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Sie werden in den Tränen ihrer Mütter ertrinken

Roman

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HardcoverNEU
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Eine Winternacht in Göteborg. Ein Anschlag auf einen Comicshop. Unter den Attentätern: ein junges Mädchen, die das Ganze filmen und später ins Internet stellen soll. Mitten im Angriff kommen ihr Zweifel. Auf einmal ist sie sich sicher, dass falsch ist, was sie tut. Zwei Jahre später, inzwischen untergebracht in der Psychiatrie, bittet sie um ein Treffen mit einem Schriftsteller, dessen Bücher sie gelesen hat. Ihm überreicht sie ein Manuskript, in dem sie eine düstere Zukunftsvision zeichnet. Was aber will sie ihm sagen? Was ist wirklich passiert? Der Schriftsteller macht sich auf die Suche nach Antworten, spricht mit Zeugen und Opfern des Attentats. Es ist die Suche nach Wahrheit, aber auch die Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob man als Muslim noch in Schweden leben kann.

Dieses Buch hallt lange nach, weil es ein Beitrag zum Verständnis unserer Gegenwart ist, der sich jeglicher Vereinfachung entzieht, der simplen Parolen die Komplexität des Menschen gegenüberstellt. Ein wichtiges Buch. Eindringlich und poetisch. Hochaktuell und originell. Traurig und tröstlich zugleich.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Originaltitel: De kommer att drunkna i sina mödrars tårar
Originalverlag: Norstedts
Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87569-9
Erschienen am  26. April 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Göteborg, Schweden

Rezensionen

Fadenspiele

Von: Ingeborg Rosen

05.07.2021

Besonders gefallen hat das Motiv des Fadenspiels, im Roman zweimal gespielt, jeweils von zwei Personen - das Spiel, bei dem sich mit jeder Bewegung das Bild, die Darstellung komplett ändert. Und das erscheint programmatisch für den gesamten Roman einerseits und die gesamte Darstellungsweise, den Duktus des Romans andererseits. Die Handlung ist im Klappentext nachzulesen, aber wie im Fadenspiel sind die Anfangs- und Endpunkte nicht definitiv auszumachen, scheinen die Veränderungen/Entwicklungen zufällig, und selten - von der Eingangsszene im Comicladen abgesehen - tragen in einer ‚Episode’, einer Handlungseinheit, mehr als zwei Personen die Handlung weiter. Sie findet sowohl in der Jetztzeit als auch in der Vergangenheit und Zukunft statt. Mit all diesen Mitteln wird ein düsteres, islamophobes Bild sowohl der aktuellen Lage Schwedens als auch der in 15 Jahren gezeichnet, wer den „Mitbürgervertrag“ nicht unterschreibt gilt als „Schwedenfeind“, wird gedemütigt, drangsaliert, letztendlich getötet. Der Autor der Rahmenhandlung, zunächst geneigt, das Manuskript als Zwangsvorstellung einer Traumatisierten zu sehen, verstrickt sich zunehmend im ‚Fadenspiel’ der Handlung und wird immer tiefer hineingezogen. Dem Leser wird ohne Zweifel einiges abverlangt, umso mehr, weil die Handlung ohne Kapitelüberschriften oder ähnliche ‚Hinweise’ fortschreitet. Aber die Mühe lohnt sich, es gibt „Licht vor uns“…

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Psychose oder Zukunftsvision?

Von: Letteratura

24.05.2021

Am Anfang steht ein Anschlag, der anders enden wird, als geplant: Drei junge Attentäter*innen wollen einen Comicbuchladen in Göteborg in die Luft sprengen. Zwei Männer und eine junge Frau mischen sich zunächst unter die Anwesenden, die dort zu einer Veranstaltung zusammengekommen sind. Sie ist diejenige, die alles filmen und online stellen soll, doch ihr kommen plötzlich Zweifel. Statt die Besucher des Ladens umzubringen, erschießt sie ihre Mittäter. Ungefähr zwei Jahre später treffen wir die junge Frau wieder: Sie befindet sich nun in einer Psychiatrie. Ein Schriftsteller besucht sie, sie wollte ihn sehen und mit ihm reden, denn seine Texte haben sie angesprochen. Man ist versucht, etwas des Autors Johannes Anyuru in ihm zu sehen. Die junge Frau überreicht ihm ein Manuskript, das sie geschrieben hat. Darin erzählt sie von einer Zukunft, aus der sie, so ist sie überzeugt, hierhergekommen ist, eine düstere Zukunft, ungefähr 15 Jahre entfernt, islamophob und fremdenfeindlich, eine Zukunft, in der alle „Schwedenfeinde“ letztlich getötet werden. Sie nennt sich Nour und sie erzählt von einer Kindheit, die es auch deshalb nicht gegeben haben kann, da sie, so erzählt man dem Autor, eine Schwedin namens Annika sei, die zum Islam konvertiert ist, doch sie beteuert, niemanden aus dieser, angeblich ihrer schwedischen Familie, zu kennen. „Sie werden in den Tränen ihrer Mütter ertrinken“ – der Titel mag erst einmal abschrecken, klingt er doch durchaus etwas schwülstig und kitschig. Doch es ist ein Zitat aus dem teils poetisch geschriebenen Roman, und es fügt sich passend ein. Erzählt wird einerseits aus der Perspektive des Autors, andererseits lesen wir die umfangreichen Aufzeichnungen Nours, dies sozusagen gemeinsam mit dem Autor. Der Roman ist ebenso sehr seine Geschichte wie ihre. Nach und nach erfahren wir mehr über ihn, darüber, wie er sich gegen seinen Willen hineinziehen lässt in die Welt der jungen Frau, darüber, wie er das Erlebte mit seiner Frau einzuordnen versucht, wie es langsam seine Sicht auf die Dinge verändert. Es ist auch eine Geschichte über sein Leben als Muslim in Schweden, eine Auseinandersetzung mit dem Islam und Terror im Namen des Islam und über die ganz persönlichen und sehr konkreten Auswirkungen all dessen auf das Leben des Autors. Anyurus Roman ist ein komplexes Buch. Im Roman wird die Begegnung mit Nour zum konkreten Auslöser einer Veränderung im Leben des Autors, denn obwohl er die Aufzeichnungen der jungen Frau als Hirngespinst einer Kranken abtun will, gelingt das nicht und er gerät selbst in einen Strudel aus Gedanken und Ängsten. Als Leserin fragt man sich unentwegt, was es mit dem Manuskript eigentlich auf sich hat. Ist es tatsächlich lediglich Ausdruck der Psychose seiner Verfasserin? Wie passt die Zukunft, von der sie schreibt, in ihre Vergangenheit? Was bedeutet all das im Kontext des Romans? „Sie werden in den Tränen ihrer Mütter ertrinken“ behandelt sein Thema aus einer für uns eher ungewohnten Perspektive so mutig wie differenziert. Wer klare und eindeutige Antworten sucht, der wird mit dem Roman wohl seine Probleme haben. Anyurus Roman verwirrt und möchte verwirren, verliert dabei jedoch nie seine Grundspannung und schert sich nicht um Leseerwartungen. Ein forderndes Buch, dessen Lektüre sich lohnt.

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Vita

Johannes Anyuru, geboren 1979, gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Schwedens. Er debütierte 2003 mit einer viel beachteten und hoch gerühmten Gedichtsammlung (Det är bara gudarna som är nya/Nur die Götter sind neu). Für seinen Debütroman "Ein Sturm wehte vom Paradiese her", eine autobiografisch geprägte Annäherung an das Schicksal seines Vaters, bekam er zahlreiche Preise, er wurde für den wichtigsten Literaturpreis des Landes, den Augustpreis, nominiert sowie für den Preis des Nordischen Rates. Ausgezeichnet wurde er mit den Literaturpreisen von Svenska Dagbladet und Aftonbladet, er stand auf Platz 1 der Kritikerliste von Dagens Nyheter und wurde in sieben Sprachen übersetzt. Für seinen zweiten Roman "Sie werden in den Tränen ihrer Mütter ertrinken" bekam er schließlich den Augustpreis sowie den Per-Olov-Enquist-Preis verliehen, das Buch wird in vierzehn Ländern erscheinen. Es stand monatelang auf der schwedischen Bestsellerliste, die Filmrechte sind verkauft.

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Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

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