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Herbst

Roman

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England hat einen historischen Sommer hinter sich, die Nation ist gespalten, Angst macht sich breit. In diesem Herbst ist Daniel ein Jahrhundert alt. Elisabeth, Anfang dreißig, kennt ihn von früher, der Nachbar hat sie als Kind mit der Kunst bekannt gemacht. Jetzt besucht sie ihn im Altersheim, liest ihm Bücher vor und fragt sich, was die Zukunft bringen mag ... Der erste Roman aus Ali Smiths Jahreszeitenquartett erzählt von einer Welt, die immer abgeschotteter und exklusiver wird. Und er erzählt vom Altern, von der Zeit und von der Liebe. Von uns.


Aus dem Englischen von Silvia Morawetz
Originaltitel: Herbst
Originalverlag: Luchterhand
Taschenbuch, Broschur, 272 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-77084-7
Erscheint am 09. August 2021

Rezensionen

Ein Roman, der mich beeindruckt hat durch seine Wortgewandheit

Von: cule.jule

08.02.2021

"Herbst" ist der erste Teil und leitet das Quartett der vier Jahreszeiten von Ali Smith ein. "Vorsicht Spoiler!" Es geht um Elisabeth und Daniel. Sie, mittlerweile 32 Jahre alt und Aushilfsdozentin. Er, war ein ehemaliger Schlagerkomponist, und ist mit seinen nun 101Jahren Bewohner eines Pflegeheims. Was die Beiden verbindet? Beide waren mal Nachbarn, als Elisabeth noch ein Kind war. Daniel war für sie nicht nur Vaterersatz, Vertrauter und Mentor. Er begleitete Elisabeth auf den Weg ins Erwachsenenleben und führte sie an die Kunst, an die Bücher und an das Hinterfragen heran. Ali Smith hat mich als Leser vom ersten Satz an begeistert. Auf den 263 Seiten geht es nicht nur um die Geschichte von Elisabteh und Daniel. Das Buch lädt den Leser ein vielmehr auf die Details, dem Hinterfragen und dem Vergänglichen und Gegenwärtigen zwischen den Zeilen zu achten. Die Gedankengänge sind nachvollziehbar und die Denkanstöße könnten nicht aktueller sein. Für mich ein wortgewandter und beeindruckender Auftakt eines Romans, den ich nur empfehlen kann.

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Die Sprache ist wie Mohnblumen...

Von: Kate Rapp

04.02.2021

Das neue Buch von Ali Smith Herbst, dem ersten Roman aus einem geplanten Jahreszeitenquartett, als Brexit-Roman zu bezeichnen wird diesem Werk nicht im Entferntesten gerecht. Ihr ist, meiner Meinung nach, ein wunderbar poetisches, melancholisches Buch über Freundschaft und Abschied (was der Brexit ja nun zugegebener Weise auch ist) gelungen, mit einigen bizarren, beinahe kafkaesken Elementen. Elisabeth Demand, 32 Jahre alt, besucht ihren alten Freund und ehemaligen Nachbarn Daniel in einem Altenpflegeheim und liest ihm, während er vor sich hindämmert, vor. Denn „Was liest du gerade“ war seit ihrer ersten Begegnung ihre persönliche, geradezu intime Form der Begrüßung. Daniel eröffnete der zwölfjährigen Elisabeth damals die Welt der Fantasie in Büchern und Kunst, poetische Beschreibungen und wundersame Wortspiele verzaubern nicht nur das Mädchen sondern auch mich als Leserin: „Das Wort Gymkhana, sagte Daniel, ist wunderbar, ein Wort, das ein Gewächs aus mehreren Sprachen ist. Wörter sind keine Gewächse, sagte Elisabeth. O doch. Wörter sind keine Pflanzen. Wörter sind ihrerseits Organismen, sagte Daniel. Oregano-ismen, sagte Elisabeth. Herbal und verbal, sagte Daniel. Sprache ist wie Mohnblumen….“ In diesem Roman mischen sich Rückblenden aus Elisabeths Kindheit mit Passagen aus der Innenwelt des schlafenden Daniel und Elisabeths aktuell neu belebter Beziehung zu ihrer Mutter. Dabei gelangen Bilder von Stränden mit tot angespülten Flüchtlingen in die Traumsequenzen, traumartige Bildbeschreibungen einer lange vergessenen Pop-Art-Künstlerin in die Rückblenden und bizarre bürokratische Alptraumszenarien in Elisabeths Realität. Ja, es wird auch die Brexit-Abstimmung, die aufgeheizt-missmutige Stimmung im Land, die Armut und Abschottung unterhaltsam aber distanziert thematisiert: „Heute sind die Nachrichten wie eine überdrehte Schafherde, die einen Steilhang hinabgetrieben wird. (…) Thomas Hardy auf Speed.“ Doch es ist Hoffnung zu verspüren, obwohl Orwells Schöne neue Welt, Balzacs Chagrinleder und Das eiserne Herz bemüht werden: Elisabeths Mutter sucht nach Kostbarkeiten in altem, verstaubtem Gerümpel und findet dabei die große Liebe. Und letztendlich schließt das Buch nicht mit dem befürchteten Tod Daniels, sondern mit seinem Erwachen und dem letzten Erblühen einer späten Rose. Ein wirklich wunderbares Buch! Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Jahreszeiten.

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Vita

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und wurde mit zahlreichen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet. Smith ist Mitglied der Royal Society of Literature und Commander of the Order of the British Empire.

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Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

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