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Rezensionen zu
Die Unglückseligen

Thea Dorn

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Thea Dorn mit ihrem Roman „Die Unglückseligen“ im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Von Jörg Meyer Kiel. Das kommt dabei heraus, wenn man eine von Goethes „Faust“ und dessen wortmächtiger Interpretation durch Gustaf Gründgens „schon früh infizierte“ Teenagerin im Schultheater nicht den Mephisto, sondern „nur das Gretchen“ spielen lässt: Thea Dorn greift den Faust-Stoff auf und schreibt ihn zeitgemäß neu in ihrem Roman „Die Unglückseligen“, den sie auf Einladung des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises im Propsteisaal vorstellte. Ihr Faust ist eine Frau, die Molekularbiologin Johanna Mawet, die (weil man in Deutschland nicht mit embryonalen Stammzellen experimentieren darf) in den USA der Unsterblichkeit nachforscht. Ihr Faust ist aber auch eine Art Wiedergänger: der 1776 geborene und mit dem Phänomen der Elektrizität, die man seinerzeit als „Lebenselexier“ begriff, befasste Physiker Johann Wilhelm Ritter, Intimus von Novalis, Goethe und Humboldt, der laut Wikipedia eigentlich 1810 früh verstarb, Johanna aber jetzt als unglücklich Unsterblicher wider Willen begegnet. Was ist da schief gelaufen in der Schöpfung – oder wie geplant, und von wem? Obwohl „nicht gläubig“, daher annehmend, dass „nach dem Tode eher das Nichts ist“, so Dorn im nach der Lesung folgenden Gespräch mit Peter Unruh, Präsident des Landeskirchenamts der Nordkirche, wirft sie in ihrem Roman die „ewigen Fragen nach dem Sein“ auf, die schon die diversen Faust-Figuren und nicht zuletzt Philosophen von dem Alchemisten Agrippa von Nettesheim bis Kant umtrieben. Mephisto ist in Dorns Reigen der unglückseligen Unsterblichkeitsherausforderer „der vor dem Schaf aus Nazareth erstgeborene Sohn Gottes“, der Gottes unvollkommener, weil mit Sterblichkeit versehener Schöpfung entgegentritt mit dem brennenden Wunsch, sie zu korrigieren, wie einst Voltaire, als er sich als Aufklärer gegen das Erdbeben von Lissabon (und Gott) empörte. Dem Monolog Mephistos, den sie als Teenager nicht spielen durfte, legt Thea Dorn gegen Ende ihres Romans „Gretchenfragen“ an Gott unter, die ebenso harsch wie in der antikisierenden, rhythmisch-rhetorisch ausgeformten Sprache ganz modern sind. Gott hat uns seine Sprache gegeben, und in der dürfen und müssen wir gegen ihn polemisieren. Vielleicht ist die so unsterblich wie die „Freiheit eines Christenmenschen“, die wir im nächsten Jahr mit Luther feiern. Und mit der schlauen Mephistophela Thea Dorn. (Rezension der Lesung in Kiel am 8.10.2016)

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Thea Dorn kannte ich als Autorin bisher noch nicht. Der Klappentext klang für mich aber sehr interessant, deswegen habe ich mich sehr auf die Lektüre des dicken Hardcoverbuches gefreut. Auch das Buchcover finde ich sehr gelungen. Man sieht darauf eine blond gelockte, nackte Frau, die ein Skelett umarmt. Auf Skelett und Frau ist in weißen Buchstaben der Buchtitel „Die Unglückseligen“ gedruckt. Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Tieren um unsterbliche Zellen und eine Möglichkeit für ewiges Leben zu finden. Ihre Forschungen führen sie in die USA, wo sie auf einen etwas seltsamen, skurrilen Mann trifft, der vorgibt, der Physiker Johann Ritter zu sein. Dieser wurde allerdings bereits im 18. Jahrhundert geboren… Sollte er nicht schon lange gestorben sein und was hat es mit dem Mann auf sich, der angeblich über 200 Jahre alt sein soll? Handelt es sich hier um einen Spinner oder gibt es wirklich Menschen, die das unendliche Leben haben? Johanna schließt mit Johann schon bald eine Freundschaft und möchte mehr über den Mann, seine Geschichte und sein Leben herausfinden. Ein Gentest beweist schließlich, dass der alte Mann scheinbar die Wahrheit spricht… Das Buch ist sprachlich bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Auch ich war am Anfang nicht sicher, ob mir dieser Roman gefallen würde, denn nach den ersten Seiten war er für mich schon etwas seltsam und konfus. Zuerst wollte ich gar nicht mehr weiterlesen, habe mich dann aber dazu gezwungen und ich muss sagen, für mich hat es sich gelohnt. Thea Dorns Sprache ist gewöhnungsbedürftig und man braucht meiner Meinung auch etwas an Vorbildung um dem Buch so richtig folgen zu können. Johanna spricht in der Sprache des 21. Jahrhunderts, Johann in der Sprache der Romantik, wobei ich sagen muss, dass sich beides im Werk prima ergänzt. Man sollte auch Goethes „Faust“ gelesen haben um besser mit der Thematik klarzukommen. Und auch des Englischen sollte man mächtig sein, denn Dialoge werden auch in dieser Sprache geführt. Auch wenn ich anfangs beinahe zu lesen aufgehört habe, habe ich mich als „Faust“-Fan doch dazu gezwungen weiterzuschmökern. Das war auch gut so, denn ich fand das Buch sehr interessant und spannend. Deswegen vergebe ich volle Punktzahl: fünf Sterne. Ein anspruchsvoller Roman, der nichts für Menschen ist, die leichte Unterhaltung bevorzugen.

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Ansprechend gestaltet und durch das Cover des Buches stilvoll in Szene gesetzt, führt die Umarmung einer jungen Frau und eines Skelettes bereits bildlich zu der Thematik Leben und Tod in dem Roman „Die Unglückseligen“ von Thea Dorn hin. Die deutsche Molekularbiologin Johanna Mawet will darin durch genetische Manipulationen den unsterblichen Menschen schaffen und trifft eher zufällig in Amerika auf den 1776 geborenen Physiker Johann Wilhelm Ritter. Während der 240jährige hofft, dass die Wissenschaftlerin ihn von seiner Lebensodyssee endlich erlösen kann, will Johanna mit seiner Hilfe den Code der Sterblichkeit knacken. Von schwarzer Romantik und wissenschaftlichem Streben beseelt, führt beide der Weg zurück nach Deutschland und in eine ebenso verzweifelte wie besessene Suche nach Antworten. „Die Unglückseligen“ ist ein nachdenklicher Wissenschaftsroman, der mich nebst liebevoller und ansprechender optischer Gestaltung auch durch teilweise humor- und gefühlvolle sowie gefühlsbetonte Sprache längst vergangener Zeiten zu begeistern wusste. Jedes neue Kapitel ist mittels römischer Ziffern durchnummeriert und beginnt danach mit einem schmückenden Anfangsbuchstaben (Initial), was optisch das zumeist aus der Goethezeit stammende Sprachflair dieses Buches unterstreicht. Während Ritter und eine altertümlich anmutende Erzählstimme, die zwischendurch immer wieder kommentiert und bewertet, sich eine weitschweifige Darstellungs- und Erzählweise teilen, die an die Schriften der Romantiker erinnert, drückt sich Johanna Mawet in moderner Sprache aus. Bei Dialogen in Amerika, gestalten sich die Texte zu einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch. Auf eine Übersetzung wird hier verzichtet, was jedoch für mich den Lesefluss nicht gestört hat. Schwer getan habe ich mich hingegen mit Dialogen, die in bayrisch oder schwäbisch abgehalten wurden. Da half nur langsames lesen weiter, was dennoch Lesespaß bereitete , da dies die betreffenden Figuren lebhafter machte. Für Auflockerung sorgten auch gelegentliche Einschübe von Briefen, Auszügen aus einem Lehrbuch oder der Wahrnehmung einer kleinen Fledermaus, die sich durch unterschiedliche Schriftarten vom normalen Text abgrenzten. Auch eine Szene wie aus einem Comic und ein mitsamt Noten abgedruckter Liedtext sorgen für Abwechslung. Endlose Buchstaben-, Zahlen- und Zeichenkolonnen machen die Genomfragmente als undurchschaubar erlebbar. Insgesamt behandelt das Buch eine interessante Thematik, auch für Menschen, die weder der Molekularbiologie noch der Physik verfallen sind. Wurde es für mich persönlich zu wissenschaftlich und nicht verstehbar, tat dies dem Gesamtverständis des Buches dennoch keinen Abbruch. Wichtiger waren für mich die leidenschaftlichen Gespräche zwischen Ritter und Johanna, die die unterschiedlichen Standpunkte nachvollziehbar machten. Durch die Wechsel zwischen Realität und Erinnerung, klärte sich im Verlauf des Buches Ritters Vergangenheit zu Teilen auf. Wunderbar auch, wie nebenbei ein skuriles Gesellschaftsbild gezeichnet wurde, in dem nicht nur der Jugendwahn zweifelhaft ist. „Die Unglücksseligen“ ist für mich ein durch und durch besonderes Buch, das sich nicht so nebenher lesen lässt, da es dem Leser doch einiges an Konzentration, Flexibilität und Sprachvermögen abverlangt. Etwas Vergleichbares habe ich bislang nicht gelesen und so wird es mir sicherlich noch lange in guter Erinnerung bleiben.

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Wahnsinn

Von: Das Buchmonster

02.08.2016

Inhalt: Die Molekularbiologin Johanna forscht mit Hilfe von Zebrafischen an der Unsterblichkeit. Sie trifft auf Johann, der irgendwie mysteriös ist. Er scheint alterlos zu sein und in siener Nähe geschehen verwirrende Dinge. Er scheint Johanna anzuziehen und zu verteufeln in gleichem Maße. Johann beichtet ihr, dass er aus dem 18. Jahrhundert ist. Da die Unsterblichkeit ihr Anliegen ist, ist sie sehr interessiert und lässt Johanns DNA sequenzieren. Doch bald schon bemerken diese Unmöglichkeit andere. Johann und Johanna ahnen, dass sie fliehen müssen. Die Story: Die Geschichte ist mal etwas ganz anderes, der Tonus klingt nach Science Fiction, doch der Hintergrund ist ein klassischer, moderater. Eine sehr interessante Mischung. Ich habe mich beim Klappentext vor allem auf die wissenschaftliche Facette gefreut, die nicht zu kurz kommt. Dies war auch, so wie ich es mir gedacht habe, der interessanteste Teil der Geschichte. Ich mag aber generell die Thematik rund um Forschung und Wissenschaft. Die Protagonisten: Johanna ist die moderne Akademikerin, sie kommt auch so herüber. Sie wirkt unterkühlt und sachlich und macht es dem Leser schwer, sich mit ihr zu identifizieren, wobei ich auch glaube, dass dies nicht wirklich das Ziel der Autorin war. Gefühlstechnisch erhält man von Johann mehr Input, wobei dieser ziemlich ausschweifend wird und ins Sinnlose abschweift, also insgesamt ist er ein anstrengender Kandidat. Mit beiden Protagonisten und dem Teufel hatte ich so meine Probleme gehabt, da ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Der Stil: Tja nun, der Stil ist in diesem Buch nun wirklich super interessant. Das stärkste Stilmittel, das die Autorin wählt ist, recht ursprünglich, die Sprache. Nicht nur die Charakterisierung, sondern auch die Geschichte der Figuren werden durch die Sprache übermittelt. Das Buch hat verschiedene Wechsel der Perspektiven und je nachdem, in welcher Perspektive man sich befindet, ist das Buch sprachlich sehr unterschiedlich. Johann, der schließlich aus dem 18. Jahrhundert kommt, kommt sprachlich diesem Jahrgang auch sehr nahe, noch dazu ist er ausschweifend und schmückt gerne aus, was sich gut mit meinem Bild aus diesem Zeitalter deckt. Johannas Passagen dagegen waren für mich einfacher zu lesen, da sie eine klare sachliche Sprache hat, die zwar auch mit Fremdwörtern untermauert ist und auch niveauvoll ist, jedoch angenehmer als die Perspektiven des Teufels oder Johanns. Der Anfang war ein regelrechtes Kuddemuddel bei mir. Ich wusste nicht, wer wann wie wo was, es hat auch lange gedauert, bis ich erstens das System verstanden habe und zweitens ich unterscheiden konnte, wer gerade was macht oder spricht. Zwischendurch befinden sich in dem Buch noch Ausschnitte aus unterschiedlichen Zeitepochen und unterschiedliche Stilrichtungen: ein Gedicht konnte es sein, genausogut wie ein Comicausschnitt. Diese haben die Stimmung teilweise kontrastiert und betont. Fazit: Ich hatte anfangs große Probleme mit dem Buch, es war sehr verwirrend. Die Geschichte und die Sprache haben mir aber sehr gut gefallen, es gibt ein paar Passagen, deren Sinn verstehe ich bis jetzt noch nicht so ganz. Das Buch ist auf gar keinen Fall ein Buch für zwischendurch. Ich bin häppchenweise vorgegangen und selbst da war es mir zu komplex. Des öfteren sind die Textpassagen unnötig langwierig, mein Mantra war an diesen Stellen immer wieder: das Wort genießen! Und dies habe ich auch getan und war letztendlich froh darüber. Wenn man mich fragt: keine einfache Kost! Kann man hier von einem Meisterwerk sprechen? Meiner Meinung nach ja! Ich bin insgeheim auch fürchterlich stolz auf mich, dieses Buch gelesen zu haben. Super Geschichte, wahnsinnig gute Sprache, ab und zu etwas langwierig und mega anstrengend. Dies ist mein Fazit zu "Die Unglückseligen" Von mir gibt es 4 Monsterpunkte.

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Als ich mir dieses Hörbuch ausgesucht habe wusste ich Gott sei Dank noch nicht wie sehr es mich persönlich berühren würde, dazu aber später :-( Das Titelbild hat mich gleich angesprochen und als ich den Klappentext gelesen habe, was ich bei Hörbüchern ja nicht immer tue, dachte ich mir das dieses Hörbuch interessant ist. Auch die Sprecherin war mir bis dato gänzlich unbekannt, hat sich im Nachhinein aber als wahrer Volltreffer für diesen Titel erwiesen. Thea Dorn ist mir seit vielen Jahren bekannt. Sie hat lange Zeit eine Literatursendung im TV gemacht, ich weiss allerdings nicht mehr wie sie hieß und ob sie vielleicht noch läuft. Aber ich kann mich noch sehr gut an Thea Dorn erinnern. Die Art und Weise wie sie diese Sendung moderierte hat mir damals mehr als gut gefallen. Dadurch habe ich mich natürlich auch für ihre Bücher interessiert. Mein erster Titel von ihr war der preisgekrönte Titel “Die Hirnkönigin” aber ganz ehrlich? Ich bin damit überhauptnicht eins geworden, gerne lese ich ja blutig und es darf auch mal etwas “schräg” sein, aber das war mir dann doch irgendwie zu …. Aber zurück zu diesem Titel, der als Hörbuch ungekürzt daher kommt. Über 18 Stunden ist schon ein gewaltiges Werk, das hat man mal nicht so eben weg gehört. Die Sprecherin hat eine gute und tolle Art zu lesen. Man sch schnell einhören und bekommt aufgrund der Sprache und der Klangfarbe der Stimme recht schnell mit ob gerade Johanna oder Johann hier einen Auftritt hat. Die Betonung ist in meinen Augen gelungen und mir war die Stimme über die ganze Zeit angenehm und gut verständlich. Grundsätzlich ist das Thema nicht nur ein großer literarischer Stoff, ganz ehrlich wer hat noch nicht über das Leben und das Sterben nachgedacht. Wäre es wirklich schön, das ewige Leben? Als Johanna auf Johann trifft, denkt sie erst sie hat es mit einem verwirrten alten Mann zu tun. Im Laufe der Zeit kommt Johanna hinter das Geheimnis von Johann Ritter. Der Physiker behauptet 1776 geboren zu sein. Das kann Johanna natürlich nicht einfach so glauben und sie nimmt eine Blutprobe um das Alter zu bestimmen. Das Ergebnis macht sie fassungslos. Leider bleiben ihre Forschungen nicht unbeobachtet und so beschliesst das ungleiche Paar nach Deutschland zu gehen. Dort beginnen die beiden gemeinsam zu forschen. Zum Ende der ungewöhnlichen Geschichte spielt Die Stadt Jena und eine Krebserkrankung eine große Rolle. Dies hat leider einen ganz persönlichen Hintergrund genau zu der Zeit des Hörens für mich gehabt. Daher ist dieses Hörbuch quasi ein “Schicksalshörbuch” für mich und ich bin mir nicht sicher ob ich ein Zweithören in nächster Zeit schaffe, das liegt aber nur an unserem familiären Schicksal welches sehr stark mit beiden Themen verbunden ist. Mich hat die Sprache fasziniert allerdings kann man dieses Roman wirklich nicht mit ihren anderen Büchern vergleichen würde ich meinen… Ich bin mir aber ganz sicher, das die Meinungen über dieses Hörbuch ziemlich auseinander gehen werden. Dieses Hörbuch ist ganz sicher nicht massentauglich. Thea Dorn ist schon eine besondere Autorin, deren Art nicht wirklich einfach ist, aber in meinen Augen schon etwas Besonderes.

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Die Molekularbiologin Johanna Mawet forscht an der Unsterblichkeit von Zellen durch artübergreifende Genetik. Während ihrem Forschungsaufenthalt in den USA trifft sie auf einem mysteriösen, sonderbaren und verwirrt wirkenden Mann. Schon bald kommt Johanna hinter sein Geheimnis: Der Fremde ist niemand geringeres als Johann Wilhelm Ritter, ein deutscher Wissenschaftler, der 1776 geboren wurde. Ritter könnte der Schlüssel zu Johannas Forschung sein. Um zu verstehen, was Ritter unsterblich macht, lässt sie seine DNA von ihren amerikanischen Kollegen sequenzieren. Als diese anfangen misstrauisch zu werden, bleibt Johanna und Ritter nur die Flucht zurück nach Deutschland um dort das Geheimnis um Ritters Alter zu lüften. Die Thematik rund um die Forschung an der Unsterblichkeit finde ich persönlich unheimlich interessant und wünschenswert. Die biologischen Fakten, die in dem Buch angeführt werden, über die Sterblichkeit des Menschen und den Zerfall des Körpers, sind einerseits sehr spannend, aber auch beängstigend, weil sie einem in aller Deutlichkeit vor Augen führen, wie wir quasi jetzt schon anfangen zu sterben. Durch Johannas Arbeit bekommt der Leser einen Blick hinter die Kulissen der Forschung. Ein Grundverständnis von Englisch und einigen biologischen Fachwörtern wird vorausgesetzt, wenn man der Geschichte in allen Details folgen möchte. Der Schreibstil ist anspruchsvoll aber trotzdem im Einzelnen an die Charaktere angepasst. Johanna spricht modernes Akademiker-Deutsch, was wirklich gut zu verstehen ist. Ritter und auch der Teufel, der gelegentlich auftaucht und den Leser direkt über das Geschehen anspricht, sprechen veraltetes Romantik-Deutsch, mit sehr stark ausgeschmückter Sprache. Manchmal verfallen beide ins Lyrische und aus dem Gesagten lässt sich leider kaum noch eine Bedeutung ziehen. Generell ist es ab und zu schwer zu verstehen, wer gerade spricht und auf was sich bezogen wird. Ritter schweift öfter mal ab und der Leser befindet sich ohne Vorwarnung in einem Rückblick aus seinem Leben oder in einem inneren Monolog Ritters, der nur schwer mit der Handlung des Buches in Verbindung gebracht werden kann. Manchmal ergaben Abschnitte des Buches beim ersten Lesen absolut kein Sinn für den Verlauf der Geschichte, und erschlossen sich erst im Nachhinein beim Weiterlesen. Besonders interessant ist die Form und die Gestaltung, in der die Geschichte erzählt wird. Es wird öfter auf verschiedene Medien zurückgegriffen wie Lieder, Ausschnitte aus Büchern, Comicblasen, eine Art Filmskript über das Geschehen, und viele, viele andere abwechslungsreiche Methoden. Schon sehr lange bin ich auf der Suche nach einem „biologischen Sci-Fi-Roman“ und mein Wunsch wurde mir durch „Die Unglückseligen“ endlich erfüllt. Auch wenn die Sprache anfangs etwas abschreckend ist, sollte man sich auf keinen Fall davon beirren lassen. Der Roman vereint so viele spannende Bereiche der Biologie und der Forschung, die das Buch so lehrreich und interessant machen.

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Unsterbliche treffen Leser vor allem in Science-Fiction- und Fantasy-Romanen. Dass sie dort öfters mal auftauchen, hängt wohl mit unserer allgemeinen Faszination mit der Idee eines ewigen Lebens und unserer Abneigung gegenüber dem Tod zusammen. Dass sie in Gesellschafts- oder Liebesromanen eher selten einen Auftritt hinlegen, könnte damit zusammenhängen, dass es der Wissenschaft eben (noch) nicht gelungen ist, den Menschen (oder sonst irgendein Lebewesen) unsterblich zu machen oder zumindest den Alterungsprozess signifikant zu verlangsamen. Was hat also ein verrückter Physiker, der laut Wikipedia zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstorben ist, in einem Roman zu suchen, der in der aktuellen Zeit spielt? Die Antwort ist einfach: Autorin und Philosophin Thea Dorn beschäftigt sich in ihrem aktuellen Werk eben mit der Frage nach der Unsterblichkeit und lässt dafür kurzerhand eine historische Persönlichkeit, Johann Wilhelm Ritter, der unter anderem mit Goethe und Alexander von Humboldt verkehrte, auferstehen bzw. einfach weiterleben. © Knaus Verlag„Die Unglückseligen“ beleuchtet in Romanform sowohl die philosophischen als auch die rein wissenschaftlichen Aspekte des Alterns und der (Un-)Sterblichkeit. Das Setting: Eine erfolgreiche und kühne Molekularbiologin mit Namen Johanna reist zu einem Forschungsaufenthalt in die USA, wo sie ihre genmanipulierten Mäuse weiter züchten und immer älter werden lassen kann – um so hoffentlich auch auf das Geheimnis des menschlichen Verfalls zu stoßen und ihn zu stoppen. Doch etwas, besser gesagt jemand, kreuzt Johannas Weg und Pläne: Johann Wilhelm Ritter, ein Mann von unschätzbarem Alter mit schwarzer Wallemähne und weißen Brusthaaren gibt der klar denkenden und pragmatischen Johanna Rätsel auf. Erst recht, als er ihr eröffnet im 18. Jahrhundert geboren worden zu sein und ein damals berühmt-berüchtigter Physiker zu sein, der vor allem mit Galvanisierungsexperimenten am eigenen Leib von sich reden machte. Statt sich mit ihrem eigentlichen Projekt zu beschäftigen, streitet Johanna sich mit dem eigensinnigen Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten herum und beginnt, sich seiner DNA statt der ihrer Mäuse zu widmen. Die Ergebnisse und all ihre Erlebnisse mit Ritter schockieren und faszinieren sie gleichermaßen. Thea Dorns „Die Unglückseligen“ ist ein spannender Wissenschaftsroman, der auf fiktiver Ebene den aktuellen Forschungsstand in der Molekularbiologie und damit die Versuche der Forscher, das Leben des Menschen zu verlängern, darstellt. Damit stellt der Roman ein umstrittenes Thema in den Mittelpunkt, das uns, so auch Thea Dorns Beweggrund, viel mehr beschäftigen sollte, weil es die gesamte Gesellschaft betrifft und viel schneller Realität werden könnte als wir meinen. Vor diesem Hintergrund präsentieren „Die Unglückseligen“ auch gleich zwei entgegengesetzte Meinungen zum Thema Genmanipulation und Unsterblichkeit: Johanna will die letzten drei Feinde des Menschen, Alter, Krankheit und Tod, abschaffen und hat überhaupt keine ethischen Skrupel. Ritter weiß, was Unsterblichkeit bedeutet – und findet in seinem ewig langen Leben keinen Sinn mehr. Doch die Entwicklungen im Laufe des Romans – sowohl auf der wissenschaftlichen als auch auf der emotionalen Ebene – lassen die erhärteten Positionen beider aufweichen und immer neue Fragestellungen auftauchen. Ich habe den Roman verschlungen, auch wenn ich sonst niemand bin, den Gentechnik großartig interessiert. Eine wirklich klare Meinung habe ich dazu auch nicht – auch (noch) nicht nach der Lektüre dieses Buches. Aber es war überaus interessant, auf diese Art und Weise einen Einblick zu bekommen, auf welcher Stufe sich die Forschung dieses Fachgebiets gerade befindet und was tatsächlich schon möglich ist. Den twist, einen Unsterblichen auftauchen zu lassen, finde ich grandios und dabei eigentlich auch die logische Lösung – wer könnte die Kontraposition besser verteidigen als Ritter? Hinzu kommt hinsichtlich Ritter natürlich noch, dass dieser auch so redet – und sich auch so benimmt – wie eben jemand der zu Goethes Zeiten gelebt hat. Die Ausdrucksweisen, die Thea Dorn meisterhaft auch in jedem wortgewandten Schlagabtausch zwischen Johanna und Ritter wechseln lässt, spiegeln das sehr genau wieder. Sie geben dem Roman neben Authentizität an einigen Stellen eine gewisse Komik, die sich auch aus den gegensätzlichen Charakteren der beiden Protagonisten und ihrer Wortgefechte speist. Ganz nebenbei sei auch noch der Faust-Stoff erwähnt, dem in „Die Unglückseligen“ ebenfalls neues Leben eingehaucht wird: Ritter selbst ist sich ohnehin nicht so sicher, ob seine Unsterblichkeit nicht etwas mit dem Teufel zu tun haben könnte – und selbst die zu Beginn so rationale Johanna ist schließlich fest davon überzeugt, ein Pakt mit Luzifer könne die einzige Erklärung für Ritters beeindruckendes Alter sein, bis hin zu einer faustischen Teufelsanrufung… Einzig und allein das Ende des Romans hat mich nicht ganz überzeugen können. Es ist mir zu offen – die Fragen nach den Gründen für Ritters langes Leben werden nicht beantwortet, genauso wenig gibt es ein genaueres Statement dazu, was denn nun von den Versuchen der Molekularbiologie zu halten ist. In der letzten Szene hauen Johanna und Ritter einfach vor ihrem Schicksal ab – und lassen den Leser mit seinem Kopf voll Denkkonstrukten und Überlegungen zurück. Auch wenn ich zugeben muss, dass gerade das so auch ein Denkanstoß ist, auf dass wir uns alle endlich mit dem Thema auseinandersetzen. Außerdem hätte die Glaubwürdigkeit des ganzen Buches wohl auch darunter gelitten, hätte die Erzählerstimme uns weismachen wollen, Ritter hätte sich tatsächlich selbst unsterblich gemacht – sei es durch radikale Galvanisierungsexperimente oder einen Bund mit dem Teufel. Also: Absolut lesenswert – unterhaltsam, aufklärend und mit einem Ende, dessen Hintergründe man zumindest nachvollziehen kann.

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Dank dem Bloggerportal und „der Hörverlag“ konnte ich mir die Hörbuchfassung von Thea Dorns Roman „Die Unglückseligen“ anhören. Das Buch interessierte mich schon länger auf Grund der behandelten Thematik, die Suche nach der Unsterblichkeit. Zuerst einmal ein großes Lob an die Sprecherin, die es auf großartige Weise geschafft hat, mit ihrem großen Stimmenrepertoire die vielen verschiedenen Sprachstile und Figuren darzustellen. Das ist nämlich kein einfaches Unterfangen bei diesem ausgeklügelten Werk von Thea Dorn. Jeder Erzähler hat seine eigene Sprache. Der unsterbliche Ritter, Johann Wilhelm Ritter, redet nämlich mit einem Touch Deutsch wie man es vor 250 Jahren gesprochen hat, jedoch etwas auf unsere Zeit angepasst. Das wirkt zunächst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, verleiht der Person aber mehr Authentizität, wenn es um seine Ansichten geht, die sich in den 250 Jahren recht wenig entwickelt haben. Auch gibt es zwischen den Kapiteln kurze Einschübe in denen sich der Teufel in Versform zu Worte meldet. Das Ganze wirkt an diesen Stellen wie eine Karikatur von Faust. Zu guter Letzt gibt es dann noch unsere Protagonistin die Molekularbiologin „Johanne Mawet“, deren Lebensziel es ist die Unsterblichkeit zu erforschen. Eine Person die zu Beginn nüchtern, wissenschaftlich und sachlich die Welt betrachtet, trifft nun auf diesen altbackenen Ritter, der sich jeglicher Logik entziehend fast drei Jahrhunderte zu leben scheint. Zunächst ungläubig dieser Tatsache gegenüberstehend, muss diese rational denkende Wissenschaftlerin jedoch eingestehen, dass diese Behauptungen der Wirklichkeit entsprechen, begründet durch unwiderlegbare Labortests, die Sie von mehreren Laboren hat durchführen lassen. Und hier beginnt das meiner Ansicht nach geniale, zum anderen traurige an diesem Buch. Die totale Destruktion des Charakters der Molekularbiologin. Fantastich schreibt Thea Dorn wie sich Johanna langsam aber stetig von der rationalen Wissenschaftlerin, hin zur wahnsinnigen Teufelsbeschwörerin entwickelt. Und wieder ein Lob an die Sprecherin, die diese Wandlung auch stimmlich gut wiedergespiegelt hat. So genial ich diesen Abstieg jedoch fand, so schade fand ich es in Bezug auf das grundlegende Thema der Forschung an der Unsterblichkeit. Ich fand das Ganze wurde hier eher ad absurdum geführt und ins lächerliche gezogen. Eigentlich schade bei diesem interessanten Thema. Trotzdem hat mir das Buch recht gut gefallen, auch wenn ich einige Aspekte nicht glaubwürdig fand. So zum Beispiel fand ich etwas merkwürdig wie wenig sich Wilhelm der Zeit angepasst hat, wie wenig er mit der Technik der heutigen Zeit umgehen kann. Ich hätte mehr geistige und moralische Weiterentwicklung bei einem Menschen der so lange lebt erwartet, gerade einen Vorreiter der Wissenschaft, der eigentlich mit weit geöffneten Augen durch das Leben gehen sollte und nicht vor der Wirklichkeit seine Augen verschließen muss.

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