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Rezensionen zu
Mittagsstunde

Dörte Hansen

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"Der Wind war immernoch der alte. Er schliff die Steine ab und knickte Bäume, beugte Rücken. Auch diesem alten Wind war es egal, was Menschen taten, ob sie blieben oder weiterwanderten. Es ging hier gar nicht um das bisschen Mensch." - Dörte Hansen, "Mittagsstunde" In der Mittagsstunde ist es ganz still in Brinkebüll. Das Dorf auf der schleswig-hosteinischen Geest hält Mittagsschlaf - und als es gemächlich wieder aufwacht, dreht die Welt sich in einem anderen Tempo und die Bewohner*innen müssen sich diesem anpassen - oder sie verschwinden. Von dieser Auflösung des Traditionellen, dem Verschwinden des fiktiven Dorfes zwischen Niebüll und Husum und der Menschen, die dort leben, erzählt Dörte Hansen in ihrem zweiten Roman "Mittagsstunde". Sie berichtet in zwei Zeitebenen, die eine ist in der Zeit nach der Flurbereinigung in den 60er Jahren angesiedelt, die andere heute. Dabei wählt sie auch zwei verschiedene Perspektiven. Im "Damals" kommt vor allem Sönke Feddersen, der Kröger des Dorfes, zu Wort. Das "Heute" wird aus der Sicht von Ingwer Feddersen, seinem Enkel, erzählt, der nach der Grundschule das Abitur machte und dann zum Studieren nach Kiel zog - weg von Brinkebüll, weg vom Dorfkrug, den er eigentlich hätte übernehmen sollen. Ingwer kümmert sich in seinem "Sabbatical" dann mit knapp 50 Jahren um seine beiden Großeltern - und erlebt sowohl deren Verfall, als auch das Abhandenkommen der Landwirtschaft, wie sie früher betrieben wurde, mit. Diese beiden Motive - das Dorf, das sich bis zur Unkenntlichkeit verändert und das Älter werden - wurden von der Autorin sehr, sehr gut umgesetzt. Unsentimental und ohne Kitsch erzählt sie die Geschichten der Feddersens und der anderen Dörfler*innen, man lernt sie alle nach und nach kennen - und schließt sie auch alle mit der Zeit ins Herz. Dörte Hansen stammt selbst aus Husum und lässt in ihren Roman viel Plattdeutsch mit einfließen, was alles noch authentischer macht. Ich hätte gerne noch viel mehr von diesem Dörfchen in Nordfriesland gelesen - und war daher meist etwas traurig, wenn es dann um Ingwers Zeit in Kiel ging oder um seine WG-Mitbewohner*innen. Mit diesem Erzählstrang bin ich leider nicht wirklich warm geworden, er hat für mich nicht ganz gepasst. Was auch ein wenig schade war: Eine Autorin, die so exzellent mit Worten umgehen kann, sollte für mein Empfinden keine rassistischen Ausdrücke verwenden - auch wenn sie zu der Zeit, zu der das Buch teilweise spielt, gängig waren. Hier wünsche ich mir einen sensibleren Umgang mit Sprache. Dörte Hansen kann es einfach, dieses Schreiben über ländliche Gegenden, kleine Dörfchen und deren Bewohner*innen. Ihr kauft man es ab, wenn sie über deren Feste schreibt, über die Beziehungen untereinander und das Zerren zwischen Traditionen, der Natur und dem Drang des Menschen zum Modernen. Auch "Mittagsstunde" konnte mich also wieder überzeugen - wenn auch nicht so sehr wie ihr Debütroman "Altes Land". Vor allem für Lesende, die - wie ich - sehr gerne Landromane wegschmökern, wieder ein besonderer Genuss!

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Ingwer Feddersen, der an der Uni in Kiel als Ärchologe arbeitet, kehrt in seinem Sabbatjahr in sein Heimatdorf Brinkebüll in Nordfriesland zurück. Dort wuchs er bei seinen Großeltern und seiner wahnsinnigen Mutter Marret auf, die, aufgrund ihrer ständigen Prophezeiungen des Untergangs, von den anderen Dorfbewohnern nur Marret Ünnergang genannt wurde. Seine Mutter ist mittlerweile tot und seine beiden Großeltern pflegebedürftig. Der prophezeite Ünnergang ist tatsächlich für das Dorf Brinkebüll ein wenig eingetreten. Die einst so romantische Dorfidylle musste der Flurbereinigung weichen, die zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen mit sich zog. Ingwer schwelgt in Erinnerungen, arbeitet seine Vergangenheit auf, reflektiert seine ins Nichts führende Beziehung zu seiner Mitbewohnerin und kümmert sich liebevoll um seine Großeltern. Während seines Aufenthaltes macht er sich auf die Spuren seiner Vergangenheit und stößt dabei auf einige Überraschungen. Die Story klingt auf dem ersten Blick banal, aber der Dorf- und Familienroman zeichnet detaillierte Porträts der verschiedenen Figuren, die den Typus „Nordfriese“ in seiner Schnoddrigkeit und herzlichen aber immer leicht unterkühlten Art, so wunderbar widergibt. Als Nordfriesin kann ich nur sagen, dass das Lokalkolorit dieses einsamen und rauen Landkreises, der gleichzeitig aber mit seiner atemberaubend schönen Weite beeindruckt, nicht besser hätte in Worte gefasst werden können.

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Im ersten Moment war ich überrascht, als beim Starten dieses Hörbuchs die tiefe und eindringliche Stimme der bekannten Schauspielerin Hannelore Hoger erklang. Ich stellte mich innerlich schon auf anstrengende Hörstunden ein. Umso verwunderter war ich schließlich, als ich gar nicht genug kriegen konnte davon … vom platten Schnack, der mich über elf Stunden lang unterhielt … Auf Basis des Buches der Schriftstellerin Dörte Hansen, die ich schon aus ihrem ersten Roman „Altes Land“ kannte, erzählt Frau Hoger die Geschichte eines kleinen Dorfs im hohen Norden nahe Husum, wie es seinesgleichen in den 50er, 60er, 70er Jahren in ganz Deutschland zu finden gab. Die Dorfstraße war holperig, große Bäume spendeten im Sommer Schatten, es gab einen kleinen Laden, in dem man einkaufte und die Welt schien in Ordnung, denn alles ging seinen Gang und jeder wusste um seinen Platz im Leben. Es gab wenig Aufregendes zu erleben. Die Highlights im Jahr waren runde Geburtstage und Jubiläen, die im alten Dorfkrug bei Familie Feddersen gefeiert wurden. Ella und Sönke Feddersen, inzwischen beide in den Neunzigern, leben noch immer dort, unterstützt von ihrem Enkel Ingwer, der sie an den Wochenenden besuchen kommt. Um sie und das Dorf dreht sich der Roman. Und um das Erreichen der Gnadenhochzeit. Ach ja, und ein wenig auch um Ingwer, der sich mit seinen fast fünfzig Jahren fragt, ob er alles richtig gemacht hat im Leben … Der oft nüchterne und dennoch fast ein wenig magisch anmutende Rückblick auf ein dörfliches Leben, das immer mehr zu verschwinden droht, hat mich fasziniert. Es ist ein ruhiges Buch aber nie langweilig. Der starke Dialekt aus dem Norden weckte in mir so manche Erinnerung an Sommerurlaube an der Ostsee bei Oma und Opa in Friedrichsort an der Ostsee, wo für uns Kinder die Welt auch noch in Ordnung war. Ich sortiere dieses Hörbuch gedanklich in die Kategorie „Lieblingsbuch“ und vergebe hierfür die verdiente volle Punktzahl. Bin schon gespannt, was sich Dörte Hansen als nächstes ausdenken wird. Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein!

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„Etwas Flüßiges schien plötzlich in ihm aufzusteigen, eine Flut, ein Schwal aus hilflosen Gefühl. Er stand auf einmal bis zum Hals in Wehmut.“ (S.59) Seid ihr eigentlich Dorf- oder Stadtmenschen? 🚜 ich wohne zwar im Moment mitten in einer (kleinen) Stadt, kann es aber absolut nicht mehr erwarten, bald auf dem Land zu wohnen! 🍃 natürlich ist es mega cool, so zentral zu wohnen und überall (auch in die Buchhandlung) zu Fuß gehen zu können - trotzdem sehne ich mich seeehr stark nach weniger Menschen und mehr Ruhe, freier Fläche und Tieren! 🐛🐮🌻 umso mehr habe ich es genoßen, in Dörte Hansens Roman „Mittagsstunde“ einmal mitten in das nordfriesische Landleben einzutauchen! ✨ Ingwer Fedderson ist um die 50, Geschichtsprofessor und lebt in einer WG in Kiel. Eigentlich - denn nun kommt er zurück in sein Heimatdorf Geetsdorf um für seine Eltern zu sorgen, die mittlerweile pflegebedürftig sind. Hierfür reist er also aus der Stadt zurück aufs Land um auf dem Gasthof der Familie zu wohnen und kräftig mit an zu packen. Doch was ist mit seinem Heimatdorf passiert? Nichts scheint mehr so zu sein, wie er es in Erinnerung hatte. Die namensgebendene „Mittagsstunde“ stirbt genauso aus wie viele der anderen Traditionen, mit denen Ingwer aufgewachsen ist. Dörte Hansen erzählt voller Wärme und Wortgewalt vom Aussterben der dörflichen Welt. Auch wenn ich (aus dem tiefsten Oberbayern) bei den plattdeutschen Redeanteilen kein Wort verstanden habe eine klare Empfelung! 🌻 Ich möchte ganz bald noch „altes Land“ der Autorin lesen! Habt ihr das schon gelesen? 🌾

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Ingwer Feddersen, 47 Jahre alt, eigentlich Dozent an der Uni aber zwischendurch auch Altenpfleger, Reinigungskraft, Koch oder Taxi-Fahrer. Je nachdem, was gerade gebraucht wird. Das Dorf, darüber schreibt Dörte Hansen. Nicht um Ella geht es, die ganz langsam immer weiter in ihrer eigenen Welt versinkt. Nicht um Sönke, ihren Mann, der aus dem Krieg zurück gekommen ist, plötzlich nur noch eine halbe Frau hatte und wohl für immer in seiner Kneipe hinter dem Tresen stehen wird. Es geht um das Dorf, wie es langsam stirbt. Und mit ihm auch die Menschen. Der Supermarkt hat schon lange geschlossen, in den 1970ern war die Flurbereinigung da und hat alle Traditionen aus der Landschaft entfernt, die Bäume an der Hauptstraße wurden gefällt und eine neue Straße verlegt. Das Dorf wird langsam immer kleiner, genau wie auch Ella und Sönke. Und Ingwer muss ihnen dabei zugucken, allen dreien. Als junger Mann hat er sein Erbe ausgeschlagen, wollte lieber in Kiel studieren als in der Kneipe hinter dem Tresen zu stehen. Er hat etwas gut zu machen, deshalb begleitet er Ella, Sönke und auch das Dorf, er kann sie alle drei nicht verlassen. Unsere Heimat, wieviel ist sie wert? Brauchen wir sie wirklich? Sind es die Menschen, oder sind es die Häuser, die wichtig sind? Wie lange kann man seine Heimat, und damit auch seine Bestimmung verleugnen? Die Bestseller Autorin stellt wichtige Fragen in ihrem Buch, sie ist auch diejenige, weswegen mir das Buch aufgefallen ist. Nicht das Cover, obwohl der scheinbar so sture Ochse wunderbar zum Inhalt passt. Mit "Altes Land" hat Dörte Hansen einen Bestseller geschrieben, die Verfilmung hat mich nicht überzeugt. Das Buch habe ich nie gelesen, weshalb ich ihr jetzt eine Chance geben wollte. Und es hat sich absolut gelohnt. Jede der Figuren ist perfekt ausgestaltet, fast durchgängig wird Plattdeutsch gesprochen, die Texte außerhalb der Dialoge sind auf Hochdeutsch geschrieben. Die Autorin erinnert uns an die Generationen vor uns, an Kinder, die wenige Monate nach der eiligen Hochzeit geboren werden, an Dörfer, die jahrelang vom Wind gequält wurden und jetzt langsam sterben. An Heimatlose, die nicht zurück kehren wollen. Daran, wie kurz das Leben sein kann. Aber auch wie reich, wie es ist, in einer Dorfgemeinschaft aufzuwachsen. Mit Freunden, die schon seit Generationen Freunde der Familie sind. Da, wo jeder jeden kennt. Und auch da, wo eben doch nicht jeder alles weiß. Der Roman von Dörte Hansen hat seine guten Kritiken in jedem Fall verdient. Leicht melancholisch, wunderbar auf den Punkt.

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„Altes Land“ war das erste Buch in unserem Lesekreis, bei dem wir uns alle einig waren, dass es einfach großartig ist. Ein wenig fürchteten wir uns vor Dörte Hansens neuem Roman „Mittagsstunde“. Konnte dieses Buch wieder genauso gut werden? Oder gar noch besser sein? Auch dieses Mal waren wir uns wieder einig: „Mittagsstunde“ war fantastisch, vielseitig und unbedingt lesenswert! Dörte Hansen schreibt intensiv und wortgewandt über die Menschen in Brinkebüll und es gelingt ihr auf nur 320 Seiten ein umfassendes, lebendiges Bild über die Jahrzehnte zu zeichnen. Man lebt, liebt und leidet mit den Menschen, die so liebevoll, authentisch und einprägsam gezeichnet sind, dass man sie persönlich zu kennen glaubt. Dabei wird so gekonnt mit wenigen Worten vieles nur angedeutet, was man sich selbst zwischen den Zeilen erschließen kann. Dadurch ist dieses Buch ein Buch für Jedermann und Jederfrau – man erkennt sich selbst, seine Nächsten, seine Nachbarn, sein Dorf. Selbst die Städter unter uns. Für die eine ist es die Geschichte von Ingwer Feddersen, dem unehelichen Sohn der verrückten Marret. Ein Mann, der zurückblickt, sich in der Mitte des Lebens selbst und seinen Platz in der Familie findet. Für die andere ist es die Geschichte von Sönke Feddersen, der aus dem Krieg in ein verändertes Leben zurückkam. Für mich war es die Geschichte von Brinkebüll, der sich unter dem rasanten Fortschritt verändernden Gemeinde. Das Aufkommen und Verschwinden der Mähdrescher, begleitet von der alten Musikbox im Dorfkrug, mit deren Musik Dörte Hansen durch die Kapitel ihres Romans trägt. „Mittagsstunde“ ist eine Geschichte vom Niedergang des alten Dorflebens, der alten Strukturen in den Gemeinden, aber es geht auch um Aufbruch und Chancen. Chancen für die, die auf dem Dorf „verkümmern“ würden, Chancen für junge Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Natürlich ist auch Trauer um das Vergangene ein Thema. Die Sehnsucht nach dem Alten und Bewährten auf dem Lande. Städter, die aufs Land ziehen, um etwas zu suchen, das aus ihrem Leben verschwunden ist. So entstehen neue Gemeinden mit neuen Schwerpunkten und einem anderen Lebensgefühl. Es bleiben die Heimatvereine, Bewahrervereine und Hinweisschilder, die die Landschaft einem Museum gleich machen, und an das erinnern, was war. Für mich, und ich denke auch für unseren Lesekreis, ist Dörte Hansens „Mittagsstunde“ schon jetzt ein absolutes Lesehighlight in diesem Jahr und ich kann das Buch unbedingt allen empfehlen, die es noch nicht kennen. © Tintenhain

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Mittagsstunde

Von: Nanni

08.01.2020

"Mittagsstunde" fühlt sich an wie ein Tag auf dem Land. Ein Besuch in einem Dorf, das ein Dorf meiner Heimat sein könnte. Ich fühle mich zurückversetzt zu all den kleinen Problemen und Wehwehchen, zu den Geheimnissen, die mal mehr, mal weniger schwer wiegen, zu Hoffnungen, Sehnsüchten, Träumen und dem Abschied von eben diesen. Wie auch "Altes Land" ist "Mittagsstunde" in einem ruhigen Ton erzählt, der von Sprecherin Hannelore Hoger perfekt aufgegriffen wurde. Es gibt keine Spannungsbögen und doch muss ich immer wieder zurückkehren zum Roman. Es ist die Dramatik der kleinen Dinge, der kleinen Wendungen, der einzelnen Schicksale, die an den Roman und vor allem an dessen Figuren fesselt. Wer Hansen liest / Hoger hört, muss zurückfahren. Entschleunigen. Darf keine Rasanz erwarten. Weder im Erzählstil, noch in den Handlungen. Es gibt etliche Geheimnisse, die manchmal keine sind, und es gibt Wendungen. Wenige, kaum unerwartete. Hansen hat ihren eigenen Stil. Passend für ihre Romane, die gefühlt aus der Zeit fallen. So wie auch ihre Figuren. Charaktere, von denen man glaubt, dass es solche nicht mehr gibt, und die doch vielerorts noch anzutreffen sind. Auf dem Dorf. Darf ich als Dorfkind sagen. Die Stimmung, die Mittagsstunde transportiert, ist etwas, das mir auch schon im echten Leben begegnet ist. In Dörfern, in denen der Altersdurchschnitt steigt, weil die jungen Leute weggehen. In die Stadt ziehen. Junge Menschen, die beim Heimkommen eine gewisse Sehnsucht verspüren und doch wieder weggehen. Die immer seltener wiederkommen und immer länger fortbleiben, bis das Vergessen das Heimweh weggespült hat. Hansen erzählt von einem Wechsel der Generationen, einem Wechsel der Ansprüche und der Wünsche. Vom Verfall einer vertrauten Welt und davon, dass etwas Neues etwas Gutes sein kann. Dass aus dem Wagnis, den eigenen Ort der Sicherheit zu verlassen, etwas Gutes entspringen kann. In ihrem Erzählton, den Hoger wiedergibt, als wäre es ihr eigener. Der mir in "Altes Land" extrem gut gefallen und in "Mittagsstunde" etwas zu langsam war. Ich spreche gerne eine Empfehlung für die Kombi Hansen / Hoger aus.

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Melancholische und liebevolle Reise ins Geestland.. Ingwer Feddersen ist Archäologe, knapp vor der 50 und lebt in einer 3er WG in Kiel. Er stammt aus Brinkebüll, einem kleinen bäuerlichen Dorf bei Husum. Aufgewachsen ist er bei seinen Großeltern, die eine Gastwirtschaft betreiben. Jetzt, im Alter, brauchen sie seine Hilfe und Unterstützung. Seine Großmutter wird dement und sein tattriger Großvater hält stur die Stellung im Dorfkrug. Darum kehrt Ingwer heim und wir mit ihm. Ich finde die Tonart, in der Dörte Hansen schreibt deutlich melancholischer als in „altes Land“ da dieses Dorf im Sterben liegt. Nach der Flurbereinigung der 70er Jahre ist hier nichts mehr wie es war, Höfe geben auf, Mittagsstunde kann sich keiner mehr erlauben, Ingwers Großeltern haben um ihre Existenz zu kämpfen. War der Gasthof Schauplatz vieler Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und Mittelpunkt des Dorflebens, vereinsamt er nun zunehmend. Auf vielen Höfen leben nun Städter, die es zurück in die Natur zieht. Wir tauchen tief ein in die Dorfgemeinschaft, lernen Freud und Leid der Bewohner kennen und Dörte Hansen schaffe es sprachlich zu fesseln und uns Norddeutschland nahe zu bringen. Ein Roman sich zu besinnen auf die gute alte Zeit, die nicht immer nur „besser“ war, sondern auch hart und arbeitsintensiv.

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