Mittagsstunde

Roman

Bestseller Platz 8
Spiegel Taschenbuch Belletristik

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Was bleibt von uns, wenn alles, was wir kannten, untergeht?

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.


ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Originaltitel: Mittagsstunde
Originalverlag: Penguin Verlag, München 2018
Taschenbuch, Broschur, 336 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-328-10634-0
Erschienen am  08. Februar 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.
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Rezensionen

Wie weit können wir ohne unsere Heimat kommen?

Von: Buch Traum

27.02.2021

Ingwer Feddersen, 47 Jahre alt, eigentlich Dozent an der Uni aber zwischendurch auch Altenpfleger, Reinigungskraft, Koch oder Taxi-Fahrer. Je nachdem, was gerade gebraucht wird. Das Dorf, darüber schreibt Dörte Hansen. Nicht um Ella geht es, die ganz langsam immer weiter in ihrer eigenen Welt versinkt. Nicht um Sönke, ihren Mann, der aus dem Krieg zurück gekommen ist, plötzlich nur noch eine halbe Frau hatte und wohl für immer in seiner Kneipe hinter dem Tresen stehen wird. Es geht um das Dorf, wie es langsam stirbt. Und mit ihm auch die Menschen. Der Supermarkt hat schon lange geschlossen, in den 1970ern war die Flurbereinigung da und hat alle Traditionen aus der Landschaft entfernt, die Bäume an der Hauptstraße wurden gefällt und eine neue Straße verlegt. Das Dorf wird langsam immer kleiner, genau wie auch Ella und Sönke. Und Ingwer muss ihnen dabei zugucken, allen dreien. Als junger Mann hat er sein Erbe ausgeschlagen, wollte lieber in Kiel studieren als in der Kneipe hinter dem Tresen zu stehen. Er hat etwas gut zu machen, deshalb begleitet er Ella, Sönke und auch das Dorf, er kann sie alle drei nicht verlassen. Unsere Heimat, wieviel ist sie wert? Brauchen wir sie wirklich? Sind es die Menschen, oder sind es die Häuser, die wichtig sind? Wie lange kann man seine Heimat, und damit auch seine Bestimmung verleugnen? Die Bestseller Autorin stellt wichtige Fragen in ihrem Buch, sie ist auch diejenige, weswegen mir das Buch aufgefallen ist. Nicht das Cover, obwohl der scheinbar so sture Ochse wunderbar zum Inhalt passt. Mit "Altes Land" hat Dörte Hansen einen Bestseller geschrieben, die Verfilmung hat mich nicht überzeugt. Das Buch habe ich nie gelesen, weshalb ich ihr jetzt eine Chance geben wollte. Und es hat sich absolut gelohnt. Jede der Figuren ist perfekt ausgestaltet, fast durchgängig wird Plattdeutsch gesprochen, die Texte außerhalb der Dialoge sind auf Hochdeutsch geschrieben. Die Autorin erinnert uns an die Generationen vor uns, an Kinder, die wenige Monate nach der eiligen Hochzeit geboren werden, an Dörfer, die jahrelang vom Wind gequält wurden und jetzt langsam sterben. An Heimatlose, die nicht zurück kehren wollen. Daran, wie kurz das Leben sein kann. Aber auch wie reich, wie es ist, in einer Dorfgemeinschaft aufzuwachsen. Mit Freunden, die schon seit Generationen Freunde der Familie sind. Da, wo jeder jeden kennt. Und auch da, wo eben doch nicht jeder alles weiß. Der Roman von Dörte Hansen hat seine guten Kritiken in jedem Fall verdient. Leicht melancholisch, wunderbar auf den Punkt.

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Highlight für den Lesekreis

Von: Tintenhain

23.02.2020

„Altes Land“ war das erste Buch in unserem Lesekreis, bei dem wir uns alle einig waren, dass es einfach großartig ist. Ein wenig fürchteten wir uns vor Dörte Hansens neuem Roman „Mittagsstunde“. Konnte dieses Buch wieder genauso gut werden? Oder gar noch besser sein? Auch dieses Mal waren wir uns wieder einig: „Mittagsstunde“ war fantastisch, vielseitig und unbedingt lesenswert! Dörte Hansen schreibt intensiv und wortgewandt über die Menschen in Brinkebüll und es gelingt ihr auf nur 320 Seiten ein umfassendes, lebendiges Bild über die Jahrzehnte zu zeichnen. Man lebt, liebt und leidet mit den Menschen, die so liebevoll, authentisch und einprägsam gezeichnet sind, dass man sie persönlich zu kennen glaubt. Dabei wird so gekonnt mit wenigen Worten vieles nur angedeutet, was man sich selbst zwischen den Zeilen erschließen kann. Dadurch ist dieses Buch ein Buch für Jedermann und Jederfrau – man erkennt sich selbst, seine Nächsten, seine Nachbarn, sein Dorf. Selbst die Städter unter uns. Für die eine ist es die Geschichte von Ingwer Feddersen, dem unehelichen Sohn der verrückten Marret. Ein Mann, der zurückblickt, sich in der Mitte des Lebens selbst und seinen Platz in der Familie findet. Für die andere ist es die Geschichte von Sönke Feddersen, der aus dem Krieg in ein verändertes Leben zurückkam. Für mich war es die Geschichte von Brinkebüll, der sich unter dem rasanten Fortschritt verändernden Gemeinde. Das Aufkommen und Verschwinden der Mähdrescher, begleitet von der alten Musikbox im Dorfkrug, mit deren Musik Dörte Hansen durch die Kapitel ihres Romans trägt. „Mittagsstunde“ ist eine Geschichte vom Niedergang des alten Dorflebens, der alten Strukturen in den Gemeinden, aber es geht auch um Aufbruch und Chancen. Chancen für die, die auf dem Dorf „verkümmern“ würden, Chancen für junge Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Natürlich ist auch Trauer um das Vergangene ein Thema. Die Sehnsucht nach dem Alten und Bewährten auf dem Lande. Städter, die aufs Land ziehen, um etwas zu suchen, das aus ihrem Leben verschwunden ist. So entstehen neue Gemeinden mit neuen Schwerpunkten und einem anderen Lebensgefühl. Es bleiben die Heimatvereine, Bewahrervereine und Hinweisschilder, die die Landschaft einem Museum gleich machen, und an das erinnern, was war. Für mich, und ich denke auch für unseren Lesekreis, ist Dörte Hansens „Mittagsstunde“ schon jetzt ein absolutes Lesehighlight in diesem Jahr und ich kann das Buch unbedingt allen empfehlen, die es noch nicht kennen. © Tintenhain

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Vita

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, lernte in der Grundschule, dass es außer Plattdeutsch noch andere Sprachen auf der Welt gibt. Die Begeisterung darüber führte zum Studium etlicher Sprachen wie Gälisch, Finnisch oder Baskisch und hielt noch an bis zur Promotion in Linguistik. Danach arbeitete sie als Autorin für Hörfunk und Print, bis ihr gefeierter Debütroman »Altes Land« 2015 erschien und zu einem riesigen Bestsellererfolg wurde. Er wurde zum »Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels« gekürt und avancierte zum Jahresbestseller 2015 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Auch ihr zweiter Roman »Mittagsstunde«, im Herbst 2018 erschienen, wurde zum SPIEGEL-Jahresbestseller und von Publikum und Kritik gefeiert. Mit ihrer Familie lebt sie in der Nähe von Husum.

Zur Autor*innenseite

Events

23. Apr. 2021

Lesung i.R. des Eifel-Literatur-Festival Special 2021

20:00 Uhr | Prüm | Lesungen
Dörte Hansen
Mittagsstunde

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