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Kein Freund außer den Bergen

Nachrichten aus dem Niemandsland

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»Die zornige Stimme der Internierten« – Süddeutsche Zeitung

Der kurdisch-iranische Journalist Behrouz Boochani wurde Anfang 2013 auf der berüchtigten Abschiebeinsel Manus Island in einem von Australien betriebenen Auffanglager als staatenloser Flüchtling interniert. Bald wurde er als Sprecher der unter unfassbaren Zuständen festgehaltenen »Boatpeople« erneut zur Zielscheibe von Repression und Erniedrigung. Die bewegende Geschichte seiner Flucht und seiner über sechs Jahre andauernden Inhaftierung hat er über Monate hinweg als Kurznachrichtengewitter an seinen Übersetzer geschrieben. Satz für Satz. Auf einem Handy.
»Woher bin ich gekommen? Aus dem Land der Flüsse, dem Land der Wasserfälle, dem Land der uralten Gesänge, dem Land der Berge [...]. Die Leute rannten in die Berge, um den Kriegsflugzeugen zu entkommen, und sie fanden Asyl in ihren Walnusswäldern [...]. Haben Kurden noch irgendwelche anderen Freunde, außer den Bergen?«

»Es ist ein wuchtiges Werk, das man am liebsten schnell und langsam zugleich lesen möchte. Schnell, weil es so spannend ist. Und langsam, weil man die sprachliche Schönheit, die poetischen Bilder und den klagenden Rhythmus auskosten will.«

Katja Schönherr, Bücher am Sontnag /NZZ am Sonntag (28. Juni 2020)

Originaltitel: No Friend but the Mountains:Writing From Manus Prison
Originalverlag: Picador Australia
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-25408-7
Erschienen am  09. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

unbedingte Leseempfehlung!

Von: überalldiewörter

26.10.2020

Dieses Buch wurde auf einem Handy geschrieben. Nicht, weil es ein cooles innovatives Projekt eines Digital Native war, sondern weil der Autor keine andere Möglichkeit hatte: Als Behrouz Boochani dieses Buch schreibt, ist er Gefangener auf der Insel Manus. Über sechs Jahre lang sitzt er dort in Haft und schmuggelt währenddessen in Tausenden von Textnachrichten seine Berichte aus den Mauern des Lagers. Aber worum geht's eigentlich? Im Jahr 2013 flieht der kurdisch-iranische Journalist Boochani aus dem Iran. Sein Ziel: Australien, ein Land, in dem er nicht mehr fürchten muss, wegen seiner Texte verfolgt zu werden. Seine Flucht dauert Wochen, mehr als einmal entgeht Boochani nur knapp dem Tod. Schließlich greift ein australisches Kriegsschiff das Boot auf, auf dem Boochani mit vielen weiteren Asylsuchenden die Überfahrt nach Australien angetreten hat. Die Behörden bringen Männer, Frauen und Kinder nach Manus Prison, in ein sogenanntes Internierungslager auf der Insel Manus in Papua-Neuguinea, nicht weit vor Australien. Niemand der Geflüchteten bekommt ein Verfahren, niemand von ihnen weiß, was nun passiert; die Zustände im Lager sind mehr als schlecht. Bald beginnt Boochani, alles, was dort vor sich geht, schriftlich festzuhalten und via Nachricht an seine Kontakte außerhalb des Gefängnisses zu schicken – zum einen, weil er Menschenrechtsorganisationen auf die unerträglichen Verhältnisse im Gefängnis aufmerksam machen möchte, zum anderen, weil das Schreiben ihm die Kraft verleiht, die er dort zum Überleben braucht. „Kein Freund außer den Bergen“ ist irgendwie ein Tatsachenbericht, ja, aber es ist noch so viel mehr als das. Boochani hat diese journalistische Beobachtungsgabe, beschreibt nicht nur das Lager, sondern auch die Gefangenen so detailliert, dass man glaubt, das Ganze vor sich zu sehen; und gleichzeitig findet er irgendwo in all der Grausamkeit die Kraft für eine poetische Sprache, die so richtig anʼs Herz geht. Es geht um Gemeinschaft und Einsamkeit, um Menschlichkeit und um das, was bleibt, wenn sie verloren geht. Um es kurz zu machen: In diesem Buch steckt so viel mehr, als in eine Rezension passt. Aber wenn ich euch in diesem Jahr nur ein Buch ans Herz legen dürfte, dann wäre es wohl dieses hier. [Manus Prison wurde 2017 endgültig geschlossen. Behrouz Boochani hat 2019 ein Visum für Neuseeland erhalten und lebt zurzeit dort.]

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Eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit

Von: tamysbuecher

17.09.2020

Ich versuche nun schon seit gestern Nachmittag, das in Worte zu fassen, was ich über dieses Buch denke. Ich glaube, dieses Buch ist gerade absolut aktuell, wenn vielleicht auch auf eine andere Art und Weise und JEDER sollte dieses Buch lesen. Vor allem bestimmte Menschen, denen ich hier aber keine Plattform bieten werde. Ja, mein Account ist klein, aber es gibt Menschen auf dieser Welt, die haben nicht mal zwei Follower verdient, um ihnen ihr Gedankengut zu präsentieren. Aber nun zum Buch. Fangen wir vorne an. Dieses Buch wurde hauptsächlich auf einem Handy geschrieben. AUF EINEM HANDY. Mitten in einem Gefängnis auf Manus Island für Flüchtlinge, die nach Australien wollte. Ich kann das gar nicht begreifen. Vierhundert Seiten. Ja, Behrouz Boochani hat dieses Buch nicht alleine verfasst, er hatte Gott sei Dank Helfer von außen, die dieses Buch auch direkt auf Englisch übersetzten, damit so viele Menschen wie möglich dieses Buch lesen können. Dennoch. Dieser Mann sitzt in einem Gefängnis. Für gar nichts. Einfach dafür, dass er aufgrund von politischer Verfolgung aus seinem Heimatland flüchten wollte und sich auf einem Boot nach Australien aufgemacht hat. Er sitzt also da auf einer Insel fest, unter den widrigsten Bedingungen und schreibt ein Buch auf seinem Handy. Und wie er dies auch noch tut. Ihr müsst dieses Buch lesen. Ich musste schon im Vorwort weinen, weil mich dieses schon so berührt hat. Wie oft ich zwischendurch Tränen in den Augen hatte bleibt mein Geheimnis. Die Schreibweise ist einfach so wunderschön und ich werde es auf jeden Fall auch nochmal auf Englisch lesen. Man hat das Gefühl, selbst auf dieser Insel zu sein.Und trotz aller Umstände, gibt es immer wieder liebevolle Beschreibungen von Mitinsassen und Pflanzen. Das Gute wird selbst unter diesen Bedingungen gesehen. Ich möchte jetzt gar nicht weiter über die „Handlung“ reden und ich kann auch nichts zu den Charakteren sagen. Nein, ich kann mich nicht in Herrn Boochani hineinversetzen, weil ich das unfassbare Glück hatte, bisher noch nie in so eine Situation getrieben worden zu sein. Lest bitte einfach das Buch. Er schreibt, dass das sein Wunsch ist, dass so viele Leute wie möglich sein Buch lesen. Und das hat er verdient. Wir sollten seinen Wunsch erfüllen. Und dann wird es uns vielleicht leichter fallen, zu verstehen, was in einigen Teilen dieser Welt passiert. Und auch wenn in Griechenland nicht genau diese Situation herrscht, so ist sie doch ähnlich genug. Wir dürfen darüber nicht schweigen. Niemand hier muss das gut finden, aber die Wahrheit sollte jeder aushalten.

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Vita

Behrouz Boochani

Behrouz Boochani, geboren 1983, ist ein kurdisch-iranischer Journalist, Autor und Filmemacher. Bis zu seiner Flucht vor der Verfolgung durch die iranischen Sicherheitsbehörden im Jahr 2012 war er in Teheran Chefredakteur eines liberalen Magazins für Politik und Kultur. Als politischer Gefangener der australischen Regierung war er fast sieben Jahre lang in Papua-Neuguinea inhaftiert. Trotz der teils massiven Einschränkungen erscheinen seine Texte regelmäßig in zahlreichen Zeitungen und Nachrichtenportalen, darunter The Guardian, Huffington Post, Financial Times und Sydney Morning Herald. Für seinen Satz für Satz auf einem Mobiltelefon geschriebenen, autobiografischen Roman »No Friend But The Mountains« erhielt er Anfang 2019 den wichtigsten Australischen Literaturpreis. Außerdem ist er Preisträger zahlreicher Menschenrechts-, Journalismus- und Aktivismuspreise, u.a. des »Anna-Politkowskaja-Awards for Journalism 2018«. Keinen dieser Preise konnte er bislang persönlich in Empfang nehmen. Auf Druck internationaler Organisationen und mit Hilfe zahlreicher Unterstützer kam er im November 2019 endlich frei und lebt seitdem als geduldeter politischer Flüchtling in Neuseeland.

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Omid Tofighian

Omid Tofighian ist in Forschung und Lehre tätig und politisch aktiv; der preisgekrönte Autor und Übersetzer kombiniert Philosophie mit einem Interesse an Bürgermedien, Rhetorik, Religion, populärer Kultur, Transnationalismus und dem Kampf gegen Vertreibung und Diskriminierung. Er schloss seine philosophische Dissertation an der Universität Leiden ab und graduierte mit Auszeichnung in Philosophie und Religionswissenschaften an der Universität Sydney. Tofighian hat an wechselnden Orten in Australien gelebt und an verschiedenen Universitäten unterrichtet; in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterrichtete er an der Universität von Abu Dhabi, in Belgien war er Visiting Scholar an der Katholischen Universität Löwen, und als Doktorand lebte er in den Niederlanden. Er hielt sich zu Forschungen im Iran auf und unterrichtete in Ägypten als Assistant Professor für Philosophie an der American University in Kairo. Derzeit arbeitet er unter anderem als Adjunct Lecturer der Schule für Kunst und Medien an der UNSW, als Honorary Research Associate am philosophischen Seminar der Universität Sydney, er gehört zum Lehrkörper der Iran Academia und koordiniert die Aktionen von »Why Is My Curriculum White? – Australasia«. Er ist beteiligt an kommunalen Kunst- und Kulturprojekten und arbeitet mit Flüchtlingen, Migranten und Jugendlichen. Er hat Kapitel zu mehreren Büchern und zahlreiche Aufsätze für Fachzeitschriften verfasst, ist Autor von »Myth and Philosophy in Platonic Dialogues«, erstellte die englische Fassung von Behrouz Boochanis mehrfach preisgekröntem Buch »No Friend but the Mountains: Writing From Manus Prison« und ist Mitherausgeber von »Refugee Filmmaking«, Alphaville: Journal of Film and Screen Media (2019).

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Pressestimmen

»Ein beklemmendes, erschütterndes Werk, aber unbedingt lesenswert, weil es hilft, den Blick auf die Welt etwas anders zu justieren.«

Kleine Zeitung (24. März 2020)