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Rezensionen zu
Vergeltung

Robert Harris

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Das war gute Unterhaltung, aber leider nicht mehr. Denn das Thema hätte so viel mehr hergegeben. Die Männer um Wernher von Braun und die Forschungen und den Bau der V2 Raketen auf deutscher Seite, sowie auf britischer Seite die Frauen des WAAF, den Frauen die die Flugbahnen der Raketen berechnen sollten, um die Startplätze der V2 zu finden. Ein wie ich finde sehr spannendes Thema. Und doch wurde hier sehr viel Potential verschenkt, weil die beiden Seiten nur unzureichend beleuchtet wurden. Wernher von Braun zum Beispiel, ein Mann mit solch einer Strahlkraft, war leider nur eine Randfigur in diesem Buch. Oder die Frauen des WAAF wurden nicht in dem Sinne gewürdigt, wie sie es verdient hätten. Die Figuren waren leider nur recht flach dargestellt und so konnte man sich nur wenige von ihnen gut vorstellen. Die Schauplätze hingegen waren gut dargestellt so dass man sich diese gut vorstellen konnte. Dennoch wusste die Story mich zu begeistern, aber vor allem deshalb, weil ich immer noch hoffte, dass da noch mehr kommt. Insgesamt bin ich hier trotzdem auf 4 von 5 Sternen gekommen. Leider kann ich hier wegen der oben beschriebenen Gründe keine Leseempfehlung aussprechen. Für Fans von Romanen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs ist das Buch ganz sicher etwas.

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Meine Meinung: Der britische Schriftsteller Robert Harris zählt für mich zu den Autoren, deren Neuerscheinungen ich blind kaufe, da mir, mit nur wenigen Abstrichen, alle seine Werke gefallen haben und „Konklave“ sowie die „Cicero-Trilogie“ unvergessene Lesehighlights bleiben. So war ich natürlich gespannt, ob sich auch „Vergeltung“ lange in mein Gedächtnis einbrennen wird - immerhin besitzt auch dieser Roman eine sehr spannende Prämisse und Harris ist für mich ein Meister im Verknüpfen von historischen Fakten und fesselnder Fiktion. Leider ordnet sich sein neustes Werk, das sich thematisch mit der Geschichte der Vergeltungswaffe 2 beschäftigt und zu Kriegsende platziert ist, in den hinteren Plätzen ein. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass Harris diese Geschichte zu Corona-Zeiten verfasst hat aber neben der erkennbaren großartigen/lehrreichen Recherchearbeit, bleibt die Spannung überwiegend im Lockdown gefangen und die Figuren deutlich auf Abstand, so dass diese keine bedeutsamen Spuren in dem historischen Setting hinterlassen haben. Fazit: Auf der Spannungs-/Konfliktebene wahrlich nicht sein bestes Werk aber wie gewohnt hervorragend recherchiert und historisch interessant.

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Für Viele war mit der Landung der Alliierten in der Normandie und der Befreiung Westeuropas das Kriegsgeschehen abgeschlossen. Robert Harris‘ neuester Roman „Vergeltung“ zeigt uns, dass davon keine Rede sein konnte … Im November 1944 nähert sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch die Niederlage des Deutschen Reichs. Hitlers letzte Hoffnung ruhte auf seiner Wunderwaffe, der „V2“ … Diese ballistische Rakete waren schon zu damaliger Zeit nicht am Radar zu orten und stieß zu Tausenden mit Überschallgeschwindigkeit auf England herab und hinterließen Tod und Zerstörung. Kay Caton-Walsh, eine junge Offizierin im Frauenhilfsdienst der britischen Luftwaffe, entging nur knapp einem dieser Einschläge. Ad hoc schließt sie sich einer Mission im belgischen Hinterland an, bei der die Startplätze der tödlichen Geschosse durch Berechnungen ermittelt werden sollen. Zur selben Zeit wird auch der deutsche Ingenieur Rudi Graf – seines Zeichens ein langjähriger Freund des Raketenentwicklers Wernher von Braun – dorthin versetzt, um vor Ort den Bau und auch den Start der Raketen zu betreuen. Nur von Brauns schützende Hand konnte ihn bisher vor Ermittlungen wegen des Verdachts der Sabotage bewahren, die bereits im Deutschen Peenemünde aufkamen … Robert Harris schafft mit „Vergeltung“ einen packenden Roman mit dokumentarischem Hintergrund. Er bezieht sich hier auf zahlreiche Veröffentlichungen rund um die nationalsozialistische Raketenforschung unter Leitung des politisch ambivalenten Wernhers von Braun (1912-1977). Die beiden Protagonisten schildern in abwechselnden Kapiteln die Vorgänge in diesem November. Dabei bedient sich Robert Harris wie schon gewohnt seines famosen Erzählstils und seiner bildhaften Erzählstimme. Er geht sehr sensibel und deshalb umso eindringlicher mit dem Thema um. Auch wenn ich zugeben muss, dass „Vergeltung“, trotz meines Lesevergnügens rein von der Geschichte her, mein bisher schwächster Roman von ihm war. Wer schon andere Bücher des Autoren gelesen hat, der kennt Harris glorreiche Wendungen und gut durchdachten Kniffe. Die bleiben hier leider ein bisschen auf der Strecke! Und auch aus dem Ende hätte er meiner Meinung nach ein bisschen mehr herausholen können. Dennoch ist die Handlung interessant und lesenswert: Robert Harris erzählt von geplatzten Kindheitsträumen, von moralischer Verantwortung und der Desillusionierung der Menschen. Von den Schrecken des Krieges, den ausgemergelten Zwangsarbeitern, die unter menschenunwürdigen Zuständen in Außenlagern arbeiten mussten und nicht zuletzt von Wernher von Braun, dem Opportunisten und elitären Günstling der Nationalsozialisten, dessen Mitmenschlichkeit durch seinen wissenschaftlichen Ehrgeiz weit auf der Strecke geblieben ist. Kay und Rudi sind nicht historisch belegt, werden vom Autor aber ausdrucksstark und glaubwürdig in diese Geschichte hineingeschrieben. Beide werden sehr gut in ihrer Gefühlslage, aber auch in ihrer Kriegsmüdigkeit beschrieben.

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REZENSION – Der Name des britischen Schriftstellers Robert Harris (63) verspricht üblicherweise Spannung. Doch sein im November auf Deutsch veröffentlichter Roman „Vergeltung“ erreicht leider nicht jenes Niveau, das wir von seinen Bestsellern „Vaterland“ (1992), „Enigma“ (1995) oder zuletzt „München“ (2017) gewohnt sind. Zwar widmet sich der Autor auch in seinem neuen Roman wieder einem bedeutenden Kapitel des Zweiten Weltkriegs, doch plätschert die Rahmenhandlung um den deutschen Ingenieur Dr. Rudi Graf und die britische Offizierin Kay Caton-Walsh, die der Autor um das eigentliche Thema des Einsatzes der deutschen Vergeltungswaffe V2 gesponnen hat, nur mäßig dahin und gewinnt erst ab Mitte des Buches etwas mehr an Dramatik. Wir befinden uns im November 1944, nur sechs Monate vor Kriegsende. Das Deutsche Reich scheint besiegt, die Alliierten sind auf dem Vormarsch. Doch Hitler setzt alles auf seine „Wunderwaffe“, die von Wernher von Braun und seinen Ingenieuren in Peenemünde gebaute V2-Rakete – V wie Vergeltung. Rudi Graf, ein Freund Brauns seit Jugendzeiten, ist verantwortlicher Ingenieur im besetzten Holland, wo aus den Wäldern bei Scheveningen die ballistischen Flugkörper täglich von mobilen Abschussrampen in Richtung London gestartet werden. Die britischen Aufklärer können die in Überschallgeschwindigkeit fliegenden Raketen nicht orten, weshalb Kay Caton-Walsh und andere Soldatinnen des Frauenhilfsdienstes der Air Force im befreiten Belgien abgesetzt werden, um aus dortiger Nähe zur holländischen Grenze den Raketenstart zu beobachten, die Standorte der mobilen Startplätze zu berechnen und sie durch britische Bomber zerstören zu lassen. Auch in „Vergeltung“ verbindet Robert Harris historisches Geschehen und real existierende Personen wie den deutschen Raketenbauer Wernher von Braun (1912-1977) und SS-General Hans Kammler (1901-1945) mit fiktiven Helden seines Romans, dessen Handlung zeitlich parallel und kapitelweise im Wechsel deren Geschichte erzählt. Zusätzlich erfahren wir aus Rudi Grafs Erinnerungen episodenhaft die Entwicklung des Raketenbaues seit 1928. Wie Robert Harris im Nachwort schreibt, hat er sein Buch in den Wochen des ersten Corona-Lockdowns verfasst. Dies mag ein Grund sein, weshalb der Roman etwas lustlos aus Fakten und Fiktion zusammengeschrieben scheint. „Vergeltung“ lässt vor allem deshalb Spannung vermissen, da man hierzulande vielleicht genauer über Wernher von Braun und die V2 informiert ist, als es britische Leser sein mögen, weshalb diese Abschnitte des Romans eher langweilen. Bleibt die eigentliche Handlung um Rudi Graf und Kay Caton-Walsh. Doch deren Charaktere bleiben blass und wirken mit dem desillusionierten deutschen Ingenieur und der einsatzfreudigen britischen Offizierin, die zur Verteidigung ihrer Heimat „mit Rechenschieber und Logarithmentafeln“ gegen Deutschland kämpft, leider allzu klischeehaft. Da sind doch die Charaktere des von der Raumfahrt besessenen opportunistischen Wernher von Braun und des fanatischen SS-Generals Kammler, die beide im Roman nur als Randfiguren auftreten, wesentlich interessanter. Robert Harris vermag mit seinem Roman kaum zu fesseln, wirkt die Handlung doch gelegentlich sogar unglaubwürdig. Wenn zum Beispiel Wernher von Braun als uniformierter SS-Sturmbannführer seinen unter Sabotageverdacht stehenden Freund Graf aus dem Verhör der SS befreit und ihn zurück nach Deutschland nimmt, als wäre der Verdächtige dort vor den Fängen der SS sicher. So bleibt „Vergeltung“ ein nur mäßig spannender, aber noch gut lesbarer Roman über ein interessantes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Mehr aber auch nicht.

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„ Der Großteil des Romans wurde während der Covid-19-Pandemie geschrieben. Vier Stunden jeden Vormittag, sieben Tage die Woche, vierzehn Wochen lang zog ich mich in mein Arbeitszimmer zurück und schloss die Tür - ein Lockdown innerhalb des Lockdowns.“ (Robert Harris aus Danksagungen zu „Vergeltung“ ) Herausgekommen ist ein temporeicher und fesselnder historischer Roman der Spitzenklasse, eben ein echter Harris! Die Geschichte beginnt im November 1944, als das Deutsche Reich vor der Niederlage steht. Verzweifelt versuchen die Deutschen das Blatt durch den Einsatz einer neuen tödlichen Wunderwaffe noch zu wenden. Tausende V2 Raketen mit tonnenschweren Sprengstoff sollen auf England niedergehen. Die Flugkörper, die mit einer Geschwindigkeit von über 5000 Stundenkilometern unterwegs sind, benötigen nur 320 Sekunden bis London. Sie sind vom Radar nicht zu orten, schlagen lautlos und ohne Vorwarnung ein. Der Herr über die V2 Raketen ist Ingenieur Rudi Graf, der mit seinem Freund Wernher von Braun davon träumte, eines Tages eine Rakete zum Mond zu schießen. Längst sind die einstigen Illusionen in weite Ferne gerückt. Rudi koordiniert von Holland aus die Technik über die Abschüsse der V2 Raketen. Bezüglich eines Sabotageverdachtes erscheint ein Führungsoffizier der SS und schaut Graf genauer auf die Finger. In einem zweiten Handlungsstrang kommt Kay Caton-Walsh ins Geschehen. Sie ist Offizierin im Frauenhilfsdienst der britischen Luftwaffe und wird mit einigen anderen Frauen von Belgien aus die mobilen Startplätze der V2 Raketen ausfindig machen und zerstören. Wie das Schicksal so will, werden Kay und Rudi eines Tages aufeinandertreffen. Das Buchcover fällt ins Auge und vermittelt einen ersten Eindruck von der Lektüre. Schon nach wenigen gelesenen Seiten kann ich mich dem Geschehen kaum noch entziehen. Wieder hat mich Harris in Nullkommanix geködert. Mit seinem intelligenten, lebendigen Schreibstil schafft er eine atemberaubende Atmosphäre. Ich bin begeistert, wie detailliert der Autor reale historische Fakten und Örtlichkeiten in seine fiktive Story einbettet. Bilder entstehen im Kopf und werden gedanklich zu einem Film. Die Charaktere sind mit Fingerspitzengefühl ausgearbeitet. Sie gewähren Einblicke in ihr Privatleben und lassen den Leser an ihren Gefühlen und Gedanken teilhaben. Rudi ist fachlich eine Koryphäe, doch es fällt ihm immer schwerer, seinem Land zu dienen. Er weiß, dass der Krieg verloren ist und möchte dem Wahnsinn ein Ende setzen. Ihm gegenüber steht Kay, eine junge intelligente Frau, die einen Raketeneinschlag live miterlebt hat. Auch sie arbeitet mit großem Ehrgeiz daran, den Feind zu entwaffnen. Neben den fiktiven Figuren lässt Harris auch bekannte historische Personen, wie SS General Hans Kammler oder Wernher von Braun, in seiner Geschichte agieren. Damit schafft er Realitätsnähe. Seine exzellent recherchierte Rahmenhandlung rund um die V2 Rakete finde ich megainteressant. Wieder etwas dazugelernt. Zudem überzeugt der Roman durch einen hohen Unterhaltungswert und dürfte damit die breite Thriller-Leserschaft erreichen. Ich mag diesen britischen Autor, der die Kunst des Schreibens meisterlich beherrscht und empfehle sowohl „Vergeltung“, als auch seine anderen Bücher wie z.B. „Vaterland“ „München“ oder „Konklave“ gern weiter.

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Robert Harris schreibt großartige historische Romane! Sein letztes Buch "Der zweite Schlaf" konnte mich wirklich überzeugen und nun war ich sehr gespannt auf sein aktuelles Buch, dass zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. Dabei gibt es zwei Protagonisten, die aber mehrere hundert Kilometer auseinander leben und im Prinzip sogar gegeneinander kämpfen. Dabei hat mich wieder einmal der angenehme Schreibstil von Harris gefallen, wodurch sich das Buch auch wirklich flüssig lesen ließ. Was mir außerdem sehr gut gefallen hat war, dass der Autor historische Ereignisse mit Fiktion brillant verbunden hat. Bis jetzt habe ich erst wenig über die V2 Raketen gewusst, mit denen die Nazis London bombardiert haben. Durch "Vergeltung" wird das ganze jedoch sehr lebendig und gerade die Charaktere hauchen der Geschichte leben ein. Dabei sind die Ereignisse und Schauplätze wirklich authentisch dargestellt. Im Anschluss des Buches war ich von dem Thema so gepackt, dass ich mich etwas mehr über das Thema der V2 Waffen informiert habe und es war für mich wirklich erstaunlich, wie viel Wissen Harris mit seinem Buch schon vermittelt hat und sich der Roman trotzdem wirklich spannend lesen ließ. Ich habe nun schon einige Bücher von Robert Harris gelesen, doch dieser zählt auf jeden Fall zu einem der besten! Fazit: Ein unglaublich spannender Roman, der Fiktion und historische Ereignisse genial verbindet. Von Anfang bis Ende ist das Buch sehr spannend und für Leser von historischen Romanen absolut lesenswert!

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Im November 1944 steht das Deutsche Reich vor der Niederlage. Es werden die modernsten Waffen eingesetzt – die V2-Rakete, um England zu bombardieren. Rudi Graf übernimmt die technische Aufsicht über diese Abschüsse. Kay Caton-Walsh, eine Offizierin der britischen Luftwaffe, entkommt einem dieser V2-Angriffe nur knapp und meldet sie sich daraufhin freiwillig zu einer lebensgefährlichen Mission. Zusammen mit anderen Frauen wird sie nach Belgien gebracht, wo sie die mobilen Startplätze der deutschen V2-Raketen ausfindig machen und zerstören soll. Weder Kay noch Rudi ahnen, dass sie das Schicksal eines Tages aufeinandertreffen lässt. . Wie schon in „München“ widmet sich Robert Harris auch in diesem Buch wieder einem wichtigen Thema der Vergangenheit. Die Einarbeitung von historischen Begebenheiten in eine fiktive Geschichte beherrscht Harris hervorragend. Er reißt einen mit seinen Roman von Anfang an mit und lässt seine Protagonisten in einem Licht erscheinen, als wären sie tatsächlich am Leben und dabei gewesen. So auch in „Vergeltung“, einem Roman über die V2-Raketen, der zeigt, wie sinnlos eigentlich ein Krieg und wie wichtig Menschlichkeit ist. „Vergeltung“ erzählt zwei Handlungsstränge parallel, die sich am Ende miteinander verbinden. Ich mochte beide Geschichten gerne und da diese sich immer kapitelweise abwechselten, fühlte ich mich in jedem Handlungsstrang wohl und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Obwohl „Vergeltung“ komischerweise gar nicht wirklich spannend ist (ich meine damit in Sachen „Action“), konnte ich das Buch dennoch schwer zur Seite legen. Das ist auch eines der Phänomene, die ich immer wieder bei den Büchern von Robert Harris bemerke: Selbst wenn gar keine wirkliche Spannung aufkommt, werde ich von der Geschichte selbst in hohem Maße eingenommen und bin begeistert. Was mir bei diesem Buch besonders aufgefallen ist, waren die sehr oft vorkommenden historischen Beschreibungen, die mich persönlich zwar nicht gestört haben, aber bei vielen eine Art Langatmigkeit heraufbeschwören könnte. Interessant sind diese Passagen allemal, zumal sie die Handlung äußerst glaubhaft und nachvollziehbar machen und einen Aspekt der Kriegsführung beleuchten, mit dem seltener konfrontiert wird. Robert Harris’ Schreibstil ist gewohnt hochwertig und flüssig zu lesen. Er schafft es einfach immer wieder, den Leser für sich zu gewinnen und mit auf eine außergewöhnliche Reise zu nehmen. Vor allem die „Liebesgeschichte“ im Strang um die britische Offizierin und das Ende des Romans haben es mir angetan. Bei beiden wäre noch durchaus mehr Potential vorhanden gewesen, vor allem das Ende wirkte etwas abrupt und schnell. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn letztendlich reiht sich auch der neue Roman von Robert Harris in dessen hervorragende Bibliografie ein und lässt darauf hoffen, dass der Autor noch viele Werke dieser Art abliefert. Mit seinen letzten Roman und dem vorliegenden „Vergeltung“ zeigt er jedenfalls, dass er noch immer schreiben und unterhalten kann. . Fazit: Interessanter Kriegsroman über die V2-Raketen mit tollen Protagonisten. ©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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nhalt: November 1944, die Welt befindet sich im Krieg. Für den Kriegstreiber Deutschland scheint der Krieg schon fast verloren, doch Deutschland bäumt sich ein weiteres Mal auf: England wird mit der neu entwickelten V2 Rakete bombardiert. Diese Rakete fliegt mit Überschallgeschwindigkeit und kann von der gegnerischen Raketenabwehr kaum geortet werden. Die Zielgenauigkeit der V2 ist zwar nicht optimal, trotzdem fordern die Angriffe hunderte Todesopfer. Kay Canon-Walsh erlebt die Angriffe in London mit und meldet sich freiwillig um die Startrampen der V2 zu orten. Der Startort der V2 muss berechnet werden und die Basis für diese Arbeit liegt in Belgien. Kay lässt sich nach Belgien versetzen um zu helfen, diese neue, tödliche Waffe der Deutschen unschädlich zu machen. Auf der anderen Seite stehen Wernher von Braun und der Ingenieur Dr. Rudi Graf. Graf ist durch und durch Ingenieur und hat längst mit dem Kapitel der Weltherrschaft durch die Nazis abgeschlossen, sein Freund von Braun allerdings möchte noch alles geben um sich einen Platz in der Geschichte zu sichern, auch wenn es tausende an Menschenleben kostet ..... Fazit: Robert Harris ist für mich einer der ganz großen Geschichtenerzähler. Seine Romane basieren immer auf belegte historische Fakten und er "baut" kunstvoll eine Geschichte rund um diese Fakten und haucht der Historie so ein neues Leben ein. So auch in "Vergeltung". Die V2 gab es wirklich und wurde auch tatsächlich unter der Leitung von Wernher von Braun entwickelt. Allerdings hieß sie anfangs noch A4, Aggregat 4, und wurde erst 1944 in V2, Vergeltungswaffe 2, umbenannt. Bis zu 20.000 KZ Häftlinge und Zwangsarbeiter verloren beim Bau der Rakete ihr Leben und durch den Einsatz der V2 kamen rund 8000 Menschen zu Tode. Diesen Fakten hat Harris in "Vergeltung" einen Platz gegeben und für uns Leser in einen fesselnden Roman gepackt. Rund um die Fakten tummeln sich natürlich fiktive Figuren, mit ihren Geschichten, aber das tut der Quintessenz keinen Abbruch. Harris hat uns hier wieder ein Stück Geschichte näher und begreifbarer gemacht. Die 5 Tage im November, die Harris in "Vergeltung" beschreibt, sind natürlich auch eine Auseinandersetzung mit "Gut" und "Böse", allerdings findet diese sehr differenziert statt. So sind auch unter den Deutschen nicht alle Figuren per se böse. Rudi Graf, zum Beispiel, ist Ingenieur, von Träumen getrieben, aber nicht wirklich ein überzeugter Nazi. Kay steht zwar auf der Seite der Guten, aber auch sie ist nicht frei von Makel, so hat sie eine Affäre hinter sich, deren womöglich Folgen für sie katastrophal werden könnten. Aber mit diesen Nebenschauplätzen wird der Roman lebendig, werden die historischen Fakten zu menschlichen Geschichten. Damit wird trockene Geschichte für den normalen Leser ein Erlebnis und nach Beenden der Lektüre kennt man Geschehen aus vergangenen Zeiten, mit denen man sich bisher kaum auseinandergesetzt hat. Ich mag das und bin ein großer Fan von Harris Büchern und auch dieser Roman hat mich sehr begeistert.

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