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Wir Gotteskinder

Roman

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»Eine mutige Neuerfindung der Einwanderungserzählung, verführerisch, poetisch ... beispiellos.« Taiye Selasi

Maya Mensah ist im deutschen Exil täglich damit konfrontiert, anders zu sein. Auch ihre Eltern sind anders. Ihr Vater ist ein scheuer Intellektueller, und ihre schöne Mutter liebt es, das Geld mit vollen Händen auszugeben und an ihre königliche Abkunft zu erinnern. Doch wenn Maya in der Schule von ihrer glanzvollen Familie erzählt, wird sie verspottet. Beistand leistet ihr einzig ihr Cousin Kojo. Maya ist fasziniert von seinen farbenprächtigen Erzählungen aus Ghana, an das sie sich kaum erinnern kann. Sie klingen für sie wie Märchen, die mythisch und wirklich zugleich scheinen, und öffnen ihr den Blick: für ein Land, das seine Seele nach all den Jahren der Kolonialzeit erst wiederfinden muss, für ihre entwurzelten Eltern — und endlich erkennt sich Maya als Teil dieser Geschichte.

Poetisch, fesselnd, faszinierend — » Wir Gotteskinder« ist wahre Weltliteratur und eine Hymne an das Geschichtenerzählen als verbindendes Glied zwischen den Kulturen.

»Eine mutige Neuerfindung der Einwanderungserzählung, verführerisch, poetisch ... beispiellos.«

Taiye Selasi (20. März 2020)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke
Originaltitel: The Godchild
Originalverlag: Bloomsbury, London 2019
Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-328-60146-3
Erschienen am  13. April 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Königreiche aus kunstvoll neuer Perspektive gesehen

Von: Kate Rapp

02.05.2021

Dies könnte ein Märchen mit einer Prinzessin und dem König eines wundersamen, verschollenen Reiches sein. Doch was nach Fantasy klingt, ist die bittere Realität kolonialer Aneignung aus einer ganz neuen, frischen Perspektive erzählt: Maya wächst in Deutschland auf, ihre Eltern Stipendiaten aus Ghana, die kamen und blieben, nachdem das Königreich ihres Großvaters mütterlicherseits in Afrika verloren gegangen war. Mayas deutscher Alltag ist verwoben mit den Geschichten und Mythen, die ihre Mutter erzählt, und dem Bewusstsein einer seltsamen Gabe. „Ein Gotteskind, das das Flüstern des Universums deutlicher hören konnte als den Lärm der Welt ringsum, deutlicher als die Stimme der Ahnen oder sogar der Geschichte. Sie oder er reiste durch die Zeiten und rückte auf jeder Etappe zurecht, was früher falsch gelaufen war.“ Poetisch beschreibt sie ihr Anderssein in Deutschland, die kulturellen Unterschiede und ihre Ambivalenz gegenüber dem selbstbewussten Auftreten ihre Mutter, die als afrikanische Prinzessin Respekt erwartet, wo ihr Misstrauen und Unverständnis entgegen schlagen. „Sie redete und lachte und wedelte mit den Händen, und alle sahen sie an, als hätte sie all die kleinen Lämpchen aus ihren Laternen genommen und für sich vereinnahmt, und ich wünschte mir, dass sie manchmal einfach as Licht ausknipsen würde.“ Dieser Stolz darauf, Afrikanerin zu sein, wird ihr abgesprochen, Ablehnung, Empörung und Herablassung bestimmen die Tonart der anderen Mütter. Maya wird als Lügnerin beschimpft, denn ihre Hautfarbe verleitet die Freundinnen dazu, sie als armes Flüchtlingskind zu sehen und nicht als selbstbewusste Enkelin eines Königs. Missverständnisse sind an der Tagesordnung, und sie wünscht sich nichts sehnlicher als „diese Schlichtheit, wie ich auch die durchsichtige Klarheit von Robert McNallys Haut durchdringen und mich dort widergespiegelt sehen wollte.“ Ein Friseurbesuch wird zum Initiationsritus, ein Umzug nach England nach der Trennung der Eltern führt zu der überraschenden neuen Erkenntnis, dass die Lebens-Realität im Königreich der ehemaligen britischen Kolonialherren nichts anderes als die eines langweiligns, feuchten Drittweltlands ist. Ihr Cousin Kojo entwickelt die Idee einer neuen Geschichtsschreibung ohne die eurozentristische Perspektive der ehemaligen Kolonialstaaten und die Idee, ihrem Land dienen zu müssen, verankert sich tief in Mayas Selbstverständnis. In ihr lodern ein gewisses Sendungsbewusstsein und die Fragen nach Abstammung, Wurzeln, dem eigenen Königreich. Sie erkennt, dass Kultur und Tradition, Geschichte und Geschichten die Identität nicht nur einer Person sondern eines ganzen Landes ausmachen. Wenn diese abgesprochen wird und fehlt, gehen Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl, Familie verloren. Goethes Idee einer Weltliteratur scheint Maya vielversprechend, unter der Voraussetzung, dass alle Geschichten der Welt vergleichbar wären, und berücksichtigt werde, „dass einige widerrechtlich angeeignet oder für primitiv erklärt worden waren; oder dass einige geschrieben, andere erzählt oder getrommelt worden waren; oder dass manchmal die Veränderung von Farbe, Ton und Rhythmus ein Überschreiten von Grenzen beeinflusste, wie diese Geschichten bei ihrer Ankunft aufgenommen wurden.“ Doch Kojo, der versucht am modernen Ghana mitzuwirken, stirbt bei einem Autounfall und kurz darauf erliegt Mayas Mutter einem Schlaganfall. Dennoch gibt Maya ihre Vision nicht auf und sucht nach Verbündeten im Kampf um die Rückgabe kolonialer Beutekunst und für ein großes Afrikanisches Museum. „Unser äußerst wichtiges Schwert, unsere Krone, unser Königsschemel - die ganzen Schlüssel zur Macht unseres Königreichs - rotten vor sich hin in den Verliesen von Museen und Sammlern, irgendwo in Abrokyere, ohne dass man von ihrem spirituellen Wert weiß. Und du wunderst dich, dass unsere Macht geschwunden is? Dass unser Land sich in den eigenen Schwanz beißt?“ Mit dem Trick, mit der zunächst naiven, in Deutschland sozialisierten Perspektive der kindlichen Maya zu beginnen und Kojos Bemühungen, ihr die afrikanischen Perspektiven und Codes nahezubringen, wendet sich die Autorin indirekt an die Leser*innen, klärt uns auf und zieht uns in die Geschichte hinein. In diesem anspruchsvollen Roman ist das allmähliche Aufkeimen eines afrikanischen Selbstbewusstseins, der Stolz auf die Tradition und die Notwendigkeit einer Rückgewinnung der historischen Deutungshoheit sowie der geraubten Kultur in eine anrührende Coming of Age Geschichte verpackt. Da zwischen den Zeilen so viel Ungesagtes mitschwingt, quasi die alten Seelen atmen, die Geschichten sich verändern und vermehren, ist es keine leichte Lektüre. Es ist ein kunstvolles, etwas künstliches Buch über die Verschränkung postkolonialen Lebens mit präkolonialer Kunst und es ruft uns alle dazu auf, uns mit den Versäumnissen unserer Ahnen auseinanderzusetzen. Mayas Mutter und Kojo geben ihrer Erzählung Timbre, Ton und Thema, sind gleichsam Refrain und wiederkehrendes Motiv. Ein aufregendes Plädoyer, Afrika nicht auf seine Defizite zu reduzieren, sondern seine Tradition, Kunst und Kultur als gleichwertig und ebenso identitätsstiftend für seine Bewohner anzuerkennen, wie Jane Austens Romane für die Engländer oder Goethes Gedichte für uns Deutsche.

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Vita

Nana Oforiatta Ayim, geboren und aufgewachsen in Deutschland, ist die Enkelin des Königs der ghanaischen Region Akyem Abuakwa. Sie studierte Afrikanische Kunstgeschichte, arbeitete für die UN in New York und ist heute weltweit v.a. als Kunstvermittlerin und Kuratorin, aber auch als Filmemacherin tätig. »Okay Africa« zählt sie zu den »12 wichtigsten Frauen aus Afrika, die Geschichte schreiben«. Sie gehört auch zu den »Apollo 40 unter 40« und damit zu »den talentiertesten und inspirierendsten jungen Personen, die die Kunstwelt heute voranbringen«. 2019 verantwortete sie den ghanaischen Pavillon auf der Biennale von Venedig. »Wir Gotteskinder« ist ihr hochgelobter Debütroman. Sie lebt in Accra/Ghana.

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Reinhild Böhnke

Reinhild Böhnke, geboren 1944 in Bautzen, hat in Leipzig Germanistik und Anglistik studiert. Sie übersetzt seit 1971 aus dem Englischen und hat den sächsischen Übersetzerverein »Die Fähre« mitbegründet. Seit 1998 übersetzt sie u.a. die Werke von J.M. Coetzee ins Deutsche. 2004 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und 2015 das Barthold-Heinrich-Brockes-Stipendium.

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Pressestimmen

»Schwindelerregend, faszinierend und fesselnd ... Ein klassischer Entwicklungsroman, der zugleich ein besorgtes Bild von der Geschichte Ghanas entwirft und den psychischen Verwerfungen im Exil.«

Daily Mail (20. März 2020)

»Bahnbrechend und bewundernswert ... Nana Oforiatta Ayim ist geschickt darin, die Angst eines Kindes einzufangen, dessen Wunsch nach Zugehörigkeit dadurch verstärkt wird, dass es in einer Welt lebt, in der Schwarzsein und Afrika nicht wertgeschätzt sind … Bücher wie ›Wir Gotteskinder‹ haben das Potenzial, die Weltliteratur zu bereichern und, in John Bergers Worten, neue Sichtweisen zu bieten.«

The Guardian (20. März 2020)

»Ein faszinierendes Debüt! Von Geschlechterpolitik bis zum Leben als junge schwarze Immigrantin in Europa, die zentralen Themen werden durch lebendige Charaktere und üppige Details belebt. Der lyrische Prosastil zieht den Leser von Anfang an in seinen Bann... Schillernd, detailliert und vielfältig in seinen Themen, seiner Prosa und Beschreibung.«

The Irish Times (20. März 2020)