Unsere Nominierungen für den Deutschen Buchpreis 2022

Nebenan

Kristine Bilkau

Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht.

Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit.

»Was für ein feines Buch! Es entspinnt sich um ein verlassenes Haus in einem Dorf am Nord-Ostsee-Kanal und entfaltet einen so einnehmenden Sog, dass es man es vermisst, sobald man es aus der Hand legt.«

Daniel Schreiber (17. März 2022)

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Leserstimmen

Wünsche, nicht Träume

Von: Büchermoni
22.09.2022

In die Idylle einer kleinen Stadt am Nord-Ostseekanal scheint für Julia, Ende dreißig, der Kinderwunnsch zu platzen. Und während sich bei Julia die Gedanken um Schwangerschaft und Älterwerden drehen, hat Astrid, Anfang sechzig, Ärztin im Ort, ganz andere Sorgen. Wer schreibt die bösen Drohbriefe, die sie so belasten. Beide Frauen kennen sich nicht. Doch beiden fällt auf, dass eine Familie verschwunden ist.

Auf besondere Weise verwirbt Kristine Bilkau das Leben und die Schicksale der beiden Frauen, die sich dennoch nie so richtig begegnen. Zwei sympathische Frauenfiguren, denen man von Herzen wünscht, dass sie glücklich werden.

Mir hat das Buch sehr gefallen. Die Autorin hat einen besonderen fast poetischen Schreibstil, der auch bei vielen offenen Fragen, das Buch nicht langweilig werden lässt.

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Winterküste

15.09.2022

Es ist kurz nach Weihnachten, müssten die Ferien nicht langsam vorbei sein? Julia fällt auf, dass sie die Nachbarn schon länger nicht gesehen hat. Sie selbst und ihr Mann wohnen noch nicht lange in dem kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal. So gut kennt sie die Familie nebenan auch nicht. Dann taucht jedoch ein fremder Junge auf dem Grundstück auf, der jemanden zu suchen scheint. In der Kreisstadt betreibt Astrid eine Arztpraxis, schon seit einiger Zeit überlegt sie, die Praxis abzugeben. Allerdings ist ein Nachfolger nicht leicht zu finden. Schwimmen ist ihr großes Hobby und gerne kümmert sie sich um ihre Tante Elsa.

Wieder kann man froh sein über die Auswahl, die die Jury für die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022 getroffen hat. Beim Erscheinen ist dieser kleine Roman nicht so aufgefallen. Umso schöner, dass das Leben in einer Nachbarschaft auf dem Land nun doch noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Es findet ein Wechsel im Ort statt, Alteingessene sterben, ihre Kinder hat es in die Welt gezogen und die Neuen bleiben häufig für sich oder unter sich. Und dennoch gibt es Begegnungen und Begebenheiten. Menschen versuchen, ihre Träume zu erfüllen, ihr Leben zu leben oder sich Neuem zu öffnen.

Ruhig und melancholisch kann der Roman auf den Leser oder die Leserin wirken. Dennoch wird man gefangen genommen von dem kleinen Ort in Norddeutschland. Man spürt die Veränderungen, die die Zeit gebracht hat. Besonders die Kreisstadt ist wohl mit vielen Kreisstädten vergleichbar, Leerstand und Tristesse herrschen vor und wenig kann getan werden, um dies zu ändern. Und doch strahlt die Handlung eine gewisse Wärme aus, nach der Vereinzelung ein langsames Herantasten an den Nächsten. So Mittendrin hört es auf, dass man geneigt ist, sich die Entwicklungen in dem kleinen Dorf selbst weiterzudenken. Und so ist es wohl das Leben, es fließt dahin immer weiter. Man kann nichts bis zum Schluss erzählen, weil es einen Schluss in dem Sinne garnicht gibt.

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Aufruhr der Meerestiere

Marie Gamillscheg

Luise ist klug, Luise ist unabhängig, Luise ist eine Insel. Als Meeresbiologin hat Luise sich einen exzellenten Ruf erarbeitet, ihr Spezialgebiet: die Meerwalnuss, eine geisterhaft illuminierte Qualle im Dunkel der Ozeane. Als Luise für ein Projekt mit einem renommierten Tierpark nach Graz reisen soll, zögert sie nicht lang. Doch Graz, das ist auch ihre Heimatstadt, das ist die Wohnung ihres abwesenden und plötzlich erkrankten Vaters. Und das ist die Geschichte einer jahrelangen Sprachlosigkeit und Fremdheit zwischen ihnen.

Soghaft und strömend erzählt Marie Gamillscheg von der allmählichen Befreiung aus den Zwängen der eigenen Kindheit, des eigenen Körpers und aus den Gesetzen, die andere für einen gemacht haben. Es ist zugleich der Versuch, die Unmöglichkeit einer Beziehung zu erfassen: zwischen Mensch und Tier, Mann und Frau, Vater und Tochter.

»Marie Gamillschegs Roman ›Aufruhr der Meerestiere‹ rüttelt an unserem einseitigen Blick auf unseren Platz in der Welt.«

Anne Jeschke / ZEIT ONLINE (07. März 2022)

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Leserstimmen

Invasive Arten

19.09.2022

#bücherliebesbriefe
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich dich ausgelesen habe. Es fällt mir nicht leicht, dich in kurzen Sätzen auf den Punkt zu bringen, aber die Themen, die du verhandelst, schwirren mir dann doch die ganze Zeit im Kopf umher. Du bist komplex, bist verschachtelt. Und zutiefst feministisch. Die inhaltliche Fülle, die du anbietest, wird wohl so manches Mal kritisiert – ich sehe darin eine große Stärke.

Diese deine Geschichte um Meeresbiologin Luise, eine Expertin auf dem Gebiet der lumineszierenden Rippenquallenart mit dem Namen Meerwalnuss, ist nicht nur eine simple Analogie zwischen Mensch und Tier, nein, sie stellt die für uns essenziellen Fragen in den Raum: Fragen nach Zugehörigkeit, nach Anpassung, nach Grenzen und den Mechanismen ihrer Etablierung. Die Rückkehr in ihre Heimatstadt Graz zwingt Luise dazu, sich mit ihrer Vergangenheit, wie auch ihrer Zukunft auseinanderzusetzen. Über ihr Ist, wie auch über ihr Soll nachzusinnen. Dass das nicht immer leicht ist und häufig in diffusen Assoziationen mündet, spiegelst du mit deiner sehr besonderen Sprache. Marie Gamillscheg ist eine scharfsinnige Beobachterin menschlichen Verhaltens und schafft es, bestehende Machtverhältnisse und das Ausfechten um Deutungshoheit gekonnt in Szene zu setzen.
So bist du nicht zuletzt auch ein sehr politisches Buch, das mich anregt, mit den eigenen Positionen und Überzeugungen kritisch auseinanderzusetzen. Die Meerwalnuss wird als invasive Art bezeichnet – ihr wird damit vorgeworfen, in für sie nicht vorgesehene Lebensräume einzudringen und Schaden zu verursachen. Aber wer bestimmt eigentlich darüber, wer als invasiv zu gelten hat?

„Stell dir vor, sagte das andere Mädchen, alle Menschen auf der Flucht. Wenn das Wasser kommt, wird es keine Grenzen mehr geben, und bald wird niemand mehr sagen können, zu welchem Land jemand gehört. Alles, was einen noch ausmacht, ist Wasser. Alles ist Wasser.“ (S. 189)

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Emotional und berührend

01.07.2022

Klappentext
Soghaft und strömend erzählt Marie Gamillscheg von einer jungen Meeresbiologin, einer geisterhaften Qualle im Dunkel der Ozeane und einer unmöglichen Vater-Tochter Beziehung. Ein abgründig spielerischer Roman über die Unsicherheit des Erwachsensein, die Suche nach Nähe und Gemeinschaft, über das dünne Eis der Selbstbehauptung.

Cover
Das Cover ist wirklich toll, die bunten Farben sprechen mich total an.

Schreibstil
Der Schreibstil ist angenehm und hat mich sofort gefesselt und mitgezogen.

Inhalt/Rezension
Luise darf für ein Projekt in ihre Heimatstadt Graz reisen. Doch dort erwartet sie ihr Vater, zu dem sie keinen guten Draht hat. Sie erlebt eine Kindheit, die nicht sehr einfach ist. Das Verhältnis zu ihren Eltern ist gestört, ihre Mutter ist kaum für sie da und ihr Vater zeigt ihr ein fragwürdiges Bild von sich. Luise entwickelt eine Essstörung, die sie sehr lange begleitet und zieht sich immer mehr zurück.
Die Autorin schafft es gekonnt, die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen zu lassen und man ist gefesselt und betroffen.
Ich habe beim Lesen oft darüber nachgedacht, wie wichtig die Eltern als Vorbild sind und was der Umgang mit den Kindern ausmacht.
Die Geschichte hat mich sehr berührt und emotional aufgewühlt.

Fazit
Ein Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Zum Buch
Autorin: Marie Gamillscheg
Preis: 22 Euro
Verlag: Luchterhand
Buchlänge: 304 Seiten

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