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Rezensionen zu
Die Unglückseligen

Thea Dorn

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Das ist mal ein harter Brocken. Etwas, das man vielleicht in ein paar Jahren im Deutschunterricht lesen muss. Thea Dorn gelingt es, mit der deutschen Sprache so gekonnt zu spielen, sie bringt so viele Facetten in eine eigentlich flache Handlung, dass man die über 500 Seiten gebannt liest. Man muss aber reinkommen. Gleich zu Beginn überrascht eine altertümliche Sprache und auch später ist das Buch keine leichte Kost. Leichter machen es einem auch nicht die Protagonisten, die ziemlich unsympathisch sind. Trotzdem möchte man wissen, was das jetzt alles soll, was sich hinter den Einschüben verbirgt und ob sich das größte Geheimnis der Menschheit lösen lässt. Es hat sich gelohnt, das Buch zu lesen.

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Dieses Buch ist nicht einfach ein Roman, sondern ein Kunstwerk. Es behandelt die alte Frage der Menschheit, dem Sinn von Leben und Tod. Wie weit würde jeder gehen, um unsterblich zu werden? Diese Frage versucht dieser Roman aus der Sicht der weit entwickelten Molekularbiologie zu beantworten. Der Leser wird am Anfang in die Kleinstadt Dark Habor, Ostküste der USA entführt. Die Hauptfigur ist Johanna Mawet, eine deutsche Molekularbiologin, der in einem Supermarkt ein 1776 geborener Physiker begegnet. Sie wird auf ihn durch sein Äußeres aufmerksam...Als sie sich näher kennenlernen, erfährt Johanna, das er den Wunsch hat, etwas gegen seine Unsterblichkeit zu finden. Johanna, die selber an dem Unsterblichkeitsgen forscht, glaubt ihm nicht, dass er schon 240 Jahre alt ist. Da sie weiß, dass dieser Physiker mit Anfang 30 gestorben ist. Dies erklärt er damit, dass er die Möglichkeit hat, selbst abgetrennte Gliedmaße wieder nachwachsen zu lassen, was er ihr auch vorführt. Johanna kehrt mit ihm nach Deutschland zurück, sie hat die fixe Idee, seine damaligen Versuche am eigenen Leibe zu wiederholen und ihre eigene DNA vor und nach den galvanischen Einwirkungen analysieren zu lassen, um nach Unterschieden zu suchen. Er willigt ein, ihr als Forschungsobjekt zu dienen, in der Hoffnung, an sein Ziel zu kommen, endlich sterben zu können. Die Autorin greift in ihrer kreativ konstruierten Geschichte auf den Faustmythos zurück, lässt trickreich die Jetztzeit auf die deutsche Romantik treffen mit all den Verwicklungen, die daraus erwachsen. Das gelingt ihr sehr gut in der unterschiedlichen Sprache, die sie ihren Gestalten zuschreibt : Johanna ein heutiges Deutsch, dem alten Physiker Ritter ein der Epoche seiner damaligen Zeit entsprechendes, altmodisch gedrechseltes Deutsch, den Teufel wiederum lässt sie in einem komplizierten Versmaß sprechen. Für mich war dieses Buch nicht einfach zu lesen. Es war nicht immer ein Spannungsbogen zu erkennen und das Buch ist einfach zu überlastet. Aber es lässt den Leser nachdenken, inwieweit die Wissenschaft in das Leben eingreifen sollte - besonders in der Genforschung und worin wirklich der Sinn des Lebens besteht. Für alle Leser, die etwas Besonderes suchen, sowohl sprachlich, als auch philosophisch.

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Die deutsche Molekularbiologin Dr. Johanna Mawet befindet sich im Roman Die Unglückseligen von Thea Dorn auf einem Forschungsaufenthalt in einer Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste. Sie als ehrgeizig zu beschreiben, wäre gnadenlos untertrieben: Den letzten Kontakt zu ihren Eltern gab es aus Zeitgründen vor zwei Jahren, sie hat keine Beziehung und schon gar keine Freunde, das Forschungslabor ist de facto ihr Wohnzimmer. Dort macht Johanna die Nacht zum Tag. Beim Einkaufen im Supermarkt trifft Johanna auf einen Tütenpacker, der sich höchst merkwürdig benimmt: Als er sie sieht, beginnt er vor Angst zu schlottern und läuft schreiend vor ihr davon. Kein Wunder: Der Mann, dessen Name Johann Wilhelm Ritter ist, glaubt in ihr eine Frau zu erkennen, mit der er etwa 200 Jahre zuvor Kontakt hatte. 200 Jahre? Ja! Bei Ritter handelt es sich um einen Physiker und Autodidakten aus der Zeit der Romantik, der bereits 1810 im Alter von 33 Jahren gestorben ist. Das behaupten zumindest die Geschichtsbücher. Auf den heute vergessenen Ritter gehen die Entdeckung der UV-Strahlen und der Bau des ersten Akkumulators zurück. Beim Anblick von Johanna glaubt der offenbar unsterbliche Ritter nun, sie sei die Verkörperung des Teufels. Wer würde da nicht die Flucht ergreifen? Doch Johanna begegnet dem seltsamen Mann, der keineswegs wie ein Greis aussieht, wieder und nimmt ihn, der offensichtlich allein und arm ist, mit zu sich nach Hause. Seine altmodische Ausdrucksweise hält sie zunächst nur für verschroben, auch die Behauptung, er sei bereits 240 Jahre alt, stuft sie als Lüge ein. Doch nach und nach bröckelt ihre Skepsis und sie beginnt, nachzuforschen. Tatsächlich stellt sie fest, dass Ritter sie nicht belogen hat. Das stachelt sie an und weckt ihre Neugier: Sie selbst ist schon seit Jahren dem Problem auf der Spur, wie man die Sterblichkeit der Menschen beenden kann. Dieser Reisende durch die Zeit könnte nun der Schlüssel zu ihrem wissenschaftlichen Erfolg sein. Sie überlegt, was sein Leben so sehr von den Leben seiner Zeitgenossen unterschieden haben könnte, dass er praktisch alterslos wirkt und sich seine Zellen derart schnell regenerieren, dass ihm auch üble Verletzungen nichts anhaben können. In den Gesprächen mit Ritter erklärt ihr der Physiker, dass sein Hauptaugenmerk damals auf der Erforschung der Elektrizität gelegen habe. Johanna kann mit seinen pathetisch vorgetragenen Erklärungen zunächst nichts anfangen, Ritter überredet sie jedoch, sich unter seiner Regie den selben Versuchen auszusetzen, die er seinerzeit an sich durchgeführt hat. Sie willigt ein und erleidet Höllenqualen, die sie zwar verletzen, aber nicht töten. Ist die Elektrizität der Schlüssel zur Unsterblichkeit? Die Unglückseligen kreist um die Frage, ob die Abschaffung des Sterbens erstrebenswert ist oder nur eine elende Quälerei. Johannas wissenschaftliches Ziel deckt sich mit den Vorstellungen, die die heutige Humangenetik und Biomedizin antreiben. Die Wissenschaftlerin will sich nicht damit abfinden, dass die Menschen mit ihrem Tod ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihr Können unwiderruflich mit ins Grab nehmen. Aus der Sicht des Physikers Ritter, der in seinen wissenschaftlichen Hochzeiten um das Jahr 1800 von Goethe verehrt wurde und mit dem Schriftsteller und Philosophen Novalis befreundet war, ist der Zustand der Unsterblichkeit nicht erstrebenswert, er wäre gern schon viel früher gestorben. Sein im Roman beschriebenes Verhalten passt jedoch nicht zu seinem Lebensweg: Er spricht und benimmt sich so, als befinde er sich noch immer im beginnenden 19. Jahrhundert. Da er sich jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in der Polarmeerregion, im Himalayagebirge, in Jerusalem und als Eremit in der Wüste aufgehalten hat und immer wieder mit Frauen liiert war, bis diese starben, ist es nur schwer vorstellbar, dass sich ein intelligenter Mann, der schon in seiner Kindheit seine Umgebung sehr genau beobachtete, sich nicht weiterentwickelt haben sollte. Die Textabschnitte, die Johanna oder Ritter zuzuordnen sind, lassen sich anhand der sehr unterschiedlichen Ausdrucksweise der beiden erkennen: Johanna spricht klar und prägnant und streut gern englische Ausdrücke in ihren Redefluss ein; Ritter hingegen artikuliert sich so, als sei er der Frühromantik frisch entstiegen: Seine Sätze sind lang, und es fällt ihm nicht leicht, schnell zum Kern einer Aussage zu kommen. Die dritte Figur, die sich immer wieder kommentierend einschaltet, ist der Teufel. Ihm wurden von Thea Dorn im altmodischen Deutsch geschriebene Verse zugeordnet. Die Autorin bedient sich bei der Darstellung von Nebenfiguren auch einiger Dialekte: Bayrisch, Schwäbisch und Schlesisch sollen vermutlich authentisch wirken und dem Leser vermitteln, sich in einem bestimmten Zeitabschnitt zu befinden. Dieser Wechsel bremst jedoch den Lesefluss deutlich ab und wäre nicht immer nötig gewesen. Interessant sind allerdings die Passagen, die sich mit der Humangenetik beschäftigen. Zusammenhänge werden wissenschaftlich dargestellt, ohne dass der Leser sich dabei langweilen würde. Hier wird deutlich, wie gründlich Thea Dorn recherchiert hat. Die Idee zum Buch hat mir sehr gut gefallen, die Ausführung hatte ein paar Schwächen. An einigen Stellen hätte der Text durchaus gestrafft werden können, ohne dass der Inhalt des Buches darunter gelitten hätte. Deshalb kann ich es zwar empfehlen, aber leider nicht uneingeschränkt.

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Nun gut, wohlan ein andrer Wälzer wart gelesen und wird nun zurückgestellt in das Regal der andren Geschichten. Keine Angst ich werde diese Schreibweise nun nicht durchziehen und zugegeben, dieses Genre ist eigentlich nicht so meins. Aber der Klappentext hat sich doch sehr interessant angehört. Es geht um die deutsche Molekularbiologin Johanna Mawet, die in Sachen Unsterblichkeit forscht. Ja warum sich auch mit Kinkerlitzchen aufhalten, wenn man auf einen Schlag sämtliche Forscherpreise samt Nobelpreis abstauben kann. Die Menschen würden auf einen Schlag zu Götter gemacht und die Geburtenrate würde angesichts der Unsterblichkeit auch zurückgehen. Das ewige Leben ohne Krebs und dem schnöden sterben. Keine Angst vor dem Tod. Tja, auch in diesem Buch schaltet sich dieser ab und zu ein...oder ist es Gott....oder gar der Teufel? Wie auch immer, hauptsächlich erfährt man von der Geschichte durch die Sicht von Johanna und dem Physiker Johann Wilhelm Ritter, der 1776 auch in Deutschland geboren wurde. Beide leben und agieren in unserer Zeit. Wie das sein kann? Naja der gute Ritter hat schon des öfteren versucht seinem Leben ein Ende zu bereiten, aber er wurde sozusagen mit dem ewigen Leben "verflucht". Er hat sich selbst in seiner Zeit mit der Alchemie und Unsterblichkeit befasst und dürfte etwas an seinen Experimenten richtig gemacht haben! Johanna und der Ritter treffen in Amerika aufeinander und Johanna nimmt einiges auf sich um hinter das Geheimnis des ewigen Lebens zu kommen. Sie schafft es, den Ritter Johann nach Deutschland zu "schmuggeln" und er darf fortan in ihrer Wohnung leben. Johanna ist, nachdem klar ist, dass sie es nicht mit einem psychisch Kranken zu tun hat, unbedingt hinter das Geheimnis der Unsterblichkeit kommen und sieht Johann eher wie eine Laborratte, als einen Menschen an. Leider verhält sich dieser nicht allzu pflegeleicht. Das hat mich auch etwas gestört an der ganzen Sache. Der gute Johann Wilhelm Ritter lebt seit 1776, hat einiges durchgemacht und einige Zeiten durchlebt....und spricht noch immer wie anno dazumals? Wäre er aus einem Eisblock geschmolzen worden, so würde ich dieses Phänomen verstehen, aber so? Naja der gute Unsterbliche ist natürlich sehr schrulig und eigen und dadurch doch wieder liebenswert. Dennoch fand ich die Geschichte etwas langatmig. Etwa ab Mitte des Buches wird der Ritter erst nach Deutschland geflogen und auch hier entwickelt sich alles sehr zäh und träge. Man hätte auch weniger Seiten verschwenden können, dennoch ist die Geschichte neu und wirklich unterhaltsam.

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Thea Dorn mit ihrem Roman „Die Unglückseligen“ im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Von Jörg Meyer Kiel. Das kommt dabei heraus, wenn man eine von Goethes „Faust“ und dessen wortmächtiger Interpretation durch Gustaf Gründgens „schon früh infizierte“ Teenagerin im Schultheater nicht den Mephisto, sondern „nur das Gretchen“ spielen lässt: Thea Dorn greift den Faust-Stoff auf und schreibt ihn zeitgemäß neu in ihrem Roman „Die Unglückseligen“, den sie auf Einladung des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises im Propsteisaal vorstellte. Ihr Faust ist eine Frau, die Molekularbiologin Johanna Mawet, die (weil man in Deutschland nicht mit embryonalen Stammzellen experimentieren darf) in den USA der Unsterblichkeit nachforscht. Ihr Faust ist aber auch eine Art Wiedergänger: der 1776 geborene und mit dem Phänomen der Elektrizität, die man seinerzeit als „Lebenselexier“ begriff, befasste Physiker Johann Wilhelm Ritter, Intimus von Novalis, Goethe und Humboldt, der laut Wikipedia eigentlich 1810 früh verstarb, Johanna aber jetzt als unglücklich Unsterblicher wider Willen begegnet. Was ist da schief gelaufen in der Schöpfung – oder wie geplant, und von wem? Obwohl „nicht gläubig“, daher annehmend, dass „nach dem Tode eher das Nichts ist“, so Dorn im nach der Lesung folgenden Gespräch mit Peter Unruh, Präsident des Landeskirchenamts der Nordkirche, wirft sie in ihrem Roman die „ewigen Fragen nach dem Sein“ auf, die schon die diversen Faust-Figuren und nicht zuletzt Philosophen von dem Alchemisten Agrippa von Nettesheim bis Kant umtrieben. Mephisto ist in Dorns Reigen der unglückseligen Unsterblichkeitsherausforderer „der vor dem Schaf aus Nazareth erstgeborene Sohn Gottes“, der Gottes unvollkommener, weil mit Sterblichkeit versehener Schöpfung entgegentritt mit dem brennenden Wunsch, sie zu korrigieren, wie einst Voltaire, als er sich als Aufklärer gegen das Erdbeben von Lissabon (und Gott) empörte. Dem Monolog Mephistos, den sie als Teenager nicht spielen durfte, legt Thea Dorn gegen Ende ihres Romans „Gretchenfragen“ an Gott unter, die ebenso harsch wie in der antikisierenden, rhythmisch-rhetorisch ausgeformten Sprache ganz modern sind. Gott hat uns seine Sprache gegeben, und in der dürfen und müssen wir gegen ihn polemisieren. Vielleicht ist die so unsterblich wie die „Freiheit eines Christenmenschen“, die wir im nächsten Jahr mit Luther feiern. Und mit der schlauen Mephistophela Thea Dorn. (Rezension der Lesung in Kiel am 8.10.2016)

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Ansprechend gestaltet und durch das Cover des Buches stilvoll in Szene gesetzt, führt die Umarmung einer jungen Frau und eines Skelettes bereits bildlich zu der Thematik Leben und Tod in dem Roman „Die Unglückseligen“ von Thea Dorn hin. Die deutsche Molekularbiologin Johanna Mawet will darin durch genetische Manipulationen den unsterblichen Menschen schaffen und trifft eher zufällig in Amerika auf den 1776 geborenen Physiker Johann Wilhelm Ritter. Während der 240jährige hofft, dass die Wissenschaftlerin ihn von seiner Lebensodyssee endlich erlösen kann, will Johanna mit seiner Hilfe den Code der Sterblichkeit knacken. Von schwarzer Romantik und wissenschaftlichem Streben beseelt, führt beide der Weg zurück nach Deutschland und in eine ebenso verzweifelte wie besessene Suche nach Antworten. „Die Unglückseligen“ ist ein nachdenklicher Wissenschaftsroman, der mich nebst liebevoller und ansprechender optischer Gestaltung auch durch teilweise humor- und gefühlvolle sowie gefühlsbetonte Sprache längst vergangener Zeiten zu begeistern wusste. Jedes neue Kapitel ist mittels römischer Ziffern durchnummeriert und beginnt danach mit einem schmückenden Anfangsbuchstaben (Initial), was optisch das zumeist aus der Goethezeit stammende Sprachflair dieses Buches unterstreicht. Während Ritter und eine altertümlich anmutende Erzählstimme, die zwischendurch immer wieder kommentiert und bewertet, sich eine weitschweifige Darstellungs- und Erzählweise teilen, die an die Schriften der Romantiker erinnert, drückt sich Johanna Mawet in moderner Sprache aus. Bei Dialogen in Amerika, gestalten sich die Texte zu einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch. Auf eine Übersetzung wird hier verzichtet, was jedoch für mich den Lesefluss nicht gestört hat. Schwer getan habe ich mich hingegen mit Dialogen, die in bayrisch oder schwäbisch abgehalten wurden. Da half nur langsames lesen weiter, was dennoch Lesespaß bereitete , da dies die betreffenden Figuren lebhafter machte. Für Auflockerung sorgten auch gelegentliche Einschübe von Briefen, Auszügen aus einem Lehrbuch oder der Wahrnehmung einer kleinen Fledermaus, die sich durch unterschiedliche Schriftarten vom normalen Text abgrenzten. Auch eine Szene wie aus einem Comic und ein mitsamt Noten abgedruckter Liedtext sorgen für Abwechslung. Endlose Buchstaben-, Zahlen- und Zeichenkolonnen machen die Genomfragmente als undurchschaubar erlebbar. Insgesamt behandelt das Buch eine interessante Thematik, auch für Menschen, die weder der Molekularbiologie noch der Physik verfallen sind. Wurde es für mich persönlich zu wissenschaftlich und nicht verstehbar, tat dies dem Gesamtverständis des Buches dennoch keinen Abbruch. Wichtiger waren für mich die leidenschaftlichen Gespräche zwischen Ritter und Johanna, die die unterschiedlichen Standpunkte nachvollziehbar machten. Durch die Wechsel zwischen Realität und Erinnerung, klärte sich im Verlauf des Buches Ritters Vergangenheit zu Teilen auf. Wunderbar auch, wie nebenbei ein skuriles Gesellschaftsbild gezeichnet wurde, in dem nicht nur der Jugendwahn zweifelhaft ist. „Die Unglücksseligen“ ist für mich ein durch und durch besonderes Buch, das sich nicht so nebenher lesen lässt, da es dem Leser doch einiges an Konzentration, Flexibilität und Sprachvermögen abverlangt. Etwas Vergleichbares habe ich bislang nicht gelesen und so wird es mir sicherlich noch lange in guter Erinnerung bleiben.

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Wahnsinn

Von: Das Buchmonster

02.08.2016

Inhalt: Die Molekularbiologin Johanna forscht mit Hilfe von Zebrafischen an der Unsterblichkeit. Sie trifft auf Johann, der irgendwie mysteriös ist. Er scheint alterlos zu sein und in siener Nähe geschehen verwirrende Dinge. Er scheint Johanna anzuziehen und zu verteufeln in gleichem Maße. Johann beichtet ihr, dass er aus dem 18. Jahrhundert ist. Da die Unsterblichkeit ihr Anliegen ist, ist sie sehr interessiert und lässt Johanns DNA sequenzieren. Doch bald schon bemerken diese Unmöglichkeit andere. Johann und Johanna ahnen, dass sie fliehen müssen. Die Story: Die Geschichte ist mal etwas ganz anderes, der Tonus klingt nach Science Fiction, doch der Hintergrund ist ein klassischer, moderater. Eine sehr interessante Mischung. Ich habe mich beim Klappentext vor allem auf die wissenschaftliche Facette gefreut, die nicht zu kurz kommt. Dies war auch, so wie ich es mir gedacht habe, der interessanteste Teil der Geschichte. Ich mag aber generell die Thematik rund um Forschung und Wissenschaft. Die Protagonisten: Johanna ist die moderne Akademikerin, sie kommt auch so herüber. Sie wirkt unterkühlt und sachlich und macht es dem Leser schwer, sich mit ihr zu identifizieren, wobei ich auch glaube, dass dies nicht wirklich das Ziel der Autorin war. Gefühlstechnisch erhält man von Johann mehr Input, wobei dieser ziemlich ausschweifend wird und ins Sinnlose abschweift, also insgesamt ist er ein anstrengender Kandidat. Mit beiden Protagonisten und dem Teufel hatte ich so meine Probleme gehabt, da ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Der Stil: Tja nun, der Stil ist in diesem Buch nun wirklich super interessant. Das stärkste Stilmittel, das die Autorin wählt ist, recht ursprünglich, die Sprache. Nicht nur die Charakterisierung, sondern auch die Geschichte der Figuren werden durch die Sprache übermittelt. Das Buch hat verschiedene Wechsel der Perspektiven und je nachdem, in welcher Perspektive man sich befindet, ist das Buch sprachlich sehr unterschiedlich. Johann, der schließlich aus dem 18. Jahrhundert kommt, kommt sprachlich diesem Jahrgang auch sehr nahe, noch dazu ist er ausschweifend und schmückt gerne aus, was sich gut mit meinem Bild aus diesem Zeitalter deckt. Johannas Passagen dagegen waren für mich einfacher zu lesen, da sie eine klare sachliche Sprache hat, die zwar auch mit Fremdwörtern untermauert ist und auch niveauvoll ist, jedoch angenehmer als die Perspektiven des Teufels oder Johanns. Der Anfang war ein regelrechtes Kuddemuddel bei mir. Ich wusste nicht, wer wann wie wo was, es hat auch lange gedauert, bis ich erstens das System verstanden habe und zweitens ich unterscheiden konnte, wer gerade was macht oder spricht. Zwischendurch befinden sich in dem Buch noch Ausschnitte aus unterschiedlichen Zeitepochen und unterschiedliche Stilrichtungen: ein Gedicht konnte es sein, genausogut wie ein Comicausschnitt. Diese haben die Stimmung teilweise kontrastiert und betont. Fazit: Ich hatte anfangs große Probleme mit dem Buch, es war sehr verwirrend. Die Geschichte und die Sprache haben mir aber sehr gut gefallen, es gibt ein paar Passagen, deren Sinn verstehe ich bis jetzt noch nicht so ganz. Das Buch ist auf gar keinen Fall ein Buch für zwischendurch. Ich bin häppchenweise vorgegangen und selbst da war es mir zu komplex. Des öfteren sind die Textpassagen unnötig langwierig, mein Mantra war an diesen Stellen immer wieder: das Wort genießen! Und dies habe ich auch getan und war letztendlich froh darüber. Wenn man mich fragt: keine einfache Kost! Kann man hier von einem Meisterwerk sprechen? Meiner Meinung nach ja! Ich bin insgeheim auch fürchterlich stolz auf mich, dieses Buch gelesen zu haben. Super Geschichte, wahnsinnig gute Sprache, ab und zu etwas langwierig und mega anstrengend. Dies ist mein Fazit zu "Die Unglückseligen" Von mir gibt es 4 Monsterpunkte.

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Die Molekularbiologin Johanna Mawet forscht an der Unsterblichkeit von Zellen durch artübergreifende Genetik. Während ihrem Forschungsaufenthalt in den USA trifft sie auf einem mysteriösen, sonderbaren und verwirrt wirkenden Mann. Schon bald kommt Johanna hinter sein Geheimnis: Der Fremde ist niemand geringeres als Johann Wilhelm Ritter, ein deutscher Wissenschaftler, der 1776 geboren wurde. Ritter könnte der Schlüssel zu Johannas Forschung sein. Um zu verstehen, was Ritter unsterblich macht, lässt sie seine DNA von ihren amerikanischen Kollegen sequenzieren. Als diese anfangen misstrauisch zu werden, bleibt Johanna und Ritter nur die Flucht zurück nach Deutschland um dort das Geheimnis um Ritters Alter zu lüften. Die Thematik rund um die Forschung an der Unsterblichkeit finde ich persönlich unheimlich interessant und wünschenswert. Die biologischen Fakten, die in dem Buch angeführt werden, über die Sterblichkeit des Menschen und den Zerfall des Körpers, sind einerseits sehr spannend, aber auch beängstigend, weil sie einem in aller Deutlichkeit vor Augen führen, wie wir quasi jetzt schon anfangen zu sterben. Durch Johannas Arbeit bekommt der Leser einen Blick hinter die Kulissen der Forschung. Ein Grundverständnis von Englisch und einigen biologischen Fachwörtern wird vorausgesetzt, wenn man der Geschichte in allen Details folgen möchte. Der Schreibstil ist anspruchsvoll aber trotzdem im Einzelnen an die Charaktere angepasst. Johanna spricht modernes Akademiker-Deutsch, was wirklich gut zu verstehen ist. Ritter und auch der Teufel, der gelegentlich auftaucht und den Leser direkt über das Geschehen anspricht, sprechen veraltetes Romantik-Deutsch, mit sehr stark ausgeschmückter Sprache. Manchmal verfallen beide ins Lyrische und aus dem Gesagten lässt sich leider kaum noch eine Bedeutung ziehen. Generell ist es ab und zu schwer zu verstehen, wer gerade spricht und auf was sich bezogen wird. Ritter schweift öfter mal ab und der Leser befindet sich ohne Vorwarnung in einem Rückblick aus seinem Leben oder in einem inneren Monolog Ritters, der nur schwer mit der Handlung des Buches in Verbindung gebracht werden kann. Manchmal ergaben Abschnitte des Buches beim ersten Lesen absolut kein Sinn für den Verlauf der Geschichte, und erschlossen sich erst im Nachhinein beim Weiterlesen. Besonders interessant ist die Form und die Gestaltung, in der die Geschichte erzählt wird. Es wird öfter auf verschiedene Medien zurückgegriffen wie Lieder, Ausschnitte aus Büchern, Comicblasen, eine Art Filmskript über das Geschehen, und viele, viele andere abwechslungsreiche Methoden. Schon sehr lange bin ich auf der Suche nach einem „biologischen Sci-Fi-Roman“ und mein Wunsch wurde mir durch „Die Unglückseligen“ endlich erfüllt. Auch wenn die Sprache anfangs etwas abschreckend ist, sollte man sich auf keinen Fall davon beirren lassen. Der Roman vereint so viele spannende Bereiche der Biologie und der Forschung, die das Buch so lehrreich und interessant machen.

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