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Rezensionen zu
Wo auch immer ihr seid

Khuê Pham

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

In ihrem Erstlingswerk "Wo auch immer Ihr seid" erzählt die Zeit-Redakteurin Khuê Pham die Geschichte ihrer Familie in einem Roman verpackt. Kièu lebt als junge Deutsch-Vietnamesin im heutigen Berlin und ist gar nicht begeistert, dass sie mit ihrer Familie zur Beerdigung ihrer Großmutter, die in den USA lebt, und die sie kaum kennt, fliegen soll. Vor Jahren hatte ihr Vater den Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen, so dass Kièu kaum etwas über ihre vietnamesische Familie weiß. Ihre Eltern haben immer versucht, so deutsch wie möglich zu werden, weil sie sich dem Land, in das sie ausgwandert sind, anpassen wollten. So kann Kièu auch ihren Namen gar nicht korrekt aussprechen und nennt sich selbst daher einfach Kim. Im Laufe der Geschichte erfährt man in Rückblenden die verschiedenen Lebenswege ihrer Familienmitglieder. Ihre Eltern konnten noch einigermaßen problemlos als Studenten nach Deutschland ausreisen, doch der Rest der Familie blieb zurück und wurde vom Vietnamkrieg überrannt. Der Großvater kam ins Arbeitslager, der Onkel versuchte erfolglos, über die amerikanische Botschaft zu flüchten und musste dann auf dem Landweg fliehen. Das alles erfährt sie zusammen mit dem Lesr nach und nach. Das Buch ist sehr eindrücklich geschrieben, in einer schönen, teilweise poetischen Sprache, und man kann die Zerrissenheit, die der Kontrast zwischen ihrer Familienherkunft und ihrem heutigem Leben in ihr auslösen, sehr gut nachvollziehen. Und in gewissem Sinne ist das Buch extrem aktuell. Ich habe das Buch genau in den Tagen gelesen, als die Streitkräfte der USA und anderer Staaten Hals über Kopf aus Kabul abgezogen sind. Dieser Abzug wurde in den Medien oft mit dem Abzug aus Saigon verglichen. Als ich die Szenen gelesen habe, wie der Onkel verzweifelt vor der US-Botschaft steht und dann die Hubschrauber von Dach abheben sieht, und dann am selben Abend in den Nachrichten die Szenen vom Kabuler Flughafen gesehen habe, wie Menschen sich an startende Flugzeuge klammerten, habe ich richtige Gänsehaut bekommen. Alles in allem kann ich das Buch komplett empfehlen, es bringt einem das Land und die Geschichte nahe (und auch die Sprache - mir war bisher überhaupt nicht bewusst, wie viele Akzentzeichen es auf diversen Buchstaben geben kann), und man kann sehr gut in die Erzählung eintauchen und hat das Gefühl, man erlebt alles hautnah mit. Ein wirklich beeindruckendes Bu

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Leben zwischen zwei Kulturen

Von: Herta G.

15.09.2021

Das Buch „Wo immer ihr seid“ von Khue Pham ist ihr Debütroman und erscheint im btb Verlag 2021. Aufgrund ihrer eigenen Familiengeschichte hat Khue Pham einen Roman über Herkunft, Identität, Migration und Suche nach der eigenen Identität geschrieben. Die Hauptfigur in diesem Buch ist die deutsch-vietnamesische Kieu, die sich eigentlich lieber Kim nennt. Diese Thematik mit den Namen beschreibt die Autorin sehr schön gleich im ersten Kapitel und finde, dass Khue Pham es sehr gut beschrieben hat, wie die Hauptperson sich herkunftsmäßig fühlt. Einerseits ist sie in Deutschland aufgewachsen andererseits wurde ihr Leben auch durch die vietnamesische Kultur der Eltern geprägt. Ihre Eltern kamen in den 60-er Jahren nach dem Vietnamkrieg nach Deutschland, wo ihr Vater einen Studienplatz bekam, Er zog nun mit seiner Frau nach Berlin, wo Kim und ihre Geschwister eben Kindheit und Jugend erlebten. Obwohl Kim/Kieu eben deutsch-vietnamesisch ist setzt sie sich wenig mit ihren vietnamesischen Wurzeln auseinander bzw. sie verdrängt sie regelrecht. Nun erfährt die Familie, dass Kims Großmutter in Kalifornien bald sterben wird. Ihre Familie soll nun zur der Familie des Onkels nach Kalifornien reisen wegen dem bevorstehenden Begräbnis der Großmutter und der Testamentseröffnung. Sie versucht nun trotz ihrer Herkunft auf der einen Seite ihr deutsches Leben selbst zu verwirklichen und auf der anderen Seite auch die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen. Das ist nicht leicht für Kim/Kieu zu meistern - dieses Leben zwischen den zwei Kulturen und die Suche nach der eigenen Identität. Das wird sehr gut sichtbar, in dem Kim/Kieu ihrem engsten Freund nichts von Ihrer Familie in Kalifornien bzw. Vietnam erzählt. Diese Zerrissenheit von vielen VietnamessInnen und deren Familien kommt in dem Buch sehr klar zum Ausdruck. Meiner Ansicht nach erreicht auch die Autorin, dass der Leser für diese Zerrissenheit und für das Verhalten von Kim ein Verständnis bekommt, das durch das ganze Buch hindurch gut vermittelt wird. Je weiter man im Buch liest umso besser begreift man die ganze Familiengeschichte, die sich Stück für Stück wie ein Mosaikbild zusammensetzt. Dabei werden die Zeit und die Folgen des Vietnamkrieges ebenso beschrieben wie auch geschichtliche, politische, soziale und persönliche Hintergründe. Auch wird für meine Begriffe wunderbar beschrieben, wie jeder Einzelne auf Grund der jeweiligen Erfahrung zu seiner Einstellung oder zu Überzeugung kommt, dass verständlich für den Leser/mich wird. Khue Pham hat einen eindrucksvollen Roman geschrieben, den ich nur weiterempfehlen kann. Sie schreibt sehr klar, sanft, feinfühlig, nicht wertend und macht dabei auch präzise Beobachtungen. Über einen geschichtlichen Zeitraum von 5 Jahrzehnten geht nun diese Familiengeschichte des Buches, die in der Gegenwart endet. Finde auch, dass sie sich mutig mit dem Thema vietnamesischer Migration auseinandersetzt und auch mit der Geschichte Vietnams. Es ist ein moderner und zeitgenössischer Roman, der Zugleich eine Stimme einer neuen Generation von Schriftstellern gibt, die aus verschiedenen Kulturen in Deutschland oder Österreich kommen. Diese Generation gibt es europaweit und ich kann mir vorstellen, dass sie auf einer anderen intellektuellen, wissenschaftlichen und sozialen Ebene Europa mitprägen mit einem gemeinsamen Gedankengut.

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Beim Lesen von Romanen und den Geschichten anderer begeben wir uns auf eine Reise, die von den Autorinnen und Autoren vorgezeichnet ist. So auch bei dieser Lektüre, die als spannende Geschichte zuerst aus der Perspektive der Erzählerin und dann wechselnd aus verschiedenen anderen fortgeführt wird. Die Reise führt zu den Wurzeln der Familie und fragt nach der Bedeutung von "Heimat" und "Identität", sie handelt in Deutschland, den USA und Vietnam. Zusammenfassend eine wunderschöne Familiengeschichte aus der Sicht einer jungen Frau.

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Ich musste dieses Buch unbedingt lesen. Mal abgesehen von der Thematik, fand ich zuallererst die Covergestaltung sehr ansprechend - übrigens zum Inhalt absolut passend - bis zum Fakt, dass die Autorin 1982 in Berlin geboren und aufgewachsen ist, welches meinem Geburtsjahr und - ort entspricht. Die Autorin schreibt atmosphärisch, flüssig und klar und erzählt aus der Ich-Perspektive. Man fliegt nur so durch die Seiten und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte wird in drei Erzählsträngen geschildert, die immerwieder gekennzeichnet wechseln - beginnend in der Gegenwart in Berlin bis zurück ins Saigon 1967. Alle drei Perspektiven bauen aufeinander auf. Durch die wunderbar ausgearbeiteten Charaktere hatte ich zu den drei Hauptprotagonisten von Anfang an einen Zugang. Die Autorin spielt hier sehr schön mit der Sprache und lässt passend zum Thema des Buches Orte mit den Namen "Neue Heimat" oder "Straße der Freiheit" einfließen. Es wird hier ganz klar aufgezeigt, wie schwierig es ist sich von transkontinentalen Problemen zu befreien, sich als Flüchtling zu integrieren und sich seiner Zugehörigkeit beraubt zu fühlen. Es ist ein Buch brisanter Themen, ob aktuell oder in der Vergangenheit verankert. Die Autorin spielt hier gekonnt mit Klischees, sodass ich NICHT mit den Augen rollend oder kopfschüttelnd da saß. Es geht um Ausbeutung, Revolution und Unabhängigkeit. Dieses Buch regt an, macht Mut und ist, trotz oder gerade wegen der nicht mal 300 Seiten, wichtig. Aus dem Buch: "Wieviel braucht es, um die eigene Herkunft zu verstehen? Mehr als Worte, und alles und nichts." Ich bin gespannt, ob und wann es ein weiteres Werk von der Autorin geben wird und werde auch das selbstverständlich lesen.

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Schon früh als kleines Mädchen hat Kiều gemerkt, dass ihre Familie anders ist als die der anderen Kinder. Nicht nur dass sie und ihre Geschwister dunkle Haare und mandelförmige Augen haben, die Gepflogenheiten, das Essen, einfach alles unterscheidet sich. Umso mehr versucht sie, wie eine Deutsche zu sein, nicht aufzufallen, sich anzupassen. Als ihre Großmutter stirbt, fliegt sie – inzwischen 30 aber immer noch unverheiratet – mit den Eltern nach Kalifornien, wo der Rest der Verwandtschaft lebt. Nie hat sie sich wirklich gefragt, wie es kommt, dass ihre Eltern in Deutschland sind und die anderen in den USA oder warum sie ihre vietnamesische Heimat verlassen haben. Mit dem Verlust der Großmutter, die sie kaum kannte und von der sie noch nicht einmal den Namen weiß, beginnt ihre Reise in die Geschichte ihrer Familie. Die Journalistin Khuê Phạm thematisiert schon lange die Situation von Einwandererkindern in Deutschland, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen und immer das Gefühl haben, weder zur einen noch zur anderen so richtig zu gehören. Dies ist auch das zentrale Thema in ihrem Debütroman, der von ihrer eigenen Familiengeschichte beeinflusst ist. Es ist jedoch nicht nur die Geschichte von jungen Menschen, die ihre Identität suchen, sondern auch von Schuldgefühlen, nicht Ausgesprochenem, dem, was nicht mehr gesagt und zurechtgerückt werden kann, wenn plötzlich jemand nicht mehr da ist. Kiềus Geschichte bildet den Rahmen, die Reise mit den Eltern, die für sie auch vor der Frage steht, was sie selbst mit ihrem Leben anfangen will. Ein Schwangerschaftstest bestätigt ihre Vermutung, aber ihre Beziehung ist fragil, ihr Freund bereitet gerade den Umzug nach Japan vor und Familie und Sesshaftigkeit gehörten nicht zu den aktuellen Plänen. So unsicher ihre Zukunft, so klar wird ihr, dass sie auch von der Vergangenheit kaum etwas weiß und nicht einmal die Geschichte ihrer Eltern kennt, die sich während des Studiums in Deutschland kennengelernt haben. Auf ihrem Vater lasteten als Erstgeborenem große Erwartungen; dass er hervorragende Schulleitungen zu erbringen hatte, um Zugang zum Medizinstudium zu erhalten, stand nie infrage. Statt Frankreich reichte es jedoch nur zu Deutschland und während er sich versuchte in diesem seltsamen Land, in dem sich Ende der 60er Jahre viele seiner Kommilitonen für sein Heimatland interessierten, zurechtzufinden, versank Vietnam im Chaos. Ein Heimatbesuch gegen Ende seiner Ausbildung war eher verstörend, nichts war mehr so, wie er es in Erinnerung hatte und auch von seiner Familie hatte er sich entfremdet. Sein jüngerer Bruder konnte nicht rechtzeitig fliehen und erlebte die Wiedervereinigung und Übernahme durch die Kommunisten. Er musste sich den harten Weg in die Freiheit erkämpfen, hatte dafür aber in den USA stets eine große vietnamesische Community, die die Traditionen weiterleben ließ. Für die Erzählerin eine neue Welt, ein anderes Zusammenleben als sie es aus Deutschland kennt. Auch ihre Eltern lernt sie noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Eine beeindruckende Familiengeschichte voller Brüche und verschiedenen Wahrheiten, die alle aus ihrer Perspektive gerechtfertigt und richtig sind. Eine Geschichte, die auch zeigt, wie sich Kultur und Identität konstruieren und immer wieder neu entwickeln und ausgehandelt werden müssen vor dem Hintergrund der Spannungen von familiären und gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Träumen. Ein Einblick in eine fremde Welt, die vor unseren Augen und doch hinter verborgenen Türen stattfindet.

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Ich musste dieses Buch unbedingt lesen. Mal abgesehen von der Thematik, fand ich zuallererst die Covergestaltung sehr ansprechend - übrigens zum Inhalt absolut passend - bis zum Fakt, dass die Autorin 1982 in Berlin geboren und aufgewachsen ist, welches meinem Geburtsjahr und - ort entspricht. Die Autorin schreibt atmosphärisch, flüssig und klar und erzählt aus der Ich-Perspektive. Man fliegt nur so durch die Seiten und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte wird in drei Erzählsträngen geschildert, die immerwieder gekennzeichnet wechseln - beginnend in der Gegenwart in Berlin bis zurück ins Saigon 1967. Alle drei Perspektiven bauen aufeinander auf. Durch die wunderbar ausgearbeiteten Charaktere hatte ich zu den drei Hauptprotagonisten von Anfang an einen Zugang. Die Autorin spielt hier sehr schön mit der Sprache und lässt passend zum Thema des Buches Orte mit den Namen "Neue Heimat" oder "Straße der Freiheit" einfließen. Es wird hier ganz klar aufgezeigt, wie schwierig es ist sich von transkontinentalen Problemen zu befreien, sich als Flüchtling zu integrieren und sich seiner Zugehörigkeit beraubt zu fühlen. Es ist ein Buch brisanter Themen, ob aktuell oder in der Vergangenheit verankert. Die Autorin spielt hier gekonnt mit Klischees, sodass ich NICHT mit den Augen rollend oder kopfschüttelnd da saß. Es geht um Ausbeutung, Revolution und Unabhängigkeit. Dieses Buch regt an, macht Mut und ist, trotz oder gerade wegen der nicht mal 300 Seiten, wichtig. Aus dem Buch: "Wieviel braucht es, um die eigene Herkunft zu verstehen? Mehr als Worte, und alles und nichts." Ich bin gespannt, ob und wann es ein weiteres Werk von der Autorin geben wird und werde auch das selbstverständlich lesen.

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Kim heißt eigentlich Kiều. Doch weil niemand in Deutschland ihren Namen richtig aussprechen kann, einschließlich sie selbst, hat sie ihren Namen ändern lassen. Sie will sich nicht fremd fühlen und hat sich schon immer eine Familie gewünscht, die so ist wie alle anderen, nämlich deutsch. Als sie jedoch von ihrem Onkel kontaktiert wird, der in Kalifornien lebt, fängt sie an, sich mit der Geschichte ihrer Familie auseinanderzusetzen. Sie begibt sich auf eine “Suche nach all denen, die vor mir kamen und ihre Spuren auf sichtbare und unsichtbare Weise auf dem Weg in die Gegenwart hinterlassen haben. Meine Eltern, meine Verwandten.” Khuê Phạm erzählt in “Wo auch immer ihr seid” eine Familiengeschichte, die Zeiten, Länder, Kulturen und Lebenswege umspannt. Sie bietet tiefe und faszinierende Einblicke in das Leben einer vietnamesischen Familie, die durch die Geschichte auseinandergerissen wurde. Da ist zunächst Kiềus Vater Minh, der Saigon verlassen soll, um in Deutschland zu studieren. Aber er weiß so gut wie nichts über Deutschland und auch die Sprache beherrscht er nicht. Bei seiner Ankunft in einem kleinen Ort in Bayern fühlt er sich wie ein Fremdkörper, seine vietnamesische und die deutsche Kultur prallen aufeinander. Und später, an der Universität, scheint seine Wahrnehmung Vietnams mit der seiner deutschen Kommilitonen zunächst nicht miteinander in Einklang gebracht werden zu können. Neben Minh, der den schlimmsten Schrecken des Vietnamkriegs durch sein Auslandsstudium entkommen konnte, verfolgt die Geschichte auch das Schicksal von Kiềus Onkel, dessen Fluchtversuche aus dem Land zum Scheitern verurteilt sind, der außerdem Zeuge davon wird, wie sein Vater ins Umerziehungslager gebracht wird und wie das Mädchen, das er liebt, in Kambodscha verschleppt wird. Sein Weg in die USA ist ein steiniger. Der Krieg hat einen Graben in die Familie gerissen, hat ihre einzelnen Mitglieder voneinander entfremdet, eine scheinbar unüberbrückbare Distanz geschaffen und hat einen Raum für Enttäuschungen und Vorwürfe geöffnet. Ländergrenzen trennen sie nun voneinander, aber auch das Unwissen der nächsten Generation darüber, was wirklich geschehen ist. Phạm hat ein starkes und sehr wichtiges Buch geschrieben. Ihr Stil zeichnet sich durch eine Klarheit aus, die dazu beiträgt, dass die Charaktere und ihre Lebenswege in den Vordergrund gerückt werden und sich entfalten können. Der Roman ist eine Bereicherung für die deutsche Literaturlandschaft und kann jedem Leser ans Herz gelegt werden!

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Khuê Pham zählt bereits zu den wichtigsten Stimmen junger deutscher Autoren. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, mit „Wo auch immer ihr seid“ erscheint heute ihr Debütroman. Die 30-jährige Kiều wächst als Kind vietnamesischer Einwanderer in Deutschland auf. Als ihre Großmutter stirbt, kommt die Familie in den USA nach über 15 Jahren wieder zusammen und Kiều beschäftigt sich erstmals mit der Geschichte ihrer Familie, deren letzte Geheimnisse noch gelüftet werden müssen. Der Roman wird in verschiedenen Zeitsträngen und aus Sicht von verschiedenen Familienmitgliedern, allen voran Kiều, ihr Vater Minh und dessen Bruder Son, erzählt, sodass sich ein umfassendes und differenziertes Bild der Familiengeschichte ergibt. Die einzelnen Erzählstränge sind dabei geschickt miteinander verknüpft, sodass die Geschichte von drei Generationen Platz zwischen den Buchdeckeln findet. Für mich war es ein sehr spannender und lehrreicher Einblick in die vietnamesische Mentalität und vor allem den Vietnamkrieg und dessen Folgen. Eindrucksvoll erzählen vor allem Minh und Son wie unterschiedlich die politischen Motive waren und nach wie vor sind, wie Anspruch und Realität auseinanderklaffen und wie anders der Eindruck im Westen war. Neben der großen politischen Geschichte, werden aber auch die persönlichen Geschichten um Auswanderung, Flucht und das schwierige Leben in Kriegsquerelen erzählt. Sprachlich konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen. Der Sprachstil ist recht einfach und vor allem die Kapitel des gerade ausgewanderten Minh erinnern eher an den Aufsatz eines Grundschülers, was wohl daher rührt, dass seine Verlorenheit in einem völlig fremden Land verdeutlicht werden soll. Dennoch ein interessantes und lesenswertes Buch über die Geschichte Vietnams und eine Familie, deren Schicksal eng damit verknüpft ist.

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