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Rezensionen zu
Die Gabe

Naomi Alderman

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Erst sind es nur kleine Veränderungen, doch dann verändern sie die Welt: Frauen bekommen die Gabe, die Kraft, Elektrizität zu entwickeln, sie im Guten wie im Schlechten zu nutzen. Am Beispiel mehrerer völlig unterschiedlicher Figuren erzählt Naomi Alderman die Geschichte der Gabe, vom nigerianischen Journalisten über die Tochter eines Gangsterbosses und ein Waisenmädchen, das zu Kichenführerin wird, zu einer amerikanischen Bürgermeisterin und späteren Senatorin beschreibt sie die Entwicklungen in der Gesellschaft durch die neue Macht der Frauen. Frauen sind körperlich schwächer als Männer und kümmern sich um Haushalt und Familie, während die Männer sie verteidigen und versorgen. Dieses wenn auch nicht mehr unbedingt moderne, so doch häufig noch treffende Weltbild stellt die Autorin Naomi Alderman in ihrem Roman „Die Gabe“ auf spannende Art und Weise auf den Kopf. Die Frauen sind durch die Gabe überlegen und übernehmen die Herrschaft. Äußerst packend erzählt sie die neue Geschichte der Menschheit am Beispiel ausgewählter Persönlichkeiten, die einen guten Überblick geben, so ist man als Leser an vielen Stellen dabei, an denen Wichtiges passiert und wird an immer wieder neuen Positionen in die Romanhandlung geworfen. Doch es ist nicht nur spannend, was Alderman beschreibt, es ist auch grausam und beängstigend und vor allem in der Konsequenz auch eines: realistisch. Der Stärkere unterwirft den Schwächeren, er schafft ein Weltbild, das seiner Position entspricht und negiert alles, was seinen Machtanspruch anzweifeln könnte. Diese Entwicklung ist als Fiktion mitreißend, doch es lässt einem das Blut in den Adern gefrieren, wenn man am Schluss den fiktiven Briefwechsel zweier Autoren und der neuen Welt liest – denn die Welt wurde wirklich auf den Kopf gestellt. Zunächst war ich etwas skeptisch, weil ich die Gabe, die alle Frauen erhielten, etwas seltsam fand. Doch für die Konsequenz und Fortführung der Geschichte war die Idee unglaublich gut. „Die Gabe“ ist ein aufrüttelndes, spannendes und bewegendes Buch, das einen zum Nachdenken zwingt. Für mich ist es das erschütterndste und bewegende Buch, das ich seit langem gelesen habe.

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Das Buch die Gabe von Naomi Alderman hat mich sehr überzeugt. Es wurde aus verschiedenen Sichten erzählt. Zuerst konnte man den Zusammenhang der Personen noch nicht sehen, aber Schritt für Schritt wurden die Geschichten von ihnen miteinander verwebt. Das Buch behandelt ein gefährliches Gedankenspiel und der Plot sowie die Idee wurde sehr gut umgesetzt. Es gab auch interessante Ansätze zum Thema Religion und wie sich die Autorin vorstellen könnte, wie eine eigene Religion entsteht. Es war sehr flüssig zu lesen und man fliegt eigentlich nur so durch die Seite. Es gibt sehr viele Bezüge zur Realität und was falsch läuft, nur das man es mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Es wird sich auch viel mit der Frage befasst, ob Macht wahnsinnig macht. Selbst der Epilog und Prolog waren genial. Ich fand die Umsetzung dieser Geschichte einfach nur brillant und ich hoffe, dass einige Männer, aber auch Frauen, zu diesem Buch greifen und sich mal diese dystopische Welt ansehen und vielleicht auch mal über den Tellerrand blicken. Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter.

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Sie kommt aus heiterem Himmel: eine Kraft, die Frauen zum starken Geschlecht macht, die ihnen erlaubt mehr oder weniger gezielte Stromstöße abzugeben und damit auch zu töten, genannt Die Gabe. Die Machtverhältnisse auf der ganzen Welt verschieben sich zugunsten des weiblichen Geschlechts. Dort, wo Frauen bislang unterdrückt wurden, wird nun zurück geschlagen. Aber auch in allen weiteren Teilen der Welt ändern sich die gesellschaftlichen Verhältnisse… Bevor ich dieses Buch las, hätte ich spontan mit “selbstverständlich” geantwortet, hätte mich jemand gefragt, ob eine Welt, in der Frauen das starke Geschlecht sind und herrschen, eine bessere wäre. Jetzt, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Die Rahmenhandlung dieses Buches ist ganz kreativ, wie ich finde, denn augenscheinlich handelt es sich hierbei um ein Werk, dass die Autorin Naomi Alderman von einem Mann erhält, der in dieser neuen Welt lebt und Angst hat die herrschenden Zustände als Mann offen anzuprangern. Das kann man ihm nicht verübeln, wenn man die Geschichte schließlich liest. „Die Gabe“ ist wie ein historischer Roman geschrieben. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erfahren wir anhand einiger Einzelschicksale, die aber natürlich allesamt irgendwie miteinander verbunden sind, die Geschichte der Ausbreitung dieser Gabe. Die beschriebenen Abstände sind mal kürzer, mal länger, entwickeln sich mal rasant, mal langsamer. Immer haben sie mich aber an die Seiten fesseln können, denn ich wollte unbedingt wissen wie dieses Buch enden würde und was noch kommen könnte. Allie, genannt Mother Eve, ruft eine neue Religion auf den Plan, die schnell viele Anhänger auf der ganzen Welt findet und darauf basiert, dass Gott weiblich ist und nicht Jesus, sondern seine Mutter Maria die eigentliche Heldin sei. Ihre Predigten werden auf der ganzen Welt verfolgt und angehört. Roxy Monke ist die Tochter einer der einflussreichsten Familien der Welt. Sie hat eine unglaublich starke Gabe und kann diese auch beherrschen. Tunde ist Journalist, der trotz aller Widrigkeiten über die tatsächliche Lage auf der Welt und den entbrannten Kampf zwischen Männern und Frauen berichten will. Margot ist Politikerin die die Gabe nutzt um Aufzusteigen, was ihr auch gelingt. Ihre Tochter Jocelyn hat die Gabe ebenfalls und arge Probleme diese zu beherrschen. Die Geschichte dieser vielen einzelnen Personen können wir verfolgen und erfahren so aus diversen Sichtweisen was sich in verschiedenen Teilen der Welt zuträgt und wie sich die Menschheit entwickelt. Während sich in der uns bekannten Gesellschaft alles noch recht gemächlich entwickelt und sich die Machtverhältnisse langsam und eher subtil verschieben, kann man sich vielleicht vorstellen, dass sich das in Ländern, in denen Frauen lange unterdrückt, misshandelt, gefoltert, vergewaltigt wurden, schneller und härter entwickelt, denn dort kommt zum Streben nach mehr Macht auch noch ein wahnsinniger Wunsch nach Rache und Vergeltung dazu. Im Vorfeld sagte ich bereits, dass ich vor dem Lesen dieses Buches nicht gedacht hätte, dass eine Welt in der das weibliche Geschlecht regiert, härter sein würde. Eben weil ich den Umstand, dass es vielen, vielen Frauen auf dieser Welt nicht so gut geht wie mir, wie uns, verdrängt und gar nicht auf dem Schirm hatte. Das ist auch noch ein Aspekt des Buches, den ich wirklich gut fand, nämlich, dass man sich während des Lesens viel bewusster wird, dass der Schrecken, der sich in diesem Buch abspielt, die Brutalität und Grausamkeit Männern gegenüber, sich auch heute jeden Tag ereignet, nur halt gegen Frauen gerichtet. Die Geschichte ist brutal, ja, gewalttätig. Oftmals ein wenig überzogen, wobei nichts davon aus der Luft gegriffen ist. Vergewaltigungen, Unterdrückung, Folter – all das gibt es auch in unserer realen Welt. Dieses Buch hat mich ziemlich gefordert, ich war fasziniert von diesem Szenario und der Welt die Naomi Alderman dort skizziert. Das Ende war dann heftig und lies mich erst einmal sprachlos zurück, so dass ich erst einmal darüber schlafen musste um meine Empfindungen dazu in Worte zu fassen. Fazit Mit Die Gabe hat Naomi Alderman wirklich einen Roman geschrieben, der den Büchern von Margret Atwood in ihrer Aussagekraft in nichts nachsteht. Brutal, gewalttätig, real! Man denkt zwangsläufig darüber nach, wie es um unsere gesellschaftlichen Verhältnisse bestellt ist. Absolute Leseempfehlung!

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Ob unsere gesellschaftlichen Strukturen allein im Kräfteverhältnis zwischen Männern und Frauen begründet liegen, kann ich nicht sagen. Sicher ist jedoch, dass die körperliche Überlegenheit meist auf der Seite der Männer liegt, sie häufig dominanter und selbstbewusster erzogen werden und so Mädchen schon von klein auf lernen, sich unterzuordnen. Diese Rollen ziehen sich schon durch viele Jahrhunderte (Jahrtausende?) der Menschheitsgeschichte und scheinen unverrückbar. In Naomi Aldermans Dystopie (oder Utopie?!) “Die Gabe” wird die bestehende Kräfteverteilung nun von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Junge Mädchen und Frauen entdecken die Gabe in sich nur mit ihrer Berührung starke Stromstöße zu verteilen. Plötzlich sind Frauen in der Lage zu verletzen und zu töten ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Kraft gibt ihnen die Möglichkeit überall auf der Welt gegen Unterdrückung und Missbrauch aufzubegehren. Plötzlich sind es die Männer, die sich in einer prekären Situation wiederfinden. Schon wie die Geschichte dieses Buches “verpackt” wird, ist unfassbar ideenreich und einfach perfekt: der Geschichte voran steht ein Briefwechsel zwischen zwei Personen. Ein männlicher Autor wendet sich an seine weibliche Lektorin, sie soll bitte den von ihm verfassten historischen Roman lesen und bewerten. Irgendwie irritierte mich dieser Einstieg und machte gleichermaßen neugierig. Ein historischer Roman? Tatsächlich werden dann im Verlauf der Geschichte die Geschehnisse sehr logisch und chronologisch erzählt. Zwischen den verschiedenen Etappen der Handlung werden zudem “historische Objekte” gezeigt, die auf eine verlorene Gesellschaft vor der Gabe hindeuten. Alles andere an diesem Roman ist jedoch zunächst weit weg von einem historischen Roman. Er ist vielmehr eine phantastische Mischung aus Dystopie und Actionthriller. Ein Buch das vor Spannung und Ideen nur so knistert, ein wenig verrückt wirkt und doch so klar und deutlich Themen benennt, die aktueller nicht sein könnten. Es geht um nicht weniger als den Sinn und Unsinn unserer Geschlechterdefinitionen und den Rollen, die diesen Geschlechtern zugeordnet sind. Literarisch fehlt es an einigen kleinen Ecken um richtig perfekt zu sein, aber das was das Buch mit dem Leser macht, ist ganz großes Kino: es hinterfragt unsere typischen Denkweisen und gesellschaftlichen Strukturen so, dass es beinahe weh tut und und hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor. In einer Szene wird ein Mann von einer Gruppe von Frauen vergewaltigt, es ist Krieg und die Soldatinnen völlig außer Rand und Band. Es tut fast körperlich weh diese Szenen zu lesen, immer wieder dachte ich “nein, das würde so nicht passieren”, schließlich kann keiner so grausam sein?! Doch so etwas passiert, mit vertauschen Rollen ist es genau das, was wir täglich in den Nachrichten hören. Männlich Babys sind weniger wert und werden vermutlich abgetrieben oder getötet? Einflussreiche Frauen halten sich jüngere Männer nur auf Grund ihres guten Aussehens als Sexobjekte? All diese Ideen scheinen absurd, bis man sich diese Konstellationen mit vertauschen Rollen vorstellt. So hat Naomi Alderman bestehende Realitäten zur Dystopie gemacht. Es ist schwer zu beschreiben, welche Wirkung das beim Leser auslöst. Mich überkam ein Gefühl zwischen Faszination, Ekel, Wut und völligem Unglauben. Warum hat sich dieser Wahnsinn entwickelt? Manchmal schienen mir die handelnden Personen des Romans ein wenig unglaubwürdig oder unsympathisch, für ihren Zweck jedoch waren sie durchweg gut geeignet. Statt einzelnen Individuen sind sie eher Muster ihrer jeweiligen Rolle und Funktion. Alle sozial wichtigen Charaktere sind Frauen: der nächste Messias genauso wie die harte Politikerin, die sich in der kriegerischen Ausbildung junger Mädchen engagiert. Die Männer sind in dieser Geschichte eher dünn gesät und erscheinen als furchtsame Untergrundkämpfer oder missgünstige, ehemalige Patriarchen auf der Bildfläche. Trotz ganz viel Bedeutung und Symbolik und trotz etlicher sozialer Fragen, die dieses Buch aufwirft war “Die Gabe” für mich aber vor allem unterhaltsam. Das Buch ist flott geschrieben, spannend und actiongeladen. Das mag für die eine oder andere Leserin, die sich gern intensiver mit der dahinterliegenden Thematik beschäftigen würde, vielleicht störend wirken, es hilft jedoch zu verhindern, dass das Buch zur trockenen Gesellschaftsstudie wird. Dennoch gibt uns der Roman so viele wichtige Ideen und Gedanken mit, dass er hoffentlich dabei hilft umzudenken, sowohl im Hinblick auf unsere Vergangenheit als auch, und vor allem, im Hinblick auf unsere Zukunft. “Wie wir über unsere Vergangenheit denken, zeigt, was wir heute für möglich halten. Wenn wir an den selben alten Vorstellungen über die Vergangenheit festhalten (…) leugnen wir, dass sich überhaupt etwas ändern kann.” Am Ende der Geschichte schlägt der Roman dann übrigens einen Bogen zum Anfang. Die Lektorin antwortet dem fiktiven Autor der Geschichte, seine Erzählung wäre wohl doch etwas zu phantastisch. Kriegergruppen aus Männern in einer Zeit vor der Gabe wären ja doch etwas an den Haaren herbeigezogen und sowieso wäre er als männlicher Autor schwer am Markt unterzubringen. Ob er nicht über einen weiblichen Künstlernamen nachdenken wolle? Absurd?! Ich weiß nicht…

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Wie würde die Welt aussehen, wenn Frauen und nicht Männer sie beherrschen würden? - Als Mädchen und Frauen plötzlich bemerken, dass sie die Gabe haben andere durch Berührung zu verletzen oder sogar zu töten, scheint die Welt zu kippen. Männer werden zum unterdrückten Geschlecht und Frauen beginnen hohe Ämter zu bekleiden, Entscheidungen zu treffen und schließlich bestetzen sie sogar die Armee mit Frauen. Statt dem Inhalt waren es hier eher die Pressestimmen, die mein Interesse an diesem Roman weckten. Ehrlich gesagt habe ich das Buch auch mit entsprechend hohen Erwartungen aufgeschlagen, auch wenn ich weiß, dass diese Lesehaltung leicht zu Enttäuschungen führen kann. Hier war dies jedoch nicht der Fall. Das Buch fesselte mich von der ersten Seite and und ließ mich bis zum Schluss nicht mehr los. Das Thema das Buches ist fasznierend, der Inhalt interessant. Der Aufbau des Buches ist ebenfalls gut gestaltet, indem es neben der Haupthandlung auch noch eine Rahmengeschichte gibt, die einen weiteren interessanten Aspekt liefert. Das einzige was mir bei mir Buch nicht so ganz zugesagt hat, war die Kapitelaufteilung. Die Geschichte setzt sich aus vier Perspektiven zusammen und tatäschlich war es leider so, dass ich manche Kapitel eher nur rasch-rasch gelesen habe, damit ich schnell wieder zu einer anderen Perspektive kam, die mir etwas besser gefiel. Die Ausgewogenheit hat hier ein wenig gefehlt, wenngleich es meistens doch so wahr, dass die Geschichte durch die unterschiedlichen Perspektiven mehr Dynamik und Tiefe erhalten hat. "Die Gabe" ist eines dieser Bücher, die man seinen besten Freunden in die Hand drücken möchte, damit sie es ebenfalls lesen und man im Anschluss dann mit ihnen darüber diskutieren kann. Denn wenn das Buch eines liefert, dann ist das reichlich Gesprächsstoff. Die Autorin Naomi Alderman gibt Interesse Denkvorschläge vor, lässt dem Leser aber gleichzeitig genug Raum, sodass sich diese Gedanken in die unterschiedlichste Richtung entwickeln können. Sehr faszinierend! Ein Buch, das mir bestimmt noch lange im Kopf bleiben wird! FAZIT: Ein schonungslos ehrlicher Roman, der mich sehr verblüfft und nachdenklich zurückgelassen hat und den ich mit lauter Stimme nur weiterempfehlen kann, da er interessante Denkanstöße liefert und für reichlich Diskussionsstoff sorgt.

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Was für ein umwerfendes, machtvolles, alles veränderndes Buch. Es gehört jetzt schon zu den prägendsten und außergewöhnlichsten Romanen, die ich je gelesen habe. Die Idee des Buches ist revolutionär und gleichzeitig ein Gedanke, den wohl viele Menschen – vor allem Frauen – schon einmal hatten. Was wäre, wenn Frauen plötzlich das starke Geschlecht wären? Wäre wirklich alles besser? Wie würden wir mit dem Thema der Rache umgehen und was würden wir anders machen? Was würde sich alles verändern? Würde es wirklich Gerechtigkeit geben und wie wird das eigentlich definiert? Und von wem? Das Buch geht diesen Fragen nach, ohne eine Utopie zu erschaffen. Es ist ehrlich und brutal, erforscht aber – das sollte man beim Lesen im Hinterkopf behalten – nur eine mögliche Option der Ereignisse. Eine realistische Option, aber nicht die einzige. So möchte ich z.B. anmerken, dass es zum aktuellen Zeitpunkt bereits Matriachate auf der Welt gibt, die mit dem im Buch beschriebenen Gesellschaftskonstrukt wenig gemein haben und dass sie z.B. die asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Kulturen sowie indigenen Völker fast komplett übergangen hat (genauso wie Trans- und Intersexualität) – es gibt zwar Vielfalt in dem Buch, aber in Wahrheit wäre solch ein Wandel noch viel komplexer als es ein einzelner Roman einfangen könnte. Dies ist allerdings keine richtige Kritik am Buch, sondern eher eine Anmerkung für alle Leser. Denn ich bin absolut verliebt in die Umsetzung von Aldermans Geschichte. Ich mochte die Charaktere, ich mochte den Plot, ich mochte die verschiedenen Perspektiven, den Schreibstil, die Spannung, den Versuch, etwas so Komplexes ungeschönt und in einem kurzweiligen Spannungsroman darzustellen. Ich mochte, wie sie dem Leser viel Raum zur Interpretation gelassen und einen gleichzeitig an die Hand genommen hat. Die "archäologischen Fundstücke", die man zwischen den Kapiteln findet, und die Darstellung der Macht des Internets und von Social Media. Ich mochte den bitteren Sarkasmus am Ende und die Balance zwischen düsteren, beängstigenden Konsequenzen und dem mächtigen Gefühl, alles schaffen zu können. Ich mochte, dass sie sowohl gegen die geschlechterspezifische Unterdrückung aufsteht als auch erkannt hat, dass das Problem vor allem in Machtstrukturen und der menschlichen Psyche liegt. Wer denkt, dieses Buch sei nur für Frauen und Menschen mit Interesse an alternativen Zukunftsvisionen, liegt völlig daneben. Dieses Buch kann so viele Menschen auf so viele Art und Weisen bereichern. Es kann auf mehr als einer Ebene den Horizont erweitern und Denkanstöße geben. Es wird Männer, Frauen und eigentlich alle einfach bereichern. Noch dazu ist es einfach ein fantastisches, spannendes, beängstigendes und hoffnungsvolles Buch mit einer Prise Zynismus und verdammt viel Raffinesse und Fingerspitzengefühl. Ich kann es aus tiefstem Herzen empfehlen.

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Was für ein umwerfendes, machtvolles, alles veränderndes Buch. Es gehört jetzt schon zu den prägensten und außergewöhnlichsten Romanen, die ich je gelesen habe. Die Idee des Buches ist revolutionär und gleichzeitig ein Gedanke, den wohl viele Menschen - vor allem Frauen - schon einmal hatten. Was wäre, wenn Frauen plötzlich das starke Geschlecht wären? Wäre wirklich alles besser? Wie würden wir mit dem Thema der Rache umgehen und was würden wir anders machen? Was würde sich alles verändern? Würde es wirklich Gerechtigkeit geben und wie wird das eigentlich definiert? Und von wem? Das Buch geht diesen Fragen nach, ohne eine Utopie zu erschaffen. Es ist ehrlich und brutal, erforscht aber - das sollte man beim Lesen im Hinterkopf behalten - nur eine mögliche Option der Ereignisse. Eine realistische Option, aber nicht die einzige. So möchte ich z.B. anmerken, dass es zum aktuellen Zeitpunkt bereits Matriachate auf der Welt gibt, die mit dem im Buch beschriebenen Gesellschaftskonstrukt wenig gemein haben und dass sie zB die asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Kulturen sowie indigenen Völker fast komplett übergangen hat (genauso wie Trans- und Intersexualität) - es gibt zwar Vielfalt in dem Buch, aber in Wahrheit wäre solch ein Wandel noch viel komplexer als es ein einzelner Roman einfangen könnte. Dies ist allerdings keine richtige Kritik am Buch, sondern eher eine Anmerkung für alle Leser. Denn ich bin absolut verliebt in die Umsetzung von Aldermans Geschichte. Ich mochte die Charaktere, ich mochte den Plot, ich mochte die verschiedenen Perspektiven, den Schreibstil, die Spannung, den Versuch etwas so Komplexes ungeschönt und in einem kurzweiligen Spannungsroman darzustellen. Ich mochte, wie sie dem Leser viel Raum zur Interpretation gelassen und einen gleichzeitig an die Hand genommen hat. Die "archäologischen Fundstücke", die man zwischen den Kapiteln findet, und die Darstellung der Macht des Internets und von Social Media. Ich mochte den bitteren Sarkasmus am Ende und die Balance zwischen düsteren, beängstigenden Konsequenzen und dem mächtigen Gefühl, alles schaffen zu können. Ich mochte, dass sie sowohl gegen die geschlechterspezifische Unterdrückung aufsteht, als auch erkannt hat, dass das Problem vor allem in Machtstrukturen und der menschlichen Psyche liegt. Wer denkt, dieses Buch sei nur für Frauen und Menschen mit Interesse an alternativen Zukunftsvisionen, liegt völlig daneben. Dieses Buch kann so viele Menschen auf so viele Art und Weisen bereichern. Es kann auf mehr als einer Ebene den Horizont erweitern und Denkanstöße geben. Es wird Männer, Frauen und eigentlich alle einfach bereichern. Noch dazu ist es einfach ein fantastisches, spannendes, beängstigendes und hoffnungsvolles Buch mit einer Prise Zynismus und verdammt viel Raffinesse und Fingerspitzengefühl. Ich kann es aus tiefstem Herzen empfehlen.

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Rezension Naomi Alderman - Die Gabe Klappentext: Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird. Meinung: Was würde mit der Welt geschehen, wären Frauen plötzlich nicht mehr das schwache Geschlecht, sondern Männer? Wäre die Welt dann unweigerlich besser und gerechter? Diesem Gedankenspiel geht die britische Autorin Naomi Alderman in Die Gabe nach. Dort entdecken plötzlich junge Mädchen, dass sie über die Möglichkeit verfügen Energie abzugeben, in Form von elektrischen Ladungen. Diese Gabe erwecken sie nach und nach auch bei den älteren Frauen. Von einem Tag auf den anderen ändert sich so das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau. Doch zu welchen Konsequenzen? Im Roman begleiten wir vier unterschiedliche Menschen: die junge Roxy, deren Vater einer Verbrecherorganisation vorsteht, dem Nigerianer Tunde, der entgegen dem Klappentext ein Mann ist und als Journalist tätig ist, der Bürgermeisterin Margot und ihrer Tochter Jocelyn, sowie dem Waisenmädchen Allie. Alle Schicksale sind miteinander verknüpft und prägen die Ereignisse im Roman maßgebend. Vom Inhalt selber möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn der Handlungsverlauf hat mich überrascht und eingefangen. Nicht nur die schöne und einnehmende Erzählweise, hier übersetzt von Sabine Thiele, zeichnet den Roman aus, auch das kluge Gedankenspiel, dass die Autorin hier bis ins Letzte ausspielt, machen diesen Roman zu einer Lektüre, die man nicht so schnell vergisst. In teils schonungslosen Szenen ist dieses Buch erschreckend plausibel rekonstruiert. Und auch die starken, gut ausgearbeiteten Charaktere punkten und geben dem Roman seinen speziellen Charakter. Nach dem Beenden des Romans musste ich dieses erst mal nachwirken lassen. Viel Zündstoff hat Naomi Alderman hier hineingepackt, reichlich zum Nachdenken, Spekulieren und Diskutieren. Und man merkt dem Roman an, dass Margaret Atwood dieses Buch mitinspiriert hat. Wer Atwoods Bücher mag, wird auch hier Gefallen finden. Fazit: Die Gabe hat mich umgehauen und lange beschäftigt. Nicht nur ist die Geschichte stark und lebendig erzählt, auch das Gedankenspiel und die Resultate, die diese nach sich ziehen, beschäftigen einen über die Lektüre hinaus. Für mich war es eines meiner Lesehighlights 2018! Von mir gibt es 5 von 5 Punkten. Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

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