen Dank an das Bloggerportal vom Randomhouse für diese extrem gut geschriebene Biographie!!

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Vita

Joel F. Harrington ist Professor für Europäische Geschichte an der Vanderbilt University. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Sozialgeschichte, vor allem zur Zeit der Reformation und der Frühen Neuzeit in Deutschland. Für seine Forschung hat er zahlreiche Förderungen erhalten, darunter von der Fulbright-Hayes Foundation und der John Simon Guggenheim Foundation. Harrington hat in Nordamerika und Europa gelehrt und war u.a. Fellow der American Academy in Berlin sowie Gastprofessor in Cambridge und an der Universität Erlangen-Nürnberg. Harrington ist Autor zahlreicher Publikationen darunter The Unwanted Child (2009), ein preisgekröntes Buch über Findelkinder, Waisen und jugendliche Kriminelle in der frühen Neuzeit. 2014 erschien Die Ehre des Scharfrichters. Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert.

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Norbert Juraschitz

Norbert Juraschitz, geboren 1963 in Bergenweiler, hat in Tübingen und Wien Osteuropäische Geschichte und Slawistik studiert. Er lebt in Tübingen und übersetzt historische und politische Sachbücher aus dem Englischen und Russischen, u. a. von Christopher Clark, Henry Kissinger, Kristina Spohr, Jung Chang und Ai Weiwei.

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