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Rezensionen zu
Die Gabe

Naomi Alderman

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‚[...] und zeigt ihr, wie sie die Kraft nutzen kann, die schon immer in ihr geschlummert haben muss, all die Jahre ihres Lebens.‘ (Seite 81) Überall auf der Welt entdecken Frauen, dass sie plötzlich über eine Kraft verfügen, die sie zum starken Geschlecht macht: Sie können mit bloßen Händen Stromschläge austeilen, damit Schmerzen verursachen oder gar töten. Von einem Tag zum anderen unterwerfen sie Männer, revoltieren und brechen alte Strukturen auf. Ich war sehr gespannt auf ‚Die Gabe‘ von Naomi Alderman, und den Einstieg in den Roman fand ich großartig. Mich hat die Geschichte anfangs nicht nur völlig in ihren Bann geschlagen, sondern ich fand sie überzeugend, plausibel und ein sehr spannendes Gedankenexperiment. Auch die verschiedenen Erzählperspektiven und Zeitebenen, die den Roman sehr abwechslungsreich machen und viel Spannung erzeugen, empfand ich als gelungen und gut umgesetzt. Bis zum ersten Drittel des Romans hätte ich ihn vorbehaltlos empfohlen, weil es ein richtig toller Schmöker war, der flüssig geschrieben und gut durchdacht ist, dessen Protagonisten überzeugend charakterisiert wurden, der ebenso unterhaltsam wie anspruchsvoll war. Doch irgendwann hat mich die starke Gottlastigkeit in einem der Erzählstränge zusehends genervt, auch die extreme Brutalität bei der Schilderung einiger Szenen fand ich deplatziert und unnötig, und nicht zuletzt war mir der Roman viel zu actionreich, erinnerte mich stark an einen Blockbuster im Abendprogramm. Wer so etwas mag, der kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Für mich ist das eher nichts, und die actionreiche Geschichte hat mich im Verlauf etwas gelangweilt.

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Es geschieht ganz plötzlich. Roxy ist gerade mal 14 Jahre alt, als sie das erste Mal Stromschläge abgibt, gewollt und sie wird nicht das einzige Mädchen bleiben. Auf der ganzen Welt laufen Videos viral, wo Mädchen Blitze abgeben, damit spielen, prahlen, sogar angreifen. Ist es eine Seuche? Eine Mutation? Sind nur junge Mädchen davon betroffen? Die Welt spielt verrückt und so manche klugen Leute fangen an, es für sich zu nutzen. Was würde passieren, wenn sich die Machtverhältnisse so stark auf ein Geschlecht verschieben? Wie würde es in Saudi-Arabien aussehen? Oder in anderen Ländern mit unterdrückten Frauen? Naomi Aldermann geht mit ihrem Buch einige gewagte Schritte und zeigt eine Welt, die man sich zuerst nur schwer vorstellen kann. Die Idee dahinter ist wirklich interessant und es gibt einige sehr aufregende Charaktere, wie z.B. Mother Eve, die eine Religion ausruft und weltweite Anhänger für sich gewinnt. Sie wird als Prophetin gesehen, das Sprachrohr aller Frauen und hört eine Stimme in ihrem Kopf, die ihr die Richtung weist. Dann ist da noch Roxy, deren Familie bekannt ist für ihre Kriminalitäten, allein der Name reicht um andere zu erschrecken, sie wird Mitglied von Mother Eves Kirche und ihre engste Beraterin. Besonders die Sicht vom Reporter hat mir gefallen, der viele Reisen um die ganze Welt macht und von Veränderungen, Zuständen und Entwicklungen durch die Gabe der Frauen berichtet und sie interviewt. Durch die verschiedenen Sichtweisen sieht man viel Gutes, aber auch Schlechtes und nach den ersten paar Hundert Seiten merkt man, dass sich alles anfängt zu steigern. Bürgerkriege, Rebellionen, unterdrückte Männer und andere Geschehnisse häufen sich, die Welt hat sich grundlegend verändert. Am Anfang des Buches ist die Stimmung noch hoffnungsvoll, durch neu entdeckte Freiheit und Unabhängigkeit, doch das alles wird stark überschattet von Krieg und Mord und ist es richtig den Männern dasselbe Unrecht anzutun, was sie uns angetan haben? Sehr geschickt verpackt die Autorin all die Geschehnisse und die knapp über 550 Seiten waren schnell gelesen. Der Schreibstil ist eindringlich und mit wenigen Worten war ich in der Geschichte drinnen. Es ist nicht sehr emotional, eher kühn und manche Gefühle verstecken sich zwischen den Zeilen. Ich war auch sehr überrascht gewesen von den historischen Belegen im Roman, die Autorin hat sich da mehr einfallen lassen, als man zunächst denkt. So finden sich im Buch Skizzen von alten Höhlenmalereien über Frauen mit Blitzen, oder Skizzen über Geräte für Frauen und ihre Gabe. Und wenn man das Buch aufklappt, so liest man: “Neil Adam Armon – Die Gabe – Ein historischer Roman”, doch was es damit auf sich hat, das müsst ihr schon selber herausfinden. Doch als das Ende kam, dachte ich nur: “Das war’s schon?”. So viele Ideen, interessante Kleinigkeiten und Charaktere und dann dieses Ende. Ich war nicht enttäuscht, aber überrascht und unzufrieden mit dem Schluss des Buches, weil es für mich kein wirklicher Schluss war. Mir fehlte der runde Abschluss. Naomi Aldermann erzählt eine unglaubliche Geschichte aus der Perspektive von einigen unterschiedlichen Frauen und einem Reporter, der das Geschehen auf der ganzen Welt näher betrachtet. Es steckt eine sehr große Idee dahinter, die sehr drastisch gezeigt wird und das Buch ist durchweg ehrlich, verschönert die Zustände und Personen nicht. Nur fehlten mir die Emotionen, es gab keine starken Gefühle, die genau beschrieben werden und so blieb das Buch halbherzig bei mir hängen.

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Interessante Grundidee, aber zu eindimensional

Von: World of books and dreams

08.04.2018

Ganz plötzlich war sie da, bei jungen Frauen und Mädchen, von heute auf morgen verfügen sie über eine Gabe, sie können mit ihren Händen Stromstöße hervorrufen. Niemand hätte gedacht, dass es mit dieser Gabe gelingen könnte, die Kraft-/Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen umzukehren, doch plötzlich sind es die Frauen, die das starke Geschlecht bilden. Doch wird die Welt eine bessere sein, wenn sie plötzlich von Frauen regiert wird? Meine Meinung Allein schon die Aussage, dass Barack Obama dieses Buch zu den besten Büchern 2017 erkoren hat, machte mich unheimlich neugierig auf das, was sich dahinter verbirgt und auch dieser kurze, beinahe nichtssagende Klappentext heizte diese Neugier noch einmal mehr mit an. Ich bin allerdings extrem zwiegespalten, was das Buch angeht, denn zum einen bin ich sehr fasziniert von dem, was Naomi Alderman hier entworfen hat und sie hat mich absolut nachdenklich gemacht, doch zum anderen fiel mir die Geschichte unheimlich schwer. Es lag hier zu einem großen Teil am Stil der Story, die sich sehr zäh lesen ließ. Inhaltlich ist es sehr gut verständlich, aber der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, er wirkt beinahe kalt und mit wenig Gefühl geschrieben und so behielt ich zu den Charakteren eher einen Abstand, als das ich mich hineinversetzen konnte. Warum dies allerdings so dargestellt wird, erfährt der Leser durch einen Briefwechsel, der die Handlung umrahmt. Dazu möchte ich allerdings gar nicht so viel verraten. Trotzdem war ich unglaublich befangen vom Inhalt der Story, denn wie es schon auf dem Klappentext steht: Naomi Alderman hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Absolut glaubhaft zeigt sie auf, wie es wäre, wenn Frauen durch diese Gabe die Macht erhielten. Doch nicht nur das, durch viele, sehr brutale Ereignisse zeigt sie, wie es auch heute bei uns in vielen Ländern noch Gang und Gebe ist. Sie lässt hier die Frauen agieren, wie es, auch heute noch, Männer aus anderen Gesellschaften tun. Interessant ist der Aufbau des Buches, die Autorin zeigt anhand verschiedener Perspektiven, wie sich diese Gabe auf die Gesellschaft auswirkt. Während sich die Machtverhältnisse in den Industrieländern nur langsam ändern, geht es in Ländern, in denen auch heute noch Frauen unterdrückt werden, schon viel schneller zur Sache. Plötzlich sind es hier die Männer, die nur mit der Einwilligung der Frauen, bestimmte Dinge ausführen dürfen. Es befinden sich im Text unheimlich viele Begebenheiten, die sehr wichtige Denkanstöße geben und die auch mich immer wieder innehalten und nachdenken ließen. Eins wird in dieser Geschichte auf jeden Fall klar, der, der die größere Macht hat, wird so gut wie immer für Diskriminierung der Gegenseite stehen. Was mir allerdings fehlte, waren die Grauzonen, alles war zu eindimensional und nur wenig emotional, ganz klar ist die Gesellschaftskritik im Vordergrund, aber ich hätte mir durchaus auch gewünscht, dass hier auch andere Seiten durchdacht worden wären. So war es im Endeffekt einfach eine Umkehrung der Machtstruktur, doch wo sind die, die sich dem Ganzen entgegengestellt hätten? Aus der Sicht von vier Charakteren wird das Geschehen beschrieben. Da wäre die Bürgermeistern Margot durch die wir die politische Seite aufgezeigt bekommen, Roxy, die Verbrechertochter aus London, Allie, die von ihrem Stiefvater missbraucht wurde und Tunde, ein Student, der zum Reporter wird. Alle diese Figuren blieben mir allerdings zu blass, ich fühlte mit keinem wirklich mit, sondern beobachtete ihre Handlungen. Das könnte auch durchaus so gewollt sein, doch für mich blieb es zu emotionslos und ich konnte mich weder in einen der Charaktere versetzen noch mitfühlen. Allie agiert als Mother Eve und durch ihre Figur wird dargestellt, wie schnell Menschen sich in ihrem Denken, hier dem Glauben, wenden können. Roxy spiegelt das Ganze dann aus der Sicht der schon vorher nicht legal Handelnden wieder. Tunde, der einzige Mann unter den Hauptcharakteren, hätte für mich eine interessantere Rolle einnehmen können, doch auch er bleibt ein Beobachter des Geschehens. Mein Fazit Ohne Frage, dieses Buch ist von der Grundidee sehr interessant und mit seinen darin enthaltenen Botschaften eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Leider bleibt es alles zu eindimensional und emotionslos und im Prinzip werden hier die Rollen einfach umgedreht. Mir fehlten das Mitfiebern und die Beleuchtung aus anderen Perspektiven, die Charaktere die Gefühle hervorrufen beim Lesen. Die Gesellschaftskritik, die hier im Text steckt, ist eine wichtige Botschaft und sollte durchaus wachrütteln, doch ich hätte mir gewünscht, dass auch die Grauzonen mehr beleuchtet werden.

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Interessante Grundidee, aber zu eindimensional

Von: World of books and dreams

08.04.2018

Ganz plötzlich war sie da, bei jungen Frauen und Mädchen, von heute auf morgen verfügen sie über eine Gabe, sie können mit ihren Händen Stromstöße hervorrufen. Niemand hätte gedacht, dass es mit dieser Gabe gelingen könnte, die Kraft-/Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen umzukehren, doch plötzlich sind es die Frauen, die das starke Geschlecht bilden. Doch wird die Welt eine bessere sein, wenn sie plötzlich von Frauen regiert wird? Meine Meinung Allein schon die Aussage, dass Barack Obama dieses Buch zu den besten Büchern 2017 erkoren hat, machte mich unheimlich neugierig auf das, was sich dahinter verbirgt und auch dieser kurze, beinahe nichtssagende Klappentext heizte diese Neugier noch einmal mehr mit an. Ich bin allerdings extrem zwiegespalten, was das Buch angeht, denn zum einen bin ich sehr fasziniert von dem, was Naomi Alderman hier entworfen hat und sie hat mich absolut nachdenklich gemacht, doch zum anderen fiel mir die Geschichte unheimlich schwer. Es lag hier zu einem großen Teil am Stil der Story, die sich sehr zäh lesen ließ. Inhaltlich ist es sehr gut verständlich, aber der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, er wirkt beinahe kalt und mit wenig Gefühl geschrieben und so behielt ich zu den Charakteren eher einen Abstand, als das ich mich hineinversetzen konnte. Warum dies allerdings so dargestellt wird, erfährt der Leser durch einen Briefwechsel, der die Handlung umrahmt. Dazu möchte ich allerdings gar nicht so viel verraten. Trotzdem war ich unglaublich befangen vom Inhalt der Story, denn wie es schon auf dem Klappentext steht: Naomi Alderman hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Absolut glaubhaft zeigt sie auf, wie es wäre, wenn Frauen durch diese Gabe die Macht erhielten. Doch nicht nur das, durch viele, sehr brutale Ereignisse zeigt sie, wie es auch heute bei uns in vielen Ländern noch Gang und Gebe ist. Sie lässt hier die Frauen agieren, wie es, auch heute noch, Männer aus anderen Gesellschaften tun. Interessant ist der Aufbau des Buches, die Autorin zeigt anhand verschiedener Perspektiven, wie sich diese Gabe auf die Gesellschaft auswirkt. Während sich die Machtverhältnisse in den Industrieländern nur langsam ändern, geht es in Ländern, in denen auch heute noch Frauen unterdrückt werden, schon viel schneller zur Sache. Plötzlich sind es hier die Männer, die nur mit der Einwilligung der Frauen, bestimmte Dinge ausführen dürfen. Es befinden sich im Text unheimlich viele Begebenheiten, die sehr wichtige Denkanstöße geben und die auch mich immer wieder innehalten und nachdenken ließen. Eins wird in dieser Geschichte auf jeden Fall klar, der, der die größere Macht hat, wird so gut wie immer für Diskriminierung der Gegenseite stehen. Was mir allerdings fehlte, waren die Grauzonen, alles war zu eindimensional und nur wenig emotional, ganz klar ist die Gesellschaftskritik im Vordergrund, aber ich hätte mir durchaus auch gewünscht, dass hier auch andere Seiten durchdacht worden wären. So war es im Endeffekt einfach eine Umkehrung der Machtstruktur, doch wo sind die, die sich dem Ganzen entgegengestellt hätten? Aus der Sicht von vier Charakteren wird das Geschehen beschrieben. Da wäre die Bürgermeistern Margot durch die wir die politische Seite aufgezeigt bekommen, Roxy, die Verbrechertochter aus London, Allie, die von ihrem Stiefvater missbraucht wurde und Tunde, ein Student, der zum Reporter wird. Alle diese Figuren blieben mir allerdings zu blass, ich fühlte mit keinem wirklich mit, sondern beobachtete ihre Handlungen. Das könnte auch durchaus so gewollt sein, doch für mich blieb es zu emotionslos und ich konnte mich weder in einen der Charaktere versetzen noch mitfühlen. Allie agiert als Mother Eve und durch ihre Figur wird dargestellt, wie schnell Menschen sich in ihrem Denken, hier dem Glauben, wenden können. Roxy spiegelt das Ganze dann aus der Sicht der schon vorher nicht legal Handelnden wieder. Tunde, der einzige Mann unter den Hauptcharakteren, hätte für mich eine interessantere Rolle einnehmen können, doch auch er bleibt ein Beobachter des Geschehens. Mein Fazit Ohne Frage, dieses Buch ist von der Grundidee sehr interessant und mit seinen darin enthaltenen Botschaften eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Leider bleibt es alles zu eindimensional und emotionslos und im Prinzip werden hier die Rollen einfach umgedreht. Mir fehlten das Mitfiebern und die Beleuchtung aus anderen Perspektiven, die Charaktere die Gefühle hervorrufen beim Lesen. Die Gesellschaftskritik, die hier im Text steckt, ist eine wichtige Botschaft und sollte durchaus wachrütteln, doch ich hätte mir gewünscht, dass auch die Grauzonen mehr beleuchtet werden.

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Wir schicken Elektrizität durch geregelte Schaltkreise und Schalter, doch sie will die Form eines lebenden Wesens annehmen, eines Farnkrautes, eines nackten Zweiges. Der Blitz schlägt in der Mitte ein, das Licht strebt nach außen. Diese Form wächst in uns allen, unser innerer Baum aus Nerven und Blutgefäßen, inklusive Stamm und aller Äste. Die Signale werden von unseren Fingerspitzen über die Wirbelsäule ins Gehirn geleitet. Wir sind elektrisch. Die Gabe, diese einzigartige Kraft, lebt in uns, wie sie es auch in der Natur tut. Meine Kinder, alles, was hier geschieht, befindet sich im Einklang mit dem Gesetz der Natur. -- INHALT: Bei manchen hat es sich schon länger angekündigt, bei anderen kam es ganz plötzlich und unerwartet: Junge Mädchen auf der ganzen Welt entwickeln auf einmal etwas, das bald "Die Gabe" genannt wird: Es ist ihnen möglich, Elektrizität mit ihren Fingern auszusenden, anderen Schmerzen zuzufügen, sie zu töten. Teilweise können die Mädchen es auch an erwachsene Frauen weitergeben, und damit kehrt sich nun das Altbekannte um: Jetzt sind die Männer das schwache Geschlecht und haben sich den Frauen unterzuordnen. Doch im Umschwung lassen Krieg und Gewalt nicht lange auf sich warten. Die Frauen, getrieben von Macht und Hass, scheinen die Welt nicht gerechter zu machen... MEINE MEINUNG: "Die Gabe" verfolgt ein Gedankenexperiment, das so interessant ist und so wichtig bei all den Geschlechterkämpfen, dass mich der Ideenreichtum schier umhaut. Gepriesen als neues "The Handmaid's Tale", von Margaret Atwood selbst gelobt - ein Roman also, der nicht nur unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken anregen will. Dafür gibt es auch verschiedene Perspektiven: eine skrupellose Politikerin; ein misshandeltes Mädchen, das als Gottheit verehrt wird; die Tochter eines Verbrechers; und ein nigerianischer Reporter, der von Anfang an dabei ist. Die Perspektiven sind allerdings leider etwas inkonsistent, teilweise sehr unterschiedlich im Spannungslevel - und auch der Stil verändert sich außer in den Dialogen recht wenig. Bezeichnend ist, dass es keinen weiblichen Sympathieträger gibt. Bezeichnend besonders im Anbetracht dessen, was Frauen in der Vergangenheit erlebt haben und wie sie dies hier nun dagegen eintauschen, selbst Übel zu verbreiten. Natürlich schwelt im unterdrückten Geschlecht der Wunsch, auch selbst einmal Macht zu haben - aber diese Entwicklung zu brutalen Unterdrückern geht hier doch sehr schnell, und gegensätzliche Stimmen gibt es kaum. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Margot als Politikerin ihre Kraft für den Aufstieg benutzt, gleichzeitig bringt sie die Geschichte aber auch wenig voran. Ausreißerin Allie verfolgt ihren eigenen Plan und nutzt dafür den religiösen Wahn, aber sie macht lange keine Entwicklung durch. Nur Roxy und Tunde, erstere getrieben von Rache und Verrat, letzterer von dem Wunsch, jemand zu sein, konnten mich in ihren Kapiteln eigentlich immer fesseln. Insgesamt ist "Die Gabe" schwierig zu bewerten, vor allem als ein Buch, das mehr sein will als eine Dystopie. Es wirft sehr interessante Fragen auf und besitzt ein Szenario, das erschreckend ist - denn egal, welches Geschlecht die Macht besitzt, es wird nicht gerecht sein. Brutalität, Vergewaltigung, Verfolgung sind das Ergebnis, was teilweise schwer zu verkraften ist. Gleichzeitig bietet der Roman aber nicht einmal im Ansatz eine Lösung, es wird alles nur schlimmer, und dann fehlt auch noch der richtige Höhepunkt, der Umschwung, das Ergebnis. Eingebettet als Geschichtsroman eines Mannes in einer eben solchen von Frauen regierten Welt, funktioniert das nicht komplett. Zum Schluss fehlt einfach ein Knall, und das ist schade. FAZIT: Naomi Aldermans Idee ist so genial wie anders, weswegen "Die Gabe" trotz einiger Kritikpunkte ein Buch ist, was man gelesen haben sollte. Denn eine Herrschaft durch Frauen würde nicht automatisch alle Probleme lösen. Letztendlich fehlt aber einfach ein befriedigendes Ende. Knappe 3,5 Punkte.

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