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Eva Ladipo

Räuber

Roman

Hardcover
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Wem gehört die Stadt?

Als die Sozialwohnung verkauft wird, in der er mit seiner Mutter lebt, weiß Olli Leber, was das zu bedeuten hat: Menschen wie er haben kein Recht mehr auf ein Leben im Zentrum Berlins. Doch der junge Bauarbeiter will sich nicht stillschweigend entsorgen lassen und bläst zum Gegenangriff.

In Amelie Warlimont findet Olli eine unverhoffte Mitstreiterin, denn die bekannte Journalistin hat alte Rechnungen zu begleichen und ihre eigenen Gründe, sich von der Stadt verraten zu fühlen. Gemeinsam ziehen die beiden in einen Kampf um Gerechtigkeit. Ein Kampf, der immer mehr außer Kontrolle gerät.

»[...] mit schnellen Dialogen und gutem Timing nicht nur packend, sondern oft auch sehr lustig. Wer etwas über Berlin und seine Menschen erfahren möchte, sollte lesen.«

Berliner Morgenpost, Felix Müller (07. May 2021)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-89667-678-8
Erschienen am  08. March 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Rezensionen

Kampf der Gentrifizierung als Kleinganoven- und Love Story

Von: hertzlese

23.09.2021

Soziale Säuberung? Den Begriff kannte ich ehrlich gesagt noch gar nicht. Der trifft schon ziemlich hart. Es geht um die Verdrängung sozialen Wohnungsbaus aus den Innenstädten - um Menschen, die aufgrund von Gentrifizierung in die Peripherie ziehen müssen. Wie in Schillers titelgebendem Vorbild begehren auch die Protagonisten in „Räuber“ in Selbstjustiz gegen die bestehenden, ungerechten Verhältnisse auf: Amelie Warlimont, Journalistin in Elternzeit, und Olli Leber, dessen Sozialbindung der Wohnung ausläuft, wodurch er und seine Mutter aus Haus 9 der Siedlung am Rand des Prenzlauer Bergs vertrieben werden sollen. Womit wir bei Klischee Nummer 1 wären - was liegt schon näher beim Gedanken an die intellektuelle Hipster-Mutti in Birkenstocks, die die Hartz-VI-Empfängerin und den Bauarbeiter aus deren Altbau verdrängt (selbstverständlich ohne es zu wollen oder auch nur zu reflektieren) als der Prenzlauer Berg?! Der Roman von Eva Lapido ist gespickt mit derartigen Klischees - und trotzdem schafft sie es, eine wirklich unterhaltsame Politsatire/Kleinganovenstory/Liebesgeschichte zu erzählen, deren Fortsetzung ich sofort lesen würde. Weil mich brennend interessiert wie es bei Olli und Amelie, Falk Hagen, Marks russischer „Verwandtschaft“ und der Mietergemeinschaft von Nummer 9 weitergeht. Ohne @ninialagrande hätte ich dieses coole Buch (trotz des coolen Covers) nicht gelesen, was sehr uncool gewesen wäre - vielen Dank!

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Unter Räubern

Von: LiteraturReich

01.09.2021

Eva Ladipo hat einen so unterhaltsamen wie relevanten Roman über den Immobilienmarkt (nicht nur) der Hauptstadt und die über die Einwohner hinwegbrausende Gentrifizierungswelle geschrieben. In wechselnden Perspektiven erzählt sie von Olli Leber, Amelie Warlimont und Falk Hagen, alle drei direkt von ihr betroffen. Olli Leber lebt mit seiner Hartz IV beziehenden Mutter in einer Sozialwohnung am Berliner S-Bahn-Ring. Einst war die Familie direkt im Herzen des Prenzlauer Berges beheimatet. Irgendwann konnten der Bauarbeiter und die Krankenschwester dort die Mieten nicht mehr bezahlen und wichen an den Rand des Viertels aus. Aber auch dort stiegen die Preise, die Sozialwohnung sollte nun ein stabiler Hafen sein. Bei der jetzigen Gentrifizierungsdebatte wird oft nicht erwähnt, dass bereits vor ca. zwanzig Jahren die große Verdrängung stattfand, als nämlich die niedrigen Einkommensklassen die begehrten Innenstadtvierteln verlassen mussten, weil die jetzt von der Gentrifizierung bedrohten Mittelklassefamilien dorthin zogen und die Preise steigen ließen. Die Lage der Familie Leber verschlechterte sich, als der Vater auf dem Bau einen schweren Unfall erlitt. Die Unfallkasse zahlte nicht, weil der obligatorische Helm nicht getragen wurde. Die Mutter glitt ab in Depressionen, konnte ihren Beruf nicht mehr ausüben, schließlich starb der Vater an den Unfallfolgen. Nun droht mit dem Ende der Sozialbindung der Wohnung Schlimmes. Die "Europäische Wohnen" - der Name ist wohlgewählt - plant die grundlegende Renovierung der Wohnanlage und damit faktisch die Entmietung der meisten Bewohner. Eva Ladipo, die politische Journalistin, schreibt anspielungsreich. Der ehemalige Berliner Finanzsenator Falk Hagen, der einst die Sozialwohnungen in großem Stil verkauft hat, erinnert an einen ganz bestimmten Typ Politiker. „Sozialdemokraten von gestern, die liberaler ticken als die Konservativen, damit die eigene Partei zugrunde gerichtet haben und sich seitdem die Taschen in der Wirtschaft vollstopfen.“ Mit ihm hat die Journalistin Amelie Warlimont noch eine Rechnung offen und verbündet sich deshalb mit Olli Leber und seiner Mieterinitiative. Sie selbst ist seit der Geburt ihres zweiten Kindes ständig überlastet und übermüdet, in ihrem Ehemann Stefan hat sie kaum Unterstützung, denn der ist gerade im Dauerstress, seitdem er als Chefredakteur die Berliner Regionalzeitung retten will, indem er sie einem Investor schmackhaft machen muss. Auch die Affäre mit einer Kollegin lastet auf der Ehe. So sieht man Amelie also selten ohne Kinderwagen. Dennoch fällt den Beiden ein waghalsiger Plan gegen Falk Hagen ein. Spannend, lustig, mit treffenden Dialogen fesselt Eva Ladipo über mehr als 500 Seiten und streift dabei höchstens mal ganz leicht die bekannten Klischees. Und bleibt auch beim unerwarteten Ende angenehm realitätsnah. Sehr empfehlenswerter Roman, so unterhaltsam wie erhellend.

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Vita

Eva Ladipo, geboren 1974, studierte in Cambridge Politische Wissenschaften und wurde mit einer Arbeit über das russische Steuersystem promoviert. Sie begann als Journalistin bei der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« und arbeitete zuletzt für die »Financial Times«. Sie lebte längere Zeit in Russland und Kolumbien und wohnt jetzt mit ihrem Mann und zwei Kindern in London. 2015 veröffentlichte sie ihren ersten Roman: »Wende«.

Zur Autorin

Pressestimmen

»Mit ‚Räuber' hat Ladipo einen Schlüsselroman geschrieben. […] Nach 'Wende' ist ihr wieder ein Unterhaltungsroman mit liebenswerten Figuren über ein Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung gelungen.«

WDR 5 "Lesefrucht", Mareike Ilsemann (20. March 2021)

»In stilsicheren lebhaften Dialogen lässt [Ladipo] ihre Figuren reden; umgibt sie mit originellen Einzelgeschichten, die sich zu einer glaubwürdigen Berliner Mischung fügen.«

Berliner Zeitung, Cornelia Geißler (20. April 2021)

»Mit „Räuber“ legt Ladipo einen Gesellschaftsroman vor, der nicht nur durch starke Charaktere und die spannende Erzählung überzeugt− sondern vor allem durch politische Brisanz.«

Handelsblatt, Mareike Müller (26. June 2021)