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Rezension zu
Wo die Seele Atem holt

Ein Buch über das Unaussprechliche?

Von: Maria Nicola Kreß aus Berlin
19.12.2022

In ihrem neuesten Buch: „Wo die Seele Atem holt“ bietet Marion Küstenmacher Zugänge zur zur eigenen Seele und somit zur Mystik an. Sie lädt mit den Worten von Martin Buber dazu ein „Atem zu holen zwischen Wort und Wort“ Ihr Horizont ist weit: Es finden sich darin ausgewählte Zitate aus sieben großen Weisheits-Traditionen und jedes Kapitel enthält eine konkrete Übungs-Anleitung, die LeserInnen einlädt den Weg nach Innen selbst zu beschreiten. Auf diese Weise kann das Buch zum Begleiter durch das ganze Jahr werden. Es erschien im Oktober 2022 im Kösel-Verlag. Marion Küstenmacher lässt sich dabei inspirieren von einem deutschen Mystiker des Mittelalters: Meister Eckhart definierte vier Formen der Bildung, denen die 52 Kapitel des Buches zugeordnet sind: Ein-Bilden – nicht in dem Sinn, wie wir heute das Wort verwenden, sondern als offene Haltung in der wir etwas in uns aufnehmen. Aus-Bilden- ein Begriff, der uns durchaus vertraut erscheinen mag: in diesem Kontext meint er jedoch nicht ein mentales Lernen, sondern eher etwas Neues in uns entstehen zu lassen. Ent-Bilden – mag wohl der wichtigste Schritt sein, auf dem inneren Weg: hier geht es um die Fähigkeit loslassen zu können. Über-Bilden – mit diesem Begriff ist das kontinuierliche Wachsen und Reifen gemeint. Jedes dieser Kapitel wird eingeleitet von einem Zitat nicht nur aus dem Christentum, sondern auch aus dem Judentum, Buddhismus, Hinduismus und Islam, denn Marion Küstenmacher ist genauso wie die Islamgelehrte Annemarie Schimmel davon überzeugt: „Mystik ist der Strom, der durch alle Religionen fließt.“ Kleine Symbole der jeweiligen Religion zeigen an, in welcher Religion wir uns gerade befinden. Dabei erfordert der mystische Weg keinerlei Voraussetzungen. Er beginnt genau da, „wo Sie gerade stehen“, also im eigenen Alltag. Nach dem einleitenden Zitat folgt ein kurzer inhaltlicher Impuls der Autorin und jedes Kapitel schließt ab mit der Einladung zu einer ganz konkreten Übung, die in den Alltag integrierbar ist. Die Übungen sind vielfältig, sie richten den Fokus auf unsere eigene Wirklichkeit: So wird einmal eingeladen den Atem oder den Körper wahrzunehmen, ein anderes Mal innezuhalten bevor wir auf etwas reagieren oder die innere Aufmerksamkeit auf die eigenen Besitztümer zu richten. Alle wichtigen Lebensbereiche kommen nach und nach ins Blickfeld der Leserin/des Lesers. Darunter z.B. auch das wichtige Thema der Aufrichtigkeit ohne zu kränken: „Das Bewusstsein kann entspannen, in der störungsfreien Zone einer kristallklaren Ehrlichkeit verweilen. Je aufrichtiger also der Geist, desto klarer die Rede und reiner das Handeln. (...) Beziehungen harmonisieren sich. Verstehen wächst.“ Natürlich finden sich ebenso diverse klassische Übungs-Anleitungen zum Sitzen in der Stille. Das Buch ist geeignet für den Alltag, geeignet für „Einsteiger“ – also für Menschen, die Sehnsucht nach dem Innehalten haben und sich fragen, wie sie Stille in den Alltag einbauen können und es bietet Impulse für Menschen, die schon ein Stück auf dem Weg der Mystik gegangen sind. Alltagstauglich wird das Buch auch deshalb, weil jedes Kapitel mit 2 Seiten auskommt und somit reichlich Raum gibt für die Erfahrungen aus dem eigenen Inneren. Mit ihrem Buch ermöglicht Marion Küstenmacher den Zugang zum größten Schatz im eigenen Inneren: „Betrachten Sie sich als spirituellen Schatzsucher. Stecken sie sich wie die Goldgräber dafür einen „Claim“ ab, einen festen Ort oder Weg und eine bestimmte Zeitspanne, wo Sie regelmäßig allein bei sich sein können. Hier üben Sie sich darin, von innen her vertraut zu werden.“ So gesehen haben wir es mit dem vorliegenden Büchlein gewissermaßen mit einer Schatzkarte zu tun. Es lohnt sich, sie auf dem Weg nach Innen in die Hand zu nehmen und sich von ihr begleiten zu lassen.

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