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Rezension zu
GOTT

Wem gehört unser Leben? Wer entscheidet über den Tod?

Von: yes.books
19.10.2021

Richard Gärtner ist 78 Jahre alt, körperlich wie mental völlig gesund, und dennoch: Seit dem Tod seiner geliebten Ehefrau will er nicht mehr leben. Durch das Urteil vom deutschen Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 hätte er jedes Recht dazu, sich eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital verabreichen zu lassen. Rechtlich gesehen wird das Vorhaben von Richard durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht unterstützt, welches auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Doch dieses Medikament muss ihm von einer Ärztin oder einem Arzt verabreicht werden und diese oder dieser darf selbstverständlich selbst entscheiden, ob man zur Verabreichung des Medikaments bereit ist. Herr Gärtner müsste sich also nicht vor den Zug werfen, sich nicht erhängen, in der Badewanne einschlafen oder ähnlich schlimme Szenarien durchmachen. Was ist aber mit den Ärzt:innen, die das Mittel verabreichen müssten? Das als Theaterstück verfasste Buch eröffnet die Bühne für die Tagung des Ethikrats, der sich mit dieser Frage beschäftigt: Soll eine Ärztin oder ein Arzt einem Menschen dabei helfen zu sterben? Es beginnt eine hitzige Debatte, bei der u.a. der Rechtsanwalt von Hr. Gärtner, die Augenärztin des Protagonisten, ein medizinischer und theologischer Sachverständiger zu Wort kommen. Ohne das Theaterstück selber zu lesen, muss wohl allen Leser:innen klar sein, dass die Sterbehilfe ein höchst kontroverses und brisantes Thema darstellt, welches sämtliche Meinungen spaltet. Viele Perspektiven und Argumentationsweisen sollen die Leserschaft vom jeweils auftretenden Standpunkt überzeugen. Was bereits von Anfang eigentlich klar sein sollte: Schlussendlich bleibt die alles entscheidende Frage offen. Doch was ich besonders gut an dem Theaterstück fand, war die Nachvollziehbarkeit der gegensätzlichen Argumentationen. Selbst wenn man eine vorgefestigte Meinung zum Thema Sterbehilfe hat, kommt man nicht umher, die Argumente und Einwände der „gegnerischen“ Seite verstehen zu können und das ganze Thema aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Wobei ich an einigen Stellen empfand, dass eine Seite gegenüber der anderen überwiegt (vielleicht liegt es aber auch an meiner eigenen subjektiven Perspektive?). Ein Buch, welches einen hilfreichen Einblick in das Thema Sterbehilfe liefert und eine Übersicht über alle wichtigen und relevanten Argumente darbietet. Meiner Meinung nach ein Buch, was zum Nachdenken anregt und gleichzeitig hilft, sich in die Position anderer Personen zu begeben.