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Rezensionen zu
Machtverfall

Robin Alexander

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Die CDU ist eine Partei, die wir kennen. Sie, du, ich. Eine Partei, die eigentlich immer regiert und daraus ihr Selbstbild generiert. Brandt, Schmidt, Schröder nur historische Fehler. Eine Anomalie im Geschichtsbuch der Bundesrepublik. Im Sommer 2015, Angela Merkel in ihrer dritten Amtszeit unangefochten in einer Großen Koalition. Zum wiederholten Male Politik im Krisenmodus, als Millionen über osteuropäische Autobahnen gen Westen laufen. Ungeahnte Hilfsbereitschaft im ganzen Land. Auf der anderen Seite rumort es vielerorts und es rumort an der Basis, der Basis der CDU. An diesem Wendepunkt deutscher Politik beginnt Robin Alexander seinen Report über das Ende der Ära Merkel und das Drama in der deutschen Politik. ‚Machtverfall‘ ist der Blick hinter die Kulissen. Der Blick in die Blackbox Konrad-Adenauer-Haus, die Blackbox Bundeskanzleramt. Robin Alexander, Korrespondent der Tageszeitung Die Welt, berichtet unglaublich kundig über die Akteur:innen im engsten Machtzirkel der Union, ihre Bünde und Absprachen, ihre Strategien, Kämpfe, Siege und Niederlagen. Dabei gelingt ihm mit innerer Distanz eine klare Analyse der vergangenen sechs Jahre. Gleichzeitig ist ‚Machtverfall‘ ein Handbuch des Merkel’schen Politikstils. Politik als große Handwerkskunst, die man beherrscht oder es besser bleiben lässt. Bestechend präzise beschreibt Alexander auf 375 Seiten seine klugen Beobachtungen mit umfangreichen Analysen und scharfen Urteilen. Gespickt mit Informationen aus unzähligen Hintergrundgesprächen stellt der Autor politische Persönlichkeiten in ein Licht, wie manche sie kennen, manche sie einschätzen, viele jedoch auch nicht. „Kramp-Karrenbauer und ihr[en] Stellvertreter[n] […] wird endgültig klar, dass es Friedrich Merz nicht um die Partei oder die Regierung, vielleicht nicht einmal um die Kanzlerschaft geht. Sondern nur um Friedrich Merz. Um sein verletztes Ego.“ (S. 175) Den Ausgang der Wahl kennt Alexander im Frühjahr 2021 freilich nicht. Umso interessanter sind seine Skizzen und Schablonen, die Stein für Stein ein großes Puzzlebild ergeben. Vor dem Hintergrund kleiner und großer Krisen – Migration und Zuwachs der AfD, Bayern-Wahl und Söders unsägliche Volten, Corona, Corona, Corona – ist ‚Machtverfall‘ ein grandioses House of Cards zum Nachlesen. Letztlich steht der Wahlsieg der SPD für eine Union, die zwischen dem Populisten Markus Söder und einem gutherzigen, aber der Aufgabe nicht gewachsenem Armin Laschet zerrieben wurde. Alexander reibt in seinem Report ‚Machtverfall‘ den Leser:innen keinen Sand in die Augen, sondern schenkt kaltes, klares Wasser ein. Intelligent, ehrlich, humorvoll. Mein Fazit: Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte dies tunlichst ändern.

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