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Die Kaffeehaus-Saga von Marie Lacrosse: Historischer Hintergrund und leckeres Tortenrezept

Über Kaiserin Sisi

Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, genannt Sisi, war in den Jahren ab 1889, in denen mein Roman „Das Kaffeehaus - Falscher Glanz“ spielt, eine zutiefst neurotische Frau.
Für die Entwicklung ihrer zahlreichen psychischen Störungen von ausgeprägter Magersucht über Zwangsverhalten bis hin zu einer krankhaften Egomanie spielen sicherlich die ersten Jahre ihrer insgesamt sehr unglücklichen Ehe mit Kaiser Franz Joseph eine große Rolle.
All ihre Biografen sind sich darüber einig, dass Sisi als halbes Kind in die Ehe mit Franz Joseph hineinstolperte, ohne die geringste Vorstellung davon zu haben, was dies für sie bedeuten würde. Zweifelsohne litt Sisi in den ersten Jahren unter dem strengen Hofzeremoniell und der Herrschsucht ihrer Schwiegermutter. Dennoch wehrte sie sich von Anfang an auch gegen einige uralte Hoftraditionen: Sie weigerte sich, ihre Schuhe nach einem Tag des Tragens zu verschenken oder Handschuhe bei festlichen Diners anzubehalten. Ganz wehrlos war sie also schon damals nicht.
Möglicherweise haben die späteren Brüche in ihrer Persönlichkeit jedoch auch schon Wurzeln in der Zeit vor ihrer Heirat. So wird Sisi zwar eine unbeschwerte Kindheit im Schoß ihrer Familie in Possenhofen am Starnberger See bescheinigt. Ein positi-ves Vorbild für ihre eigene Ehe hatte sie in der ihrer Eltern jedoch auf gar keinen Fall. Diese wurden gegen ihrer beider Willen zu einer Heirat gezwungen und blieben trotz ihrer vielen Kinder dauerhaft unglücklich miteinander. Dass dies spurlos an Sisi vorbeigegangen sein soll, wage ich als Psychologin zu bezweifeln.
Ebenso bleibt es mir ein Rätsel, warum Sisi vorgeblich derartig unbedarft in ihre neue Rolle hineintappte. Immerhin war ja ihre ältere Schwester Helene als Braut für Franz Joseph vorgesehen. Dass man sich in ihrer Familie also gar nicht mit den Pflichten einer zukünftigen Kaiserin von Österreich befasst haben sollte, wage ich zu bezweifeln. Zumal ihre Schwiegermutter ja gleichzeitig auch ihre Tante, also die Schwester ihrer Mutter, war und etliche Monate zwischen ihrer Verlobung mit Franz Joseph und ihrer Heirat im folgenden Jahr lagen.
Deshalb glaube ich persönlich, dass einige Gründe für Sisis spätere neurotische Störungen bereits in den Jahren vor ihrer Heirat liegen. Wieso verhielt sie sich gegenüber ihren beiden älteren Kindern Gisela und Rudolf als eine so lieblose Mutter, wenn sie selbst doch angeblich eine glückliche und behütete Kindheit erlebte? Wieso zog sie ihnen, selbst eines von zehn Geschwistern, ihre jüngste Tochter Marie Valerie so demonstrativ vor?
Und willensstark war sie zweifellos: Schon sehr früh entzog sich Sisi vielen repräsentativen Pflichten bei Hofe und schaffte es irgendwie, bei ihrem ansonsten erzkonservativen Gatten regelrecht Narrenfreiheit für ihre zahlreichen Allüren zu genießen.
Meine fiktive Sophie von Werdenfels lasse ich als ihre Promeneuse an einer Reihe der historisch belegten Marotten Sisis in ihrem letzten Lebensjahrzehnt teilhaben. Und obwohl mir die Kaiserin im Laufe meiner Recherchen immer unsympathischer wurde, ist sie auch eine tragische Figur. Hätte sie ihre zweifellos vorhandenen hohen Geistesgaben, kombiniert mit ein wenig jener Herzlichkeit, die sie selbst so stark vermisste, kontinuierlich für das Wohl ihrer Familie und ihrer Völker eingesetzt, hätte sie viel Gutes bewirken können.
Gleichzeitig ist sie auch ein Beispiel für die Kraft des Marketings: Sie inszenierte sich so geschickt als schönste Frau Europas, dass sie bis heute von vielen Menschen verklärt wird. Auf eine Weise, die mit der wahren Elisabeth von Österreich kaum etwas zu tun hat…

Über die kaiserlich-königliche Armee

Nicht umsonst habe ich dem zweiten Band meiner Kaffeehaus-Trilogie den Untertitel „Falscher Glanz“ gegeben. Denn wohin man auch immer schaut, der Schein unterscheidet sich sehr krass vom Sein. Dies gilt auch für die hochgelobte und über alles verehrte Armee.
Dass sich ein Offizier Seiner kaiserlichen Majestät viele Freiheiten herausnehmen durfte, die Normalsterblichen nicht zugestanden wurden, ist dabei nicht einmal außergewöhnlich. Dass es jedoch einen derart drastischen Missbrauch der Macht gegenüber Untergebenen, vor allen Dingen gegenüber den Wehrpflichtigen, gab, wie ich es in meinem Roman schildere, ist erstaunlicherweise erst ein Ergebnis der allerjüngsten Forschung. Es dauerte bis zum Beginn des letzten Jahrzehnts, bis sich Wissenschaftler mit Lebensberichten und Augenzeugenschilderungen von Rekruten der k.u.k. Armee zu beschäftigen begannen.
Misshandlungen der schlimmsten Art bis hin zum Sadismus, Unterschlagungen und extreme Pflichtverletzungen vorgesetzter Offiziere waren in jedem Teil der Truppen an der Tagesordnung. Anders als in meinem Roman, wo ich den fiktiven Richard von Löwenstein im Auftrag des Heerführers, Erzherzog Albrecht, mit der Aufklärung dieser Missstände und der Bestrafung der Schuldigen betraut habe, geht aus allen mir bekannten Augenzeugenberichten kein einziges Mal hervor, dass das Unrecht, das man den einfachen Soldaten antat, jemals gesühnt wurde.
Interessanterweise stammen viele dieser Zeitzeugenberichte sogar aus den Jahren nach meinem Roman. Die Zustände, die ich im Buch beschrieben habe, herrschten also bis zum Ersten Weltkrieg! Die Wissenschaftler sind außerdem der Überzeugung, dass es sich dabei nur in einer Hinsicht um Ausnahmen handelt: Die wenigsten, denen solches Unrecht geschah, hinterließen für die Nachwelt darüber schriftliche Informationen.

Über die sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts

Dass es in Österreich sogar noch schlimmer zuging als im Deutschen Reich, habe ich bereits im dritten Band meiner Weingut-Trilogie beschrieben. Damals habe ich mich besonders auf die entsetzlichen Wohnverhältnisse konzentriert, die vor allen Dingen durch das extreme Wachstum der Wiener Bevölkerung binnen weniger Jahrzehnte verursacht wurden.
In Band 2 meiner Kaffeehaus-Trilogie werfe ich auch einen Blick auf die Arbeitsbedingungen der österreichischen Arbeiterschaft. Ein besonders extremes Beispiel sind die Arbeitsverhältnisse der Wiener Tramway-Kutscher, deren Streik um einen gerechteren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen im Jahr 1889 ich ausführlich beschrieben habe. Aber auch das schreckliche Schicksal der böhmischen Ziegelarbeiter, die die Steine für die neuen Paläste an der Ringstraße herstellten, lasse ich nicht unerwähnt.
Zwei Aspekte haben mich dabei besonders beeindruckt bzw. sogar erschüttert:
In Österreich gab es eigentlich schon seit Mitte der 1880er Jahre fortschrittliche Arbeitsgesetze, allen voran den gesetzlich festgelegten 11-Stunden-Tag. Doch die Einhaltung dieser Gesetze wurde offensichtlich noch weit weniger kontrolliert als die Einhaltung der Arbeitsgesetze im Deutschen Reich. Erhoben sich die Arbeiter jedoch gegen diese permanente Verletzung ihrer sogar vom Staat zugesicherten Rechte, setzte die Regierung nach Art schlimmster Diktaturen das Militär ein, um Streiks und damit verbundene Aufstände blutig niederzuschlagen.
Tragisch mutet es dagegen für mich an, dass es tatsächlich häufig jüdische Fabrikanten oder Mehrheits-Gesellschafter großer Firmen waren, die diese Ausbeutung ihrer Untergebenen gnadenlos betrieben. Wenige jüdische Großbürger wurden daher zum Vorwand für einen derart ausgeprägten Antisemitismus, vor allem bei den kleinen Leuten, dass er mich in seiner Ausgestaltung in vielen Aspekten schon an die Nazi-Zeit erinnert. Wobei sich Adolf Hitler deren führende antijüdische Protagonisten später tatsächlich zum Vorbild nahm.
Dabei ging schon für viele Menschen in der damaligen Zeit leider verloren, dass es in jeder Volksgruppe schlechte Ausnahmen von der Regel gibt. Aber auch hervorragende positive Persönlichkeiten wie den jüdisch-stämmigen Begründer der Sozialdemo-kratischen Partei Österreichs, Dr. Victor Adler, dessen selbstlosem Kampf um menschenwürdige Arbeitsbedingungen ich in diesem Buch ein kleines Denkmal setzen möchte.
Mehr Raum widme ich dem Thema Antisemitismus dann im dritten Band meiner Trilogie.

Das Kaffeehaus - Falscher Glanz

Marie Lacrosse

Die junge Sophie von Werdenfels tritt ihre Stelle als Kaiserin Sisis Hofdame an. Doch im Hofstaat hat sie es schwer. Insbesondere die Gräfin Marie Festetics, Sisis Favoritin, verfolgt jeden ihrer Schritte mit Eifersucht und Argwohn. Sophie erlebt das vordergründig glamouröse, hinter den Kulissen jedoch zutiefst intrigante Leben am Kaiserhof mit. Als Hofdame muss sie auch an der Hochzeit ihrer großen Liebe Richard mit Amalie von Thurnau teilnehmen. Als sie selbst gegen ihren Willen mit einem viel älteren Adeligen verheiratet werden soll, flieht sie vom Hof ins Kaffeehaus ihres mittlerweile schwer kranken Onkels. Peu à peu übernimmt sie dort die Leitung ...

Erscheint am 13. April 2021

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