Sie haben sich erfolgreich zum "Mein Buchentdecker"-Bereich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Rezensionen zu
GOTT

Ferdinand von Schirach

(101)
(17)
(2)
(0)
(0)
€ 18,00 [D] inkl. MwSt. | € 18,50 [A] | CHF 25,90* (* empf. VK-Preis)

Das Thema des Buches ist Sterbehilfe, das mir als schweres literarisches Thema erscheint. Als ich dann auch noch sah, dass es ein Theaterstück ist, war ich etwas skeptisch. Aber genau das war perfekt. Die Argumente beider Seiten wurden ausgiebig erläutert. Man hatte nie das Gefühl, dass der Autor den Leser/Zuschauer auf eine bestimmte Seite bringen will. Eher andersrum. Jedes mal wenn ich das Gefühl hatte mir eine Meinung gebildet zu haben, kam ein neues Argument und ich musste wieder von vorne grübeln. Auch die Form der Gerichtsverhandlung fand ich sehr passend. Alles war sehr analytisch mit ein paar emotionalen Ausbrüchen, die sehr passend gewählt waren um das Verfahren nicht ganz trocken zu lassen. Dadurch dass man nur wörtliche Rede hatte, wurde man auch nicht von den Gedanken der Protagonisten abgelenkt. Ich konnte mich also ganz auf meine eigenen Gedanken und Meinungsbildungsprozess konzentrieren. Zwar kann ich nach diesem Buch immer noch nicht genau sagen, was ich über Sterbehilfe denke, dennoch hat es mich dazu gebracht mich stark mit dem Thema zu befassen. Der Anhang war sehr hilfreich dafür!

Lesen Sie weiter

Richard Gärtner ist 78 Jahre alt, körperlich wie mental völlig gesund, und dennoch: Seit dem Tod seiner geliebten Ehefrau will er nicht mehr leben. Durch das Urteil vom deutschen Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 hätte er jedes Recht dazu, sich eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital verabreichen zu lassen. Rechtlich gesehen wird das Vorhaben von Richard durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht unterstützt, welches auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Doch dieses Medikament muss ihm von einer Ärztin oder einem Arzt verabreicht werden und diese oder dieser darf selbstverständlich selbst entscheiden, ob man zur Verabreichung des Medikaments bereit ist. Herr Gärtner müsste sich also nicht vor den Zug werfen, sich nicht erhängen, in der Badewanne einschlafen oder ähnlich schlimme Szenarien durchmachen. Was ist aber mit den Ärzt:innen, die das Mittel verabreichen müssten? Das als Theaterstück verfasste Buch eröffnet die Bühne für die Tagung des Ethikrats, der sich mit dieser Frage beschäftigt: Soll eine Ärztin oder ein Arzt einem Menschen dabei helfen zu sterben? Es beginnt eine hitzige Debatte, bei der u.a. der Rechtsanwalt von Hr. Gärtner, die Augenärztin des Protagonisten, ein medizinischer und theologischer Sachverständiger zu Wort kommen. Ohne das Theaterstück selber zu lesen, muss wohl allen Leser:innen klar sein, dass die Sterbehilfe ein höchst kontroverses und brisantes Thema darstellt, welches sämtliche Meinungen spaltet. Viele Perspektiven und Argumentationsweisen sollen die Leserschaft vom jeweils auftretenden Standpunkt überzeugen. Was bereits von Anfang eigentlich klar sein sollte: Schlussendlich bleibt die alles entscheidende Frage offen. Doch was ich besonders gut an dem Theaterstück fand, war die Nachvollziehbarkeit der gegensätzlichen Argumentationen. Selbst wenn man eine vorgefestigte Meinung zum Thema Sterbehilfe hat, kommt man nicht umher, die Argumente und Einwände der „gegnerischen“ Seite verstehen zu können und das ganze Thema aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Wobei ich an einigen Stellen empfand, dass eine Seite gegenüber der anderen überwiegt (vielleicht liegt es aber auch an meiner eigenen subjektiven Perspektive?). Ein Buch, welches einen hilfreichen Einblick in das Thema Sterbehilfe liefert und eine Übersicht über alle wichtigen und relevanten Argumente darbietet. Meiner Meinung nach ein Buch, was zum Nachdenken anregt und gleichzeitig hilft, sich in die Position anderer Personen zu begeben.

Lesen Sie weiter

Ein grandioses Buch

Von: Booklover_annka

24.09.2021

Dieses Buch hat mich absolut umgehauen, da ich mich mit dieser Thematik schon seit meiner Schulzeit befasse. Ich fand die Schreibweise super und die Argumente sehr interessant. Es war nicht mein letztes Buch von diesem Autor!

Lesen Sie weiter

In diesem Theaterstück setzt man sich als Leser intensiv mit dem Thema Suizid und Sterbehilfe auseinander. Dabei werden unterschiedliche Positionen dargestellt; unter den Figuren befinden sich ein Arzt, ein Rechtsanwalt, sowie ein Rechts-, ein medizinischer und ein theologischer Sachverständiger. Des Weiteren gibt es die Vorsitzende des Ethikrats und Richard Gärtner, der im Alter von 78 Jahren ärztliche Unterstützung bei seinem Suizid erhalten möchte. Mehrere Gutachten bestätigen seine körperliche wie psychische Gesundheit. Nichtsdestotrotz möchte er nach dem Tod seiner Ehefrau vor wenigen Jahren nicht mehr alleine leben, sondern in Würde und slbstbestimmt sterben. Bis auf die Figur des Bischofs können alle Rollen von Frauen gespielt werden. Zudem gliedert sich das Stück in zwei Akte; ab Seite 123 finden sich im Anhang mehrere Essays, die sich vertiefend mit den Themen auseinandersetzen. Behandelt werden gängige Argumente, geschichtliche Einordnungen, die gesetzliche Lage, ein internationaler Vergleich und so weiter. Das Theaterstück ist sehr packend geschrieben, weswegen man es auch gut in einem Rutsch durchlesen kann – trotz der starken Thematik. Sehr ansprechend finde ich, dass der Ausgang des Stückes offen bleibt, sodass ein jeder Leser sich auf Grundlage der Lektüre eine – neue? – fundierte Meinung bilden kann. Die Frage, wem das Leben und das Sterben gehört -, ist wesentlich schwieriger zu beantworten, als auf den ersten Blick anzunehmen wäre. Die oftmals als selbstverständlich eingenommene Haltung gerät während des Lesens jedoch immer weiter ins Wanken, da zahlreiche richtige und wichtige Argumente hervorgebracht werden. Sehr deutlich zeigt von Schirach auch in diesem Werk, wie wichtig und aktuell das Thema und wie schwierig und schwerwiegend eine Entscheidung ist. Außerdem gelingt es dem Autoren meisterhaft, das Thema in einen größeren Kontext zu setzen und Verbindungen zu unterschiedlichen Themen zu ziehen. Mich hat das Werk zum Nachdenken angeregt und ich kann es sehr weiterempfehlen. Außerdem habe ich mich sehr über die eingewobenen Statistiken gefreut, die mir zu einem guten Teil so nicht bekannt waren.

Lesen Sie weiter

Richard Gärtner ist 78 Jahre alt. Körperlich ist er bei bester Gesundheit. Doch seit dem Tod seiner Frau sieht er keinen Grund, mehr zu leben. Er will keine unsicher Variante eines Freitodes. Er verlangt nach einem Medikament, will unter ärztlicher Aufsicht sterben. Der Deutsche Ethikrat tagt: Juristen, medizinische und theologische Sachverständige sind zusammengekommen, um eine grundlegende Frage zu diskutieren: Wem gehört unser Leben? Der Jurist und Schriftsteller Ferdinand von Schirach ist ein Garant für hochwertige Diskussionen zu juristischen, moralischen, ethischen Grundsätzen. Auch hier in dem vorliegenden Werk: „GOTT“ ist ein Theaterstück, das Publikum die Leser*innen. Es geht um das selbstbestimmte Sterben, in Würde und unter ärztlicher Beihilfe. Schirach gibt Vertretern aus Recht, Medizin und Kirche das Wort. Es sind sehr unterschiedliche Standpunkte, die hier vertreten werden. Mit jeder Frage, jeder Antwort, jedem Argument verleitet Schirach die Leser*innen nachzudenken, die eigene Überzeugung auszuloten und zu hinterfragen. Das Stück heißt Gott, der theologische Sachverständige ist Mitglied der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Mir wäre es lieber gewesen, das Stück hieße „Mensch“. Denn um diesen geht es. Das menschliche Leben und Sterben möchte ich nicht von einer metaphysischen Instanz geregelt bekommen, die ich für mich nicht als verbindlich betrachten kann. Rechtsanwalt Biegler - mitunter ein alter ego des Autors – gibt überzeugend den Advocatus Diaboli. (Seit Biegler in einer Verfilmung von Klaus Maria Brandauer dargestellt wurde, hatte ich auch immer dessen Stimme im Ohr.) Die verfassungsrechtlichen und strafrechtlichen Bestimmungen haben lange Zeit restriktiv die sogenannte „Sterbehilfe“ verneint. Seit einem Urteil des Deutschen Bundesverfassungsgerichts im Februar 2020 wurden die Bestimmungen in Deutschland hierzu liberalisiert. Bei Erscheinen des Buches war in Österreich die Beihilfe zum Suizid immer noch unter Strafe gestellt. Seit Dezember 2020 hat auch der Österreichische Verfassungsgerichtshof entschieden, dass sowohl das Recht auf die Gestaltung des Lebens als auch das Recht auf ein menschenwürdiges Sterben das Recht auf freie Selbstbestimmung umfasse. Das vorliegende Buch ist ein wertvoller Beitrag zu der komplexen Thematik, philosophisch und hintergründig, dabei aber trotzdem verständlich und leicht lesbar.

Lesen Sie weiter

Auch in seinem zweiten Theaterstück trifft Ferdinand von Schirach den Nerv der Gesellschaft, indem er ein aktuelles und brisantes Thema anspricht – die Sterbehilfe. So lässt er Experten auf ihren jeweiligen Gebieten auftreten, die alle ihre Meinung authentisch und überzeugend vermitteln. Schlussendlich musst jedoch du entscheiden. Ziel dieses Buches ist es, einen Gesprächs- und Gedankensprozess anzustoßen, in welchem du dir deine eigene Meinung bildest. 

Lesen Sie weiter

Inhalt: Der Ethikrat tagt und debattiert über den Wunsch Richard Gärtners. Gärtner möchte sterben. Er ist zwar kerngesund, doch seit dem Tod seiner Frau fehlt ihm jegliche Freude am Leben. Rechtlich ist die Frage nach der ärtzlichen Beihilfe zum Suizid geklärt. Der Ethikrat stellt sich einer anderen Frage. Sollen Ärzt*innen ihren Patient*innen beim Suizid helfen? Persönliche Meinung: "Gott" ist ein Theaterstück in zwei Akten von Ferdinand von Schirach, das sich mit der ärtzlichen Beihilfe zum Suizid auseinandersetzt. Damit behandelt "Gott" ein brisantes und gesellschaftlich relevantes Thema. Interessant ist dabei, wie v. Schirach sich dem Thema annähert. Im Theaterstück kommen unterschiedliche Figuren zu Wort, die ihre jeweilige Profession repräsentieren und personifizieren: eine Professorin der Rechtswissenschaften (Litten), ein Professor der Bundesärtzekammer (Sperling) und ein Bischof (Thiel). Die moderierende Funktion übernimmt die Vorsitzende des Ethikrats. Das Setting erinnert teilweise an eine Gerichtsverhandlung. Litten, Sperling und Thiel werden der Reihe nach aufgerufen und legen ihren Standpunkt dar, wobei dieser diskursiv mithilfe von Gärtners Rechtsanwalt Biegler und Keller, einem Mitglied des Ethikrates, ausgearbeitet wird. Schweigsam ist dabei die Figur, um dessen Sterbewunsch es geht: Gärtner, der geheime Protagonist der Handlung. Er erhält ebenfalls eine Profession, vermutlich sogar die wichtigste: die Profession über sein Ich, seine Gedanken und Bedürfnisse. Generell ist "Diskursivität" das große Signum, unter dem "Gott" steht. Verschiedene Standpunkte werden vorgeführt, Meinungen diskutiert. Die unterschiedlichen Ansichten werden aber nicht verurteilt und jede dargestellte Auffassung hat ihre Berechtigung. "Gott" endet daher konsequenterweise offen. Die eingangs gestellte ethische Frage, ob Ärzt*innen Patient*innen beim Suizid helfen sollen, bleibt unbeantwortet. So wird die Frage in die Realität der Leser*innen getragen: "Gott" setzt einen Denkprozess in Gange, sich selbst mit der Thematik auseinanderzusetzen und eine eigene Meinung zu bilden. Ergänzt wird das Theaterstück um drei Essays, verfasst von drei Wissenschaftlern, die die Thematik jeweils aus einem philosophischen, ethischen und juristischen Blickwinkel betrachten.

Lesen Sie weiter

Vor der Ethikkommission wird der Fall von Richard Gärtner diskutiert. Er ist 78 Jahre alt, körperlich und geistig fit, möchte aber gerne sterben. Er möchte die Möglichkeit nutzen um mit einem Medikament und einem Arzt des Vertrauens friedlich zu "entschlafen". Doch so einfach scheint es nicht wie Richard es sich gedacht hat. "Deshalb bin ich hier. Ja. Ich will, dass alle verstehen, dass es in Ordnung ist, dass ich sterben will. Ich will, dass man Menschen wie mir hilft. Ich will sterben, und das nicht amoralisch, egoistisch oder krank." (Seite 20) Zu diesem Thema hatte ich mir nicht wirklich Gedanken gemacht. Auch als ich zu lesen begann dachte ich dass es da nicht viele Hürden geben wird, ich meine, jeder hat ein Recht auf ein freies Leben und auf einen freien Tod. Doch Ferdinand von Schirach beweist es wieder anders. Der Titel könnte nich besser gewählt sein. Eigentlich heiss es immer Gott bestimmt über alles, wehe man tötet sich selbst, man landet in der Hölle, was wird die Gesellschaft denken, ect. Aber wer hat wirklich das Recht über uns zu bestimmen? Zu Beginn wieder die Rollen, wer ist wer, wo findet diese Unterhaltung statt, wie lange ist sie anberaumt? So ergibt sich beim lesen das Gefühl in einer Theaterveranstaltung zu sitzen. Gekonnt kommen neben Richard Gärtner und seinem Anwalt auch eine Ärztin, medizinische Sachverständiger, und ein Theologe zu Wort. Jeder erläutert hier seinen Standpunkt und seinen Sichtpunkt auf den Wunsch von Richard Gärtner. Kann man einem Menschen den Freitod gewähren, mit einem bekannten Medikament, welches eben nur durch Zusage der Ärztekammer herausgeben wird, ohne schlechtes Gewissen? Gibt es Instanzen oder Gesetze oder "Gewissen" die dagegen sowie dafür sprechen? Eine Seite kann man zum Ende hin wählen, muss man aber nicht. Ich für meine Verhältnisse habe eine Seite gewählt und war von der Umsetzung und der Ausführung dieses "Theaterstückes" sehr angetan. Einzig die Auflösung stört mich - hier hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht wie bei seinem Buch "Terror", das wäre noch ein Ticken besser und intensiver gewesen. Wem gehört das Leben? Wem gehört der Freitod? Ein Buch was stark zum nachdenken und vor allem mitdenken rührt. Und welches ich wieder uneingeschränkt empfehlen möchte.

Lesen Sie weiter