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Rezensionen zu
Kairos

Jenny Erpenbeck

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Was verbindet die beiden?

Von: Kleenkram

04.10.2021

Ein Roman über eine Liebe zwischen den Grenzen und weit über diese hinaus. Ein Stück deutsch-deutsche Zeitgeschichte eingefangen in einen faszinierenden und aufregenden Roman über eine verbotene Beziehung. Ein Buch über Ost und West, über zwei so unterschiedliche Welten, über zwei so völlig verschiedene Menschen, die zufällig einen Teil ihres Lebens gemeinsam gingen. Die sehr junge Katharina aus dem Westen und der mehrere Jahrzehnte ältere Hans, verheiratet mit Kind, aus dem Osten, treffen zufällig aufeinander und verlieben sich. Schon tausendmal erzählt und doch so anders. Die Autorin beschreibt nicht nur wunderbar die Verbindung der beiden Menschen, sie gibt auch einen guten Einblick in das Leben in der DDR. Beleuchtet wird diese Beziehung von beiden Seiten, mit all ihren persönlichen und politischen Schwierigkeiten. Ein Buch muss nicht immer spannend sein, um seine Leser bei der Stange zu halten. Es muss nur überzeugend sein, um zu begeistern. Und das hat Jenny Erpenbeck geschafft! Was verbindet die beiden so ungleichen Figuren, die nicht nur eine Mauer trennt? Warum begeben sie sich in diese Abhängigkeit voneinander? Ist es wirklich Liebe? Das alles erfährt man, während die Geschichte von hinten aufgerollt wird. Katharina erhält nach Hans seinem Tod Unterlagen über ihre Beziehung und setzt sich so noch einmal mit ihrer Vergangenheit auseinander. Selber in der ehemaligen DDR aufgewachsen, fühlt man sich sofort in jene Zeit versetzt. Mich dieses Buch sehr gut unterhalten!

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Kairos

Von: Miss.mesmerized

26.09.2021

Zwei Kisten sind es, die Katharina von ihrer Zeit mit Hans geblieben sind. Hans, den sie als Neunzehnjährige zufällig an einem regnerischen Nachmittag im Bus traf und der sofort ihr Herz eroberte, obwohl er 34 Jahre älter war als sie. Jetzt ist Hans tot und Katharina erinnert sich beim Durchsehen der Kisten an die Zeit, die sie miteinander hatten. Es begann 1986 als heimliche Liebe des verheirateten Autors und der jungen Frau, deren Zukunft noch ungewiss war. Er, der erfahrene Liebhaber, hat eindeutig die Oberhand und kann die Grenzen ihrer Beziehung Bestimmung, sie folgt ihm blind. Doch Katharina wird älter, erfahrener und mit ihrer Entdeckung der Welt wird sie unabhängiger, was zur Herausforderung für beide wird. Aus der unbeschwerten Liebe wird Obsession mit Gewalt und Hass. Jenny Erpenbeck wählt einen vielsagenden Titel für ihren aktuellen Roman. „Kairos“, die griechische mythologische Gottheit des günstigen Zeitpunkts, in der Theologie die „Gelegenheit zur Sünde“ ist bezeichnend für die Handlung. Hans trifft Katharina im richtigen Moment, er muss sie an jenem ersten Nachmittag für sich gewinnen, sonst entschwindet ihm die junge Frau wieder. Sein Vorhaben gelingt. Danach jedoch verpassen sie die Momente, Momente, die ihre Beziehung in die eine oder die andere Richtung hätten lenken können. Stattdessen halten sie fest an etwas, das destruktiv wird, sie leiden lässt und bald schon nicht mehr die verliebte Leichtigkeit des Anfangs hat. Die ersten Kapitel sind geprägt von der jugendlichen Liebe, der große Altersunterschied lässt Hans verjüngen, leidenschaftlich genießen sie ihr heimliches Beisammensein, was einen besonderen Reiz ausmacht. Für Hans scheint es kein Problem zu sein, dass er noch eine Ehefrau hat und mit dieser ganz selbstverständlich zusammenlebt und auch Zeit verbringt. Katharina hingegen will er exklusiv für sich. Unsterblich verliebt nimmt sie dieses Arrangement hin, doch als sie Berlin für ein Praktikum verlässt und die Trennung mehr als nur wenige Tage beträgt, beginnt ihr Lösungsprozess. Sie ist sich dessen noch nicht bewusst, glaubt immer noch Hans in derselben Weise zu lieben wie zu Beginn. Doch der Liebhaber wie auch der Leser bemerkt die feinen Risse. „Sie sind im Einverständnis miteinander, sie haben ihre ersten Geheimnisse vor der Welt, sie wissen, woran nur sie sich erinnern, wenn sie sich ansehen. Gerade deshalb muss er die Bedingungen klarstellen, bevor es dazu zu spät ist.“ Die Handlung spiegelt das Große im Kleinen. Es ist Ende der 1980er Jahre. Hans und Katharina sind in Ostberlin eingesperrt, der Himmel ist nicht unendlich, aber weit genug für sie beide. Doch wie auch das Land langsam zerfällt, wird für Katharina die Beziehung zu eng. Wie das alte Regime will Hans die Oberhand behalten, den Weg diktieren, straft, wenn ihr Verhalten nicht seinen Erwartungen entspricht. Er verfolgt und bespitzelt sie und macht ihr bitterböse Vorwürfe. Doch das Ende der Diktatur ist am Horizont bereits zu sehen. Es ist eine toxische Beziehung in einer zerfallenden Welt. Ein historischer Moment, der sich langsam ankündigt und dann mit einem Male da und überwältigen ist, überzeugend mit pointierten Sprachbildern und einem fast nüchternen Ton eingefangen, der jedoch perfekt zum Setting passt.

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Kompliziert

Von: Vanni

21.09.2021

Als gebürtige Ost-Berlinerin ist die erlebte Umgebung der Autorin sicher mit in die Erzählung geflossen. Im Großen und Ganzen geht es um eine toxische Beziehung mit Altersunterschied, etwas Fremdgehen und die Zeit um den Mauerfall herum. Eine packende Story, bei der ich mir mehr geschichtlichen Hintergrund gewünscht hätte. Kairos ist kein Buch, welches man mal eben so liest. Der Stil ist gewöhnungsbedürftig und man muss sich konzentrieren, um gedanklich mitzukommen. Nur für Leser mit starkem Durchhaltevermögen.

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Spannende Lebens- und Wendegeschichte

Von: Harley

19.09.2021

Kairos ist nicht mein erstes Buch von Jenny Erpenbeck, aber sie hat mich wieder einmal mit ihrem Erzählstil überrascht. Die Geschichte um Katharina und Hans, sie blutjung, er im fortgeschrittenen Alter vermischt sich mit der Zeitgeschichte um den Mauerfall 1989. So wie sich die Beziehung der beiden im Laufe der Geschichte ändert, ändern sich auch die Zeiten in denen sie leben, denn die Handlung folgt den beiden Figuren über einen längeren Zeitraum. Diese verwobene Struktur hat mir sehr gut gefallen, genauso wie Erpenbecks Erzählstil. Ohne den normalen Regeln der wörtlichen Rede zu folgen, kommen doch alle Figuren zu Wort, auch wenn durch diese Erzählart Distanz zum Geschehen aufgebaut wird. Es liest sich manchmal wie ein Bericht, so nüchtern werden hier teilweise Gefühle beschrieben. Der Roman ist definitiv sehr lesenswert, sowohl für alle, die sich an die Wendezeit noch selbst erinnern, aber auch an die jüngeren Leser, die hier Einblicke in diese Zeit bekommen. Als historischen Roman würde ich Erpenbecks Buch aber nicht bezeichnen, der Fokus liegt stärker auf der Beziehungsebene der beiden Hauptfiguren. Einer der besten deutschen Romane, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.

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Ich finde den Roman ,,Kairos" von Jenny Erpenbeck fantastisch. Die Autorin geht ins Detail und bremst die Geschichte trotzdem nicht aus. Das Buch ist einfach ganz und gar mitreißend. Dabei illustrieren die Beiden liebenden Leidenschaft, aber auch ethische Werte. Plötzlich nahm ich die Nationalhymmne nicht mehr nur als Tatsache wahr, sondern dachte an alles, was der männliche Protagonist ,,Hans" über die Alternativen und Zusammenhänge gesagt hat. Der Roman ist nicht nur unterhaltsam, nein er Vermittelt im Rahmen dieser Liebeserzählung Geschichte, wie es kein Geschichtsbuch je könnte.

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Ein großartiger Roman!

Von: Barbara T.

18.09.2021

Am 11. Juli 1986 treffen sich zufällig mitten in Ost-Berlin die damals 19-jährige Katharina und der 53-jährige Hans. Und wie es Kairos, der Gott des glücklichen Augenblicks, in dem Moment bestimmt, nutzen die beiden „die Gunst der Stunde“ und entscheiden, den Abend zusammen zu verbringen. Und auch später halten sie an der Stirnlocke des Gottes fest und setzen ihre aufregende Bekanntschaft fort. Was zuerst als eine kleine Liebesaffäre beginnt, wächst mit der Zeit zu einer großen Liebe, die eigentlich keine sein darf. Denn Hans, ein freier Rundfunkmitarbeiter und Schriftsteller ist verheiratet und hat einen Sohn. Er hat überhaupt nicht vor seine Familie zu verlassen, dafür aber will er -eifersüchtig und besitzergreifend, wie er ist - die junge Katharina, angehende Bühnenbildstudentin, nach seinen Vorstellungen zu formen. Katharinas Liebe scheint keine Grenzen zu haben, sie unterwirft sich ihm vollkommen und man kann nur fassungslos beobachten, wie sie langsam in ihr Unglück rennt. Diese dramatische Liebesgeschichte verbindet Jenny Erpenbeck meisterhaft mir der deutschen Geschichte der späten achtziger Jahre, mit dem Untergang der DDR und der unmittelbaren Zeit danach. Sie lädt ihre Leser und Leserinnen nach Berlin und beschreibt genau, wie die Stadt damals ausgesehen hat. Sie führt ihre Leserschaft durch die bekannten Straßen und an die meistbesuchten Orte, erzählt, wie man damals gelebt und geliebt hat, worüber man sprach. Die Leser und Leserinnen tauchen in die Welt des Theaters, Musik, Dichter und Denker ein, folgen Erzählungen über Kämpfer für die bessere Welt. Die Autorin bedient sich einer anspruchsvollen aber fesselnden Sprache, ist mal nachdenklich, mal allegorisch, mal poetisch. Zu bedeutenden Themen dieses Romans gehören sowohl die Utopie des Kommunismus sowie die vernichtenden, grausamen Bilder des Nationalsozialismus, brutale Methoden der Faschisten und später der Stasi. „Kairos“ ist ein großartiger Roman, den ich mit großem Interesse gelesen habe und der noch lange in meiner Erinnerung bleibt. Das Buch bekommt meine wärmste Leseempfehlung!

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Gott des rechten Augenblicks

Von: Erdmännchen

18.09.2021

„Kairos“ der neue Roman von, der vielfach ausgezeichneten, Jenny Erpenbeck handelt von einer Liebesgeschichte vor dem Untergang der DDR. Doch kann eine Liebe zwischen Generationen funktionieren? Ende der 80er Jahre begegnen sich die 19jährige Katharina und der 53jährige Hans. Der Autor Hans steht Mitten im Leben, hat Frau und Kind. Die junge Katharina hingegen kommt langsam in der Erwachsenenwelt an. Sie schaut zu Hans auf, bewundert und begöttert ihn. Die wenige Zeit die sie zusammen haben, genießen und nutzen sie in vollen Zügen. Doch dann verguckt sich Katharina in einen jüngeren Mann und verbringt die Nacht mit ihm. Hans lässt Katharina immer mehr die „Schuld“ bei sich selber suchen, sie rechtfertigt sich für alles und jeden - vor sich selbst und vor Hans. Die zunächst von Glück durchzogene Liebe, wendet sich zu Macht und Gewalt. Die poetische Sprache der Autorin Jenny Erpenbeck ist geprägt durch Doppelbödigkeit. So gibt es sowohl die Liebesgeschichte als auch den Blick auf die politischen Ereignisse der DDR. Beim Lesen zwischen den Zeilen stößt der Leder immer wieder auf Parallelen zwischen dem privaten und den politischen Niedergang. „Kairos“ der griechische Gott des rechten Augenblicks. Doch was ist der rechte Augenblick? was ist das Ziel bei der Suche nach der Wahrheit? Kann eine solche Wahrheit jemals erreicht werden? Das Cover des Buches ist schlicht gehalten mit dem Motiv eines Pappkartons, welcher als Metapher für Aufräumen und das Verstecken der Wahrheit betrachtet werden kann. Genauso schlicht und einfach, aber trotzdem sehr anspruchsvoll, sind die Sprache und der Schreibstil Erpenbecks. Sie verwendet keinerlei wörtliche Rede, schreibt die Sätze schmucklos hintereinander und verschachtelt sie zunehmend. Bereits wenige Tage nach der Buchveröffentlichung war es auf der Spiegel-Bestsellerliste zu finden. Doch entscheiden Sie selbst, ob es auch für ihren Geschmack dort einen Platz verdient hat! Mein Fazit: Ich persönlich finde das Buch sehr langatmig und durch den schmucklosen Schreibstil schwierig zu lesen. Es ist schwere Kost, die nicht einfach so hintereinander weg gelesen werden kann, sondern sie erfordert Konzentration. Es ist eine Erzählung vor den Abgründen des Glücks - ein Weg zweier Liebenden im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, von Hass und Hoffnung. Die Szenen der Macht und Gewalt nehmen im Laufe der Erzählung zu und sind am Ende Mittelpunkt der Handlung. Die politischen Ereignisse und der Untergang der DDR treten dabei immer mehr in den Hintergrund.

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Direkt nach dem Prolog kommt das Erstaunen: Kann man eine Geschichte aus zwei Perspektiven gleichzeitig erzählen? Jenny Erpenbeck kann es. Wir erfahren von den beiden Hauptprotagonisten, der jungen Katharina und dem älteren Hans, was sie in jedem Moment ihrer beginnenden Beziehung denken und fühlen. Das Faszinierende an dieser Erzählweise sind die Einblicke in die Gedanken, die wir alle aus verliebten Zeiten kennen. Das Bangen, das Hoffen, das Infragestellen der kleinsten Geste, das Interpretieren jedes einzelnen Satzes, das suchtartige Verlangen nach der Gegenwart des Anderen und die vollkommene Inkompetenz, die Lage objektiv einzuschätzen. Wir begleiten Katharina und Hans in Ostberlin zwischen 1986 und 1992. Sie zelebrieren ihre Beziehung, als wäre sie etwas Heiliges, etwas, das Gedenktage, Ehrungen, Gleichnisse und Rituale benötigt. Sie verbinden ihre Liebe mit Musik, Kunst und Literatur. Er magnetisch angezogen von ihrer Unbedarftheit, sie seiner väterlichen Führung verfallend. In ihrer Verletzlichkeit bricht Katharina schließlich nach einer Zurückweisung kurz aus der Beziehung aus. Hier wendet sich das Blatt grundlegend und zeigt die längst erahnte Schattenseite ihrer Verbindung. Hans erhebt Katharinas Seitensprung zum Beziehungsinhalt, er instrumentalisiert ihre Schuld auf perfide und narzisstische Weise. „Kairos“ erzählt auf hohem Niveau, reißt hunderte Metaphern von der Antike über die klassische Musik bis zu Bertolt Brecht an und lässt sie dann, nachdem sie das Gefühl für den Moment vertieft haben, wieder liegen wie ein vergessenes, aufgeschlagenes Buch. Gleichzeitig ist „Kairos“ ein intensiv zu erlebendes Abbild der Zeitgeschichte und begleitet die DDR in der Phase ihres Untergangs. Und dabei geht es nicht um die dominante westliche Sicht, die immer nur auf DDR-Flüchtlinge, Grenzschüsse, Stasi und Bananen fokussiert. Es geht um Menschen, deren Lebenswelt auf einmal an allen Ecken und Enden bröckelt. Da rennen nicht alle selig mit ihrem Begrüßungsgeld in die Konsumtempel des Westens. Da verlieren auch Menschen ihre Verortung in ihrem vertrauten Wertesystem, fühlen sich seltsam verloren und auch einfach vom Kapitalismus okkupiert. „Kairos“ ist der Gott des richtigen Moments – in Jenny Erpenbecks Roman scheint für nichts der richtige Moment zu sein, außer für die erste zufällige Begegnung von Katharina und Hans. Sehr schön, einmal wieder intelligente, empathische und absolut lesbare Sprachkunst geboten zu bekommen. Ich bin sehr angetan!

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