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Rezension zu
Star Wars™ Die Hohe Republik - Der gefallene Stern

Die Hohe Republik: Der gefallene Stern von Claudia Gray funktioniert besser im Kontext

Von: Tobias
31.03.2023

Am 22. März 2023 erschien mit Der gefallene Stern bei Blanvalet die deutsche Übersetzung von The Fallen Star von Claudia Gray. Der dritte und letzte Erwachsenenroman der ersten Phase der Hohen Republik stellt gleichzeitig den Höhe- und Kulminationspunkt der ersten Phase dar und rückt dabei das in Das Licht der Jedi eingeführte Wahrzeichen – die Starlight-Station – ins Zentrum der Handlung und ins Rampenlicht der Rachelust Marchion Ros. Warum mir das Werk im Gegensatz zur Lektüre der englischen Version Anfang 2022 beim zweiten Lesen besser gefallen hat, worauf man sich freuen kann und woran es dem Roman leider mangelt, erfahrt ihr in dieser Rezension! "Lange vor der Ersten Ordnung und dem Imperium wachten die Jedi-Ritter über die Hohe Republik. Es war ein goldenes Zeitalter des Friedens – bis die Nihil kamen … Die brutalen Piraten, die sich selbst »Nihil« nennen, wurden zurückgeschlagen. Doch der Preis für die Rettung der Raumstation Starlight Beacon war hoch. Die Jedi-Ritter müssen sich nun ausruhen, die Verwundeten pflegen und die Toten betrauern. Doch der Sturm, dem sie getrotzt haben, ist noch nicht vorbei. Im Gegenteil! Die Nihil bereiten bereits ihre nächste Attacke vor. Sie ist brutal, risikoreich – und hat das Potenzial, das Licht der Jedi zum Verlöschen zu bringen." - Klappentext Der gefallene Stern von Blanvalet **Der Kulminationspunkt** Auf dem Roman liegt eine große Erwartung und genau diese Erwartung war es auch, die für mich damals nicht vollends erfüllt wurde. Im JediCast war ich nicht sonderlich begeistert davon, wie der Roman etablierte Fakten zur Seite schiebt, um die Jedi als Alleinentscheider zu inszenieren, nur um sie dann in ihrer Urteilskraft beschränken zu können. Doch wie sah es jetzt nach über einem Jahr beim erneuten Lesen der deutschen Ausgabe aus? Zunächst einmal bin ich – wie bisher bei allen deutschen Erwachsenenromane der Hohen Republik – förmlich durch den Roman geflogen. Innerhalb von drei Tagen habe ich den Roman erneut verschlungen und mir dafür auch mal eine Auszeit von Phase zwei genommen, was – wie im einen oder anderen JediCast deutlich werden dürfte – für mich sehr willkommen war. Im Gegensatz zu 2022 habe ich den Roman – mit dem nötigen Kontextwissen des Rests der Phase – viel mehr genießen können als beim ersten Lesen. Das große Problem damals war – und da fasse ich mir auch selbst an die Nase – dass man diesem Roman viel und vielleicht auch zu viel an Erwartungen aufgebürdet hat. Im Gegenzug war man dann schnell enttäuscht, wenn etwas nicht so ablief, wie man es sich vorgestellt hatte. Nachdem ich die Handlung aber schon kannte, konnte ich mit dem Unausweichlichen und seiner Ausführung in diesem Roman besser umgehen. Während man Anfang 2022 am Ende einer einjährigen Reise durch die erste Phase war, hatte ich nun eine gewisse Distanz und konnte meine emotionale Bindung zur Handlung besser von der tatsächlichen handwerklichen Ausführung der Handlung trennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Roman nun zu meinen absoluten Lieblingen gehört, denn auch wenn ich Frieden damit schließen konnte, wie die Handlung verläuft und endet, bedeutet das nicht, dass der Roman frei von Fehlern wäre, der ihn leider hinter seinen beiden Vorgängern platziert. Warum das so ist, soll im Folgenden deutlicher werden. **Titanic in Space** Der gefallenen Stern ist die dritte von drei Katastrophengeschichten im Erwachsenenroman-Bereich der Hohen Republik. Das droht auf Dauer etwas langweilig zu werden, doch Claudia Gray schafft es, eine beeindruckend dichte Atmosphäre und das Gefühl von Zeitdruck zu schaffen. Dabei hat dieser Roman natürlich den Vorteil, dass er allein aufgrund des Marketings und der eindeutigen Bezeichnung nicht lange mit der Erwartung der Lesenden spielen muss. So ist gerade der erste Teil des Werks durch den Wissensvorsprung der Lesenden gegenüber den handelnden Personen mit Momenten und Verweisen versehen, die die Anspannung hochtreiben und den Wunsch auslösen, eine Figur in die richtige Richtung zu lenken, um doch noch rechtzeitig auf das Problem aufmerksam zu werden und sich nicht der Hybris hinzugeben, dass diese Station unsinkbar sei. Dabei musste ich wirklich an Titanic denken, denn auch hier weist uns der Titel auf das unausweichliche Ende hin und auch hier hätten wir wohl den einen oder anderen davon abhalten wollen, noch schnell an Bord zu springen. Der zweite Teil des Romans ist dann wiederum ein Spiel mit der Zeit, wobei es Claudia Gray im Großen und Ganzen gut gelingt, auch hier eine Drucksituation aufzubauen. Hier haben wir wiederum keinen Wissensvorsprung und fiebern mit den Figuren mit, die alles Mögliche versuchen, um den Absturz abzufedern oder zumindest einen Fluchtweg zu finden. Leider leidet der Roman da zum einem am Gefühl der Leere (mehr dazu unten), das sich unter anderem auch in fehlender Massenpanik oder Verzweiflungsaktionen niederschlägt. Die Charaktere bleiben einfach – auch abseits der Jedi – viel zu ruhig und kalkulierend, was ich in so einer Situation nicht für realistisch halten würde. Zum anderen spielt die Handlung nicht mit all den Ressourcen, die diese Station ihr bietet. So lange haben wir die Starlight-Station nun kennen und lieben gelernt und dann spielt sich die gesamte Handlung quasi in zwei Hangars und einem umdekorierten Büro ab. Auch das trägt dazu bei, dass das Gefühl der Größe und damit auch der schieren Masse an Leuten an Bord verloren geht und die Ansammlung von Reisenden im Haupthangar erschreckend klein wirkt. Dafür macht das letzte Viertel des Buches wieder einiges wett und fängt gerade die letzten Momente der Handlung gut ein. Lediglich auf den einen oder anderen Abstecher mit Rathtaren als obligatorische Action-Szene hätte ich verzichten können. **Nur die halbe Miete** Etwas, das mich beim ersten Lesen noch mehr gestört hatte, war, dass der Roman uns nur die halbe Geschichte des Untergangs erzählt. Die andere Hälfte ist im Panini-Sammelband Das Ende der Jedi zu finden, welcher sich um den oberen Teil der Station dreht. Nachdem ich im JediCast noch eindeutig negativ auf diese Entscheidung geblickt habe, kann ich mich nun nach erneuter Lektüre nicht mehr so einfach zu einem eindeutigen Urteil hinreißen lassen. Zum einen bin ich weiterhin davon überzeugt, dass jedem, der nur die Romane liest, etwas der Gesamtblick fehlen mag. Man merkt im Roman einfach, dass da noch eine andere Geschichte schlummert, und wenn man nichts davon weiß, könnte das schon den Lesegenuss trüben. Andererseits – und daher rührt wahrscheinlich meine nun ambivalentere Ansicht – habe ich seit dem ersten Lesen des Romans damals zum englischen Release Anfang 2022 die Comics nun bereits gelesen und kenne daher die andere Geschichte. Und da funktionieren die Anspielungen und Verweise auf große Kraftanstrengungen und den Verbleib der Ataraxia wiederum sehr gut. Das große Problem des Literaturprogramms im Englischen war damals schlicht und einfach, dass die Comics den Erwachsenenromanen nichts vorweg nehmen durften und dann nach Release des Romans monatelang hinterherhingen. Denn Comics erscheinen nunmal monatlich und der Roman ist mit einem Schlag da. Von dieser Warte aus würde ich also allen Lesenden, die den Roman jetzt erst in Angriff nehmen, empfehlen, den Comic-Sammelband parallel oder gar vorher zu lesen, um die volle Geschichte zu erleben. Denn wenn man diesen kennt, wirkt die Handlung des Romans gleich nur noch halb so (pun intended) unvollständig. **Das Gefühl der Leere** Zuletzt sei noch auf ein Gefühl eingegangen, das ich damals beim ersten Lesen der englischen Version noch mehr gespürt habe als nun beim erneuten Lesen, welches sich aber trotzdem nicht leugnen lässt. So fühlt sich die Station, und in Teilen auch die Galaxis, unglaublich leer und homogen an. Claudia Gray vermag es zwar, manchmal aus der Station herauszuzoomen, um die Reaktionen im Rest der Galaxis zu zeigen, aber wirklich ergreifende oder tiefgehende Darstellungen sind dabei kaum vertreten. Lina Soh zum Beispiel kommt nur sehr selten als Point-of-View-Figur zur Sprache, dabei wäre gerade ihre detaillierte Reaktion auf den Untergang ihres „Großen Werkes“ so spannend gewesen. Während es Charles Soule in Das Licht der Jedi noch vermochte, mit kurzen Abschnitten ganze Figuren zu charakterisieren, ist hier vornehmlich von einer homogenen Masse der Zuschauenden die Rede, die zwar traurig und schockiert beschrieben werden, am Ende aber das Gefühl nicht an mich als Lesenden weitertragen. So wäre ein Kind, welches auch einen Namen erhält und die Übertragung im Holonet verfolgt und seine Eltern fragt, was das bedeutet, direkt verfänglicher gewesen als die anonymisierte Variante zahlreicher Raumschiffe oder Bürger der Republik ohne individuelle Reaktionen. Die Leere ist aber auch in der Starlight-Station vorzufinden, und das nicht nur in der Reaktion der Jedi auf die mysteriösen Kreaturen. Im Gegenteil, gerade die Jedi sind gut ausgearbeitet, während auf Seiten der Zivilisten eigentlich nur die Crew der Schiff und zwei namhafte Gefangene im Fokus stehen. Das wäre auch in Ordnung, wenn dabei die anderen Stationsmitarbeitenden etwas mehr beleuchtet werden würden. Sowohl in den Kurzgeschichten dieser Ära als auch in Mission ins Verderben (welches man übrigens vor Der gefallene Stern lesen sollte) wurden uns zahlreiche Stationsoffiziere und Bordpersonal vorgestellt und in diesem Roman sind es ausschließlich die Jedi, die sich um die Lösung des Problems auf Seiten der Republik bemühen. Es werden zwar hier und da Techniker als NPCs beschrieben, aber wirklich viel dazu beitragen tun gerade diejenigen nicht, die sich an Bord am besten auskennen müssten. Zumindest was die technische und personelle Ebene angeht. Man merkt leider, dass es keine kompetenten Nicht-Jedi in dem Roman geben durfte, damit die teils unbesonnenen Reaktionen der Jedi infolge der Anwesenheit der Kreaturen nicht direkt revidiert werden konnten. Das schadet am Ende aber leider der Glaubhaftigkeit des Gesamtbilds der Station als nicht nur Jedi-dominierte Anlage. Außerdem ist ein valider Kritikpunkt an diesem Werk, dass Marchion Ro nicht so prominent vorkommt, wie er es in den bisherigen Romanen tat. Das ist jedoch für mich kein größeres Problem, da die Idee eines lange im Voraus geplanten Anschlags auf das Herz der republikanischen Expansion und sein darauffolgendes Genießen des Untergangs für mich recht gut funktionieren. Klar kann man sich die Frage stellen, ob nicht alles etwas zu gut geplant abgelaufen ist, aber in Anbetracht des Versuchs, die Jedi als irrational zu charakterisieren, funktioniert es wiederum. Ob die vorherige Charakterisierung der Jedi bei der gleichzeitigen Ausblendung anderen kompetenten Personals wiederum verfängt, ist eine ganz andere Frage. **Die Figuren** Wie bereits angesprochen, fokussieren sich die handelnden Figuren sehr stark auf die bisher in den Erwachsenenromanen etablierten Jedi. Allen voran natürlich Stellan Gios – der bereits in Im Zeichen des Sturms eine zentrale Rolle einnahm – und Elzar Mann. Avar Kriss wurde bekanntlich nach ihrem prominenten Auftritt in Das Licht der Jedi in die Comics versetzt, was dem Bild der drei als ein geschlossener Freundeskreis nicht zuträglich ist und schon in Im Zeichen des Sturms eine verschenkte Chance darstellte. Neben diesem Meister-Duo aus Elzar und Stellan sind auch Bell und Burryaga wieder als Padawane mit ihren Meisterinnen Indeera und Nib vertreten. Auch Orla, die bisher eher im YA-Sektor vorzufinden war, gesellt sich dazu, ebenso wie ein neuer Jedi, der mit seinem Sinn für Humor alle um sich herum begeistert. Dieses Jedi-Gespann sorgt im Großen und Ganzen für tolle Momente und auch die klassischen Selbstzweifel – gerade in Anbetracht einer solchen Krise – werden meist organisch eingebaut. Bell macht sich weiterhin Vorwürfe wegen Loden, Stellan muss in seine neue Rolle als Marschall der Starlight-Station hineinfinden und Elzar setzt sich noch mit seinem Ausflug auf die Dunkle Seite im Vorgängerroman auseinander. Die Figuren durchlaufen dabei auch eine Reise und gehen am Ende zumindest teilweise verändert aus dem Roman heraus. Einzig schade ist dann, dass ihr weiterer Verbleib noch bis Phase drei offen sein wird, da wir in Phase zwei ja in eine 150 Jahre zuvor spielenden Geschichte abtauchen. **Die Übersetzung** Wie aus meinen beiden Rezensionen zu Das Licht der Jedi und Im Zeichen des Sturms hervorgegangen ist, war ich nicht immer ein Fan der Übersetzung und auch dieses Mal gibt es wieder einige Dinge, die entweder falsch übersetzt wurden oder die Konsistenz zwischen den Werken der Ära im Deutschen nicht respektieren. Bei falschen Übersetzungen beginnen wir zunächst damit, dass Regald Coll als „Ordensschwester“ bezeichnet wird, auch wenn er ein männlicher Charakter ist (S. 163). Im Gegenteil wird zu Beginn erwähnt, dass Avar Kriss Jagd auf den Anführer der Nihil macht, obwohl sie glauben zu wissen, dass es die weibliche Twi’lek Lourna Dee ist, weshalb es eher „Anführerin“ heißen müsste (S. 13). Ein kleiner Namensfehler sorgt zudem dafür, dass ich kurz beim Lesen gestolpert bin, als Leox es schaffte, gleichzeitig eine Frage stellen zu wollen und „Drei“ zu rufen, da er statt Bell derjenige gewesen ist, der die Anweisungen gibt (S. 337). Ansonsten halten sich die Übersetzungsfehler jedoch in Grenzen. Lediglich die fehlende Konsistenz bei der Bezeichnung der Amaxinen-Station als Amaxiner-Station (u.a. S. 86) stieß mir noch sauer auf, da es bereits eine etablierte Übersetzung aus den Panini-Werken (In die Dunkelheit) gibt. Die meisten Kritikpunkte aus der Rezension zum zweiten Band bleiben bestehen. Während also Ember in Das Licht der Jedi weiterhin so hieß, hat man die Aschehündin schon in Im Zeichen des Sturms mit „Funke“ übersetzt und behält das nun zumindest bei. Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, dass man Namen von Tieren und Menschen im Original belassen sollte. Denn die Spezies „Aschehündin“ kann ja übersetzt werden, aber der Name ist nun mal ihr Name. Bell heißt ja schließlich auch nicht Glocke. **Fazit** Der gefallene Stern ist eines der Werke, das im Kontext der anderen Die Hohe Republik-Werke deutlich an Qualität gewinnt. Das ist nicht unbedingt eine Stärke des Romans, sondern eher seiner späten Übersetzung im Deutschen, wodurch man im Vergleich zum englischen Original schon einen besseren Gesamtblick hat. So haben andere Romane der Hohen Republik den Spagat geschafft, von alleine durchweg unterhaltsam zu sein, ohne dass man das Gefühl hatte, in anderen Werken wird die andere Hälfte der Geschichte erzählt. Nichtsdestotrotz gelingt es Claudia Gray, die etablierten Figuren gut zu treffen und vor allem den apokalyptischen Kampf gegen die Zeit im Titanic-Stil zu inszenieren. Dabei kommt zwar hier und da der Gesamtblick zu kurz, Spaß hatte ich beim erneuten Lesen aber trotzdem – durch den Kontext noch mehr als bei der ursprünglichen Lektüre der englischen Version Anfang 2022. Daher ist der Roman im Gesamtkontext der Ära definitiv eine 4/5, für sich alleine würde ich mich Ines‘ Rezension der englischen Variante mit 3/5 Holocrons anschließen!

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