Mein Jahr der Ruhe und Entspannung

Roman

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Mein Jahr der Ruhe und Entspannung
Taschenbuch
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»Um das ganz klarzumachen: Ottessa Moshfegh ist verdammt noch mal genial!« FAS

Unbefangen und mit bissiger Ironie erzählt Ottessa Moshfegh von einer Frau, die Winterschlaf hält, um ihrer aufgeputschten Scheinwelt zu entkommen. Der neue Roman von einer der wichtigsten neuen Stimmen der amerikanischen Literatur.


Übersetzt von Anke Caroline Burger
Originaltitel: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung
Originalverlag: Liebeskind
Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-71945-7
Erschienen am  07. Dezember 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Ruhe, aber keine Entspannung

Von: Bearnerdette

04.02.2021

Eine junge New Yorkerin, schlank und schön, möchte immer mehr schlafen. Bei einer zwielichtigen Therapeutin, die sich nicht einmal merken kann, dass die Eltern ihrer Patientin tot sind, lässt sie sich jede Menge Medikamente verschreiben, auch experimentelle. Damit dehnt sie ihre Schlafphasen immer mehr aus, auf 12 dann 14 Stunden pro Tag. Sie vernachlässigt ihre Arbeit in einer Kunstgalerie, verliert jegliches Interesse an sozialer Interkation, beispielsweise mit ihrer besten Freundin Reva, und lässt sich immer mehr gehen. Mein Jahr der Ruhe und Entspannung von Ottessa Moshfegh ist ein Buch in dem nur wenig geschieht, aber viel gesagt wird. Ein Blick auf Depressionen, wie ich ihn noch aus keinem Buch kenne. Mit einer unsympathischen Protagonistin, die einen dennoch berührt, gerade durch ihre kühle, gefühlsarme Art. Immer mehr erfährt man über sie und über die Umstände, die sie an einen Punkt gebracht haben, an dem sie der Welt nur noch den Rücken kehren will. “Ich ertappte mich, wie ich mit angehaltenem Atem auf dem Sofa lag und die Staubflocken beobachtete, die von einem Luftzug über den Dielenboden gewirbelt wurden. Dann erinnerte ich mich kurz daran, dass ich lebendig war, und war auch schon wieder weg”. (Seite 82) In der Mitte hatte das Buch ein paar Längen, alles in allem hat es mir aber ungemein gut gefallen. Dazu trug auch der eingängig Schriebstil bei. Mein Jahr der Ruhe und Entspannung ist ein lohnenswerter aber ungeschönter Blick auf eine Frau und ihre mentale Gesundheit. Erschienen ist das Taschenbuch bei BTB, ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Beängstigende Dimension der Depression

Von: Kate Rapp

14.01.2021

„Mein Aussehen machte mich zur Gefangenen einer Welt, in der Aussehen mehr zählte als alles andere.“ Mitte Zwanzig, mit einem Abschluss in Kunstgeschichte und haufenweise geerbten Geldes nach dem Tod beider Eltern, igelt sich die Erzählerin in ihrem schicken Appartement an der Upper East Side ein und will nur noch schlafen. Beziehungsunfähig, lebensunfähig und ohne Vision von der eigenen Zukunft katapultiert sie sich mit Hilfe von Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten in einen „Winterschlaf“, einen ständigen tranceartigen Zustand der Chemiebetäubung oder des Fernsehschauen, um sich von dem gefährlich oberflächlichen Dasein zu erholen, was sie das Leben nennt. „Mein vergangenes Leben wäre nichts als ein Traum, und ich könnte noch einmal ganz von vorn anfangen, ohne Reue, gestärkt von dem Glück und der Gelassenheit, die ich in meinem Jahr der Ruhe und Entspannung gewonnen hätte.“ Eine Überforderungssymptomatik, eine Unsicherheit und Depression, mit der ihre Psychiaterin Dr. Tuttle nicht umgehen kann. Sie fertig sie mit skurrilen Allgemeinplätzen ab und verschreibt ihr immer stärkere Medikamente. Ganze Tage verbringt sie schlafwandlerisch, geht einkaufen, feiern und trifft sich mit Menschen, ohne sich daran zu erinnern. „Irgendwie schien ich im Schlaf wach zu sei. Es war ein wunderbares Gefühl. Fast wie Glück.“ Sie lebt im Schlaf und schläft im Leben und ihre gesprächsfreudige Freundin Reva ist die einzige, die sich zu sorgen scheint, aber die geht ihr gehörig auf die Nerven. Bei der Beerdigung von Revas Mutter, einer durchschnittlichen Frau aus einfachen Verhältnissen, beliebt und vermisst, wird ihr klar, wie gestört ihre eigene Mutterbeziehung war. Diese abgrundtiefe Verzweiflung macht Ottessa Moshfegh schmerzlich greifbar, die Eigenaufgabe, die Kapitulation. Ich hatte das Gefühl, einem Selbstmord auf Raten beizuwohnen, einer Imitation der Mutter, die an einer Überdosis Tabletten starb. Erst ein letzter Gewaltakt, in dem sie mit Hilfe eines verachteten Künstlers eine Katharsis durchlebt, versetzt sie in die Lage, sich dem Leben wieder zu stellen. Ein bemerkenswertes aber auch verstörendes Buch, das dem Begriff „Depression“ eine völlig neue Dimension verleiht.

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Vita

Ottessa Moshfegh

Ottessa Moshfegh wurde in Boston geboren und ist kroatisch-persischer Abstammung. Sie wurde in die Granta-Liste der zwanzig besten jungen Autoren aus den USA aufgenommen. »Eileen« stand auf der Shortlist des Man Booker Prize und wurde mit dem PEN/Hemingway Award ausgezeichnet. Ottessa Moshfegh lebt in Los Angeles.

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