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Vanessa Springora

Die Einwilligung

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Paris, Mitte der 1980er-Jahre. Die dreizehnjährige Vanessa lernt den kultivierten Literaten G. M. kennen, der wochenlang in sehnsuchtsvollen Briefen um sie wirbt. Sie wird freiwillig zum sexuellen Kindesopfer dieses Mannes. Als Vanessa begreift, wie sehr sie von ihrem Liebhaber psychisch überfordert, betrogen und manipuliert wird, sucht sie in ihrem Umfeld Hilfe. Aber vergeblich.

Das Künstlermilieu, in dem sich Vanessa und ihre Mutter bewegen, toleriert, dass G. M. auf Minderjährige fixiert ist und sich seiner Neigung rühmt. Der Zeitgeist macht es ihm leicht. Auch Vanessas Mutter lässt diese Beziehung zu. Die Polizei und das Jugendamt, durch anonyme Hinweise auf die strafbaren Handlungen aufmerksam gemacht, verfolgen den Fall nur halbherzig.


Aus dem Französischen von Hanna van Laak
Originaltitel: Le consentement
Originalverlag: Edition Grasset
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-26901-2
Erschienen am  09. June 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Die Einwilligung

Von: Elena_liest

24.05.2021

Mitte der 80er Jahre in Paris: Die 13-jährige V. lernt auf einem Abendessen der Verlagsbranche den 36 Jahre älteren Autor G. M. kennen. Sie ist geschmeichelt von dessen Aufmerksamkeit, lässt sich von den zahlreichen auf diesen Abend folgenden Liebesbriefen einfangen - und in eine Beziehung führen, in der G. M. sowohl auf sexueller, als auch auf psychologischer Ebene die Macht inne hat. Obwohl sie sich Jahre später aus der Beziehung lösen kann, wirkt sich der dadurch angerichtete Schaden auch heute noch auf ihr Leben aus. G. M. veröffentlicht in der Zwischenzeit mehrere Bücher über seine Beziehung mit der minderjährigen V., ohne vorher ihr Einverständnis einzuholen. Durch ihr autobiographisches Buch "Die Einwilligung" setzt Vanessa Springora G. M. nun aber etwas entgegen: ihre eigene Stimme. Sie bricht ihr Schweigen und erzählt die Geschichte ihrer Beziehung, des Machtmissbrauchs seitens G. M. und sein konsequentes Ausnutzen der Schwachen. Und sie berichtet, wie alleine sie gelassen wurde: Ihre Mutter wusste von der Beziehung zwischen der Minderjährigen und dem 50jährigen, tat aber nichts dagegen - vielmehr lud sie G. M. noch zu gemeinsamen "Familienessen" nach Hause ein. Die Polizei erhielt anonyme Briefe über den Missbrauch, ermittelte aber nur halbherzig. Die Gesellschaft wusste sie auch nicht auf ihrer Seite, denn gerade in den 70er und 80er Jahren gab es in Frankreich in der linken Intellektuellenszene eine Bewegung, die sich stark machte für die freie Entfaltung der Sexualität. Sie wurde unter anderem unterstützt von prominenten Autor*innen wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre - und forderte in diesem Zusammenhang, das Strafrecht bei Beziehungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen zu lockern, das Einvernehmen zwischen den Beteiligten vorausgesetzt. Das hat mich besonders schockiert, denn ist es Minderjährigen überhaupt möglich, hier ein Einvernehmen zu erteilen? Die Autorin meint: Nein. Und dass sie Jahre später immer noch unter den psychischen Folgen der Beziehung zu leiden hat, spricht wohl Bände. G. M. konnte bis zur Veröffentlichung des Buches jedoch in Ruhe und mit Erfolg sein Leben weiterleben - und seine Neigungen weiter ausleben. In seinen Büchern spricht er ganz offen über sein sexuelles Interesse an minderjährigen Jungen und Mädchen. Er hält mit seiner Pädophilie nicht hinter dem Berg, wird 2013 jedoch trotzdem mit einem französischen Literaturpreis ausgezeichnet und darf in zahlreichen Talkshows auftreten. Für mich absolut unfassbar. Vanessa Springora hat es mit "Die Einwilligung" geschafft, den Menschen die Augen für ihre Geschichte zu öffnen. Sie kommt dabei ohne wütende Anklage aus, legt vielmehr die Fakten dar und schafft es durch ihren nüchternen Schreibstil, dass das Buch noch erschütternder wirkt. In diesen unter 200 Seiten steckt so viel Schockierendes und so viel Zündstoff - ich kann wirklich nur allen, die sich mit diesem Thema auseinander setzen können, raten, das Buch zu lesen.

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kennt die Liebe ein Alter?

Von: litterarumnebula

19.07.2020

"Ich bin vor kurzem vierzehn geworden. Er wird bald fünfzig. Na und?" Mit diesen Worten startet V. in die Liebesbeziehung mit G. M. einem bekannten französischen Schriftsteller. Wie falsch sich das anhört ist jedem klar, nur ihr damals nicht. Vom Vater verlassen freut sie sich über die Aufmerksamkeit eines älteren Mannes, findet dort endlich Liebe, die sie so dringend sucht. Oder zumindest glaubt sie das. Langsam und bedacht kappt G. M. alle ihrer Beziehungen zu gleichaltrigen, bis sie fast alleine steht und niemand ihr hilft aus der Beziehung zu fliehen. "Das Stockholm-Syndrom ist mehr als ein Gerücht." Keine Schminke, keine Schokolade, ihr jugendliches, fast kindliches Aussehen soll sie behalten, was Pädophil bedeutet, lernt sie viel zu spät und wie falsch das ist auch. Seine Bücher, in denen er sich mit Liebschaften zu Kindern brüstet, darf sie nicht lesen. Nur die harmlosen. Am Ende sieht sie eher sich als Ungeheur als ihn. Ich weiß nicht genau wie ich dieses Buch beschreiben soll. Noch nie haben mich 114 Seiten so aufgewühlt. Man fühlt mit V., versteht ihr Denken und Handeln und möchte sie am liebsten von diesem Mann wegziehen. Mich überraschte die Ehrlichkeit mit der die Autorin berichtet. Von der Liebe, der Beziehung und dem Leid, dass sie noch Jahre verfolgte, ebenso wie G. M. selbst es ebenfalls tat. 5 / 5 Sternen. Aber definitiv keine Leseempfehlung für jeder man. Ich möchte hiermit eine Triggerwarnung für Missbrauch jeglicher Form aussprechen, auch mir ist das Lesen nicht immer leicht gefallen. "Solange mir nicht bewiesen werden kann - mir, wie ich jetzt, heute, bin, mit meinem Herzen und meinem Bart und meinem beginnenden körperlichen Verfall -, dass es im unendlichen Lauf der Dinge kein Jota ausmacht, wenn ein minderjähriges nordamerikanisches Mädchen namens Dolores Haze von einem wahnsinnigen ihrer Kindheit beraubt wird, [...] sehe ich kein anderes Mittel gegen mein Elend als die schwermütige und sehr punktuelle Linderung, ihm künstlerischen Ausdruck zu geben." - Vladimir Nabokov, Lolita

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Vita

Vanessa Springora wurde am 16. März 1972 geboren und studierte an der Sorbonne Universität Literatur. Seit 2006 arbeitet sie als Lektorin des Verlages Editions Julliard, den sie ab 2021 leiten wird. Ihr autobiographischer Text "Le consentement" (Die Einwilligung) erschien im Januar 2020 im Grasset Verlag und löste ein literarisches Erdbeben aus, weit über Frankreich hinaus.

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