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SPECIAL zu Sophie Andresky

Interview mit Sophie Andresky zu »Brautbett«

Sie dürfen die Braut jetzt vögeln

Früher war das der entscheidende Teil der Hochzeitszeremonie: die Hochzeitsnacht. Endlich durfte man offiziell ran. Diesen Krampf schenken wir uns heutzutage. Viel interessanter kann nämlich die Nacht vor der Hochzeit sein. Wie das geht? Zum Beispiel, indem eine überlastete Chefin die Kundendatei ihrer Hochzeitsagentur mit derjenigen ihrer nebenbei betriebenen Seitensprungagentur verwechselt. Wir haben mit Deutschlands führender Autorin saftig-geschmackvoller Erotik über ihren neuen Roman Brautbett (und noch so manches andere) gesprochen …
Brautbett – das klingt knackig. Auch überraschend für einen Erotikroman, denn bei Braut und Hochzeit denkt man ja eher an Monogamie als an Variation (die ja für das Genre so wichtig ist). Warum dieses Thema?
Sophie Andresky: In meinem Freundeskreis wurde in den letzten Jahren geheiratet, als würde es demnächst verboten. Da brach ein Torten-Tauben-Treueschwur-Tsunami los. Ich pellte mich ständig in irgendein Abendkleid, befüllte Heliumballons, zupfte Strumpfbänder an Brautbeinen zurecht oder stand Schmiere, während angetrunkene Trauzeuginnen auf der Toilette den Mitarbeiter des Caterers vögelten. Irgendwann dachte ich dann: Das wär doch eigentlich mal ein Roman-Thema. Eine Hochzeit ist ein Ausnahmezustand, alles geht drunter und drüber, die Leute drehen durch, starke Männer heulen Rotz und Wasser, und emanzipierte Karriere-Frauen kriegen einen hysterischen Anfall, wenn die tiefgekühlten Schmetterlinge nicht fliegen. Da ist doch viel Potenzial für witziges Chaos und amouröse Begegnungen, vor allem wenn eine Weddingplanerin wie meine Maya Summser von jetzt auf gleich eine Seitensprungagentur erbt und feststellt, dass sie eine ganz unbekannte, dunkle und sinnliche Seite hat. Die Spannung hat mich interessiert: Treueschwüre bei Tag und Swingerpartys bei Nacht. Dazu die Verwicklungen, wenn beide Sphären durcheinandergeraten. Die Heldinnen meiner Romane haben ja eines gemeinsam: Sie wollen immer alles. Sie wollen Abenteuer, Ekstase, erotische Grenzerfahrungen, und sie wollen sich auch verlieben, Romantik und das große Glück. Sie scheitern, rappeln sich wieder auf und wollen noch mehr.

Wo wir bei Variation sind: Woher nimmst du all diese Ideen?
Sophie Andresky: Erotik ist ein Thema, das immer spannender wird, je mehr man sich damit beschäftigt. Ich bin ständig auf der Suche nach sexuellen Kuriositäten, spannenden Details und bizarren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und ich entdecke immer wieder Dinge, die ich vorher noch nicht kannte. Manchmal vergesse ich, dass andere Menschen nicht ständig mit Schweinkram zu tun haben, und platze zu unpassenden Zeiten damit raus. Neulich hab ich mich bei einem Familienkaffeeklatsch dabei ertappt, wie ich erzählen wollte, dass es jetzt Taschenmuschis gibt, die man mit dem iPad verbinden kann. Mitten im Satz fiel mir dann auf, dass das vielleicht kein adäquates Begleitthema zur Schwarzwälder Kirschtorte ist, also konnte ich noch gerade eben das Wort »Taschenmuschi« vermeiden und bin fürchterlich ins Labern gekommen und habe so herumgeeiert, dass die Verwandtschaft bestimmt keine Ahnung hatte, worum es eigentlich ging. Sie haben aber freundlich gelächelt und den Kirschlikör weitergereicht.

Wichtig bei dir ist neben Sex auch immer Humor. Ist Sex ohne Humor unerotisch?
Sophie Andresky: Jedenfalls kann er dann schnell mühsam werden. Das meiste im Leben funktioniert besser, wenn man es nicht bierernst nimmt. Und Sex bietet einfach so viele wunderbare Gelegenheiten für Slapstick, man kann sich bis auf die Knochen blamieren und in unaussprechliche Verlegenheiten kommen. Direkt in der ersten Szene wird meine Heldin von einer Kundin beim Masturbieren erwischt: Sie ist nackt in ein Schaffell gewickelt, in ihr surrt ein Minivibrator und auf dem Bildschirm flimmert ein Porno. Aber meine Maya ist eine Heldin. Sie entschuldigt sich nicht (meine Frauenfiguren entschuldigen sich niemals für ihre Sexualität!), sondern geht erhobenen Hauptes durch diese peinliche Situation.

Du kriegst ja sicher viele Leserbriefe. Von wem wirst du denn mehr gelesen – Weiblein oder Männlein?
Sophie Andresky: Auf jeden Fall schicken Männer mehr Handyfotos von entblößten Genitalien. Liebe Männer, ein Satz wie »Ich will dich treffen.« plus Schwanzfoto ist noch kein Flirt! Und eine angemessene Werbung schon gar nicht! Die meisten Mails sind tatsächlich von Männern, die sich meist freuen, dass da mal eine Frau ist, die Sex gut findet und »ficken« sagt, ohne hysterisch zu kichern. (Das mich wundert immer, denn alle meine Freundinnen finden Sex gut und sagen »ficken« ohne Gekicher. Mit was für Frauen sind Leserbriefschreiber denn liiert?). Aber ich glaube nicht, dass das etwas über die Geschlechter-Verteilung unter der Leserschaft aussagt. Ich schreibe ja jetzt im zweiten Jahr eine Sex-Kolumne im Playboy, die lesen natürlich Männer. Wenn Frauen mir schreiben, sagen sie meist, dass sie es befreiend finden, wie meine Heldinnen zu ihrer Lust stehen und sich holen, was sie wollen. Ich stelle mir als Leserin jedenfalls immer eine rotwangige Frau vor, die mit meinem Buch und glänzenden Augen in der Wanne liegt und es sich besorgt, bis der Schaum bebt.

In deinem neuen Roman geht es unter anderem um Sex Chats. Was ist für dich der Reiz daran, auf diese Weise mit jemandem »körperlosen« Sex zu haben?
Sophie Andresky: Für mich sind es die Wörter. Ich bin ja Verbalerotikerin, mich macht das scharf, wenn jemand explizit und gern auch ein bisschen derb über Sex redet. Chats sind anonym, schnell, safe. Kommt der Typ einem blöd, klappt man halt das Laptop zu. Außerdem habe ich einen abwegigen Tag-Nacht-Rhythmus, teilweise schlafe ich tagsüber und bin im Morgengrauen noch auf. Im Internet ist immer jemand wach und immer jemand heiß. Das Internet ist überhaupt großartig. Für Pornos und Waschbärvideos gibt es nichts Besseres.

Geht dir die ganze Welt der Erotik manchmal auch auf die Nerven?
Sophie Andresky: Was mir auf die Nerven geht, ist, wenn Chauvies ihre Steinzeit-Stereotype endlos wiederkauen, wenn religiöse Fanatiker glauben, sie hätten ein Mitspracherecht in meinem Höschen, oder wenn Frauen sich dem dummen Lifestyle-Zeugs in den Medien unterwerfen, in dem es nur darum geht, bei Oralsexdienstleistungen möglichst devot und dünn auszusehen. Fröhliches Gevögel von freien, gut gelaunten Menschen, die sich gegenseitig Lust bereiten, nervt mich nie. Im Gegenteil: mehr davon! Gut gefickt wär die Welt sicher schöner!
Würde es dich reizen, erotische Gedichte zu schreiben?
Sophie Andresky: Es würde mich auch reizen, einen A 380 zu fliegen, aber können muss man es ja auch. Und gerade bei Gedichten ist es leider so, dass nicht ganz so gut eben direkt grottenschlecht ist. Ich habe eine Hochachtung vor LyrikerInnen und liebe z.B. Zechs »Erdbeermund«, aber ich sehe meine Berufung eher darin, Texte zu schreiben, die scharf machen.

Und zum Schluss eine Hellmuth-Karasek-Frage: Was können wir aus deinen Büchern lernen?
Sophie Andresky: Hoffentlich denke ich beim Vögeln demnächst nicht an Hellmuth Karasek.
Es würde mich freuen, wenn LeserInnen darüber nachdenken, wie ihnen Sex noch mehr Spaß machen könnte. Und dass es nicht die eine richtige, saubere, gesunde Art von Erotik gibt, sondern so viele unterschiedliche Varianten wie Menschen. Auf Gottes wunderlicher Weide gibt’s für jeden noch so bizarren Käfer einen Halm, das ist doch beruhigend, beglückend und entspannend. Sex hat mit Leistung nichts zu tun, auch nicht mit Aussehen, Alter oder Orientierung. Lust ist ein Grundrecht, das uns das Leben etwas schöner macht. Wenn ich mit meinen Büchern dazu beitragen kann, bin ich eine glückliche Frau!

Brautbett

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