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Rezension zu
Ich will dir nah sein

Zu hohe Ansprüche

Von: Nancy Frohberg
24.05.2021

Das Buch wird in unterschiedliche Perspektiven aufgeteilt, jedoch berichtet immer ein neutraler Erzähler. Wir folgen als Leser/in Lester und seiner neuen Nachbarin Erin sowie deren Immobilienmakler Rhys in der Gegenwart. Außerdem gibt es einen weiteren Erzählstrang, der Lesters Vergangenheit beleuchtet. Anfangs lernt man zunächst Lester genauer kennen. Er arbeitet in einem Fundbüro der Londoner U-Bahn und unterhält ein ziemlich krankhaftes Verhältnis zu den Gegenständen fremder Leute. Lester ist ein ziemlich komischer – ja, schon ekelerregender Typ. Seine Figur wird seitens der Autorin in meinen Augen sehr gut dargestellt. Ich möchte ihn keinesfalls zum Nachbarn haben. Das wiederum passiert jedoch Erin. Sie freut sich sehr über ihre neue Wohnung, da sie sie unbedingt haben wollte. Relativ schnell kommt sie mit ihrem merkwürdigen Nachbarn in Kontakt. Für sie hat jedoch ihr aktueller Job Vorrang. Erin ist Balletttänzerin und bereitet sich gerade für ein neues Stück vor. Die Perspektive der dritten Person, des Immobilienmaklers Rhys, hielt ich zunächst nur für eine Überleitung. Rhys blieb aber das ganze Buch ein wichtiger Charakter. Ihm ist aufgefallen, dass in dem Gebäude, in dem auch Erins neue Wohnung liegt, Frauen sehr häufig vor ihrer Mindestvertragslaufzeit gekündigt haben und ausgezogen sind. Das lässt ihm keine Ruhe und er versucht die Ursache dafür herauszufinden. Und so plätschern die ersten 150 oder gar 200 Seiten vor sich hin – ohne das viel passiert. Wirkliche Spannung kam bei mir persönlich nicht auf. Auch keine Gänsehaut. Es gab gute Ansätze, wo die Atmosphäre stimmte… aber leider nie lang oder intensiv genug, um mich wirklich vom Hocker zu reißen. Klar wollte ich wissen, was es mit Lesters Vergangenheit auf sich hat, aber ich konnte das Buch auch ohne Probleme weglegen und verspürte auch keinen großen Drang, es dann wieder in die Hand zu nehmen. Die Charaktere waren in meinen Augen nicht ausgewogen ausgestaltet. Während Lester sehr ausführlich gezeichnet wurde, wirkte Rhys ziemlich blass. Erin wiederum konnte ich nicht immer verstehen. Ihre Figur wurde von der Autorin etwas weniger vielschichtig dargestellt. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Der Schreibstil der Autorin gefiel mir jedoch gut, er ist flüssig und schnörkellos. Im letzten Drittel passierte endlich mehr und es gab auch einige überraschende Twists. Abgeholt haben diese mich aber trotzdem nicht komplett. Es ist schwer zu beschreiben, was mir fehlte, eventuell waren es wirklich die hohen Erwartungen, die ich vorm Lesen bereits hatte. Ich möchte das Buch deswegen nur bedingt empfehlen. Geübten Thriller-Leser/innen würde ich eher abraten. Diejenigen unter euch, die jedoch meist zu (Spannungs-)Romanen greifen, können sicher ein paar spannende Stunden mit „Ich will dir nah sein“ verbringen.