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Rezensionen zu
1984

George Orwell

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Der Roman „1984“ wurde von George Orwell geschrieben und ist im Manesse Verlag erschienen. Orwell war Sohn eines britischen Kolonialbeamten und wurde in Motihari/Bengalen geboren. Er diente in der burmesischen Imperial Police, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg und arbeitete als Lehrer, Buchhandelsgehilfe, Schriftsteller und Journalist. Der Roman mit der Hauptfigur Winston Smith, dessen Erstausgabe am 8. Juni 1949 in London in den Verkauf kam, wurde von Gisbert Haefs neu übersetzt. Er spielt in London/Ozeanien und handelt von einem Staat, der seine Bürger komplett überwacht, manipuliert und auch nicht davor zurückschreckt unliebsame Personen verschwinden zu lassen. Smith ist dabei nur ein kleiner Teil im gesamten Apparat der Manipulation. Er arbeitet im Ministerium der Wahrheit und ist dafür zuständig Artikel über die Vergangenheit zu schönen und unliebsame Geschehen aus den Aufzeichnungen verschwinden zu lassen. Am Anfang fand ich den Roman etwas schwierig zu lesen. Dieses lag unter anderem an den unbekannten Strukturen, die der Autor erst mal einführen musste und auch an der Verwendung von Wörtern aus der Sprache „Neusprech“. „Neusprech“ ist die Amtssprache von Ozeanien und diente dazu die Ideologien des Englischen Sozialsozialismus ausdrücken zu können. Nachdem ich mich erst einmal in den Roman hineingefunden hatte, hat sich auch der Lesefluss deutlich verbessert. Es ist erstaunlich und gleichzeitig erschreckend, dass das Thema des Romans derzeit sehr aktuell ist und es Staaten gibt, die ihr Volk unterdrücken, es durch falsche/fehlende Informationen manipulieren und Feinde verschwinden lassen. Der Roman sollte insbesondere auf Grund seiner hohen Aktualität unbedingt gelesen werden, da er aufzeigt, wie gut Manipulation und Unterdrückung funktionieren können, wenn alle freiwillig oder gezwungenermaßen mitmachen. Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.

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Ein absoluter Klassiker: 1984 von George Orwell ist 1949 erschienen und neu übersetzt worden von Gisbert Haefs; erschienen im @manesse.verlag 💕 . "George Orwell zu lesen heißt, sich mit grundlegenden Fragen zu konfrontieren." (aus dem Nachwort) . Dieser Roman lag schon länger auf meinem SuB und ich frage mich im Nachhinein, warum. Die 395 Seiten sind zwar nicht ohne und gerade der Mittelteil zieht sich etwas aber insgesamt war das eine wirklich faszinierende und sehr beeindruckende Dystopie! 🌸 . Aber worum gehts eigentlich: Es ist 1984 und wir begleiten Winston, der Mitarbeiter im Ministerium der Wahrheit ist und im Übetwachungs- und Gleichschaltungsstaat Ozeanien, überwacht vom 'Grossen Bruder' lebt. Eigenes Denken, Individualität oder gar persönliche Freiheiten sind nicht nur nicht erwünscht, sondern verboten. Kontrolliert wird dies durch dauerhafte Überwachung und tägliche Hass-Minuten. Von klein auf werden Spitzel erzogen und wer gegen den Großen Bruder ist, der verschwindet nicht selten auch einfach. Um das eigenständige Denken zu erschweren, wird die Sprache reduziert und auf ein Minimum an Wörtern reduziert, 'Neusprech' ist die neue Sprache. Doch dann verliebt sich Winston in eine Kollegin, doch auch Gefühle sind verboten... . Ich bin wirklich begeistert und möchte die Längen in der Mitte und das für mich etwas unbefriedigende Ende außen vor lassen und vielmehr die Idee und Umsetzung dieser Geschichte in den Vordergrund rücken. 1949 einen solchen Roman zu schreiben finde ich wirklich beachtlich und es gibt einige Parallelen zur heutigen Zeit, die wirklich erschreckend sind. Die Einführung von 'Neusprech' mit der Absicht, die Wörter so zu reduzieren und einfach zu halten, dass eigenständiges (Weiter)Denken nicht mehr möglich sein wird, ist eine so faszinierende Idee aber auch wirklich erschreckend. Ich fand das Buch wirklich lesenswert aufgrund der zugrundeliegenden Idee. Wirklich beeindruckend!

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Ein dystopischer Klassiker

Von: eschenbuch

04.07.2021

Inhalt: In einer Welt, in der der Große Bruder durch Teleschirme alles sieht und jeder Mitmensch ein potenzieller Denunziant ist, versucht Winston Smith seine Nische zu finden. Er ahnt, dass nicht alles so ist, wie die Sozialistische Partei Englands (kurz: Engsoz) es behauptet, doch wirklich greifen kann er diese Gedanken nicht. Auch, wem er wirklich vertrauen kann, ist unklar. Dies ändert sich, als Winston Julia trifft, wodurch sein Leben eine unerwartete Wendung nimmt… Persönliche Meinung: Der dystopische Klassiker „1984“ ist das bekannteste und vielzitierteste Werk von George Orwell. Orwell behandelt hier, beeinflusst von den diktatorischen Regimen seiner Zeit, in einer Art Zukunftsvision die Strukturen des totalitären Einparteienstaates „Ozeanien“. Diesen erleben die Leser*innen aus der Perspektive von Winston Smith, einem Angestellten des Ministeriums für Wahrheit (das Ministerium ist dafür zuständig, in medialen Erzeugnissen die Vergangenheit umzuschreiben, sodass sie den gegenwärtigen Bedürfnissen der Partei entspricht und eine gültige „Wahrheit“ geschaffen wird). Viele Kerngedanken, die Orwell in „1984“ einbaut, finden sich bereits in „Farm der Tiere“. So decken beide verschiedene Macht- und Repressionsmechanismen eines totalitären Staats wie z.B. Manipulation, psychische/physische Gewalt und Propaganda auf. Dabei geht „1984“ aber noch einige Schritte weiter als „Farm der Tiere“. Die Mechanismen sind ausgefeilter, in einen größeren (Staats)Zusammenhang eingebettet und stärker darauf bedacht, das Individuum zu brechen und das kollektive Gedächtnis systematisch zu vereinheitlichen. Wie z.B. der alltägliche „Zwei Minuten Hass“, um nur ein Beispiel zu nennen: Durch eine zweiminütige Videosequenz soll mithilfe eines akustisch-visuellen Primings der Hass auf den Staatsfeind Nummer 1 gesteigert und die Bindung an die Engsoz erhöht werden. Selbst reflektiertere Menschen, wie Winston Smith, erliegen den infernalischen Lauten und beginnen zu hassen. Auf bedrückende Art faszinierend ist "1984" vor allem aufgrund des Überwachungsstaates "Ozeanien". Dieser ist total, dringt ins Innerste der Lebenswelt vor. In der Welt von "1984" ist nichts mehr privat. Alles, selbst das Ich und seine Gedanken, ist öffentlich und Nischen existieren nicht. Auch in die Sprache greift das Regime in Form von „Neusprech“ ein: Der Wortschatz soll drastisch reduziert, Wörter in ihrer Bedeutung eingeschränkt und durch prägnante Neologismen ersetzt werden, sodass man sich mit einer minimalistischen Anzahl von Begriffen verständigen kann, wodurch letztlich die Freiheit des Denkens vollends verhindert werden soll (ausführlicher thematisiert Orwell „Die Prinzipien von Neusprech“ im Anhang, was aus linguistischer Sicht interessant ist. Die deutsche Übersetzung von Gisbert Haefs ist übrigens sehr gut gelungen und fängt „Neusprech“ gut ein). „1984“ ist im Vergleich zu „Farm der Tiere“ ausufernder, weniger pointiert und handlungsstrukturell nicht so stark durchkomponiert. Dadurch zieht sich die Handlung stellenweise; andererseits werden durch die ausführlichen Beschreibungen die Repressionsmechanismen des Staats eindrücklich und deutlich, sodass das Gefühl der Beklemmung von Seite zu Seite steigt.

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Nachdem mir "Farm der Tiere" von George Orwell gut gefallen hatte, entschloss ich mich kurzerhand mit seinem zweiten Klassiker der Weltliteratur weiterzumachen: 1984. 🌀 Unumstritten ist das Setting, welches Orwell hier geschaffen hat, sehr bedrückend. Die Welt ist in drei Supermächte aufgeteilt, bestehend aus Ozeanien, der unser Hauptprotagonist Winston angehört, Eurasien und Ostasien. Kontrolliert wird der Staat durch einen alles überwachenden "Großen Bruder". Wohnungen und Einrichtungen sind mit sogenannten Monitoren ausgestattet, welche die Bürger nicht nur filmen sondern auch dauerhaft abhören. Selbst in der Öffentlichkeit muss man an jeder Stelle mit versteckten Mikrofonen rechnen. Parteikritisches Verhalten wird unverzüglich geahndet, so etwas wie eine Opposition gibt es nicht. Alles wird kontrolliert und sogar die Vergangenheit umgeschrieben, so dass es real existierende Menschen, die in Ungnade gefallen sind und daher aus der Gesellschaft entfernt wurden, auch offiziell nie gegeben hat. 😳 In diesem totalitären Gefüge verliebt sich Winston eines Tages in Julia, ein sehr parteitreues Mädchen. Doch da Partnerschaften allein der Fortpflanzung dienen und Leidenschaft vom Gebot, voll und ganz dem System dienlich zu sein, ablenken könnte, versuchen die beiden Ihre Zuneigung bestmöglich zu verstecken. Es beginnt eine Zeit mit Versteckspielen und innigen Begegnungen. Doch den Augen des großen Bruders entgeht nun mal nichts... 👀 Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Organisation des Staates, der zweite hauptsächlich mit der Liebesgeschichte zwischen Winston und Julia. Der dritte Teil ist drastisch. Die beschriebene Welt ist eine erschreckende, gerade wenn man sieht wie bereitwillig sich Menschen heutzutage Monitore oder "Abhörgeräte" in ihre Wohnungen stellen. George Orwell schafft einmal mehr das Bewusstsein dafür, dass eine solche Gesellschaft durchaus kein Produkt der Fantasie eines Autors bleiben muss. 😯 Im Nachwort zu "1984" 👁 gibt es neben weiteren Auszügen aus einzelnen Essays des Autors direkte Vergleiche und Überlegungen des Schriftstellers Mirko Bonné zum heutigen Weltgeschehen, sowie seine persönliche präzise Analyse der Geschichte um Winston und Julia.

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1984

Von: Bearnerdette

15.05.2021

1984 hatte ich schonmal begonnen und abgebrochen - nicht die richtige Zeit, nicht die richtige Stimmung. Mein Buch hab ich damals sogar verschenkt. Dann habe ich kürzlich gesehen, dass Manesse eine wunderschöne Neuauflage rausbringt und dachte mir: Ich muss dem Buch nochmal eine Chance geben. Und siehe da, diesmal hat's gefunkt. Zur Story muss man glaube ich nicht viele Worte verlieren: Winston Smith lebt in einem Überwachungsstaat. Der grosse Bruder überwacht alles und jeden, Freiheit gibt es nicht mehr und unbequeme Gedanken sind nicht erlaubt. Winston glaubt schon lange nicht mehr an die Propaganda der Herrschenden, doch erst die geheimnisvolle Julia bringt Bewegung und Gefahr in sein Leben. Orwell schaffte mit 1984 eine beklemmende, erschreckende Zukunftsvision. Zwar fiel mir erneut der Einstieg in die Geschichte nicht ganz so leicht, aber diesmal erreichte ich den Punkt an dem die Geschichte einen Sog entwickelt und einen dann nicht mehr loslässt. Wer das Buch ohnehin einmal lesen möchte, der findet mit der Manesse Version eine besonders schöne Ausgabe, mit Silberfolie als Auge aufs Cover geprägt und farblich zum Buch passenden Lesebändchen. Ein wahrer Augenschmaus.

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1984 von Goerge Orwell Zum Inhalt möchte ich gar nicht mehr viel sagen. Denke die Story um Big Brother is watching you ist den meisten geläufig, allen anderen rate ich an es zu lesen. Ich hatte dies ja bereits auf Englisch getan und bin vom deutschen genauso überzeugt. Man überdenkt seinen Medienkonsum noch mal neu meine Lieben. Gerade bei dieser Ausgabe aus dem @manesse.verlag 2021 möchte ich die Editorische Notiz loben. Sie befasst sich mit der Kontroversität einiger Wörter im Originaltext und deren Übersetzung. Das Original ist schließlich von 1949, ihr könnt euch denken, dass man damals mit Rassismus und einigen anderen Themen (aufgrund von Platzmangel verzichte ich auf weitere Nennungen) anders umgegangen ist und andere Worte verwendet hat, die heute zum Glück aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwinden. 5 / 5 und ne wirkliche Empfehlung für alle die es bis jetzt noch nicht gelesen haben.

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"Big Brother is watching you" - Das Buch "1984" von George Orwell zählt wohl zu den bekanntesten Dystopien der heutigen Literaturwelt. Und vorweg gesagt: wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte es unbedingt einmal tun! Das Buch wurde 1948 geschrieben und handelt vom fiktionalen Leben im Jahr 1984. Der Staat kontrolliert alles und jeden: Gedanken frei zu äußern zieht schwere Folgen nach sich und die Lebensfreiheit der Bürger ist enorm eingeschränkt. In diesem Staat lebt Winston Smith, er ist besorgt um die Gesellschaft und zweifelt an den Prinzipien des Staates. Er sucht Gleichgesinnte und stößt auf Julia und O‘Brien - doch wohin führt die Liebe zu Julia und an welchem Punkt werden Freunde und Vertraute zu Feinden und Verrätern? Ich habe das Buch bzw. Romanauszüge daraus zum ersten mal in der 9. Klasse im Deutschunterricht gelesen. Schon damals hat mich diese Dystopie fasziniert und zum Nachdenken angeregt: wie nah kommt "1984" dem heutigen Jahr 2021? Geben wir mit Smart Home-Technologien, Handymikrophonen und Laptopwebcams nicht genau das von uns allen preis, was den Charakteren aus Orwells Buch zum Verhängnis geworden ist? Fehlt nicht nur eine Person, die genau diese Teile zusammenfügt und die Macht über all unsere Daten ausnutzt? George Orwell, so kann man auf jeden Fall sagen, hat mit seinem Buch ein Meisterwerk geschaffen, welches auch (oder vielleicht besonders) die heutige Gesellschaft betrifft und interessieren sollte. So finde ich es super, dass das Buch nun wieder neu aufgelegt und mit einem interessanten Nachwort versehen wurde. Wie bereits eingangs erwähnt: lest es, Big Brother wird euch nicht mehr loslassen!

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Im vergangenen Jahr jährte sich der Todestag von George Orwell zum 70. Mal. Der 1903 im damaligen Britisch-Indien geborene Eric Arthur Blair, der hinter dem Schriftsteller-Pseudonym steckte, starb 1950 erst sechsundvierzigjährig an den Folgen einer Lungentuberklose in London. Neben seinen weltberühmten Werken Farm der Tiere und 1984, die nun nach Beendigung des Urheberschutzes in zahlreichen Neuauflagen und Neuübersetzungen in verschiedenen Verlagen erscheinen, verfasste George Orwell drei weitere Romane, Sozialreportagen, Autobiographisches und Essays. Ein Reread birgt im Allgemeinen so manche Gefahren. Meist sind es Herzensbücher, solche, die sich bei der Lektüre tief eingebrannt haben, die man ein zweites oder auch drittes Mal hervorholt. Oft bestehen sie den Test und die Leser:in ist genauso verzaubert wie beim ersten Mal, entdeckt vielleicht neue Aspekte, legt andere Schwerpunkte, erinnert die Zeit der Erstlektüre. Manchmal aber enttäuscht ein Buch beim Wiederlesen. Hin und wieder ist man fast entsetzt darüber, diesen Text einmal so gemocht zu haben. Bücher, mit denen man nicht wirklich warm geworden ist, haben es meist leichter. Zwar werden sie selten zu einem Reread, dann aber müssen sie keinen hohen Erwartungen oder trügerischen Erinnerungen standhalten. SCHULLEKTÜRE So erging es mir mit Orwells Weltbestsellern. Einst als Schullektüre (Animal Farm) bzw. in den frühen Achtzigern, als die verhasste Volkszählung vor der Tür stand, auf Englisch (dem mein Schulenglisch kaum gewachsen war) gelesen, hatte ich nur im Kopf, was alle, auch ohne die Texte wirklich gelesen zu haben, darüber wissen. Dazu kamen eher unerfreuliche Leseerfahrungen. Es waren vor allem die schönen Manesse-Ausgaben und das diffuse Gefühl, da etwas nachholen zu müssen, die mich erneut nach George Orwell greifen ließen. Die Parabel auf den Totalitarismus und die Überwachungsdystopie sind nicht nur seit über siebzig Jahren blendend verkaufte Stoffe – 1984 hat es während der Ära des Donald Trump sogar wieder in den Bestsellerlisten ganz nach oben geschafft -, sie fußen auch auf ganz persönliche Erfahrungen des Eric Arthur Blair. Am 25. Juni 1903 im zu Britisch-Indien gehörenden Motihari als Sohn eines Kolonialbeamten und der Tochter eines Teakholzhändlers geboren, reiste er bereits 1904 mit Mutter und älterer Schwester nach England, wo er nach einer Zeit auf dem Internat zur Eliteschule Eton zugelassen wurde. Ein Studium kam aus finanziellen Gründen nicht in Frage und so bewarb er sich bei der britischen Kolonialpolizei im damaligen Burma (heute Myanmar), wo er von 1922 bis 1927 mit wenig Freude diente. 1927 quittierte er den Dienst und lebte als freier Journalist und Autor mehr schlecht als recht. Auch einen Aufenthalt 1928 in Paris bestritt er in großer Armut. Über diese Zeit erschienen 1933 seine Aufzeichnungen „Down and out in Paris and London“. Erfahrungen, die ihn zum Sozialisten werden ließen. 1934 erschien sein kolonisationskritischer Roman „Tage in Burma“. DER SPANISCHE BÜRGERKRIEG 1936 ging er mit seiner frisch angetrauten Frau Eileen nach Spanien, um sich dem Kampf der republikanischen Truppen gegen die Faschisten anzuschließen. Eher zufällig landete er bei einer trotzkistischen Splittergruppe, die bald in den Radar der auch in Spanien immer mehr Macht erlangenden Stalinisten gerieten. Diese führten auch hier Säuberungen durch, denen Orwell nach einer Verwundung nur knapp durch Flucht nach England entging. PARABEL AUF DEN STALINISMUS Weiterhin bekennender Sozialist, war ihm fortan die Aufklärung über die hässliche Seite des Stalinismus eine Herzensangelegenheit. Von der gerade während des Krieges, als Russland als Verbündeter gegen Nazideutschland dringend gebraucht wurde, keiner hören wollte. 1943 verfasst, stieß seine Parabel über den Stalinismus, Farm der Tiere, auf Ablehnung, bis es schließlich von Secker & Warburg im August 1945 veröffentlicht wurde. 1984 Noch bekannter und im Kollektivgedächtnis präsent ist von George Orwell natürlich 1984, vielleicht der dystopische Roman überhaupt. Ein Zitat wie „Big Brother is watching you“ kennt fast jeder. Die Zukunftsvision einer jeden Privatraum und jede Gedankenregung ausspähenden, totalitären Regierung hatte in den 1980er Jahren eine ganz besondere Brisanz. Der heutzutage weitgehend sorglose Umgang mit privaten Daten, sei es im Internet oder auf Social Media, war noch undenkbar, da die technischen Möglichkeiten fehlten. Die große Volkszählung in der BRD konnte 1981 durch massiven Widerstand eines großen Teils der Bevölkerung verhindert werden. Big Brother war ein häufig verwendetes Menetekel. (1987 wurde sie dann doch durchgeführt) Die Amtszeit von US-Präsident Trump brachte dann noch einen anderen Aspekt des Romans in den Fokus der Wahrnehmung. Mit „Neusprech“ und einer von der Regierung etablierten alternativen Wahrheit hatte schon Winston Smith, der Protagonist in 1984, zu kämpfen. Sprache wurde zum Machtinstrument, zum Manipulierungsmittel, heute nennen wir es „Fake News“. Es steckt also eine Menge aktueller Brisanz in George Orwells 1949 unter dem Eindruck von Faschismus und Stalinismus entstandener Dystopie. Dennoch konnte mich der Roman nicht so erreichen wie Farm der Tiere. AKTUALITÄT Das lag zum einen an der Hauptfigur Winston Smith, dessen misogyne Art mir zu schaffen machte. Seine Geliebte Julia nennt er tatsächlich „Rebellin von der Taille abwärts“ (Was diese natürlich herrlich amüsant findet). Weswegen die beiden nun gegen das Regime von Big Brother und seine Zweiteilung der Menschen in Mitglieder der Partei unterschiedlichen Rangs und die „Prolos“, die in großem Elend, aber einer gewissen Freiheit leben, revoltieren, erschließt sich mir auch bei der Wieder-Lektüre nicht ganz. Die Gewalt- und Folterszenen fand ich relativ abstoßend. Die dumpf vor sich hinlebenden „Prolos“, die für schmalzige Liebeslieder schwärmen und sich im permanenten Krieg, mit dem die drei Weltmächte Ozeanien, Eurasien und Südostasien sich wechselseitig überziehen, eingerichtet haben, sind arg platt dargestellt. Aber natürlich enthält 1984 auch überraschende Klarsicht, tiefe Erkenntnisse und vor allem visionäre Kraft, die auch mehr als siebzig Jahre nach dem Entstehen sehr beeindrucken. Die damals kaum vorhersehbaren heutigen Überwachungsmöglichkeiten, Fake News, Spaltung der Gesellschaft, Doppeldenk und alternative Wahrheiten – das beschäftigt uns auch heute. Damit bleibt es das Buch, an dem sich sämtliche Dystopien messen lassen müssen. Eine Wiederlektüre lohnt sich auf jeden Fall. Die Neuübersetzung von Gisbert Haefs ist moderat modernisiert und gut lesbar. Ein Nachwort von Mirko Bonné ist beigefügt. Beide Neuübersetzungen von George Orwell – Farm der Tiere und 1984 – sind sehr schön gestaltet und rundum empfehlenswert.

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