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Rezension zu
Die Bibliothek von Edinburgh

Unterhaltsamer Reihenauftakt mit einer cleveren Protagonistin und vielen Geistern

Von: faanielibri
10.10.2022

Dass ich ‚Die Bibliothek von Edinburgh‘ von T.L. Huchu, übersetzt von Vanessa Lamatsch lesen wollte, lag nicht nur an den Wörtern „Bibliothek“ und „Edinburgh“. Auch Huchus simbabwische Wurzeln und die Einbindung dieser in seine Geschichte haben mich neugierig gemacht. Und natürlich die Geister. Das Edinburgh der Geschichte ist nicht das Edinburgh, wie wir es kennen. Eher ein dystopisches, zukünftiges Edinburgh, in dem die Menschen ihren technischen Fortschritt teilweise verloren haben. Und hier muss ich auch gleich zu dem Punkt der Story kommen, den mein Edinburgh liebendes Herz ein bisschen schade findet: Ich-Erzählerin Ropa führt uns durch ihre Welt und zeigt mir als Leserin dadurch natürlich nur das, was sie sieht. Und da sie die Innenstadt weitestgehend meidet, bekomme ich davon über weite Teile der Geschichte nur sehr wenig zu Gesicht. Doch vor allem gegen Ende ändert sich das, und die Plätze, die beschrieben werden, erkenne ich teilweise wieder. So bin ich etwas getröstet und ziemlich heiß auf mehr Details über dieses Stadt. Weiterhin deutet Ropa eine Katastrophe an, die zum Status Quo geführt hat, näheres erfährt man in diesem Band aber leider noch nicht. So ist das Worldbuilding für mich also noch ausbaufähig, doch da ‚Die Bibliothek von Edinburgh‘ der Auftakt einer fünfteiligen Reihe ist, muss ich darüber einfach hinwegsehen. Und was wäre Huchu für ein Autor, wenn er gleich alles im ersten Band verraten würde? Doch nun zu Ropa, die laut Klappentext eine vierzehn Jahre alte Schulabbrecherin ist und sich als Geistersprecherin verdingt. Sie erzählt aus ihrer Perspektive und schon auf der ersten Seite habe ich ob dieses Erzählstils gestutzt. Kurze Sätze, teilweise ohne Personalpronomen, saloppe Sprache. Puh.. Doch Gott sei Dank hat sich das schnell wieder gelegt und wurde teilweise sogar ziemlich klug, metaphorisch und philosophisch. Zwar blieben die kurzen Sätze, das „chillig“ und das „im Mo“ (kurz für „im Moment“), aber es zeigte sich sehr schnell, dass in Ropa VIEL mehr steckt als der erste Eindruck vermittelt. Denn als auf mysteriöse Weise Kinder verschwinden und völlig verändert wieder auftauchen, macht sich Ropa in bester Sherlock-Holmes-Manier auf die Suche nach der Ursache. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es tatsächliche einige kleine Hinweise auf die Auflösung gegeben hat. Doch da ich kein Sherlock Holmes bin und auch nicht für jede Lebenslage ein passendes Zitat eines Philosophen oder eines Kriegsstrategen in petto habe bzw. auch keine True-Crime-Podcasts höre, wundert es mich nicht, dass Ropa weitaus besser ermittelt als ich. Ihr zu folgen hat ziemlich viel Spaß gemacht, und deshalb hat es mich auch gar nicht gestört, dass die sowohl im Englischen als auch im Deutschen titelgebende Bibliothek nur Nebenschauplatz ist. Das Flair der Geschichte entsteht vielmehr durch den Wohnwagen, in dem Ropa lebt, durch ihre Großmutter, durch Ropas unglaubliche Cleverness, ihre Klugheit und ihren Sarkasmus, ihre Fähigkeit, mit Geistern zu kommunizieren und durch die simbabwischen Elemente in der Geschichte. Ich werde auf alle Fälle weiterlesen! 4 Sterne.

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