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Rezensionen zu
Die Sammlerin der verlorenen Wörter

Pip Williams

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

„Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“stellt vor: „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“ von Pip Williams Oxford – Ende des 19. Jahrhunderts Esme Nicoll wird von ihrem Vater alleine großgezogen, denn ihre Mutter starb, als sie noch sehr klein war. Zwischen Vater und Tochter entwickelt sich eine enge Bindung, die nicht nur auf der Basis von Wörtern besteht. „Esme wächst in einer Welt der Wörter auf. Unter dem Schreibtisch ihres Vaters, der als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary arbeitet, liest sie neugierig heruntergefallene Papiere auf. Nach und nach erkennt sie, was die männlichen Gelehrten oft achtlos verwerfen und nicht in das Wörterbuch aufnehmen: Es sind allesamt Begriffe, die Frauen betreffen. Entschlossen legt Esme ihre eigene Sammlung an, will die Wörter festhalten, die fern der Universität wirklich gesprochen werden.“ Esme wird erwachsen, verliebt sich, heiratet und wird eine leidenschaftliche Kämpferin für Frauenrechte… Fazit: Die australische Autorin Pip Williams hat mit ihrem Debüt „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“ einen hervorragenden, interessanten und sehr gut recherchierten Roman vorgelegt. Dabei verwebt die Autorin gekonnt Fakten – die Entstehungsgeschichte des Oxford-English- Dictionary – mit der fiktiven Geschichte rund um Esme. Die Protagonistin erzählt quasi die reale Geschichte und Entstehung des Nachschlagewerkes, doch gleichzeitig auch ihre eigene fiktive Geschichte. Sie berichtet, wie sie beginnt Worte zu sammeln, die von Männern arglos weggeworfen wurden, aber von ihr – aus Frauensicht gesehen – anders bewertet werden. Aus diesem Grund besucht Esme oft den öffentlichen Markt und redet dort mit Frauen aus den unteren Schichten. So kommt sie an Worte, die in ihrer bürgerlichen Welt nicht vorhanden sind, quasi Wörter von Frauen für Frauen, und somit auch nicht den Einzug ins „Oxford-English-Dictionary“ finden. Pip Williams erzählt ihre Geschichte ganz unaufgeregt, in leisen Tönen, dafür aber sehr detailliert und lässt für uns Leser schöne und inspirierende Bilder entstehen. Für alle die gerne Bücher lesen in denen es um schöne Sprache, um Semantik, oder auch um Frauenrechte geht, denen kann ich diesen besonderen Roman sehr ans Herz legen. Es ist ein wunderschöner historischer Erkundungsspaziergang durch ein Stück englische Geschichte, mit sehr liebevoll kreierten Charakteren. Gut gewählt ist der Titel des Buches und absolut erwähnenswert ist auf jeden Fall das besonders schöne Cover. Alle Dinge die dort zu sehen sind, finden sich als wichtige Bestandteile in der Geschichte wieder. Ein interessanter Roman über das erste „Oxford English Dictionary“ und die Rolle der Frau in England um 1900! Besten Dank an den „Diana Verlag“ für das Rezensionsexemplar.

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Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde: Aufmerksam wurde ich auf »Die Sammlerin der verlorenen Wörter« beim Stöbern in der Buchauswahl des Bloggerportals. Das Cover und der Klappentext haben mich sofort angesprochen. Ich liebe Bücher über starke Frauen und Bücher über Bücher. Handlungsüberblick: Die Geschichte spielt in Oxford zum Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihrer Mutter wächst Esme alleine bei ihrem Vater auf, der sie mit an seinen Arbeitsplatz nimmt. Er arbeitet als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary, sie liegt unter seinem Schreibtisch und hütet heruntergefallene Belegzettel wie einen Schatz in einem alten Koffer, bis sie erkennt, dass die männlichen Gelehrten Begriffe nicht in das Wörterbuch aufnehmen, die Frauen betreffen. Schließlich sammelt Esme auf ihre eigene Weise eben jene Wörter... Mein Bucheindruck: Ich liebe das altertümlich anmutende Buchcover mit den goldenen Ornamenten, den alten Koffern und vergilbten Papierschnipseln. Außerdem fasst sich das Buch sehr wertig an. Weil ich regelmäßig meine Lesezeichen verlege oder vergesse, habe ich mich auch über das Lesebändchen sehr gefreut. Mein Leseeindruck: Durch den Klappentext hatte ich von der Handlung leicht etwas anderes erwartet. Die Idee zu Esmes eigenem Wörterbuch entsteht erst relativ spät im Verlaufe des Buches und auch ist es nicht sie, die es schließlich drucken und binden lässt. Im Buch wirkt das Vorgehen von Esme weniger geplant und zielstrebig, als es mich der Klappentext vermuten ließ. In meinen Augen war sie eine weniger starke Frau als der Klappentext ankündigte. Das fand ich etwas schade. Auch hätte ich mir gewünscht, dass einige der anderen Figuren weniger Randfiguren waren. Das Buch konzentriert sich hauptsächlich auf Esme und erschwert eine Charakterisierung und Vorstellung der anderen Figuren. Auch ihr Loveinterest blieb für mich seltsam vage, obwohl er keine für den Handlungsverlauf unwichtige Rolle spielte. Esme lernte ich zwar besser als die anderen Figuren kennen, fand es aber trotzdem bis zum Ende des Buches schwer, mich in sie einzufühlen und sie sympathisch zu finden. Ich habe »Die Sammlerin der verlorenen Wörter« gerne und mit Interesse gelesen, war aber nicht ganz mit dem Herzen dabei. Das Buch blieb auf der Handlungsebene leider hinter meinen hohen Erwartungen zurück. Mein Eindruck vom Schreibstil: Der Schreibstil des Buches hat mich überzeugt. Er fängt mit seiner Wortwahl die damalige Zeit gut ein. Ich mochte die eingeschobenen Briefe und Belegzettel, die das Buch abwechslungsreicher, vielschichtiger und authentischer machten. Mir gefiel dabei vor allem, dass die Belegzettel sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch abgedruckt wurden. So lernte ich viele für mich neue englische Begriffe. Außerdem fand ich die Danksagung sehr originell, die von der Autorin, passend zum Buch, ebenfalls in Belegzetteln verfasst wurde. Das Buch wirkte auf mich in Bezug auf den Schreibstil druch und durch durchdacht. Mein Abschluss-Fazit: »Die Sammlerin der verlorenen Wörter« ist ein Buch über den Feminismus, der dem ersten Oxford English Dictionary fehlte.

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"Manche Wörter sind mehr als bloß Buchstaben auf einer Buch Seite, meinst du nicht auch? [...] Sie haben eine Form und eine Textur. Sie sind richtige Energiebomben und wenn man sie ausspricht, kann man ihre scharfen Kanten mit den Lippen spüren. Im richtigen Kontext kann das ziemlich kathartisch sein. " S. 262 Pip Williams hat hier einen Roman geschrieben der mich durchwegs sehr begeistert hat. Esme die es sich zur Aufgabe macht jene Wörter die von den Kollegen ihres Vaters, einem Lexikografen der an der Entstehung des Oxford Dictionary mitwirkt, nicht berücksichtigt werden, da sie unterrepräsentiert, nicht genug belegt oder einfach "zu unwichtig" scheinen zu erhalten. Die Wörter, die, wie ihr mit der Zeit bewusst wird, allesamt Frauen betreffen will sie um jeden Preis bewahren. Und so wird sie nicht nur zur Hüterin dieser Wörter, sondern beginnt sich auch bei den Suffragetten zu engagieren. Als Esme ungewollt schwanger wird wird die Geschichte noch einmal sehr spannend da es in der damaligen Zeit doch nochmal eine Spur heftiger war eine leidige, alleinerziehende Mutter zu sein. Nachdem ihr das Kind weggenommen wurde steht Esme an einem Abgrund und stürzt sich danach in ihre Arbeit mir den Wörtern. Nach und nach wird ihr klar das die Wörter die sie in ihrer Truhe versteckt hat es verdient haben mit der Welt geteilt zu werden. So beginnt sie die "Verlorenen Wörter" ans Tageslicht zu bringen und somit einen Teil der Gesellschaft die Representation zu ermöglichen die dieser bisher nie erfahren hat. Mit ihrem Vorhaben stößt sie allerdings auf viele Widerstände. In Garret, einem Kollegen findet sie einen verbündeten und zwischen den beiden entspinnt sich eine Liebesgeschichte. Der Roman hat mich wirklich voll und ganz überzeugt. Ein Roman für alle die sich für Geschichte, Feminismus, Sprache oder auch einfach für Geschichten über starke Frauen interessieren ist dieses Buch sicher eine Freude und wird beim Lesen unterschiedlichste Emotionen hervorrufen. Vielen Dank an das @bloggerportal für dieses wunderbare Rezensionsexemplar Ich habe den Roman bereits einmal verschenkt und werde ihn mit Freude weiterempfehlen.

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Ein etwas ungewöhnlicher historischer Roman Am Ende des 19. Jahrhunderts begann man damit, das erste English Dictionary in England zu erstellen. Zu dieser Zeit wuchs Esme in Oxford auf. Ihr Vater war maßgeblich an diesem Wörterbuch beteiligt. Ihre Kindheit hat die junge Frau unter dem Schreibtisch ihres Vaters verbracht und konnte so mit in die Welt der Wörter eintauchen. Doch irgendwann erkennt sie nicht alle Wörter werden auch aufgelistet, einige werden einfach fallengelassen, vor allem Wörter, die die Welt der Frauen betreffen. Esme beschließt, ihr eigenes Wörterbuch der Frauen zu schreiben. Sie macht sich auf die Suche und findet nicht nur verlorene Wörter, sondern auch das Leben, die Liebe und einen Freiheitskampf, dem sich keiner entziehen kann. Die Autorin Pip Williams lebt im Süden Australiens. Geboren ist sie zwar in London, ist aber in Sydney aufgewachsen und Australien sehr verbunden. Mit dem historischen Roman „Die Sammlerin der verlorenen Wörter/The Dictionary of Lost Words“ legt sie ihr Debüt vor. Das Buch wurde ja bereits von der Presse hochgelobt und eigentlich kann ich mich diesem Lob nur anschließen. Auch mir hat dieser Roman gut gefallen. Die Autorin hat ein gutes Gespür für Wörter entwickelt. Auch wenn die Handlung jetzt nicht im eigentlichen Sinne als spannend zu bezeichnen ist, ist die Geschichte von Esme trotzdem wert gelesen zu werden. Es geht auch nicht nur um den trockenen Stoff der Findung eines Wörterbuchs. Vielmehr wird das Leben einer jungen Frau geschildert, die sich in einer Welt der Männer behaupten muss. Pip Williams hat es gut verstanden, die Arbeit an diesem Buch mit der fiktiven Lebensgeschichte von Esme zu verbinden und gleichzeitig erzählt die Autorin von dem Wandeln in dieser Zeit. Esme wird zunächst als Kind geschildert, man ist beim Lesen dabei, wie sie langsam zur jungen Frau wird und dann im Erwachsenenalter ihr Leben gestalten muss. Gleichzeitig erfährt man aber auch von den Ereignissen dieser Zeit. Es ist die Zeit des Wandels, die Frauen fordern ihre Rechte ein. Die Suffragetten treten ihren Kampf um das Wahlrecht der Frauen an, und dann bricht der Krieg über Europa und England herein. All diese Ereignisse prägen das Leben von Esme und werden von der Autorin geschickt in Szene gesetzt. Mir hat dieses Zusammenspiel von historischen Ereignissen, der Entstehung des Wörterbuchs und dem fiktiven Leben der jungen Frau gut gefallen. Ein Nachwort zum Schluss klärt Fiktion und Wahrheit und gibt einen kleinen Einblick darüber, was die Autorin dazu bewogen hat, diesen Roman zu schreiben. Am Ende steht dann sogar noch eine Zeittafel, die die Ereignisse von 1857-1928 zusammenfasst. Noch ein Wort zum Cover, welches ich wirklich toll finde. Es passt wunderbar zu dieser Geschichte der Wörter und hat mir ausnehmend gut gefallen. Fazit: „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“ ist ein einfühlsamer Roman über eine junge Frau, die ihren Platz im Leben finden muss. Ich habe diese Geschichte sehr gern gelesen. Der Erzählstil ist facettenreich und vielschichtig. Ich konnte mit der Protagonistin mitfühlen und erleben, wie sie die Welt gesehen hat. Ihre Suche nach den verlorenen Wörtern hat mich gut unterhalten und mir die Welt ihrer Wörter nähergebracht. Nicht vergessen sollte man bei dieser Lektüre, dass es um das englische Wort geht. Also werden hier natürlich auch englische Wörter erklärt, zwar immer auch in der Übersetzung, aber im Schwerpunkt eben beruhend auf der englischen Sprache. Ich fand dies interessant und unterhaltsam zugleich zu lesen.

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Bewegend und toll

Von: Christine

21.06.2022

Die Geschichte entwickelt sich langsam, aber stetig und als ich mich dann fest gelesen und zurecht gefunden habe, fand ich es wunderbar wie Pip Williams die Thematik in diesem außergewöhnlichen Buch umgesetzt hat. Angenehm und ruhig, konnte ich mir genug Zeit lassen mich zurecht zu finden und auch um mich an Esme zu gewöhnen, die zu beginnen noch etwas unscheinbar und für mich nicht ganz greifbar war. Im Vordergrund steht natürlich der Umgang mit Worten und der Sprache, doch wird der Fokus auch auf die Frau und ihre damalige Position in der Gesellschaft gelegt. Die Geschichte ist sehr authentisch und durch die umfangreichen und gründlichen Ausführungen der Autorin haben mich auch die historischen Hintergründe begeistert. Die Geschichte wirkt zeitweise etwas deprimierend und hat mich nachdenklich gestimmt, da die Träume der Protagonistin durch ihre Stellung als Frau, in der damaligen Gesellschaft nicht zu verwirklichen sind. Dann wieder war ich gerade zu euphorisch und überwältigt wie magisch Worte wirken können und wie großartig unsere Sprache und deren Bedeutung ist. ⇰Mein Fazit: Die Sammlerin der verlorenen Worte war für mich ein sehr und gewöhnliches historisches und neues Leseerlebnis, was mich berühren und begeistern konnte. ✩✩L⃨E⃨S⃨E⃨E⃨M⃨P⃨F⃨E⃨H⃨L⃨U⃨N⃨G⃨✩✩

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Wer kennt nicht das Oxford English Dictionary. Doch ist auch bekannt, dass die Fertigstellung der ersten Ausgabe fast 40 Jahre gedauert hat? Band 1 erschien im Jahre 1886, der letzte erst im Jahr 1928. Viele Lexikographen und freiwillige Helfer waren an dieser schier endlosen Arbeit und Recherche beschäftigt. Dieses Buch erzählt die Entstehung des Wörterbuches aus Sicht von Esme, der Tochter eines der Lexikographen, die in der Welt der Worte aufwächst. Ihre Mutter ist früh verstorben, der Vater nimmt sie immer mit zur Arbeit ins Skriptorium, einer zugigen Gartenhütte des Herausgebers James Murray. Dort sitzt Esme Stunden unter dem Sortiertisch und sammelt die fallengelassenen Zettel. Allesamt Wörter, die es nicht ins Wörterbuch geschafft haben, für Esme ein wahrer Schatz. Sie versteckt ihre Wörter in der Koffertruhe des Hausmädchens der Murray´s. Lizzie, selbst lediglich 8 Jahre älter, sorgt für Esme. Mit den Jahren wird daraus eine tiefe Freundschaft. Mit dem ersten gesammelten Wort bondmaid = leibeigene Magd begründet Esme ihr „Lexikon der verlorenen Wörter“. Mit den Jahren wird klar, dass vorwiegend Worte aus dem Sprachgebrauch der Frauen nicht in das offizielle Wörterbuch übernommen wurden. So macht sich Esme auf die Suche nach fehlenden Worten, sie spricht mit einfachen Frauen auf dem Markt, erfährt die Auswirkungen des 1. Weltkriegs und schließt sich schlussendlich auch der Frauenbewegung an. Immer wieder erfährt sie Schicksalsschläge. Doch die Macht der Worte scheint sie stark zu machen und sie meistert jede Hürde. Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um mich auf dieses Buch einzulassen, doch einmal in die Welt der Wörter eingetaucht war ich gefesselt. Die Handlung und auch die Protagonistin Esme sind schon etwas ganz Besonderes. Dreh- und Angelpunkt ist die Welt der Worte, welche auch allgegenwärtig ist im Umgang des Vaters mit Esme. Gleichaltrige Freunde hat Esme nicht wirklich, Kinder und Lehrer halten sie für anders. Das zieht sich auch im Erwachsensein fort. Eine bleibende Bezugsperson neben dem Vater bleibt das Dienstmädchen Lizzie, die mehr oder weniger ein Mutterersatz für Esme wird. Als Esme´s größter Wunsch sich erfüllt und sie selbst an Murray´s Wörterbuch mitarbeiten darf, nimmt die Handlung Fahrt auf. Nebenschauplätze und -handlungen kommen dazu, neue und interessante Charaktere tauchen auf. Esme´s Leben wird begleitet von glücklichen und traurigen Ereignissen, die Esmes Leben prägen. Wobei für meine Empfindung die traurigen Momente überwiegen und dem Buch eine größtenteils melancholische, gar düstere Stimmung verleiht. Würde ich es in Farben ausdrücken wollen, so wäre die Geschichte für mich in sämtlichen Nuancen von Schwarz und Weiß mit roten und gelben Lichtreflexen. Ein Liebhaberstück für alle die Bücher lieben. Mein Fazit: Pip Williams hat mit ihrem Buch der Welt des Wortes eine Ehre erteilt. Sie hat wunderbar der historischen Entstehungsgeschichte des Oxford English Dictionary Leben eingehaucht. Viele der Charaktere gab es wirklich. Deren authentische Ausarbeitung mit historischen und fiktiven Handlungen ergaben ein rundes Gesamtbild. Vielen Dank Pip Williams für diese anschauliche und berührende Wörterreise.

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Wer kennt nicht das Oxford English Dictionary. Doch ist auch bekannt, dass die Fertigstellung der ersten Ausgabe fast 40 Jahre gedauert hat? Band 1 erschien im Jahre 1886, der letzte erst im Jahr 1928. Viele Lexikographen und freiwillige Helfer waren an dieser schier endlosen Arbeit und Recherche beschäftigt. Dieses Buch erzählt die Entstehung des Wörterbuches aus Sicht von Esme, der Tochter eines der Lexikographen, die in der Welt der Worte aufwächst. Ihre Mutter ist früh verstorben, der Vater nimmt sie immer mit zur Arbeit ins Skriptorium, einer zugigen Gartenhütte des Herausgebers James Murray. Dort sitzt Esme Stunden unter dem Sortiertisch und sammelt die fallengelassenen Zettel. Allesamt Wörter, die es nicht ins Wörterbuch geschafft haben, für Esme ein wahrer Schatz. Sie versteckt ihre Wörter in der Koffertruhe des Hausmädchens der Murray´s. Lizzie, selbst lediglich 8 Jahre älter, sorgt für Esme. Mit den Jahren wird daraus eine tiefe Freundschaft. Mit dem ersten gesammelten Wort bondmaid = leibeigene Magd begründet Esme ihr „Lexikon der verlorenen Wörter“. Mit den Jahren wird klar, dass vorwiegend Worte aus dem Sprachgebrauch der Frauen nicht in das offizielle Wörterbuch übernommen wurden. So macht sich Esme auf die Suche nach fehlenden Worten, sie spricht mit einfachen Frauen auf dem Markt, erfährt die Auswirkungen des 1. Weltkriegs und schließt sich schlussendlich auch der Frauenbewegung an. Immer wieder erfährt sie Schicksalsschläge. Doch die Macht der Worte scheint sie stark zu machen und sie meistert jede Hürde. Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um mich auf dieses Buch einzulassen, doch einmal in die Welt der Wörter eingetaucht war ich gefesselt. Die Handlung und auch die Protagonistin Esme sind schon etwas ganz Besonderes. Dreh- und Angelpunkt ist die Welt der Worte, welche auch allgegenwärtig ist im Umgang des Vaters mit Esme. Gleichaltrige Freunde hat Esme nicht wirklich, Kinder und Lehrer halten sie für anders. Das zieht sich auch im Erwachsensein fort. Eine bleibende Bezugsperson neben dem Vater bleibt das Dienstmädchen Lizzie, die mehr oder weniger ein Mutterersatz für Esme wird. Als Esme´s größter Wunsch sich erfüllt und sie selbst an Murray´s Wörterbuch mitarbeiten darf, nimmt die Handlung Fahrt auf. Nebenschauplätze und -handlungen kommen dazu, neue und interessante Charaktere tauchen auf. Esme´s Leben wird begleitet von glücklichen und traurigen Ereignissen, die Esmes Leben prägen. Wobei für meine Empfindung die traurigen Momente überwiegen und dem Buch eine größtenteils melancholische, gar düstere Stimmung verleiht. Würde ich es in Farben ausdrücken wollen, so wäre die Geschichte für mich in sämtlichen Nuancen von Schwarz und Weiß mit roten und gelben Lichtreflexen. Ein Liebhaberstück für alle die Bücher lieben. Mein Fazit: Pip Williams hat mit ihrem Buch der Welt des Wortes eine Ehre erteilt. Sie hat wunderbar der historischen Entstehungsgeschichte des Oxford English Dictionary Leben eingehaucht. Viele der Charaktere gab es wirklich. Deren authentische Ausarbeitung mit historischen und fiktiven Handlungen ergaben ein rundes Gesamtbild. Vielen Dank Pip Williams für diese anschauliche und berührende Wörterreise.

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Pip Williams beleuchtet in „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“, am 11. April 2022 in deutscher Übersetzung von Christiane Burkhardt im Diana Verlag erschienen, die Entstehung des berühmten Oxford English Dictionary aus der Perspektive der Frauen, die versteckt hinter den Kulissen zu seiner Entstehung beitrugen. Vielen lieben Dank @bloggerportal und @heyne.verlag für das wunderschöne Rezensionsexemplar! Das Cover ist ein Traum und unglaublich stimmig zur Geschichte passend! Oxford, Ende des 19. Jahrhunderts: Esmes Welt ist geprägt von Wörtern und der exakten Definition ihrer Bedeutung. Sie verbringt den Großteil ihrer Kindheit unter dem Sortiertisch im Skriptorium, an dem ihr Vater und die anderen Lexikographen am ersten Oxford English Dictionary arbeiten. Sie sammeln Wörter, definieren deren historische und aktuelle Bedeutungen und erstellen ein umfassendes Kompendium der englischen Sprache. Doch schnell merkt sie, dass nicht alle Wörter Einzug ins Lexikon halten. Die durchweg männlichen Gelehrten verwerfen immer wieder achtlos Wörter als zu obszön, zu trivial, zu umgangssprachlich. Esme liest die Belegzettel dieser verworfenen Begriffe auf und beginnt zudem selbstständig Wörter zu sammeln, die von den einfachen Leuten fernab der Universität verwendet werden, darunter viele Begriffe, die die Welt der Frauen betreffen. Ihr Lexikon der verlorenen Wörter und der Frauenwörter wird mit den Jahren immer umfangreicher. Wir begleiten Esme beim Heranwachsen, bekommen Einblicke in die jahrzehntelange mühevolle Arbeit am Oxford English Dictionary und werden mit den Konflikten und Verwerfungen Anfang des 20. Jahrhunderts konfrontiert. Pip Williams hat in ihrem gut recherchierten Roman über die Entstehung des berühmtesten Lexikons der Welt eine bewusst weibliche Perspektive gewählt. Das Oxford English Dictionary ist primär ein Unterfangen viktorianischer Gentlemen gewesen, doch bei ihrer Spurensuche in den Archiven ist die Autorin auf die Frauen gestoßen, die größtenteils ungewürdigt hinter den Kulissen an diesem jahrzehntelang andauernden Großprojekt mitwirkten. Dieser Roman ist eine Hommage an all die Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts mutig für ihre Unabhängigkeit und ihre Stimme kämpften. Wir begleiten Esme auf ihrem Lebensweg, wie sie sich ins Leben stürzt, Freundschaften und Liebe findet, aber auch Schicksalsschläge und bittere Enttäuschungen erlebt, wie sie beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Esme erlaubt einen Blick in die Welt des Bildungsbürgertums, aber der Leser bekommt auch immer wieder Einblicke in die Lebensrealität von Frauen anderer Gesellschaftsschichten, sei es die gutherzige, unermüdlich schuftende Hausangestellte Lizzie, die mir besonders ans Herz gewachsen ist, oder die unkonventionelle Schauspielerin und Frauenrechtlerin Tilda oder die Marktfrauen. Deutlich wird an all diesen ganz unterschiedlichen Frauenschicksalen, welchen starren Grenzen und gesellschaftlichen Konventionen Frauen damals unterworfen waren. Besonders eindrücklich wird die Suffragettenbewegung aufgezeigt und der Kampf der Frauen, gehört zu werden. So zeigt Pip Williams stimmungsvoll und feinfühlig die Rolle der Frauen in der damaligen Gesellschaft auf und wie das weibliche und männliche Verständnis für Wörter differieren. Der Roman umspannt primär die Zeit von 1886 bis in die düsteren Jahre des Ersten Weltkriegs hinein mit den beiden in den Jahren 1928 und 1989 spielenden Kapiteln am Ende des Romans. Dabei wird ein Kaleidoskop der gesellschaftlichen Verwerfungen und der gravierenden historischen Ereignisse der Zeit aufgespannt, neben der Suffragettenbewegung werden besonders die Grauen des Ersten Weltkriegs deutlich, aber auch die gesellschaftlichen Ungleichheiten und Klassenkämpfe zwischen Arm und Reich. Die fiktiven Protagonisten bewegen sich dabei in historischen Situationen und begegnen dort real existierenden Personen. Dieser nachdenklich machende und charmante historische Roman hat mich kurzweilig unterhalten und mich in eine spannende Geschichte über die Kraft der Wörter, Liebe und Verlust in eine geschichtsträchtige Zeit eintauchen lassen! Ich hätte gerne noch mehr über Esmes Leben nach 1915 erfahren und mir gewünscht, dass die Protagonistin zuweilen weniger naiv wäre. Aber insgesamt ein schöner Unterhaltungsroman!

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