Ein fesselnder, historischer Roman über die Anfänge der Frauenbewegung

Kopenhagen 1885: Nelly und Marie arbeiten in der größten Weberei Kopenhagens. Bei einem Unfall am Webstuhl verletzt sich Marie schwer. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gibt das Verhalten der Verantwortlichen Rätsel auf. Nelly steht mit einem schweren Verdacht alleine da und erzählt nicht einmal ihrem Geliebten Johannes davon. Dessen Schwester Anna kommt zur selben Zeit aus Jütland nach Kopenhagen. Und ist schockiert, wie brutal und ungerecht das Leben in der großen Stadt ist. Furchtlos nimmt sie den Kampf auf und setzt einen Meilenstein in der Geschichte Dänemarks.

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Die mutigen Frauen von Kopenhagen

18.06.2021


Kopenhagen 1885

Mit Nelly erleben wir die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der größten Weberei Kopenhagens. Ihre Schwägerin Marie erleidet dort einen schweren Arbeitsunfall. Als Nelly bemerkt dass man den Arbeitsunfall vertuschen möchte, versucht sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Doch sie stößt auf taube Ohren. Man behauptet Marie wäre an dem Unfall selbst schuld und verweigert der dreifachen Mutter jegliche Hilfe. Nelly verliebt sich in den Jüten Johannes. Die Stunden mit ihm will sie unbeschwert verbringen. Sie erzählt ihm nicht, was in der Weberei passiert ist. Unter sehr mysteriösen Umständen lernt Johannes Schwester Nelly kennen. Anna ist entsetzt, ob der der Ungerechtigkeiten in der Großstadt. Bettelarm und auf sich allein gestellt, setzt sie sich in Kopenhagen durch.


Meine Meinung


Ich bin total begeistert, von diesem spannenden historischen Roman. Er hält uns vor Augen, auf welch hohem Niveau wir heute jammern, ob der Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben. Zwei Frauen zeigen uns, wie gut wir es (bisher) immer noch haben. Nelly und Anna verdanken wir viel. Sie haben couragiert gehandelt und sind mit dafür verantwortlich, dass wir heute wesentlich bessere Arbeitsbedingungen genießen. Dabei hätten beide Frauen einen viel leichteren Weg einschlagen können. Sie haben gekämpft, für Menschen die ihnen am Herzen liegen. Anna hätte reich heiraten können und sich aller Sorgen entledigen. Nelly einfach die Augen schließen, vor den Ungerechtigkeiten in der Weberei.


Diese Geschichte hat mich richtig mitgenommen. Was Johann unschuldig im Gefängnis erleiden muss, ist einfach unfassbar. Leider war das zu dieser Zeit keine Seltenheit. Anständige Frauen wurden aus Not *Öffentliche Frauen!* Menschen wurden für Verbrechen verurteilt, die sie nicht begangen haben. Einzig positiv fand ich die Tatsache, dass Todesstrafen seltener verhängt wurden und in *Lebenslang* umgewandelt. Was jedoch nur dann von Vorteil war, wenn es jemanden gab, der um die Rechte der Inhaftierten gekämpft hat.

Ich würde sehr gerne mehr erzählen. Damit würde ich Euch aber die Freude und Spannung am Lesen nehmen. Und die werdet Ihr haben. Versprochen!

Fazit


Unmenschliche Zustände in Gefängnissen.
Brutale Arbeitsbedingungen bei geringem Lohn.
Für viele Menschen keine anständige medizinische Versorgung.

Das alles erlebt man in diesem spannenden Roman, der im 19. Jahrhundert spielt. Mutige Frauen, die aktiv werden und ihre Stimme erheben, haben uns Frauen heute den Weg geebnet. Der magische Schreibstil hat Geschehen und Personen zum Leben erweckt. Die Geschichte enthält einige Krimi-Elemente.

Für mich ein absolutes Highlight. Vielen Dank Gertrud Tinning.

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Reise in die Vergangenheit

Von: Monika
17.06.2021

Das Buch beschreibt sehr ausführlich das Leben in der Stadt und am Land um 1885. In der Tuchfabrik Rubens arbeiten hauptsächlich Frauen unter Bedingungen die uns heute unvorstellbar erscheinen. Der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen wird durch einen Kriminalfall und Liebesbeziehungen zu einer fesselnden Reise in die Vergangenheit. Ein spannendes Buch für alle die gerne historische Romane lesen.

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Gertrud Tinning
© Tine Harden

Gertrud Tinning berichtet:

Mein Weg als Autorin

Ich war wahrscheinlich das Kind in unserer Stadt, das die meisten Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen hat. Auch heute lese ich immer noch sehr viel - gefühlt die ganze Zeit. Während meines Studiums, verbrachte ich ein Auslandsjahr in Kolumbien, um für meine Masterarbeit Feldstudien durchzuführen. Die Gebäude in der Gegend, in der ich gewohnt habe, stammten noch aus der Kolonialzeit. Das Haus, in dem ich ein Zimmer gemietet hatte, war Teil eines Komplexes mit noch anderen alten Häusern, und dort lebten unzählige skurrile, seltsame Leute. Ich begann, die Eigenheiten der Menschen und die besonderen Geräusche dort festzuhalten. Richtige Geschichten habe ich allerdings erst geschrieben, als ich einen Job bei der UN bekommen habe und ich mit meiner Familie nach Kenia gezogen bin. Meine älteste Tochter war damals zwei Jahre alt, wir hatten nur wenige Kinderbücher für sie mitgenommen und die Auswahl an Büchern, die wir in Kenia für sie finden konnten, war eher spärlich – so musste ich anfangen, Geschichten zu erfinden. Als ich später nach Sri Lanka versetzt wurde, habe ich damit weitergemacht mir Geschichten auszudenken – aber nun mit mehr Wünschen und Ideen von meiner Tochter. Wir gingen wieder nach Dänemark zurück und als ich dann wieder in Mutterschutz mit meiner zweiten Tochter war, fing ich an einige der Geschichten zu Papier zu bringen. Eine davon sendete ich an einen Verlag, der das Manuskript zwar nicht veröffentlichen wollte, mir aber vorschlug, mich bei der „Writer’s School for Children’s Literature“ zu bewerben. Das tat ich dann und wurde zugelassen. So kam es, dass ich plötzlich einen Vollzeitjob und zwei kleine Kinder hatte. Es wurde immer schwieriger, Zeit zum Schreiben zu finden. Also bin ich früh morgens aufgestanden und habe geschrieben, was ich bis heute so beibehalten habe.

Im Gespräch mit Autorin Gertrud Tinning über Feminismus, die Arbeiterbewegung und deren Ursprünge in Dänemark

Was hat Sie dazu inspiriert, diesen Roman zu schreiben? Haben Sie eine persönliche Verbindung zu der Geschichte?

Gertrud Tinning: Ich bin Dozentin an einer Hochschule in Dänemark mit Studierenden aus der ganzen Welt. Diese sagen oft, dass ich so viel Glück habe, dass es hier so ein großartiges Sozialsystem und gute Gehälter gibt. Wenn ich sie allerdings frage, warum das so ist, haben sie keine Ahnung. Viele wissen nicht, was eine Gewerkschaft ist und dass ein Sozialsystem nicht einfach so entsteht, sondern das Ergebnis langjähriger Streiks, Aufstände und Demonstrationen ist. So kam mir die Idee, einen Roman über diese Bemühungen zu schreiben und darüber, wie hart Frauen um ihre Rechte kämpfen mussten.
Ich habe zwar keine Tante oder Großmutter, die in Rubens Tuchfabrik gearbeitet hat, aber ich bin 62 Jahre alt und wie bei vielen Dänen ist es auch bei meiner Familie nicht allzu viele Generationen her, dass sie arm war. Mein Großvater mütterlicherseits war ein schwedischer Forstarbeiter ohne große finanzielle Mittel, der sich das Ticket nach Amerika nicht leisten konnte und deshalb nach Dänemark auswanderte. Mein Großvater väterlicherseits war der erste in seiner Familie, der eine Ausbildung absolvierte – was nur deshalb möglich war, weil er abends nach der Arbeit dafür lernte. Eine weitere Generation verging, bevor die Frauen in der Familie eine höhere Ausbildung als die Grundschule erhielten.

Anna Lindenbaum organisierte den ersten Arbeiterinnenstreik bei Rubens und ist die reale Grundlage für Ihre Protagonistin Anna Christensen. Wann sind Sie auf Anna Lindenbaums Geschichte und die Fabrik Rubens gestoßen?

Gertrud Tinning: Ich suchte nach einer Fabrik in Kopenhagen, in der in den 1880er Jahren viele Frauen beschäftigt waren. Die Tuchfabrik Rubens war das Unternehmen, das zu dieser Zeit die meisten Frauen angestellt hatte, und da dort auch der erste große Frauenstreik stattfand, hatte ich keine Zweifel, dass hier die Handlung des Buches spielt. Auf Anna Lindenbaum bin ich gestoßen, als ich gerade mit meiner Recherche anfing, aber nirgendwo konnte ich mehr als eine gelegentliche Erwähnung von ihr finden.

In Ihrem Buch ist auch die Schere zwischen Arm und Reich ein großes Thema. Wie viel hat sich hierbei bis heute tatsächlich in Dänemark geändert?

Gertrud Tinning: Seit 1885 – das Jahr, in dem auch Die Frauen von Kopenhagen beginnt –, ist viel passiert. Die Arbeiterinnen und Arbeiter organisierten sich selbst, und am Anfang ging es erst langsam voran. Allmählich jedoch wurden bessere Löhne und Arbeitsbedingungen ausgehandelt. 1907 wurden unter anderem Arbeitslosenfonds von den Gewerkschaften eingerichtet und verwaltet – diese allerdings wurden vom Staat unterstützt. 1930 konnte ein Arbeitnehmer ein halbes Jahr lang Arbeitslosengeld erhalten. Vor 25 Jahren war Dänemark im westlichen Raum das Land, in dem die geringste Ungleichheit bestand. Dies hat sich jedoch ein wenig geändert, seit wir 2001 die erste neoliberale Regierung erhalten haben.

Dänemark zählt mittlerweile zu den Ländern mit den besten Arbeitsbedingungen (vor allem auch für Frauen). Hat die Frauenarbeiterbewegung den Grundstein dafür gelegt?

Gertrud Tinning: Daran gibt es keinen Zweifel. Ein langer Mutterschaftsurlaub oder die sogenannte „Kinderbetreuungsgarantie“, die bedeutet, dass jedes Kinder einen Platz im Kindergarten bekommen kann, geben Frauen die Möglichkeit, mehr oder weniger gleichberechtigt mit Männern zu arbeiten. All dies sind Bedingungen, für die Frauenorganisationen gekämpft haben.

Welche Bedeutung hatte die Arbeiterbewegung in Dänemark damals und welche hat sie heute?

Gertrud Tinning: Die Gewerkschaften waren zusammen mit den Sozialdemokraten absolut entscheidend für den Aufbau des Sozialsystems in Dänemark. Viele Jahre lang war es an vielen Arbeitsplätzen völlig inakzeptabel, nicht Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Leider ist dies nicht mehr der Fall – Individualismus, Privatisierung und verstärkter Wettbewerb haben sich hier negativ ausgewirkt. Die Gewerkschaften spielen jedoch nach wie vor eine wichtige Rolle bei den Verhandlungsgehältern und Arbeitsbedingungen.

Ihre Protagonistinnen Nelly und Anna sind selbstbewusste Frauen, die für Ihre Rechte einstehen und dabei nicht dem damaligen Stereotyp entsprechen – heute würden wir sie Feministinnen nennen. Denken Sie, dass die Reise des Feminismus jemals enden wird?

Gertrud Tinning: Nein, die Reise des Feminismus wird nie enden. Sie wird neue Formen annehmen und neue Inhalte haben (beispielsweise die #MeToo-Debatte), aber niemals enden. Die Ausprägungen des Feminismus hängen sehr davon ab, wo dieser stattfindet. An einigen Orten auf der Welt hat die Reise gerade erst begonnen.

Welche Bedeutung hat der feministische Aktivismus für Sie?

Gertrud Tinning: Für mich persönlich sind die größten Elemente des feministisches Aktivismus die Art und Weise, wie ich unterrichte und meine Interaktion mit Studentinnen aus Asien, Afrika, Lateinamerika und anderen Ländern. Manchmal fragen sie mich, wenn sie Hilfe und Rat benötigen, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht nur den Wünschen ihrer Eltern zu folgen – zum Beispiel in den Bereichen, wann, wie oder ob sie heiraten oder was sie studieren sollen. Ich unterrichte ein Fach namens Green Activism und es ist interessant, dass es weit mehr weiblich als männliche Studierende gibt, die dieses Fach wählen. Es scheint, als hätten sich Green Activism und Feminismus zusammengetan.

Historischer Hintergrund

1850: Mathilde Filbiger publiziert Briefnovelle, Inhalt: Gleichstellung Mann und Frau, "Grundstein" der Frauenbewegung

1. PERIODE DER FRAUENBEWEGUNG 1870 BIS 1920

1871: Matilde Bajer gründet die Dänische Frauengesellschaft Dansk Kvindesamfund, Ziel: Stärkung der Rechte für Frauen in Bildung, Arbeit und Ehe, Stärkung der Unabhängigkeit der Frau

1875: Zugang für Frauen zu universitärer Ausbildung

1885: Zeitraum, in dem Die Frauen von Kopenhagen spielt

1885: Matilde Bajer gründet die Dänische Frauenvereinigung ("Kvindelig Fremskridtsforening"), Ziel: Frauenwahlrecht

1885: Publikation des ersten dänischen Frauenmagazins Frauen und die Gesellschaft ("Kvinden & Samfundet) durch die Dänische Frauengesellschaft

1885: Anna Lindenbaum, eine Arbeiterin, organisiert den ersten Streik von Arbeiterinnen in der Tuchfabrik Rubens

1889: Line Luplau gründet die Dänische Wahlrechtsbewegung Kvindevalgretsforeningen

1915: Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts

2. PERIODE DER FRAUENBEWEGUNG 1970 BIS 1985

Rødstrømpebevægelsen (inspiriert vom Redstockings Movement aus New York):
Regelmäßige Demonstrationen für gleiche Rechte für Männer und Frauen.

Ziele: gleiches Gehalt, bessere Behandlung von Frauen am Arbeitsplatz und in der Familie, freie Abtreibung, Verbesserung Mutterschaftsurlaub,
Begründung der wissenschaftlichen Richtung Gender Studies

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