Die Ehre des Scharfrichters

Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert

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Taschenbuch
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Unter Mördern, Dieben, Dirnen: Schuld und Sühne in der frühen Neuzeit

Frantz Schmidt tötete fast 400 Menschen, unzählige weitere hat er gefoltert oder verstümmelt Und doch war er am Ende seines Lebens ein angesehener Mann. Ungewöhnlich ist nicht nur der Lebensweg des Meister Frantz, der im 16 Jahrhundert in Nürnberg als Henker arbeitete, sondern auch, dass er Tagebuch schrieb. Der Historiker Joel Harrington hat dieses einmalige Zeugnis nun erstmals umfassend ausgewertet und gibt in seinem packenden Buch seltene Einblicke in das Leben, Denken und Fühlen der Menschen zu Beginn der Neuzeit


Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz
Originaltitel: The Faithful Executioner. Life and Death, Honour and Shame in the Turbulent Sixteenth Century
Originalverlag: Farrar, Straus and Giroux
Taschenbuch, Broschur, 416 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
Mit Abbildungen
ISBN: 978-3-442-74973-7
Erschienen am  13. Juli 2015
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Der Scharfrichter

Von: noras_bookishfeature

18.09.2020

„Der Scharfrichter“ von Joel F. Harrington „Ein Henkersleben im Nürnberg des 16. Jahrhunderts“ Klappentext/Inhaltsangabe: Frantz Schmidt tötete fast 400 Menschen und hat unzählige weitere grausam gefoltert oder verstümmelt. Am Ende seines Lebens hatte der Nürnberger Henker über 700 Menschen Leid zugefügt. Der Historiker Joel F. Harrington hat nun erstmals dessen historisches Tagebuch aus dem 16. Jahrhundert ausgewertet. Dabei erhielt er seltene Einblicke in die Berufspraxis und den Alltag dieses Mannes, der neben seiner Rolle als gefürchteter Scharfrichter zugleich als Wundarzt tätig war. Eigene Meinung: Der Klappentext bzw. die kurze Inhaltsangabe werden dem Leben des Scharfrichters Frantz Schmidt bei weitem nicht gerecht, bzw. lässt den Eindruck eines grausamen und bösartigen Peinigers vermuten. Doch weit gefehlt, denn Harringtons gut ausgearbeitete Recherche zeigt einen Menschen mit Gefühlen und Gewissen, dem durchaus etwas am Seelenheil seiner „Klienten“ lag. Aber dazu später mehr. Harrington beginnt seine Ausführungen zunächst mit einer allumfassenden Erklärung im Vorwort, wie man dieses Buch verständlich liest und räumt mit einigen Begrifflichkeiten, die im Verlauf des Buches des Öfteren vorkommen, zum leichteren Verständnis auf. Allerdings hat das den Autor nicht davon abgehalten seinen gesamten Bericht mit unzähligen Textpassagen in altdeutscher Schrift- und Mundart zu versehen. Dieser Aspekt beeinträchtigt den Lesefluss enorm, denn nicht immer habe ich den Sinn des altdeutschen Textes in Gänze verstanden bzw. in verständliches Deutsch übersetzen können. Mitunter hatte ich davon einen regelrechten Knoten in Hirn und Zunge. Ab Mitte des Buches habe ich dann weitestgehend meinen Enthusiasmus für diese Textzeilen verloren und sie teilweise ganz übersprungen. Dies ist durchaus möglich, ohne den Zusammenhang zu verlieren. Harrington geht in Frantz Schmidts Leben chronologisch vor, beginnend mit seinen Kinder- und Jugendtagen im elterlichen Haus und bindet den Vater, der ebenfalls der Tätigkeit eines Scharfrichters nachging, ein. Hierbei erfahren wir auch, wie die Familie Schmidt zum genannten Berufsstand kam und warum dieser Beruf, eher unfreiwilliger Natur, durch den Vater Heinrich und später auch vom eigenen Sohn Frantz ausgeübt werden musste. Denn Scharfrichter war zur damaligen Zeit bei weitem keine ehrbare Beschäftigung, sondern wurde eher verachtet und gefürchtet. Sie besaßen kein Bürgerrecht und wurden allgemeinhin von der Gesellschaft ausgegrenzt. Dies galt sowohl für den Henker als auch für seine gesamte Familie. Im weiteren Verlauf der Geschichte werden wir zur „Lehrzeit“ durch den Vater, der Wanderschaft nach seiner Ausbildung und der letztendlichen Endverwendung als amtlicher Scharfrichter in Nürnberg unterrichtet. Joel F. Harrington hat trotz weniger überlieferter Fakten eine ausgesprochen interessante und umfassende Lebensgeschichte zum Scharfrichter Schmidt zusammenfassen können. Dies erforderte sicherlich jahrelanges Suchen winzigster Schnipsel aus zahlreichen Antiquariaten und Museen, die einer Schnitzeljagd gleichkommt. Der Autor distanziert sich aber auch klar davon, etwas hinzuzudichten, sondern stellt stattdessen höchstens Vermutungen über die Gefühle und Beweggründe Schmidts an. Was diesen Scharfrichter so überaus interessant und faszinierend macht, ist die Art und Weise seiner ganz persönlichen Lebensführung und seiner Prinzipien zum Richten der verurteilten Täter. Zu seiner Lebensführung sei gesagt, dass Schmidt während seiner gesamten Amtszeit ein frommer und ehrlicher Mann gewesen sei, der nie einen Tropfen Alkohol getrunken hat, sich nicht im Glücksspiel verlor und sich auch sonst nichts zu Schulden kommen lassen hat. Für die damalige Zeit für einen Henker nicht allzu üblich. Selbst bei der Vollstreckung agierte „Meister Frantz“ ,wie er im Volksmund genannt wurde, anders als andere Henker. In seinen Berichten bezieht er bewusst soziale Faktoren wie Erziehung, Bildung und Milieu des jeweiligen Sträflings mit ein um gewisse Taten nachvollziehen zu können oder einige Strafen sogar abmildern oder abändern zu können. Auf der anderen Seite hatte er aber auch kein Erbarmen bei besonders abscheulichen Vergehen und handelte nach dem Grundprinzip der Eigenverantwortung. „Alle diese Männer haben ihre Entscheidung getroffen, scheint Frantz zu sagen, und somit haben sie ihr Schicksal selbst verschuldet. Jeder Mensch ist zur Sünde verdammt; Gnade zu suchen oder zu erweisen ist eine Entscheidung." (Auszug S.270) Ebenfalls positiv hervorzuheben sind die zahlreichen Bilder und Kupferstiche zum Henkersleben oder sogar Frantz Schmidt selbst betreffend, sowie eine Landkarte seines Wirkungskreises und der Stadt Nürnberg, der er 40 Jahre treu diente. Fazit: Ich bin kein Historiker oder Geschichtsexperte. „Der Scharfrichter“ war sogar mein erstes Buch mit historischem Charakter, das Mittelalter betreffend. Aber ich empfand diese Lebensgeschichte durchweg interessant und spannend und es wurden mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

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Die Ehre des Scharfrichters

Von: Merendina

11.09.2016

Schon Titel, Klappentext und Buchcover haben mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht. Da ich historisch sehr interessiert bin, war ich schon sehr gespannt, wie der Historiker Joel F. Harrington über den unehrbaren, geächteten Beruf des Henkers schreiben würde, noch dazu interessierte ich mich sehr für die historischen Quellen um Meister Frantz. Das Buchcover passt meiner Meinung nach bestens zum Inhalt des Buches. Es ist doch eher schlicht gehalten, enthält aber nichts Reißerisches wie etwa Blut. Auf einem Holzboden liegt vor schwarzem Hintergrund ein Schwert, von dem man aber nur einen Teil, hauptsächlich den Griff, sieht. Das finde ich auch gut so, denn es geht hier ja auch um wahre Tatsachen, um einen sachlichen Bericht über eine historische Person und einen Berufsstand. Das Buch beginnt mit einem Vorwort, das einem auf den ersten Blick sehr lang erscheint, doch es ist auf jeden Fall ratsam und auch sehr interessant, dieses Vorwort zu lesen. Man erfährt darin über die Quellen und die Arbeitsweise des Historikers. Mich hat bereits das Vorwort regelrecht gefesselt und ich konnte das Buch kaum mehr aus den Händen legen. Die Informationen im Buch basieren auf echten Tagebuchaufzeichnungen des Henkers Meister Frantz. Aussagekräftige Bilder, etwa Ausschnitte aus Gemälden, unterbrechen den Lesefluss. So kann man dann gut innehalten und über das Gelesene und auch das Bild nachdenken. Das musste ich während des Lesens auch oft tun, denn das Buch macht schon oft sprachlos. Frantz Schmidt, der schon als Kind von seinem Vater langsam an den Henkersberuf herangeführt wurde, tötete in seiner Laufbahn fast 400 Menschen, viele andere wurden von ihm gefoltert. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht über das Buch verraten. Ich persönlich fand es etwas seltsam, dass ich die Schauplätze oft wiedererkannte, da ich Nürnberg, die Arbeitsstätte von Meister Frantz, gut kenne. Zu wissen, wo genau all diese schrecklichen Dinge im 16. Jahrhundert geschehen sind, lässt mich heute nach der Lektüre mit anderen Augen durch Nürnberg laufen. Ein sehr gut recherchiertes, informatives Buch, das mich beim Lesen sofort gefesselt hat. Sehr gut kommt auch zum Ausdruck, dass Scharfrichter zwar töteten und folterten, aber eben auch Menschen mit Gefühlen waren. Oft erbte man den Beruf des Henkers von seinem Vater und wurde mehr oder weniger in dieses Amt von Kindesbeinen an mit eingeführt. Ich gebe diesem Buch volle Punktzahl: fünf Sternchen.

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Vita

Joel F. Harrington ist Professor für Europäische Geschichte an der Vanderbilt University. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Sozialgeschichte, vor allem zur Zeit der Reformation und der Frühen Neuzeit in Deutschland. Für seine Forschung hat er zahlreiche Förderungen erhalten, darunter von der Fulbright-Hayes Foundation und der John Simon Guggenheim Foundation. Harrington hat in Nordamerika und Europa gelehrt und war u.a. Fellow der American Academy in Berlin sowie Gastprofessor in Cambridge und an der Universität Erlangen-Nürnberg. Harrington ist Autor zahlreicher Publikationen darunter The Unwanted Child (2009), ein preisgekröntes Buch über Findelkinder, Waisen und jugendliche Kriminelle in der frühen Neuzeit. 2014 erschien Die Ehre des Scharfrichters. Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert.

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