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Stephen Greenblatt

Der Tyrann

Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert

(6)
Paperback
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Was uns Shakespeare über Trump, Putin und Co. verrät

Wie kann es sein, dass eine Nation in die Hände eines Tyrannen fällt? Warum akzeptieren Menschen die Lügen eines Mannes, der ihrem Land so offensichtlich schadet? Und gibt es eine Chance, einen Tyrannen zu stoppen, ehe es zu spät ist? William Shakespeare hat sich in seinen Dramen immer wieder mit diesen Fragen beschäftigt und vom Aufstieg der Tyrannen, von ihrer Herrschaft und ihrem Niedergang erzählt. Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt zeigt uns, wie präzise und anschaulich der Dichter das Wesen der Tyrannei eingefangen hat – und wie erschreckend aktuell uns dies heute erscheint.

»Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert« Cem Özdemir

»Brillant.«

Philip Roth (21. June 2019)

Aus dem Englischen von Martin Richter
Originaltitel: Tyrant. Shakespeare on Politics
Originalverlag: W. W. Norton, New York 2018
Paperback , Klappenbroschur, 224 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-570-55428-9
Erschienen am  26. April 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Shakespeares Tyrannen - aktuell auch heute

Von: Agathe_liest

25.07.2021

"Wie ist es möglich, dass ein ganzes Land einem Tyrannen in die Hände fällt?" Seite 9 Dieser noch immer aktuellen Frage stellt sich der Harvard-Professor Stephen Greenblatt und nimmt dafür William Shakespeares Werke zur Hand, die sich als erstaunlich profunde Quelle für Erklärungsansätze eignen. Denn schon im ausgehenden 16. Jahrhundert hat der Dramatiker das Wesen der Gesellschaft und die inneren Antriebe von späteren Tyrannen aufs Genaueste seziert und beschrieben. An der Aktualität gemessen fallen natürlich unmittelbar und ohne Schwierigkeiten einige neuzeitliche Machthaber in dieses Raster hinein - und auf verstörende Weise lassen sich elementare Ähnlichkeiten im sozialen Verhalten, dem Machtmissbrauch und damit einhergehender Skrupellosigkeit herleiten - ebenso wie in dem gesamtgesellschaftlichen Verhalten, das oftmals fassungs-, aber auch willenlos dem Machtstreben eines offensichtlich Ungeeigneten zuschaut oder sich gar als willige Gehlfen in Eigeninteresse um den Emporkömmling sammeln. Ist der Mensch bzw. die Gesellschaft unfähig zu lernen? Es scheint so. "Ziel ist es, Chaos zu erzeugen; das soll die Bühne bereiten für die Machtergreifung des Tyrannen." Seite 43 Auf eine kurze kulturhistorische Einführung ins Elisabethanische England folgen klare Bezüge auf Shakespeares große Werke, die die Tyrannei in den Mittelpunkt stellen. Es wird aufschlussreich dargelegt, wie schon bei Richard III., Coriolan und Macbeth die Mechanismen des Bösen greifen, wie sehr Lügen und Intrigen auch hier bereits zum (kurzfristigen) Erfolg des Tyrannentums geführt haben. Diese Zusammenhänge zwischen Shakespeares Dramaturgien und aktuellen Entwicklungen aufzuzeigen gelingt dem Autor auf nahezu geniale Weise. Hochinteressant, mit wieviel Fachwissen Greenblatt hier umgeht, wie lesbar es trotzdem aufbereitet ist. Faszinierend und zugleich schlüssig legt er dar, dass sich die eigentliche Seele der menschlichen Gesellschaft in ihrem Inneren seit Shakespeares Zeiten nicht verändert hat. Es bleiben dieselben menschlichen Automatismen, dieselben Ängste, ob begründet oder nicht, dieselben Vorbehalte gegen Fremdes und Neues. Das macht das Werk des großen William so zeitlos und intensiv aktuell. Er wusste, dass sich das Wesen des Menschen nicht ändert. Sehr spannend war für mich, die Intention Shakespeares hinter einigen Dramen zu entdecken. Hier werden Sichtweisen angeboten, die ich so noch nie bedacht hatte.. Eine große Erweiterung meines Shakespeare-Erlebens und auch der Einordnung heutiger diktatorischer Aufkommen. Wer sich also jemals gefragt hat wie es möglich war, dass jemand wie Donald Trump an die die Macht gelangen konnte, der kann bei Shakespeare nachlesen. Oder bei Greenblatt, der dies meisterlich verknüpft. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für die, die sich von der Aktualität von Shakespeares Werk überzeugen möchten - und die entdecken möchten, wie Tyrannen dann letztlich doch an sich selbst scheitern - weil das Schlechte niemals siegen kann. "Shakespeare war überzeugt, die Tyrannen und ihre Günstlinge würden am Ende scheitern, an ihrer eigenen Bösartigkeit und an einem Geist der Menschlichkeit, die sich zwar unterdrücken,aber nie ganz ausrotten lasse." Seite 207

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Shakespeare, Tyrannen und zeitgenössische Politik

Von: Lesereien

06.07.2021

Wie ist es möglich, dass ganze Nationen Tyrannen, Demagogen und Egomanen verfallen? Diese Frage hat sich Stephen Greenblatt unweigerlich vor der Trump-Wahl stellen müssen. Das Buch “Der Tyrann” ist das Ergebnis seiner Überlegungen. Auf eindrückliche Weise zeigt der Literaturwissenschaftler darin, wie zeitlos und allgemeingültig Shakespeares Charakterstudien tyrannischer Herrscherfiguren und die Mechanismen ihres Aufstiegs zur Macht sind. Die Parallelen zu heutigen Machthabern sind allzu offensichtlich, als dass man sie übersehen könnte. Ob eine Figur da Richard III. oder Trump heißt, scheint kaum noch von Bedeutung, denn das, was ihre Persönlichkeiten und ihre Strategien der Machtergreifung auszeichnet, ähnelt sich allzu sehr. Shakespeares Tyrannen sind inkompetent, schamlos und wahnsinnig. Richard III., Macbeth, King Lear, Leantes oder Coriolan sind geistig ungeeignet, Entscheidungen zu treffen. Wahnsinn und Egomanie zeichnen sie aus. Richard sagt über sich selbst: “Oh, ich kann lächeln und beim Lächeln morden”. Die shakespearischen Herrscherfiguren haben das Bedürfnis, sich überlegen zu fühlen. Niemand darf ihnen widersprechen, ihren Befehlen ist Glaube zu leisten, das, was sie behaupten, auch wenn es nicht auf Tatsachen beruht, ist die Wahrheit. Denn: “Wenn der Tyrann träumt, es gebe Betrug oder Verrat, dann gibt es Betrug oder Verrat.” Demagogen wie Jack Cade aus “Heinrich VI.” machen dem Volk darüber hinaus falsche Versprechungen, (“alle solln fressen und saufen auf meine Kosten”) und gründen ihre Anliegen auf der Sehnsucht nach einer besseren und glorreichen Vergangenheit. Es hätte daher kaum überrascht, wenn ‘Make England Great Again’ Cades Wahlspruch gewesen wäre. Doch warum scheint niemand zu sehen, welche gewaltbereite und grausame Männer die Macht an sich zu reißen versuchen? Warum bleiben alle tatenlos und sehen zu? Greenblatt erklärt es mit Richard III. folgendermaßen: “Richard ist für die höchste Machtposition so offensichtlich und grotesk unqualifiziert, dass sie ihn aus ihren Gedanken verbannen. Sie konzentrieren sich stets auf etwas anderes, bis es zu spät ist. Sie erkennen nicht schnell genug, dass das scheinbar Unmögliche wirklich geschieht. Die Struktur, auf die sie sich verlassen haben, erweist sich als unerwartet zerbrechlich.” Die Zerbrechlichkeit von Regierungsformen und Frieden sind für Shakespeare eine Voraussetzung für die Machtergreifung von Tyrannen. Eine weitere sind die Mitläufer, die Kollaborateure, die Befehlsausführer und die, die schweigen und wegsehen. Für alle Shakespeare-Fans, für die, die Shakespeares Zeiten überdauernde Relevanz noch entdecken wollen und für all diejenigen, die an Zeitgeschehen und heutiger Politik interessiert sind, ist das Buch ein Muss!

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Vita

Stephen Greenblatt ist Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Sprache an der Harvard Universität und gilt als einer der angesehensten Forscher zu Shakespeares Werk sowie zu Kultur und Literatur in der Renaissance. Greenblatt ist Autor mehrerer Bücher, u. a. des internationalen Bestsellers »Die Wende« (2012), für den er mit dem National Book Award und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

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Pressestimmen

»›Der Tyrann‹ bietet eine fesselnde Anatomie des Machtmissbrauchs.«

Deutschlandfunk Kultur (29. November 2018)

»Eine elektrisierende Lektüre für Politik-, Geschichts- und Literaturinteressierte gleichermaßen.«

SWR 2 Lesenswert (08. October 2018)

»(...) genau wie in Shakespeares Dramen liegt auch die Stärke dieses Buchs in seiner Offenheit.«

Deutschlandfunk Büchermarkt (03. December 2018)

»(...) was hier mit Bravour gelingt, ist, über den Umweg Shakespeare einen Abstand zu gewinnen zum heißlaufenden Gegenwartsdiskurs, zum Delirium der Affekte.«

Leipziger Volkszeitung (26. September 2018)

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