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Rezensionen zu
Die Nacht des Zorns

Fred Vargas

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Ich glaube, ich habe ziemlich alle Krimis von Fred Vargas gelesen, manche auf französisch , manche in deutscher Übersetzung. Frédérique Audoin-Rouzeau ist von ihrer Ausbildung her Historikerin und Mittelalterarchäologin mit zusätzlichem Schwerpunkt Archäozoologie. In diesem Bereich arbeitet sie auch. Fred Vargas ist nicht eine, die ihre Bücher im Akkord schreibt, eines alle zwei Jahre, höchstens, eher weniger. Sie stammt aus einer künstlerisch-intellektuellen Familie und ist neben Ruth Rendell und Batya Gur eine meiner liebsten Krimiautorinnen. Diese drei Autorinnen haben gemeinsam, dass in ihren Büchern die Krimihandlung im Grunde nur ein Vorwand für Milieuschilderungen oder Psychogramme ist. Es gibt zwei verschiedene Universen bei Vargas, aber in den letzten Büchern geht es hauptsächlich um Kommissar Adamsberg und seine Truppe. Manchmal überlappen sich aber die Universen und es tritt auch die eine oder andere Figur aus der jeweils anderen Welt auf. In den Krimis von Fred Vargas tummeln sich sehr ungewöhnliche, skurrile Personen. Sie läßt die Skurrilität aber nie in Klamauk umkippen. Kommissar Adamsberg ist ein sehr ungewöhnlicher Mensch und seine Truppe steht ihm an Skurrilität in nichts nach. Jede einzelne dieser Figuren inklusive der Kommissariatskater wird, man könnte sagen in liebevoller Schonungslosigkeit beschrieben. Viele von ihnen könnten sich aufgrund ihrer diversen psychischen und sonstigen Probleme kaum in ein „normales„ Leben eingliedern, aber Adamsberg führt seine Truppe höchst erfolgreich auf seine Art mit klarem Blick im Nebel und holt aus allen ihre ganz speziellen Qualitäten heraus. Mir kommen Vargas Bücher immer vor, wie ein Plädoyer für die Buntheit und Vielfalt menschlicher Gesellschaften. Eigenschaften, die man auf den ersten Blick eindeutig als Schwächen einstuft, entpuppen sich in manchen Situationen als ganz große Qualitäten Dieses Buch ist weder ihr bestes, noch das letzte, das erschienen ist. Ich habe es trotzdem gerne gelesen. Vargas bleibt ihrem Muster treu, seltsame mythologische Geschehnisse darzustellen, die dann langsam, mit archäologischer Akribie in ihren wahren Zusammenhang gestellt werden. Manchmal ist der Ort der Handlung Paris, oft andere französische Regionen oder auch andere Länder. In diesem Buch geht es um eine Art lokale wilde Jagd in der Normandie, die über einen bestimmten Waldweg reitet und nur von manchen Menschen gesehen werden kann. Diese besonderen Menschen werden im Ort gefürchtet, weil sie nicht nur die Mitglieder des „Wütenden Heers“ (L´Armée furieuse) sondern auch die von ihnen ergriffenen sehen können. Die Ergriffenen sind Menschen, die bald sterben werden. Die Schilderung des Lebens in einer kleinen normannischen Gemeinde samt ihrer lokalen Wilden Jagd hat mir gut gefallen, wenn sie auch nicht an die Spitzenbücher von Vargas (vor und nach diesem) herankommt. Dieser Text ist in einer deutschen Übersetzung von Waltraud Schwarze 2011 im Aufbau Verlag erschienen und nun bei Blanvalet, einem Mitglied der Penguin-Randomhouse Gruppe noch einmal in der gleichen Übersetzung. Die Übersetzung des Titels finde ich in seiner Doppelbedeutung sehr gelungen. Warum für eine Neuerscheinung gerade dieser Text ausgewählt wurde, wird der Verlag wissen.

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Irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass ich schonmal was von Fred Vargas (- ich hatte aber nicht mehr auf dem Schirm, dass Fred eine Frau ist?! -) gelesen hatte. Auf alle Fälle klangen die letzten Bücher rund um Jean-Baptiste Adamsberg so spannend, dass ich unbedingt klären wollte, ob ich ihr tatsächlich schon einmal literarisch begegnet bin. Nach wenigen Seiten bin ich mir sicher, dass ich bislang nur über Sie aber nichts von ihr gelesen habe, denn an so ein atmosphärisch dichtes Schreiben hätte ich mich erinnert. Da brauche ich auch etliche Seiten bis ich reinkomme. Anders als viele meiner anderen Krimis und Thriller kann man hier nämlich nicht mal eben querlesen oder irgendwas überfliegen. Das hier ist echt anstrengend – im positiven Sinne. Während ich normalerweise 500 Seiten an zwei bis drei Abenden durchziehe, gelingt mir das hier nicht. Zu aufmerksam muss man hier lesen, zu viele Informationen verarbeiten. Nach rund 30 Seiten ist da bei mir Schluss und ich bin wirklich erschöpft. Dennoch ist das Buch so gut geschrieben, dass ich am Ball bleibe. Der wahre Sog entfaltet sich aber erst ab der Hälfte. Ab dann liest es sich auch deutlich flüssiger – eventuell weil ich mit den Charakteren vertraut bin oder aber, weil die Geschichten endlich zusammenlaufen. Ein kleiner und eher unbedeutender Mord zu Beginn, der aber schnell aufgeklärt ist, führt für alle neuen, die den Ermittler noch nicht kennen, diesen ein. Kein Erfolgstyp, kein klassischer Kommissar, eher einer, er zufällig die Lösung spürt. Weder optisch noch charakterlich ein Held oder typischer Vertreter seiner Gattung. Die tatsächliche Handlung beginnt erst mit dem Auftreten einer kleinen, scheuen Frau, die aus dem Umland nach Paris gereist ist, um den Ermittler um Hilfe zu bitten. Ihre Tochter hatte eine Vision (wütendes Heer), die sich alle paar Jahrhunderte zeigt und Tote ankündigt. Einer der Vorhergesagten ist bereits verschwunden und sie sorgt sich nun um ihre Tochter. Aus einem Bauchgefühl heraus schaut sich Adamsberg später dieses Phänomen und den Ort des Geschehens näher an und landet prompt in den Ermittlungen des Kollegen, die er nach einigen Irrungen und Wirrungen übernimmt. Parallel dazu untersucht er den Mord an einem reichen Wirtschaftsmogul aus Paris, der in seinem eigenen Auto angezündet wurde. Verdächtigt wird ein alter Bekannter Adamsbergs … und da sind dann auch die ersten Bezüge zu den alten Fällen, die mit Sternchen und Querverweisen markiert sind. An der ein oder anderen Stelle möchte man dann natürlich sehr gerne wissen, was in den anderen Büchern passiert ist, aber das ist vermutlich auch Sinn und Zweck. Groß stören tut das nicht, denn im Zusammenhang er Geschichte spielt es keine Rolle und wir erfahren genug, um der Handlung problemlos folgen zu können. Und das ist eine große Stärke der Geschichte – man kann den Band trotz aller vorherigen Ereignisse einzeln lesen und wird mit den Protagonisten warm. Klar, die ein oder andere Frage bleibt offen und wir wohl nur geklärt, wenn man sich auch die vorherigen Bücher vornimmt, aber dieses Buch funktioniert auch alleine. Sicherlich ist es leichter, wenn man die Figuren schon kennt, denn man kämpft an der ein oder anderen Stelle dann doch mit den Namen, wenn die Personen mal mit Vorname, mal mit Nachname erwähnt werden. Da ich jetzt aber definitiv gerne wissen möchte, was ein gewisser Arzt verbrochen hat, der zwar im Gefängnis sitzt, aber dem Kommissar hier hilft und, was es mit Adamsbergs Sohn auf sich hat, der nun bei ihm wohnt, mit dem er aber in den vergangenen über 20 Jahren keinen Kontakt hatte, hat das Buch mehrere Zwecke erfüllt. Es hat mich wunderbar unterhalten (definitiv länger als erwartet) und ich werde sicher den ein oder anderen Vorgänger lesen – und dann kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich Vargas schonmal gelesen habe.

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