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Rezension zu
Und draußen stirbt ein Vogel

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Ein Dorf - Ein Mann - Ein Mord?

Von: Martin Hanns
22.02.2016

Wir lernen in diesem Buch die Autorin Rina Kramer kennen. Bücher über Autoren scheinen momentan sehr IN zu sein. Das find ich cool. Auf diese Art kann man im Buch etwas hinter die Kulissen schauen und die Menschen etwas kennenlernen, die schreiben, was wir lesen dürfen. Rina ist erfolgreich, sie schreibt tolle Geschichten, hat ein wahnsinniges Talent, ihre Leser in eine andere Welt zu entführen und wird gefeiert für ihre Thriller. In der Liebe und in ihrer Familie läuft es hingegen nicht so toll. Ihr Mann Eckart wird ihr immer fremder und geht ihr immer öfter fremd. Sie weiß es und er weiß, dass sie es weiß. Aber an Trennung denken sie nicht. Denn da ist noch ihr kleiner Sohn Fabian. Er lebt in Deutschland, geht in ein Internat, während die Eltern ihren Berufen nachgehen oder die Zeit in der Toskana verleben. Rina vermisst ihr Kind und ist froh, wenn er die Ferien bei ihr im Haus in der Toskana verbringt. Aber es gibt noch Jemanden, der selbst gern Zeit mit Rina verbringen möchte. Manuel. Selbst Autor, befindet sich in einer jahrzehntelangen Schreibblockade und ist der Meinung, Rina hat seine Gedanken und Geschichten gestohlen und feiert nun ihren Erfolg damit. Sein Ziel ist es, sie zu vernichten, damit ihre Erfolgssträhne und seine Blockade ein Ende finden. Wird dem Verrückten dieses Vorhaben gelingen? Wird er Rina und ihre Familie ausschalten? Und welche Rolle spielt hierbei der Pater Johannes, welcher auf Grund mysteriöser Umstände seinen besten Freund verliert, den er nun im Dorf als Pfarrer beerben muss? Kann die örtliche Polizei Rina retten? Oder wird die Autorin sich am Ende selbst aus den Fängen ihres Stalkers befreien? All diese Fragen wird euch dieses Buch natürlich beantworten. Aber es gibt eine Voraussetzung dafür. Ihr müsst es lesen. Ohne Lesen keine Antwort. Wer das Ende wissen möchte, darf mich natürlich gern anschreiben. Nur verraten werde ich es nicht. Dieser Thriller trägt einen interessanten Namen. Man kann sich nicht direkt erklären, was das soll und wie es zur Geschichte im Klappentext passen kann. Im Laufe des Buches bekommt man jedoch mit, wer für diesen Namen verantwortlich ist. Dennoch fragt man sich, ob da nicht ein anderer Name besser und passender wäre. Ähnlich ging es mir mit dem Cover. DER KINDERSAMMLER hätte dieses Cover ebenso tragen können. Zu sehen ist ein Kind, was im nächtlichen Himmel durch die Bäume schaut. Ohne zu viel vom Inhalt zu verraten, spielen Kinder in diesem Buch jedoch nur eine Nebenrolle. Auch hier hätte man passendere Motive finden können. Durch Rückblenden in die Vergangenheit des Stalkers erfährt man Einiges über ihn und bekommt Erklärungen dafür, warum er in diese Schreibblockade gefallen ist. Es hilft, Gedanken zu begreifen und macht es dem Leser leichter, sich in einige Personen hineinzuversetzen. Ich persönlich finde solche Rückblenden immer spannend, wenn sie nicht mehr Raum einnehmen, als die gegenwärtige Geschichte. Diese Verteilung hat Sabine Thiesler wunderbar getroffen. Es ist genau so viel, wie man braucht und nicht mehr, als nötig wäre. Wie es in den meisten Thrillern dargestellt ist, haben wir es auch in Diesem nicht mit einem gedanken- und gewissenlosen Monster zu tun. Er ist ein Mensch, der durch Einflüsse seiner Vergangenheit zu dem geworden ist, was er heute ist. Und dennoch dürfen diese Einflüsse nicht dazu dienen, seine Taten zu mindern. Was ich bei diesem Thriller interessant fand, war der Aufbau. Es gab Teil 1 „RINA“. Hier hat man viel über die Verhältnisse erfahren, in denen Rina lebt, hat Einblicke in das Leben der Autorin und ihrer Familie bekommen und konnte sich ein Bild machen, wo sie wie und warum lebt. Dann war da Teil 2 "MANUEL". Hier haben wir den Hauptteil. Wir erfahren, was einen Menschen bewegt, sich auf hinterhältige Weise in das Leben eines Anderen einzumischen. Und dann gibt es Teil 3 "FABIAN". In diesem Teil werden die oben stehenden Fragen beleuchtet. Außerdem kommt man hier der Frage auf die Spur, ob Rina Kramer wirklich eine Autorin ist, die aus den Gedanken Anderer ihren Erfolg zieht. Dieser Thriller ist ein guter Thriller für Leser, die sonst eher ruhige Literatur mögen. Man bekommt viele kranke Grausamkeit zu lesen, ohne dem Gefühl zu erliegen, im Blut zu ertrinken oder der eigenen Psyche zum Opfer zu fallen. Mein Fazit zu diesem Buch lautet … Nicht so grausam, wie Fitzek, nicht so eindringlich, wie Strobel. Aber eben so einmalig, wie es nur Sabine Thiesler sein kann!