Mila Paulsen

Sex für Wiedereinsteiger

Per VHS-Kurs von der Midlife-Crisis zu einem erfüllten Leben.

Sex ist die schönste Sache der Welt – glaubt man Netflix-Serien oder Tinder-Mythen. Dass es im realen Leben oft ganz anders läuft, vor allem wenn man die 40 überschritten hat, davon wissen vier Hamburgerinnen ein Lied zu singen: Andrea, Ende 40, gelangweilte Hausfrau, Maren, 46, neurotische Journalistin, Anja, 51, verklemmter Single, und Iris, 43, gestresste Mutter. Doch Hilfe naht dank des Volkshochschulkurses »Sex für Wiedereinsteiger – schöner kommen in der zweiten Lebenshälfte«. Dort begegnen sich die vier Frauen, schließen Freundschaft, und schon bald verändert der vielversprechende Kurs nicht nur ihr Sexleben.

ORIGINALAUSGABE
Taschenbuch, Klappenbroschur
352 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-49186-5

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Tilda

Es gab kaum Menschen, die nicht sofort das dringende Bedürfnis hatten, mit Matilda Johnsson über Sex zu reden: über den eigenen Körper mit sämtlichen Teilen und Geschlechtsteilen, über die Körper der anderen, über Partner und Expartner, über Fantasien, Träume, Ängste und verkorkste Erfahrungen, Sexspielzeuge und Fetische, oral und anal. Tilda war das frei aufgewachsene Kind einer schwedischen Mutter und eines deutschen Vaters, die sich einst bei einem FKK-Urlaub am Strand kennen- und lieben gelernt hatten, um sich ein paar Jahre und eine Tochter später wieder zu trennen. Jetzt, als erwachsener Frau, schien ihr nichts zu irre, zu abstoßend oder aussichtslos und nichts und niemand zu uninteressant zu sein. Sie liebte Menschen und machte aus Unaussprechlichem lustig-lockeres Geplauder. Es gab kein Problem, für das sie nicht mindestens eine Lösung zu bieten hatte – und wenn nicht das, dann zumindest eine Überdosis Empathie. Ihr fünfzehnjähriger Sohn und ihre siebzehnjährige Tochter allerdings gehörten zu den wenigen, die NICHT reden wollten, wie Tilda immer wieder enttäuscht feststellen musste. Wann immer ihnen ihre Mutter beim Abendessen Fragen zu ihren Freunden stellte oder nebenbei wissen wollte, ob sie bereits Sex gehabt hatten, auf welche Art, wann und mit wem, wie es für sie gewesen war, ob sie Verhütungsmittel benutzt hatten und welche, gaben sie würgende Geräusche von sich, standen einfach auf und gingen. Wie jetzt, als ihre Mutter mit ihnen zur Übung spielerisch Kondome über die übrig gebliebenen Biogurken rollen wollte.
»Leute, seid doch nicht so verklemmt«, rief Tilda ihnen nach, »das ist doch völlig normal. Wir sind alle sexuelle Wesen, das muss euch überhaupt nicht peinlich sein. Man kann über alles reden!«
»Muss man aber nicht«, sagte ihre Tochter Liv im Fliehen. »Will man auch wirklich nicht«, sagte ihr Sohn Jon.
»Das ist echt ekelhaft«, sagte Liv.
Und weg waren beide. Zumindest in dem Punkt waren sie sich mal einig. Tilda seufzte. Sie sah auf die Uhr und räumte die Gurken zurück in den Kühlschrank. In einer Stunde musste sie im Schanzenviertel sein, wo sie als Sexualtherapeutin pünktlich zum Frühlingserwachen erstmalig den von ihr neu konzipierten Kurs »Sex für Wiedereinsteiger« abhalten würde. Es hatte im Vorfeld bereits einiges Interesse seitens der Presse gegeben. Tilda schrieb gerade an ihrem neuen Buch und träumte davon, daraus eine TV-Serie oder Talkshow zu machen. Moderieren wollte sie natürlich auch selbst.
Tilda war sich ihrer Präsenz und Unverwechselbarkeit wohl bewusst: Mit ihrer Größe von 1,80 Metern, den breiten Schultern, großen Brüsten, den langen, muskulösen Beinen, ihrer wilden rotblonden Haarmähne, der tiefen, melodischen Stimme, dem lauten Lachen und strahlenden Lächeln, das immer mehr Zähne zu haben schien als ein normales Lächeln, wirkte sie wie eine Wikingerin mit einer Mission: der Welt zu besserem Sex zu verhelfen. Vor allem der Frauenwelt, denn Frauen hatten das erfahrungs- wie naturgemäß deutlich nötiger.
»Bis später, Leute«, rief sie in den Flur und sprang schnell die Treppen der vier Stockwerke ihrer Altbauwohnung in Ottensen hinunter. Sie holte ihr knallrotes Rennrad aus dem Keller, schwang sich den Rucksack mit der Plüschvagina und anderem Anschauungsmaterial auf den Rücken, sich selbst auf den schmalen Sattel und trat energisch in die Pedale.

Maren

Entspannen, fallen lassen, fühlen – es war ihr nicht möglich! Ständig brabbelte ihr Kopf dazwischen, plapperte belanglosen Schwachsinn wie ein aufmerksamkeitsgestörtes Kleinkind. Sie konnte ihn nicht zum Verstummen bringen.
»Einfach mal nichts denken« – als ob das so einfach wäre. Es hatte im Yoga-Kurs nicht funktioniert, es klappte nicht bei der Hamam-Massage und nicht mal beim Hypnose-Zahnarzt. Ihr Gehirn kannte keinen Leerlauf, war nie im Off-Modus. Produzierte dauernd irgendwelche Überlegungen, Sorgen, Szenarien und To-do-Listen. Am nervigsten war es beim Sex: Wenn sie mit Thomas schlief und er sie geduldig streichelte, verhinderte das Dauer-Gequatsche in ihrem Kopf regelmäßig ihren Orgasmus. Jedes Mal, wenn sie kurz davor war, schoss ihr irgendein Gedanke durch den Kopf, und – zack – war sie raus. Weil sie dann nämlich dachte: »Au Scheiße, jetzt bloß nichts denken, sonst bin ich raus«, und verzweifelt versuchte, wieder reinzukommen. Die Lust wieder hochschaukeln zu lassen. Endlich das No-return-Plateau zu erreichen, bei dem sie dann wusste, dass jetzt nichts mehr schiefgehen konnte. Dass sie nun kommen würde.
Es war wie Bergsteigen. Mühsam und anstrengend. Sie erreichte das Plateau fast nie, obwohl sie oft schon mit einer Hand dranhing. Und sie wollte Thomas, der sich so viel Mühe gab und sie so unermüdlich stimulierte, nicht enttäuschen. Nicht, dass er auch noch verkrampfte. Deshalb spielte sie neuerdings einfach ihren Orgasmus vor, konnte das mittlerweile perfekt, inklusive rhythmischen Zusammenziehens der Beckenbodenmuskeln. Danach fühlte sie sich traurig und leer. Vollkommen frustriert. Sie hatte beide belogen. Sich selbst und Thomas. So konnte es nicht weitergehen.
Drei Wochen war sie um die Anzeige, die sie sich aus dem Hamburger Abendblatt herausgerissen hatte, herumgeschlichen. »Sex für Wiedereinsteiger«, so hieß der VHS-Kurs, zu dem sie sich schließlich nach einer halben Flasche Wein doch noch angemeldet hatte. Er wurde von einer bekannten Sexualtherapeutin geleitet und versprach, dem Liebesleben neue »Ahs« und »Ohs« einzuhauchen, Orgasmus-Fähigkeit herzustellen oder wiederzubeleben und unbekannte Ekstase-Welten zu erschließen. Das klang äußerst vielversprechend, und Maren wollte es wenigstens versuchen. Schlimmer konnte es ja nicht mehr werden. Der Kurs war ihr letzter Rettungsstrohhalm, bevor sie endgültig in ihrem gefakten Sexleben ertrinken würde.
Heute war der große Tag – der Kurs begann.

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Mila Paulsen

Mila Paulsen ist das gemeinsame Pseudonym zweier befreundeter Autorinnen, die unter ihren wahren Namen seit über zwanzig Jahren erfolgreich Artikel, Kolumnen, Bestseller, Liebes- und Abschiedsbriefe sowie Einkaufslisten schreiben. Ab und zu auch mal WhatsApp-Texte sexuellen Inhalts. Auf die Idee zu dem Buch kamen sie in einem Gespräch darüber, dass großartiger Sex als Stimmungsaufheller besser wirkt als Johanniskrauttropfen und Yoga zusammen - und wieso Frauen immer noch ein Problem damit haben, zuerst zu kommen.

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Das sagen die Leser*Innen

Extrem witzig, unterhaltsam und inspirierend!

09.04.2021

Schon das Buchcover hat verraten: Dieses Buch wird witzig! Und das bleibt es bis zum Schluss! Was für ein ungewöhnliches Werk, denn normalerweise gibt es maximal nur bis zu 3 Protagonisten. Hier sind es gleich 5 Frauen, deren Leben sich durch einen Kurs über ihre eigene Sexualität radikal ändert.
Obwohl die Geschichte aus der Sicht von all diesen Frauen erzählt wird, bekommt die Story dennoch eine überraschende Tiefe. Ich konnte mich sehr gut mit diesen Frauen identifizieren, obwohl sie teilweise 20 Jahre älter sind als ich.
Dieser Roman bewegt einen dazu sein eigenes Sexualleben zu überdenken und eine Lösung zu finden, wie es (noch) besser werden könnte. Wahrscheinlich kennt so gut wie jedes Paar, das längere Zeit zusammen ist, die Situation, dass es ab einem gewissen Punkt nicht mehr richtig funkt und sich der Alltagstrott einschleicht.
Deshalb gefällt mir dieser Roman so gut, denn er ist für jeden inspirierend und gibt Ideen. In uns allen steckt die Sexualtherapeutin, der ängstliche Single, die Ehefrau, deren Körper durch die Kinder verändert wurde und auch die Frau, deren Ehemann sie ignoriert und die sich nach Aufmerksamkeit sehnt.
Mein empfohlenes Lesealter: Ab 16! Denn jede Frau (und jeder Mann) sollte wissen, dass die eigene Sexualität nicht schlimm, sondern absolut normal ist.

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