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Andreas Kossert

Kalte Heimat

Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945

(1)
eBook epub
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Nicht willkommen. Die Vertriebenen nach 1945 in Deutschland

Mit diesem Buch erschüttert Andreas Kossert den Mythos von der rundum geglückten Integration der Vertriebenen nach 1945. Erstmals erhalten wir ein wirklichkeitsgetreues Bild von ihrer Ankunft in der Bundesrepublik – dem Land, das ihnen zur neuen, kalten Heimat wurde. Wir erfahren von ihrem Kampf um den schwierigen Neuanfang und von den Lebensumständen der Menschen im »Wirtschaftswunderland«.

Aktualisierte Ausgabe

»Ein wichtiges, ja wegweisendes Buch. So einfühlsam und verständnisvoll sind die bedrückenden Erfahrungen, welche die Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland machen mussten, noch nie erzählt worden.«

Die Zeit

eBook epub (epub), ca. 432 Seiten (Printausgabe)
ISBN: 978-3-89480-460-2
Erschienen am  30. September 2008
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Rezensionen

Kalte Heimat - Buchbesprechung

Von: Landeruns Hütte

27.07.2021

Im Zuge der Ahnenforschung begann ich mich wiederholt verstärkt mit der Herkunft meiner Großeltern zu befassen. Ich stieß auf noch mehr Widersprüchlichkeiten, auf Ungereimtheiten, fehlende Fakten, die stets einen kleinen Rest Fremdheit und Unverständnis zwischen mir und meinen Großeltern stehen ließen und mich schon als Kind in Teilen beschäftigt hatten. Herr Kosserts Buch „Kalte Heimat“ habe ich regelrecht verschlungen. Es half mir die Geschichte meiner Großeltern von Flucht und Vertreibung zu verstehen, zu begreifen warum von uns als Kindern gewisse Verhaltensmuster erwartet wurden, warum immer und immer wieder die gleichen Sätze wiederholt wurden. Nicht damit genug, dass die Menschen aus Böhmen, Mähren, Schlesien, Pommern und so weiter ihre Heimat, alles was lieb und vertraut war, verloren hatten, viele Anverwandte in Folge der Strapazen und durch Gewalteinwirkung zu Tode kamen. Bei der Verteilung der Vertriebenen kam es zu einer ungeheuerlichen Unmenschlichkeit, die viele Familien für Jahrzehnte auseinanderriss und bis dato gewachsene soziale Strukturen, vorsätzlich und wissentlich zerstörte. Vor den anrückenden Sowjets und durch die wilden Vertreibungen waren 14 Millionen Menschen auf der Flucht, eine unvorstellbare Zahl. Willkommen waren die „Neubürger“ nicht. In der neuen zugewiesenen Heimat als Fremde, als Eindringlinge, als "Rucksackdeutsche“, „Flüchtlingspack“ und „Polacken“, schlimmstenfalls als „Untermenschen“ aus dem Osten bezeichnet, hallt das kollektive Erlebnis der Vertriebenen in den nachfolgenden Generationen nach. Das Hauptaugenmerk der sowjetischen Besatzer lag in der vollständigen, unauflösbaren Assimilation der Flüchtlingen, die hier ein Viertel der in die Stammbevölkerung ausmachten. Der große Bruder war nicht zu kritisieren, er war plötzlich der Freund und Befreier. Kossert schreibt, dass den den Vertriebenen in der DDR per se der Opferstatus abgesprochen wurde. Heimattreffen waren ebenso verboten wie die Pflege von Tradition und Brauchtum, wozu auch das Singenden der altbekannten Lieder und Weisen gehörte. In der westlichen Besatzungszone trachtete man danach die Vertriebenen möglichst schnell in neue Behausungen zu bringen, die Einquartierungen der unwillkommenen Menschenmassen geschah notfalls mit Waffengewalt. Die hinterletzten Kammern wurden geräumt, die gute Stube aber nicht, was auch irgendwie verständlich ist, es sind ja völlig Fremde, Deutsche ja, dennoch anders. Es gab auf dem Land in so gut wie jedem Dorf Bemühungen die sich gegen die Neuankömmlinge richteten. Die schiere Masse aber „sprengte alte verkrustete Strukturen“ und war wie Kossert sagt „wie Hefe im sozialen und wirtschaftlichen Gefüge Nachkriegsdeutschlands.“ Die verantwortlichen Alliierten, als auch die spätere Politik der BRD ließen die Menschen lange in der Hoffnung, dass eine Rückkehr möglich wäre, diese wurde mit der späteren Anerkennung der nach dem Krieg gezogenen Grenzen nachhaltig und unmissverständlich vernichtet. Natürlich forderten die Vertriebenen dies ein und auch heute noch ist die Heimat oft die Alte. Dafür wiederum wurden sie als Nationalisten beschimpft, als ewig Gestrige, das Totschlagargument Nummer Eins - es funktioniert immer noch. Es war ja nicht so, dass die Deutschen einfach so in gewissen Gebieten siedelten. Sie wurden von der Obrigkeit gerufen, um sich ihre Fähigkeiten zu bedienen, lebten dort über viele Jahrhunderte im bunten Völkergemisch. Ich habe durch Andreas Kosserts Buch einen ganz großen Teil von mir selbst gefunden, einen noch größeren meiner Familie und wichtige Fakten ihrer Geschichte. Es ist ein Trauma das endlich aufgearbeitet werden muss, denn es ist eines das generationsübergreifend vorhanden, im Nebel der Zeit verblassend zwar – doch immer noch präsent ist. Über der Tür zum Schlafzimmer meiner Großeltern hing jedenfalls bis zu ihrem Ableben das Bild ihres Heimatortes. Auch nach so vielen Jahren in der neuen Heimat, nach der Gründung neuer Familien, dem Bau eines Hauses war doch das Sehnen und Trachten in einigen Teilen der Familie nach der alten Heimat bis zum Lebensende vorhanden. Ich kann mir nicht helfen – aber ist es uns doch in die Wiege gelegt, woher denn sonst die Rührung, das Glücksgefühl als ich das erste Mal im Riesengebirge war? Welches unfassbare Leid so vielen Menschen durch die Wahnhaftigkeit einiger Weniger zugefügt wird – unfassbar. Reichen wir uns alle zum Bund die Hände, machen wir einen Frieden, wie es ihn noch nie gab. Ich wünsche es mir so sehr.

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Vita

Andreas Kossert, geboren 1970, studierte Geschichte, Slawistik und Politik. Der promovierte Historiker arbeitete am Deutschen Historischen Institut in Warschau und lebt seit 2010 als Historiker und Autor in Berlin. Auf seine historischen Darstellungen Masurens (2001) und Ostpreußens (2005) erhielt er begeisterte Reaktionen. Zuletzt erschienen von ihm der Bestseller »Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945« (2008), »Ostpreußen. Geschichte einer historischen Landschaft« (2014) sowie »Flucht - Eine Menschheitsgeschichte« (2020). Für seine Arbeit wurden ihm der Georg Dehio-Buchpreis 2008, der NDR Kultur Sachbuchpreis 2020 und der Preis für »Das politische Buch« 2021 der Friedrich-Ebert-Stiftung verliehen.

Zum Autor

Links

Pressestimmen

»Das Buch bietet einen reichen und anregenden Blick auf die Nachkriegsgeschichte und -politik.«

Süddeutsche Zeitung

»Kossert liefert eine umfassende Darstellung der Eingliederungsgeschichte nach 1945, in der es ihm auf eindrucksvolle Weise gelingt, den politischen Überblick mit alltagsorientierten Naheinstellungen zu kombinieren.«

Frankfurter Rundschau

»Kosserts kaum zu überbietende Sachkenntnis ist angesichts des sehr heiklen Themas die beste Empfehlung.«

Welt am Sonntag

»Andreas Kossert hat ein in jeder Hinsicht mutiges und engagiertes Buch geschrieben.«

SWR2

»Endlich ist diese verworrene und traurige Geschichte der Menschen dokumentiert, die nach 1945 von ihren eigenen Landsleuten ausgegrenzt wurden.«

Günther Grass

»Bei aller wissenschaftlichen Distanz blickt Andreas Kossert stets mit Sympathie auf die Vertriebenen, die für ihn unzweifelhaft Opfer sind.«

Die Welt

»Eine Art Nachschlagewerk, das verständlich macht, warum die Flüchtlinge und Vertriebenen bei ihrer Ankunft in Mittel- und Westdeutschland einen zweiten Schock erlebten.«

WDR

»Ein enormer Verdienst.«

Rheinischer Merkur

»In seinem Buch ›Kalte Heimat‹ brilliert Andreas Kossert mit einem klaren Blick auf jenen Osten Deutschlands, der auch nach der Wiedervereinigung verloren bleibt.«

Kieler Nachrichten

»Vor allem sind die Vertriebenen Hüter eines kulturellen Reichtums, den es für alle Deutschen zu bewahren gilt; Andreas Kossert präsentiert ihn in einer eindrucksvollen Bilanz.«

Der Tagesspiegel

»Umfassend und ohne jedes Pathos.«

Giessener Allgemeine Zeitung (05. December 2009)

»Kosserts Darstellung eröffnet, wie auch die Diskussionen um das Werk zeigen, neue Perspektiven, die hoffentlich langfristig wirksam werden.«

Spiegelungen (01. October 2009)

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