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Lisa Frieda Cossham

Plötzlich Rabenmutter?

Wie ich meine Familie verließ und mich fragte, ob ich das darf

(5)
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Darf man als Mutter noch mal ganz von vorne anfangen?

Lisa Frieda Cossham schreibt offen über ein Tabu: Sie ist Teilzeitmutter. Sie hat ihre Wünsche über das Familienglück gestellt, ihren Mann verlassen und sieht ihre Töchter seitdem nur jede zweite Woche. Aus einer Familie ist eine gleichberechtigte Elternschaft entstanden, welche die Öffentlichkeit ungleich bewertet: Während der Vater bewundert wird, weil er sich kümmert, gilt die Mutter als Rabenmutter. In ihrem Buch setzt sie sich mit einem veralteten Mutterbild auseinander, das permanente Präsenz voraussetzt, berichtet über die unerwarteten Herausforderungen als »halbe Mutter« und plädiert für ein ebenbürtiges Rollenverständnis.

»Nicht nur ein persönliches Buch, sondern auch ein politisches. […] Sehr überzeugend und auch tröstlich. Es ist ein Mutmach-Buch für alle, die sich trennen müssen oder wollen und vielleicht auch für Menschen, die selber als Scheidungskinder aufgewachsen sind.«

Kerstin Burlage, Nordwestradio/Radio Bremen (17. January 2017)

eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-19655-4
Erschienen am  16. January 2017
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Rezensionen

Anders, als Titel und Cover vermuten lassen

Von: Tanja Hammer aus Leimersheim

15.07.2017

Plötzlich Rabenmutter erinnert vom Cover her mit der reduzierten schwarzen und roten Schrift auf weißem Grund sehr an Bübs Streitschrift Lob der Disziplin. Dann gibt es diesen langen, erklärenden Untertitel, der sich wunderbar in die Reihe der vergnüglichen Unterhaltungsliteratur im Sinne von 100 Jährigen, die aus dem Fenster steigen und verschwinden, einreiht. Sehr provokativ, fast schon radikal kommt der Titel daher. Eine plötzliche Rabenmutter also. Das müsste demnach jemand sein, der zuvor ganz und gar nicht Mutter oder eben keine Rabenmutter war. Lisa Frieda Cossham war Mutter, im Korridor des Normalen könnte man sogar sagen. Wie sie genau das Muttersein gelebt hat, wie sie Mutter zweier Töchter wurde, von welchem Mann und wie sie diesen kennengelernt hat, wird bis auf Seite 42 von 213 ausgebreitet. Dann kommt das, was sie immer und immer wieder verlassen nennt. Wobei verlassen eigentlich ein weg-sein impliziert. Beim Lesen des Titels ging ich davon aus, dass eine Frau ihre Familie alleine gelassen, also verlassen, hat und dann im Nachhinein überlegte, ob sie das dürfe. So ist es nicht. Die Ich-Erzählerin kreist gewaltig um sich selber, um ihre Ausbildung, ihre Freiberuflichkeit, ihre Träume und Wünsche, ihre Töchter, ihre Liebe, ihre Freiheit, ihr Bedürfnis, immer bei ihren Töchtern zu sein. Sie zieht aus, da sie eine neue Liebe, einen Schauspieler, 7 Jahre jünger als sie selber, gefunden hat. Aber sie ist für ihre Kinder da. Immer. Mit ihrem Mann Jan teilt sie sich fortan die Erziehung der Töchter gleichberechtigt (ein sehr häufig gebrauchtes Wort in diesem Buch) und hälftig. Die Mädchen sind eine Woche bei Mama in der WG und schlafen bei ihr in einem Etagenbett, das im WG Zimmer untergebracht ist. Die andere Woche sind die Mädchen beim Vater in der alten Wohnung, in der jedes Kind sein Zimmer hat. Elternabende besucht sie, Telefonkontakt wird auch gehalten. Nach ein paar Monaten geht der Vater, der schrecklich trauert und die Emanzipationsbestrebungen seiner Frau überhaupt nicht akzeptieren kann, eine neue Beziehung mit einer alleinerziehenden Frau ein. Fortan empfindet die Mutter die Beziehung zu den Mädchen wieder enger und leichter. Das ganz große Manko des Buches ist neben den falschen geweckten Vorstellungen, dass die Geschichte mal eine Kolumne war. Es finden sich sehr viele Redundanzen, die natürlich in einer wöchentlichen Kolumne ihren Platz haben, weil man natürlich nicht davon ausgehen kann, das jede Leserin die vorherige Episode gelesen hat. Bei einem Buch ist das anders. Als nicht hochvergesslich fand ich es ausgesprochen langatmig und langweilig, immer und immer wieder das Gleiche zu lesen. Sprachlich befindet sich das Ganze auf leider sehr flachem Gebiet. (Mit Bewerbungsmappen und der richtigen Gesprächstaktik. [S. 34] Fehlen hier nicht Satzglieder?) Es wird berichtet. Mit indirekter Rede erfährt die Leserin, was die Kinder gesagt haben und die Mitbewohnerin gedacht hat. Spannung geht anders. Manche Sätze kann ich nicht wirklich sinnentnehmend lesen, etwa: „Also versinke ich in Büchern, Notizen, den Tagen mit kurzen Pausen um zwölf und um drei, zum Abendbrot kehre ich heim.“ (S. 31). Fazit: Es bleibt so ein fahler Beigeschmack des Bemitleidens. Die arme Frau ist an ihren eigenen Vorstellungen gescheitert und nun denkt sie, die anderen (wer immer das genau sein mag) denken, sie habe versagt (wobei auch immer). Handwerklich ist noch Luft nach oben. Im Grunde ist ihr einfach echtes Leben passiert. Aber das ist natürlich nicht so spektakulär wie Plötzlich Rabenmutter? Wie ich meine Familie verließ und mich fragte, ob ich das darf.

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"....bleib du mir mein Kind, ich bleibe dir deine Mutter..."

Von: 100.geschichten

17.02.2017

In ihrem Buch „Plötzlich Rabenmutter“ setzt sich die Autorin Lisa Frida Cossham mit der großen Schuldfrage auseinander, ob man als Frau und Mutter seine Familie für eine neue Liebe verlassen darf. Getreu nach dem Stigma der Gesellschaft „Schuld ist, der geht.“ beleuchtet Cossham unsere – doch sehr veralteten Wertevorstellungen. Das über 200 Seiten umfassende Buch ist eine Mischung aus Sachbuch und biografischen Erfahrungsberichten, welche die Autorin auch schon als Kolumne für die SZ verfasste. Es beschreibt die Trennung und das Verlassen der Familienwohnung, in der der Vater und die beiden gemeinsamen Töchter zurückbleiben. Sie teilen sich die Betreuung der Kinder wochenweise auf und leben das Wechselmodell. Sie schreibt: „…während das Wechselmodell eine Aufwertung für den Vater darstellt … bedeutet es für die Mutter eine Abwertung.“ Lisa Frieda Cossham zeigt in ihrem Buch auf, dass für Kinder nicht das Modell entscheidend ist, ob sie eine glückliche Kindheit erleben, sondern dass die Eltern erhalten bleiben. Wenn beide Elternteile gut mit den neuen Umständen umgehen, fällt es auch den Kindern leichter, dass neue Leben zu akzeptieren. Neben den persönlichen Erfahrungen erfährt der Leser viel Wissenswertes über Mutterleitbilder, Statistiken und Umfragen zu Trennungsfamilien und neuen Familienmodellen. Fazit: Ich muss sagen, dass ich unter dem Titel „Plötzlich Rabenmutter“ eine Mutter erwartet habe, die nicht nur ihre Familie verlassen hatte, sondern auch ihre Kinder im Stich lässt. Doch das tut sie nicht. Für mich ist es in diesem Fall eine gleichberechtigte Aufteilung der Erziehungsarbeit, wie es in der funktionierenden Beziehung davor auch schon war. Es haben sich lediglich die Räume & Zeiten verändert. Das Wort „multilokal“ trifft es am Besten. Die Töchter wachsen liebevoll betreut an zwei unterschiedlichen Orten auf – wöchentlich wechselnd. Den inneren Konflikt der Autorin kann ich dennoch sehr gut nachvollziehen. Der öffentliche Druck eine Supermutter und Ehefrau zu sein die gleichzeitig im Job ebenfalls Superwoman zu sein hat, ist in der heutigen Leistungsgesellschaft sehr hoch. Wenn man dann auch noch das perfekte Bild durch eine Trennung zerstört, katapultiert frau sich in die Außenseiterliga auf die Reuebank. Da sie dies scheinbar freiwillig so wollte, hat sie bitteschön auch kein Recht auf negative Gefühle wie Wut, Trauer, Zweifel und Ängste. Ich persönlich erlaube mir den Gedanken, dass die innerliche Zerrissenheit der Autorin nicht so stark ausgeprägt wäre, wäre der Trennungsgrund keine neue Liebe gewesen, sondern das Scheitern der Ehe mit all ihren Problemen ohne Einfluss eines Dritten. Nach vielen Phasen des Reflektierens und der Abschiedsverarbeitung kommt die Akzeptanz der Realität und die Neuausrichtung – dies geschieht bei jedem Menschen individuell und es freut mich am Ende folgenden Satz zu lesen: „Mitten in der Trauer darüber, zu viert gescheitert zu sein, habe ich mich als Frau und Mutter emanzipiert …“ Diese Erkenntnis wünsche ich allen Müttern, die den Mut hatten nicht in einer unglücklichen Ehe zu bleiben, um der immer noch moralisch bornierten Gesellschaft gerecht zu werden. Sondern die ihren eigenen Weg gehen und die Kinder liebevoll und fürsorglich im Blick behalten und ihnen trotz allem eine wundervolle Mutter und auch Vorbild sind.

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Vita

Lisa Frieda Cossham, geboren 1979 in Berlin, ist der Familientradition folgend mit 22 Mutter geworden. Sie hat Theaterwissenschaft studiert, ein zweites Kind bekommen und nach ihrem Magisterabschluss die Deutsche Journalistenschule besucht. Nach Praktika bei der Süddeutschen Zeitung und dem SZ-Magazin begann sie als freie Journalistin zu arbeiten und schreibt seither für verschiedene Magazine, u.a. für Stern und NIDO. 2013 trennte sie sich von ihrem Mann, mit dem sie sich seitdem die Kinder teilt. Was das bedeutet, erzählt die Autorin in ihrer Kolumne „Teilzeitmutter“ auf sz-magazin.de und in diesem Buch.

Zur Autorin

Pressestimmen

»Lisa Frieda Cossham hat über ihr Lebensmodell ein erfrischend ehrliches Buch geschrieben. Das Beste: der optimistische Sound.«

Myself (01. February 2017)

»Cossham beobachtet sehr genau, was das Eheaus mit dem Erwachsenen und ihren Kindern macht und was mit Frauen passiert, wenn sie Mütter werden.«

Die Welt kompakt (08. February 2017)

»Die Reaktionen, die sie auf die Kolumne bekommen hat, decken sich mit der gesellschaftlichen Doppelmoral gegenüber arbeitenden Müttern: Und dem Vorwurf, eine schlechte Mutter zu sein, weil man seine Kinder nicht mehr täglich sieht. All das verarbeitet Frieda Cossham als Autorin, für sich selbst, aber auch für andere Teilzeit-Mütter, die ihr eigenes Leben nicht komplett der Mutterrolle unterordnen wollen.«

"Mensch, Theile!" in BAYERN 3 (01. February 2017)

»[D]ie Journalistin Lisa Cossham [...] berichtet [...] von einem Sturm der Entrüstung, der über sie losbrach, als sie offen über das Tabuthema berichtete.«

Für Sie (10. April 2017)