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Special zu Michaela Seul und ihren Kriminalromanen

Michaela Seul zu »Alle Vögel fliegen hoch. Franza und Flipper ermitteln«

Franza und Flipper legen los

Davon ist Franza, Fitnesstrainerin und Frauchen beziehungsweise Chefin von Flipper überzeugt. Flipper ist kein Delfin, kann aber für einen Hund gut schwimmen. Als die beiden einen Toten zwischen Starnberger See und Wampertskirchen finden, beißen sie sich an dem Fall fest. Und ein bisschen an Kommissar Tixel, der nicht begeistert von dem sechsbeinigen Ermittlerduo ist. Aber von Franza. Doch die läuft geradewegs ins Blickfeld des Mörders. Spätestens jetzt ist Flippers Spürnase gefragt!

»Wer einen Hund hält, muss mit einer Leiche rechnen.«

»Alle Vögel fliegen hoch« ist ein höchst unterhaltsamer und spannender Kriminalroman, in dem neben einer eigenwilligen Fitnesstrainerin ein Hund eine entscheidende Rolle spielt. Warum heißt der Hund ausgerechnet Flipper? Da denkt man ja an eine ganz andere Tiergattung …
Michaela Seul: Als Kind habe ich mir immer einen Hund gewünscht – und weil der echte auf sich warten ließ, verwandelte ich mich eben selbst in einen. Wer sich da nicht rechtzeitig in Sicherheit brachte, wurde schon mal liebevoll abgeschleckt. Ich war Lassie. Auch die Flipperserie im Fernsehen schaute ich sehr gern an und die Titelmelodie: Mein Freund ist Flipper, gleich wird er kommen, jeder kennt ihn, den klugen Delfin kann ich heute noch singen. Aus diesen beiden Fährten ist der Hundename Flipper entstanden.

Gibt es für Flipper ein reales Vorbild?
Michaela Seul: Ja! Es ist schwarz, weiblich und schwimmt mindestens so gut wie Flipper: mein Labrador Luna.

Aha, Flipper hat ein Vorbild – und wie sieht es mit der Protagonistin Franza aus?
Michaela Seul: Nein, sie hat kein Vorbild. Sie ist erfunden – wenn so was überhaupt möglich ist, denn natürlich fließen in eine Figur verschiedene Charaktere ein, die Autorinnen und Autoren – bewusst oder unbewusst – wahrgenommen haben. Ich wäre sehr gern mit Franza befreundet – denn sie verhält sich in vielen Situationen ganz anders als ich das tun würde. Davon könnte ich mir hin und wieder eine Scheibe abschneiden.

In welchen Situationen denn?
Michaela Seul: Ich würde mich wohl kaum einem Messerkampf stellen. Ich würde auch nicht so einfach wildfremde Leute ausquetschen oder mir Zutritt zur Wohnung eines Ermordeten verschaffen und mit vorpubertären Jungs um die Wette lügen. Und selbstverständlich würde ich etwas netter zu Kommissar Felix Tixel sein. Franza findet Verlieben gefährlich. Sie behauptet, mit der Liebe sei es wie mit dem Rauchen. Verlieben kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen. Und da sie sehr gern am Leben ist, meidet sie das Risiko – und Felix Tixel, was ihr allerdings nicht immer so gut gelingt, wie sie das angeblich möchte.

Zum Glück für die Leser, kann man da nur sagen, denn die Szenen zwischen Franza und dem Kommissar sind nicht nur überaus unterhaltsam, sondern auch spritzig und stellenweise urkomisch!
Michaela Seul: Ja, so wie ihr geht es vielen Frauen und Männern heute – einerseits eine große Sehnsucht nach einer Liebesbeziehung und andererseits ebenso große Angst vor einer Enttäuschung. Was tun? Lieber gar nicht drauf einlassen oder mit Haut und Haar? In diesem Spannungsfeld lebt Franza und entscheidet je nach Tagesform. Das Leben mit einem Hund zu teilen, scheint eine Lösung zu sein. Der ist treu, macht, was sie will, sieht gut aus, bringt sie zum Lachen und lässt sie nie im Stich, kurz: Ein Hund ist der ideale Partner mit nur einem Fehler: Er stirbt zu früh. Naja, heutzutage leben Hunde länger als viele Beziehungen halten.

Franza ist ja zum einen sehr neugierig, weshalb sie auch überall »ihre Nase hineinstecken muss« – zum Leidwesen des Kommissars. Andererseits hasst sie Veränderungen. Wie passt das zusammen?
Michaela Seul: Franza will die Kontrolle behalten. Sie möchte eine Situation im Griff haben. Da sie auf jede Art des Psychologisierens allergisch reagiert, handelt sie nach ihren eigenen Spielregeln. Die sind manchmal ziemlich verblüffend. So findet sie es völlig normal, bei der Polizei anzurufen und sich zu erkundigen, ob ihre Steuergelder auch fleißig abgearbeitet werden. Schließlich hat ihr Hund eine Leiche gefunden – da will man doch auf dem Laufenden gehalten werden. Franza nimmt sehr wenig Rücksicht auf Konventionen. Unabhängigkeit ist ihr das Wichtigste überhaupt. Und sie ist eine scharfsinnige, wenn auch heimliche Ermittlerin. So entsteht der Franza-Flipper-Kosmos, eine eigene Welt mit speziellen Regeln. Wenn er an der Buche markiert, fährt man zum Gassi aufs Land, bevorzugt er die Eiche, bleibt man in der Stadt. Was man am liebsten vergessen möchte, prägt man sich gründlich ein.

Welche Rolle spielt Franzas Beruf als Fitnesstrainerin?
Michaela Seul: Franza ist sportbegeistert. Sie braucht die Bewegung, sonst fühlt sie sich nicht wohl. Sie hat ihr Leben so eingerichtet, dass sie selbst vom Körperkult lebt, sie verdient Geld mit ihrer Fitness. Aber sicher kann man sich fragen, ob sie dabei nicht manchmal vor anderen wegläuft. Um Beziehungen einzugehen, sollte man mal stehen bleiben.

Sie sind selbst Hundebesitzerin. Haben Sie schon jemals eine Leiche gefunden, beziehungsweise erwarten Sie eine zu finden? Ihre Heldin Franza behauptet, dass man als Hundebesitzerin früher oder später mit einer Leiche rechnen sollte?
Michaela Seul: Seitdem ich täglich durch Wald und Wiesen streife, rechne ich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit innerhalb der Unwahrscheinlichkeit. Als Hundebesitzerin dringt man ja auch mal in Gebiete vor, wo vielleicht nicht so viele Spaziergänger unterwegs sind. Zudem wohne ich in einer sehr schönen Gegend, in der ich werktags auf meinen Streifzügen kaum jemandem begegne. Aber wenn ich eine Leiche finden würde ... ich weiß nicht, was ich täte. Ich stelle mir vor, dass es ein tolles Gefühl sein muss, so wie Franza durch die Welt zu gehen, die über mehrere Kampfsportgürtel verfügt: In dem Bewusstsein, sich jederzeit selbst verteidigen zu können.

Über die Verbindung zwischen Franza und Flipper zu lesen, ist ein wahrer Genuss. Was macht Ihrer Meinung nach die besondere Verbindung zwischen Hund und Mensch aus? Oder anders formuliert: Was verbindet Sie mit Ihrer Hündin Luna am meisten?
Michaela Seul: Sie ist meine Sonne, die mir wie ein Schatten folgt. Jeden Morgen werde ich begeistert begrüßt. Wenn ich ihr etwas abverlange, was sie von sich aus nie tun würde, macht sie es trotzdem. Es ist sehr viel gegenseitiges Vertrauen da, und ich habe große Freude daran, meinem Hund etwas beizubringen. Wir sind ein super Team. Manche Sachen brauche ich nur zu denken und sie führt sie schon aus. Es fasziniert mich, wie ich ohne Worte und Buchstaben mit einem Tier kommunizieren kann und wie viel ich in einem Hundegesicht lese. Ist sie fröhlich, traurig, müde, sticht sie der Hafer – das berührt mich zutiefst und hat meine Einstellung gegenüber Tieren und der Natur nachhaltig verändert. Ich bin ja in München geboren und als Stadtkind aufgewachsen.

Sind Franza und Flipper nur für Hundeliebhaber ein Lesegenuss?
Michaela Seul: Die Bekannten und Freundinnen, denen ich das Manuskript vor Veröffentlichung zu lesen gab, leben fast alle ohne Hund – und diejenigen, die das Manuskript häppchenweise bekamen, haben mich zum Teil angefleht, mit Schokolade bestochen und mir Schlimmstes angedroht, damit ich schnell weiterschreibe. Insofern: nein!

Hauptfigur Franza oder schwanzwedelnder Flipper, Kommissar Tixel mit den blauen Augen oder der kleine Junge Simon, der etwas mit dem Fall zu tun haben könnte – wer liegt Ihnen am meisten am Herzen? Und ist das die Figur, die sich am leichtesten schreiben lässt?
Michaela Seul: Sobald ich ein Gefühl zu einer Figur entwickelt habe, schreibt sie sich leicht. Und das müssen nicht immer die Guten sein! An Franza fasziniert mich ihre unkonventionelle Art, mit Problemen umzugehen, und ihre innere Unabhängigkeit. Manchmal benimmt sie sich wie ein Chauvi. Doch natürlich steckt auch eine empfindsame Frau in ihr – das zu zeigen, gelingt ihr jedoch fast nur in Zusammenhang mit Flipper. Und weil es in ihrer Vergangenheit ein Ereignis gibt, das sie sehr verletzt hat, schützt sie sich eben auch sehr. Sie lässt nicht jeden an sich ran. Das weckt schon mal eine Art Eroberungstrieb, auch bei mir als Autorin! Wobei mich Franza allerdings einige Male, das muss ich gestehen, hat abtropfen lassen. Sie ist viel »cooler« als ich. Na ja, das muss sie ja auch sein bei den Abenteuern, die sie erlebt! Felix Tixel ist im Gegensatz zu vielen älteren zuweilen gefrusteten Ermittlern mit Macken – auch zur Freude seiner Erfindern! – ein sportlicher, sexy Typ. Meiner Meinung nach passen Franza und Felix prima zusammen, mal sehen, ob sie das eines Tages auch begreifen.

Franza und Flipper lösen hier ihren ersten Fall. Wird es eine Fortsetzung für das sechsbeinige Ermittlerpaar geben? Das klang ja eben so an.
Michaela Seul: Es MUSS eine Fortsetzung geben, sonst hat die Autorin gar keine Freude mehr! Als ich mit Teil eins fertig war, hatte ich wochenlang Sehnsucht nach Flipper, Franza und Felix. Sie haben mir gefehlt wie gute Freunde, die nach Australien ausgewandert sind. Ich musste mich ständig fragen: Was machen die jetzt, wie geht es weiter? Leider konnte mir diese Antwort niemand geben – obwohl ich öfter dorthin gefahren bin, wo Franza wohnt, und stundenlang an der Isar Gassi gegangen bin. Ich habe sie nicht gefunden. Also musste ich selber ran. Und jetzt bin ich mitten drin im zweiten Fall, in dem es so rasant zugeht, dass ich manchmal gar nicht wissen will, wie es weitergeht und gleichzeitig gern so schnell schreiben würde wie ich lese. Aber dann wär ja der Genuss am Formulieren weg – und das Ende viel zu schnell wieder da!

Nach vielen erfolgreichen Sachbüchern und auch Bestsellern, die Sie zum Teil als Ghostwriterin verfassten, haben Sie sich nun sehr erfolgreich dem Kriminalroman zugewendet. War das eine große Umstellung bzw. was hat Ihnen aus Ihrer Schreiberfahrung bei dem Roman geholfen oder was stand Ihnen im Weg?
Michaela Seul: Ich liebe es zu schreiben. Wenn mich morgens nach der Joggingrunde mit Luna der Cursor anblinkt, freue ich mich auf die Buchstaben, die jetzt gleich fließen werden. Manchmal schneller, manchmal langsamer. Es ist für mich auch immer eine Überraschung. Denn oft haben Franza, Flipper und Felix etwas anderes gemacht, als ich wollte. Da gingen sie ihre eigenen Wege und ich konnte mal schauen, wie ich hinterherkam. Dabei hat mir meine langjährige Schreiberfahrung geholfen: Ich habe sie also immer wieder eingefangen – oder sie mich: Das waren die Momente, die sehr hart waren. Ich bin oft glücklich beim Schreiben. Aber manchmal auch verzweifelt, wenn es irgendwo hakt. Dann gehe ich eine Runde mit Luna raus. Und wenn mir dabei nichts einfällt: Ihr fällt immer was ein. Zum Beispiel Frisbeespielen und danach fällt mir dann auch wieder was ein.

Was schreiben Sie lieber: Leichenfund oder Showdown, Streit oder Versöhnung oder München oder Starnberger See?
Michaela Seul: Schräge Dialoge, Showdown und Leichen und was fürs Gefühl.

Wem geben Sie Ihre Bücher zuallererst zu lesen?
Michaela Seul: Mein Freund liest mir alles vor, was ich geschrieben habe. An der Art, wie er liest, erkenne ich Textschwächen, Spannungsverlust, Unklarheiten, Rhythmus, Sound. Und das Übliche: Wortwiederholungen, Tempofehler etc. Dann gehen manche Manuskripte, so wie Flipper, an meine Testleserinnen und Testleser. Ich überarbeite meine Texte sehr oft und schicke sie erst an den Verlag, wenn ich mein Bestes gegeben habe.

Was würden Sie den Leserinnen und Lesern von Franza und Flipper gerne sagen?
Michaela Seul: Ich möchte mich bedanken, dass sie uns auf unserem Buchstabengassi begleitet haben.