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Takis Würger

Stella

Roman

(9)
Taschenbuch
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Im Jahr 1942 kommt Friedrich, ein stiller junger Mann, vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in verbotene Jazzclubs, trinkt mit ihm Kognac, stillt seinen Hunger nach Erfahrungen. Sie beginnen eine Liebesbeziehung. Bei Kristin kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft sie an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: »Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.« Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Um ihre Familie zu retten, soll sie untergetauchte Juden denunzieren.
Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.


ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Originaltitel: Stella
Originalverlag: Hanser, Herbst 2018
Taschenbuch, Klappenbroschur, 240 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48881-0
Erschienen am  19. October 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Sehr interessantes Buch über eine Jüdin, die für die Gestapo untergetauchte Juden verriet

Von: 3lesendemaedels

02.03.2021

Als das Buch im Januar 2019 einen großen Hype auslöste, wollte ich es nicht lesen. Zu kontrovers erschienen mir die Meinungen hierzu. Deshalb ließ ich einige Zeit verstreichen, um mit Abstand darüber berichten zu können: Der junge naive Schweizer Adelssohn Friedrich reist 1942 nach Berlin, um Kunst zu studieren. Eine fremde Welt für ihn, der behütet aufwuchs, allerdings mit einer alkoholkranken Mutter und einem, dauernd auf Geschäftsreise, abwesenden Vater. Beim Aktmalkurs ist er fasziniert vom blonden Modell. Kristin führt ihn ein in geheime Jazz-Clubs und in die Liebe. Doch irgendwann gesteht sie ihm, dass sie in Wirklichkeit Stella heißt und Jüdin ist. Eine in Teilen wahre Geschichte, die mir gut gefallen hat. Stella Goldschlag war eine Jüdin mit arischem Aussehen, die im Dienst der Gestapo andere untergetauchte Juden verriet. Sie überlebte den Krieg, nahm sich aber 1994 das Leben.

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Fesselnd und berührend

Von: Petra Radtke

19.01.2021

Dieses Buch hat mich so beeindruckt, dass ich vom Lesen bis zur Rezension einige Tage brauchte, um meine Gefühle dazu zu ordnen. Die Schreibweise des Autors gefällt mir sehr gut, zieht sie doch den Leser in den Bann der damaligen Zeit und die Geschichte lässt einem beim Lesen spüren, wie kalt und unmenschlich diese Zeit war und wie sich die jungen Menschen nach Liebe und Geborgenheit gesehnt haben. Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen beschrieben. Sie verbindet echte Ereignisse und Personen mit fiktiven Romanfiguren und Geschehnissen. Am Anfang jedes Kapitels steht eine Zusammenfassung der aktuellen Nachrichten an dem jeweiligen in der Geschichte vorkommenden Tag und wird beendet mit Zeugenaussagen des Verrats von jüdischen Mitbürgern, die sich vor den Faschisten versteckt hielten, und deren Schicksal. Eine der Hauptpersonen ist der 19jährige Schweizer Friedrich, aus reichem Elternhaus, der aber immer auf der Suche nach elterlicher Liebe ist und sich selbst als schwachen Menschen sieht. 1943 mitten im 2. Weltkrieg beschließt er nach Berlin zu fahren. Er hat davon gehört, dass dort Juden in Möbelwagen in Lager abtransportiert werden, kann es aber nicht glauben. Auch möchte er an einer Kunstschule ein Studium beginnen, trotz seiner Farbenblindheit. So mietet er in in einem Luxushotel in Berlin ein Zimmer. Stella, nach der der Roman benannt ist, ist eine Romanfigur, die im wahren Leben Stella Goldschlag hieß ( über ihr wahres Schicksal erfährt der Leser mehr am Ende des Buches). Ihr begegnet Friedrich in der Kunstschule, wo sie Model sitzt. Es ensteht eine zarte Liebe, die beide fast den Krieg und die Faschisten vergessen lässt. Doch Stella umgibt ein Geheimnis, das Friedrich trotz aller Bemühungen nicht enträtseln kann...bis zu dem Tag, als sie plötzlich blutend und geschunden an seine Hoteltür klopft, nachdem sie einige Tage spurlos verschwunden war. Die dritte Person ist eine fiktive Figur, Tristan von Appen, mit der Friedrich glaubt einen echten Freund gefunden zu haben. Jedoch muss er erkennen, fast zu spät, dass dieser ein SS Mann ist, der sich zwar kultiviert gibt, aber ein Mensch ohne Gewissen ist und für den besonders die Juden Unmenschen sind, die es auszurotten gilt. Stella, die von den Nazis aufgefordert wird, jüdische Menschen, die sich vor den Faschisten verstecken, zu verraten, um ihre Eltern vor dem Transport in ein Vernichtungslager zu bewahren, wird zur Marionette des Holocaust. Wie wird Friedrich mit dieser Erkenntnis umgehen? Wird er seinen Weg im Leben finden oder wird auch er ein Mitläufer der Nazis? Mit diesem Roman wird die Unmenschlichkeit des Faschismus dargestellt. Es zeigt auf, dass auch schon junge Menschen zu Mittätern geworden sind in einem Vernichtungskrieg, der Millionen Opfer gefordert hat. Der ganze Wahsinn, das sogar Juden von Juden verraten worden sind und sich durch den Verrat auch oft nicht retten konnten, sondern genau wie die von ihnen verratenen Opfer in den Gaskammern gelandet sind - darf und soll nie vergessen werden. Dazu wird dieses Buch einen großen Beitrag leisten.

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Vita

Takis Würger, geboren 1985, besuchte die Henri-Nannen-Schule und studierte Ideengeschichte in Cambridge, ohne Abschluss. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. 2017 erschien sein mehrfach ausgezeichneter Debütroman »Der Club«. 2019 folgte der Roman »Stella«.

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