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Rezension zu
Der Klang der Hoffnung

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Wenn die Hoffnung alles ist, was man noch hat

Von: Anja Schmidt (Zwiebelchens Plauderecke) aus Lehnstedt
01.02.2015

Im Vorfeld zum Erscheinen dieses Buches gab es viele Diskussionen. Wird ein Buch mit rein fiktiven Figuren dem wahren Geschichtsverlauf gerecht? Wird durch den Titelzusatz "Die Geschichte einer unmöglichen Liebe" das Thema der Judenverfolgung und der Ermordung so vieler Menschen nicht verklärt? Ein wenig skeptisch und doch neugierig begann ich mit dem Lesen. Die Autorin erläutert bereits im Vorwort, die Entstehungsgeschichte des Buches. Wahre Ereignisse wurden mit fiktiven Handlungen und Personen verknüpft. Dies gelingt Suzy Zail so gut, dass der Leser das Gefühl hat, eine wahre Geschichte zu durchleben. Dabei erfolgt der Erzählstrang aus der Sicht eines 15jährigen Mädchens und berührt tief. Hanna wird der Sicherheit ihres Heims und ihrer Familie entrissen. Ihr Überleben ist an eine Menge Zufälle geknüpft. Schon bei ihrem Eintreffen im KZ Birkenau hätte alles anders kommen können. Niemand wusste, was ihn erwartete und die vermeintliche Sicherheit für Kinder, Kranke und alte Menschen bedeutete deren Tod. Als Leser ist uns bekannt, was es mit der linken oder rechten Seite am Eingang des KZ´s auf sich hat, welche Ziele der Mediziner Josef Mengele verfolgte und welches Schicksal die Zwillingsschwestern erwartete. Es ist die Hilflosigkeit, zu wissen was passieren wird und nicht eingreifen zu können, die diese Geschichte einem so nahe gehen lässt. Hanna erlebt viele Grausamkeiten und nur die glückliche Fügung des Schicksals bewahrt sie vor dem Tod. Dennoch blendet sie viele Dinge um sich herum aus, möchte sie einfach nicht wahrhaben und hofft in einer kindlichen Naivität, dass alles gut wird. Dies klingt vielleicht für den ein oder anderen irreal, doch ich glaube, so wie Hanna erging es damals vielen anderen. Mit einer Art Selbstschutz, um nicht gänzlich zu zerbrechen, wurden Teile der Realität einfach ausgeblendet. Das Buch zeigt, wie und warum sich Menschen verändern und erklärt teilweise deren widersinniges Verhalten. Wir erfahren aber auch, welchen Mut andere Menschen aufbrachten, um ihren Leidensgenossen zu helfen. Auch Karl ist ein Gefangener seiner Welt. Entgegen dem Einfluss seines Vaters blickt er den Geschehnissen um sich herum mit offenen Augen entgegen und versucht im Rahmen seiner Möglichkeit zu helfen. Die sich leise anbahnende Liebe zwischen Hanna und Karl ist wie ein zarter Lichtschein in einer sonst düsteren grausamen Gegenwart. Sie stellt keine Verherrlichung dar, sondern vermittelt für mich, dass die Menschlichkeit nicht vollkommen verloren gegangen ist. Suzy Zail zeigt, dass es nicht einfach nur schwarz und weiß gibt, sondern viele verschiedene Schattierungen. Die Hoffnung, die über allem schwebt ist wie ein roter Leitfaden in der Geschichte. Viele der in dieser Geschichte aufgegriffenen Fakten sind historisch verbürgt und ich habe über ähnliche wahre Schicksale bereits sehr viel gelesen. Die geglückte Flucht von Erika klingt recht abenteuerlich, doch was war damals schon normal. Ein Menschenleben war weniger Wert als das eines Hundes. Das Überleben hing oft von Kleinigkeiten, wie einer Handbewegung einer unbedachten Äußerung oder eines Blickes ab. Um diese geschichtlichen Ereignisse auch den Kindern und Jugendlichen unserer heutigen Zeit nahe zu bringen, ist Hannas Geschichte ein guter Einstieg. Es ist unheimlich emotional und beschäftigt auch noch weit nach den letzten gelesenen Zeilen. Ich empfinde dieses Buch als einen wichtigen Beitrag Gegen das Vergessen. Nie wieder darf sich das Rad der Geschichte wiederholen. Noch immer gibt es Zeitzeugen, die in leisen, dafür umso eindringlicheren Tönen von ihrem und dem Schicksal so vieler Menschen berichten können. Es ist wichtig, ihnen zuzuhören und vor allem darüber zu reden.

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