Jesolo

Roman

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Kinder sind kein Thema für Andrea. Sie hat einen Job, der okay ist. Sie führt seit vielen Jahren eine Beziehung mit Georg, die okay ist. Andrea will sich nicht festlegen, Georg will ein Fundament für ein gemeinsames Leben - ein Dilemma. Als sie aus dem jährlichen Urlaub in Jesolo zurückkommen, ändert sich alles – Andrea ist schwanger. Hin- und hergerissen entscheidet sie sich für das Kind – und geht damit einen Kompromiss nach dem anderen ein: Sie nimmt einen Kredit auf, obwohl sie nie Schulden haben wollte; sie zieht ins Haus ihrer Schwiegereltern, obwohl sie nie mit ihnen zusammenleben wollte. Von allen Seiten prasseln Ratschläge auf Andrea nieder, und sie wird in eine Mutterrolle gedrängt, mit der sie sich nicht identifizieren kann.


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ISBN: 978-3-641-23876-6
Erschienen am  04. März 2019
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Rezensionen

Stillleben der Spießigkeit

Von: nil_liest

17.12.2020

Jesolo, ein piefiger Familienurlaubsort, der in die Jahre gekommen ist. Szenerie und Stimmung ist von der ersten Seite an klar gesetzt. Der Titel gibt den ersten Klang im Text: Jesolo - nicht mehr nicht weniger. Die Protagonistin Andrea, 35 Jahre alt, ist von der eigenen Lebenswelt und vor allem vom Lebensgefährten maßlos gelangweilt und vermisst die große weite Welt in vielen Hinsichten. Sie empfindet Familie als einzwängendes Korsett und möchte dem alltäglichen entrinnen. Sie wird schwanger und es wird die Geschichte ihrer Schwangerschaft erzählt - und es ist keine Gute. Nebenbei arbeitet sie ihre eigene schwierige Kindheit auf. Wer dieses Buch gelesen hat wird entweder depressiv oder will weder Kinder noch in einem Dorf leben. Hinzu kommt die ermüdende Erzählform, denn der Text ist aus ihrer Sicht an ihren Partner gerichtet. In einer Beziehung erlebt man im besten Fall Geborgenheit, einen Partner mit dem die eigenen Wünsche in Erfüllung gehen, dem man grenzenlos Vertrauen schenken kann, viel Freude miteinander teilt und das Leben genießen kann. Was tut man aber, wenn die erste Verliebtheit abflaut oder gar die ersten Jahre ins Land gegangen sind und man selbst merkt, dass die Vorstellung über die Zukunft des Partners nicht die eigenen sind? Wie weit darf die Zuneigung aus Verbundenheit den eigenen Wünschen und Lebensvorstellungen im Widerspruch stehen? Und was tun wenn man in ein Leben hingeratene ist, was man so gar nicht wollte? Dies ist das Grundgedankenspiel des Romans von Tanja Raich. Aus der Ich-Perspektive beschreibt sie die rationalen wie irrationalen Handlungen und Gedanken, die mit diesem inneren Krieg und der Krise der Leidenden zusammenhängt. Sicher fragte ich mich des Öfteren warum sie den Kerl nicht verlässt und sich neue Perspektiven eröffnet, aber genau das ist ja das Schwere. Der Sprung ins Unbekannte - es gibt viel zu gewinnen, aber eben doch auch viel zu verlieren. Ich finde ihre passive Haltung anstrengend und wenig selbstbestimmt. Ach, und nicht zu viel Italien erwarten trotz Titel und Auftakt. Kann falsche Erwartungen wecken. Wobei Erwartungen sehr wohl ein zentrales Thema des Romans darstellt. Fazit: Der Roman trifft den Kern der Misere, es ist nur die Frage, ob man das Ganze mitdurchleben möchte in Buchform.

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Ein nachdenklich machender Roman

Von: echo_books

24.05.2020

Andi ist Mitte 30 und mit Georg zusammen. Scheinbar eine ganz normale Beziehung, mit ihren Höhen und Tiefen. Allerdings hat man als Leser*in schnell das Gefühl, dass Andi nicht so genau weiß, was sie will. Nur, was sie nicht will und das ist das Schema F: Gemeinsame Wohnung, Kind, Familie. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Nach ihrem gemeinsamen Urlaub in Jesolo mit Georg ist sie dann aber ungewollt schwanger. Von außen prasseln ständig vermeintlich gut gemeinte Ratschläge auf sie ein, zwischen realer Fremdbestimmung und dem eigenen Ideal der Selbstbestimmung schafft sie es nicht, sich zu entfalten, ihre eigenen Wünsche und Ziele zu formulieren. Ihre Persönlichkeit formen andere für sie: ihre Schwiegereltern, ihr Freund, ihre Freundinnen. Sie alle wissen ja besser, was für sie gut ist. Und so lässt sie sich in ihrer Passivität von einer Welle der für sie getroffenen Entscheidungen mittragen und ist damit natürlich nicht glücklich. In ihrem zehn Monate andauernden Bewusstseinsstrom möchte man sie am liebsten schütteln und ihr sagen: Das ist DEIN Leben, hör nicht auf die anderen. Aber Andi kann und will auch nicht aus den für sie geformten Strukturen ausbrechen, sodass sie sich schließlich dem Willen anderer fügt.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Absolut beklemmend schildert Tanja Reich dieses Szenario, das doch gar nicht so fiktiv ist. Immer wieder scheitern Menschen, insbesondere Frauen, an den von außen an sie gestellten Ansprüchen und den eigenen Vorstellungen für ihr Leben. Traurig und nachdenklich hat mich das Buch zurückgelassen, auch ein wenig wütend, nicht auf Andi, sondern auf ihr Umfeld. Ich spreche sehr gerne eine Leseempfehlung aus!

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Vita

Tanja Raich wurde 1986 in Meran geboren und hat Germanistik und Geschichte studiert. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften (Kolik, Lichtungen, Die Rampe u.a.) und Anthologien. Verschiedene Preise und Stipendien, u.a. 2. Platz beim Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb 2015, Finalistin beim 20. MDR-Literaturwettbewerb, Rom-Stipendium des Bundeskanzleramtes Österreich, Exil-Literaturpreis 2014. Tanja Raich lebt in Wien. Jesolo ist ihr erster Roman. Er war für den Österreichischen Buchpreis in der Kategorie Debüt nominiert.

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