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Dörte Hansen

Altes Land

Roman

Hardcover
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Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie

Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.


Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-328-60210-1
Erschienen am  14. December 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Eine Geschichte von Generationen

Von: Azyria Sun

13.01.2022

Worum geht’s? Vera kommt als Flüchtlingskind ins Alte Land und bleibt dort. In dem Haus, das sie damals aufgenommen hatte, mit all seinen Geistern und Erinnerungen. Und viele Jahre später zieht auch Anne, ihre Nichte, mit ihrem Sohn Leon dort ein. Meine Meinung: „Altes Land“ von Dörte Hansen ist ein Roman, der wirklich schön geschrieben ist. Mir gefällt der sehr ausgefallene und gewählte Sprachstil. Dass immer mal wieder das Mundartliche einfließt. Die Liebevolle Darstellung des Hauses, der Bewohner, der Menschen drumherum. Vera, die als Flüchtlingskind ins Alte Land kam und dort blieb. Ihr Schicksal ging mir sehr zu Herzen. Angefangen mit ihren Erlebnissen auf der Flucht bis hin zu dem, was sie mit ihrer Mutter erleben musste. Anne ist fast schon ein Abbild von ihr. Ihre Mutter Marlene behandelte sie ähnlich, wie damals Vera von ihrer Mutter behandelt wurde. Beide Frauen haben mit ihren Müttern ähnliche Probleme. Ähnliche Kämpfe. Und beide landen letztendlich im Alten Land, auch wenn ich Veras Weg dorthin niemandem wünschen würde. Das Buch ist ein Buch über die Geschichte dieser beiden Frauen, ihre Stärke, ihre Entwicklung und ihr Kampfgeist und Durchhaltevermögen. Mit allen Stärken und (menschlichen) Schwächen. Was mir gut gefallen hat, ist, wie die Autorin die Wege der beiden Frauen zusammengeführt hat, wie sich Vergangenheit und Zukunft dort im Alten Land, in der Gegenwart, getroffen haben. Auch die Beschreibung der Charaktere, Karl mit seinen Träumen nach dem Krieg, Vera und ihr Nachbar, die – auf ihre Art – immer füreinander da waren. Anne, wie sie von dem Stadtleben aufs Landleben umsteigen musste. Und wie jede Frau für sich stark blieb, ihren Weg ging und sich niemals aufgab. Einziges Manko für mich waren die etwas unübersichtlichen Kapitel, da man oft erst im zweiten Absatz wusste, um wen und in welcher Zeit es im Kapitel geht. Das war manchmal etwas mühsam. Ansonsten ein gelungenes Buch, das nachdenklich stimmt aber auch Mut macht. Fazit: „Altes Land“ von Dörte Hansen ist ein Buch, das wirklich schön zu lesen ist. Die Geschichten von Vera und von Anne, so unterschiedlich die beiden sind, so ähnlich sind sie sich doch. Dann das Leben auf dem Alten Land. Die Eigenheiten der Menschen. Und wie doch jeder immer für jeden da ist. Die Entwicklung der Frauen zu starken Persönlichkeiten. Zwar hat mir gefehlt, dass die einzelnen Kapitel keine erklärenden Überschriften hatten und man oft erst nach einer halben Seite wusste, bei wem und in welcher Zeit man sich befindet. Aber bis auf diesen Punkt war das Buch wirklich schön, interessant, Mut machend und ein bisschen nostalgisch. 4 Sterne für diesen gelungenen Einblick in schwere Schicksale.

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Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist.

Von: Hopeandlive aus Bickenbach

26.01.2021

Diesen Satz ihrer Mutter Hildegard von Kamcke hat Vera schon mit fünf Jahren tief verinnerlicht, damals in dem kalten Winter 1945, wie sie völlig durchfroren von dem Marsch aus Ostpreußen endlich vor dem damals schon alten großen Haus im Alten Land standen, fest entschlossen, sich nicht von den knorrigen Einheimischen wieder verjagen zu lassen. Sie blieben, Vera für immer und Hildegard, die Flüchtlingsfrau aus dem großen Herrenhaus in Ostpreußen, zog weiter, ließ die erste Tochter und den zweiten Ehemann, sowieso nur ein kriegsversehrter Bauer, der erste war heroisch gefallen, zurück und gründete mit einem vielversprechenden Unternehmer aus Hamburg eine neue Familie mit einer neuen Tochter, Marlene, um wieder den Glanz der Vergangenheit auferstehen zu lassen. Jedoch konnte keine der Töchter ihr den kleinen Sohn ersetzen, der erfroren in seinem Kinderwagen gemeinsam mit Veras Puppe, irgendwo im heutigen Polen zurückblieb und sie konnte auch keiner ihrer Töchter mit wahrer Herzenswärme begegnen, die war einfach erfroren....damals, so wie die Obstbauern die frischen Blüten mit Wasser besprühen, damit sie in den letzten Frostnächten mit einer Eisschicht geschützt sind und wenn die Sonne kommt, dann taut es und die Bäume blühen. Hildegard bleibt eingefroren und gibt es an ihre Töchter Vera und Marlene weiter und Marlene gibt es ihrer Tochter Anja weiter. Dennoch haben sie das Rückgrad der Mutter mitbekommen und stemmen sich dem Leben und den Jahreszeiten entgegen, Vera in ihrem alten Haus, was ihr nicht gehört und doch wieder und in dem sie auf jeden Fall bleibt, koste es was es wolle und es gibt auch eine Verbindung unter den dreien und wenn sie auch noch so verknöchert ist, scheint doch der Frühling mit seiner Wärme immer mal aufzublitzen. Dörte Hansens Buch, seit einiger Zeit in meinem SuB, und jetzt endlich gelesen ist ein Highlight für mich am Bücherhimmel. Mit wunderbar trockenem Humor zeichnet sie tragikkomisch die Charaktäre und schafft dann wieder auf eine so unnachahmliche Art Sätze, die einem nicht mehr loslassen und "nachhaltig", bei diesem Wort würden sich Vera, Hinni und Dirk vom Felde kapputtlachen, wirken:)) Diese drei tapferen Frauen meistern ihr Leben, jede auf ihre Art und das alte Haus, welches niemandem wirklich gehört und wenn, dann nur eine gewisse Zeit, tut sein übriges dazu. Unbedingt lesen!

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Vita

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, arbeitete nach ihrem Studium der Linguistik als NDR-Redakteurin und Autorin für Hörfunk und Print. Ihr Debüt Altes Land wurde 2015 zum „Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels“ und zum Jahresbestseller 2015 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman Mittagsstunde erschien 2018, wurde wieder zum SPIEGEL-Jahresbestseller und mit dem Rheingau Literatur Preis sowie dem Grimmelshausen Literaturpreis ausgezeichnet. Dörte Hansen, die mit ihrer Familie in Nordfriesland lebt, ist Mainzer Stadtschreiberin 2022.

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