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Rezensionen zu
Der lange Atem der Bäume

Peter Wohlleben

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Der lange Atem der Bäume

Von: Andreas Grau

12.09.2021

DER LANGE ATEM DER BÄUME ist wohl das Beste der vielen sehr guten Büchern von Peter Wohlleben. Er wagt es, der Forstwirtschaft einen Spiegel vorzuhalten und der deren Machenschaften in dem Licht zeigen, wie es diese Branche verdient. Nicht Waldpflege und Umweltschutz, ganz im Gegenteil: Früher wenig bewusst, heute klar erkannt aber zugunsten von Geldgier und Profitdenken ausgeblendet und mit dreisten Unwahrheiten schöngeschwätzt, so das Wirken dieser Branche „für“ den Wald. Peter Wohlleben bringt es auf den Punkt mit dem Vergleich, dass wer Forstarbeiter Waldpfleger nennt, ebenso gut Metzger als Tierpfleger bezeichnen könnte. Der Autor macht aber auch Hoffnung in seinem letzten Kapitel: „Der Wald kehrt zurück“. Mir persönlich erwies sich die Lektüre von Peter Wohllebens Buch nicht nur höchst interessant und aufschlussreich, es war gewissermaßen auch Balsam für meine Seele: Als 2019 mein Buch „Naturwald-Wandern“ publiziert wurde, das im Schlusswort ebenfalls auf die Missstände im Forstwesen hinwies und sich ganz ähnlicher Argumente bediente wie es Peter Wohlleben tut, schaffte ich mir nicht nur Freunde. Als „Verräter in eigener Sache“ und „Nestbeschmutzer“ wurde ich von ehemaligen Branchenkollegen aus dem Forstwesen bezeichnet. Heute nun, Dank dem neusten Buch von Peter Wohlleben, wird mir bestätigt, dass so ein einsamer Querdenker ich wohl gar nicht bin. Schön zu wissen, es gibt noch andere Exponenten mit Forstbranchenhintergrund, die ähnlich denken wie ich. Die 5 Sterne vergebe ich für das Buch mit voller Überzeugung.

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Inhalt und Fazit: Für manche unheimlich und ein fester Bestandteil in Märchen, für andere ein unverzichtbares Naherholungsgebiet: der Wald. Doch was für eine Rolle spielt der Wald wirklich für uns? Abgesehen von unseren Vorstellungen und Nutzungsverhalten ... Wälder werden auch als "Lunge der Erde" bezeichnet und wir wissen, dass sie unverzichtbar im Kampf gegen den Klimawandel sind. Aber steht der Wald einfach so da und verwandelt fleißig CO2 in Sauerstoff oder sind sie lernfähig und passen sich den veränderten Bedingungen an? Als Schulkind habe ich gelernt, dass Bäume ihre Blätter abwerfen weil sie sich so auf die trockenen Winterzeit vorbereiten und sich vor Wasserverlust schützen. Für Bäume ist in gefrorenen Böden weniger Wasser verfügbar, also dichten sie die Verbindungen zu den Blattstielen ab und Blätter vertrocknen und fallen ab. Wenn jetzt die Frostperioden später, oder gar nicht eintreten, müssten die Bäume doch später oder gar nicht ihre Blätter abwerfen? Peter Wohlleben beschreibt eine Studie hätte ergeben das die Bäume ihre Blätter nicht später, sondern früher abwerfen. Warum? Und stimmt das? "Der lange Atem der Bäume" gibt Antworten auf diese Fragen, allerdings nicht immer als Darlegung von Fakten, sondern oft auch als Vermutungen oder Thesen. Die Bäume verändern sich jetzt, der Klimawandel passiert jetzt und vor der Theorie steht die These. Peter Wohlleben beschreibt eindringlich und absolut nachvollziehbar die Folgen von Forstwirtschaft und Raubbau an Wäldern und welche Auswirkungen dies auf "die Lunge der Erde" hat. Diese Auswirkungen betreffen uns Menschen unmittelbar. Wird ein Park in der Stadt abgeholzt merken es die Anwohner sofort: die Temperaturen im Gebiet steigen. Wälder können also nicht nur Feuchtigkeit im Boden binden sondern auch Temperaturen senken. Aber Wälder können so viel mehr und nach der Lektüre wird man feststellen: Ja, man braucht viele Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel, doch ohne Wälder ist der Kampf verloren.

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"Das Schicksal der Wälder und das der Menschheit sind untrennbar miteinander verbunden. Und das ist nicht im übertragenen Sinne zu verstehen, sondern wortwörtlich. Was in Ihren Ohren möglicherweise düster und beängstigend klingt, gibt in Wahrheit Anlass zu großer Hoffnung. Bäume bilden so effiziente Sozialgemeinschaften, dass sie zumindest die aktuellen Veränderungen im Klima vielfach gut verkraften können. Und nicht nur das: Sie sind unsere beste Option, Treibhausgase wieder aus der Atmosphäre zu entfernen, viel besser, als jede Technik es je könnte. Zusätzlich kühlen sie das lokale Klima stark herab und erhöhen sogar die Regenmengen signifikant. All dies machen Bäume übrigens nicht für uns, sondern für sich selbst." (CD 1, Track 2) Peter Wohlleben erzählt in ‚Der lange Atem der Bäume‘ von Kastanien und Trockenheit, Eichen und Rabenvögeln, Genetik und Epigenetik, Sommerregen und Winterregen, Nadelbäumen und Laubbäumen, Blattläusen und rotem Laub, Kronen-Schüchternheit und Kommunikation, Aufforstung und Jagd, Wölfen und Rehen sowie Holz und Kohle. Ich habe schon sehr viel von Wohlleben gelesen, und auch das Hörbuch zu ‚Der lange Atem der Bäume‘ ist ein wunderbares Buch, das von Peter Kaempfe zudem ansprechend und gelungen gelesen wird. Kaempfe liest so unaufgeregt und angenehm, dass ich ihm stundenlang lauschen konnte, und seine Stimme und seine Interpretation passen so gut zu den Büchern Wohllebens, dass ich immer das Gefühl habe, Wohlleben selbst liest sein Buch ein. Wohlleben erklärt in seinem Buch komplexe Zusammenhänge auf anschauliche, verständliche und spannende Weise. Hier erfährt der Hörer ganz genau, welche Auswirkungen kleine Veränderungen auf das System Wald haben, und beim Zuhören kann man immer wieder staunen, wie Bäume miteinander kommunizieren und wie Dinge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, zusammenhängen und miteinander interagieren. Ein ganz wundervolles (Hör-) Buch, und ich freue mich schon auf die nächste Veröffentlichung von Wohlleben. Peter Wohlleben: Der lange Atem der Bäume. Wie Bäume lernen, mit dem Klimawandel umzugehen – und warum der Wald uns retten wird, wenn wir es zulassen. Ungekürzte Lesung mit Peter Kaempfe. der Hörverlag, 2021; 22 Euro.

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