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Vier Fragen an Dr. Christiane Löber

Sie bezeichnen Hals, Nase und Ohren als „verkannte Promis“. Wie meinen Sie das?

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wenig die meisten Menschen über diese Organe wissen. Meine eigene Familie eingeschlossen. Dabei sitzt zumindest die Nase ja wirklich an unserer prominentesten Körperstelle: mitten im Gesicht. Trotzdem beschäftigt sich kaum einer mit ihr, und wenn, dann um sich darüber zu beklagen, dass sie zu groß, zu eckig oder zu knubbelig ist. Und natürlich steckt fast jeder mal den Zeigefinger hinein.

Allerdings ist die sichtbare Nase nur der kleinste Teil eines faszinierenden Systems, das eher am Rande mit Popeln zu tun hat. Vielmehr ist die Nase direkt mit unserer Gedanken- und Gefühlswelt verdrahtet. Sie sitzt schließlich nicht ohne Grund direkt unterm Gehirn. Gleiches gilt für die Ohren, und ja, auch für den Hals. Jeder kennt doch diese fies zugeschnürte Kehle, wenn man traurig oder angespannt ist. Ein anderes Beispiel ist der Tinnitus, das sind diese vermeintlichen Ohrgeräusche, die aber in Wahrheit im Gehirn entstehen. Und was kaum einer weiß: Depressionen können auch mal in den Nasennebenhöhlen entstehen.


Sie haben im Lauf Ihres Berufslebens immer wieder festgestellt, dass die Wechselbeziehung zwischen Körper und Seele gerade in der HNO-Heilkunde eine grundlegende Rolle spielt. Warum?

Ich bezeichne unser HNO-System gerne als Vorzimmer zum Gehirn, wo quasi als Chef unsere Gedanken und unsere Emotionen sitzen. Sie befinden sich in ständigem äußerst regem Austausch mit diesem Trio. Deshalb stehen Stress und schlechte Stimmung oft in Verbindung mit HNO-Krankheiten wie Allergien, chronische Nebenhöhlenentzündung, Schwindel, Ohrgeräusche oder Stimmstörungen. Leider findet dieser Zusammenhang gerade in der HNO-Heilkunde noch immer viel zu wenig Beachtung und Betroffene schleppen sich manchmal über Jahre von Arzt zu Arzt.

Für meinen Berufsalltag finde ich es daher enorm wichtig zu wissen, wer da eigentlich vor mir sitzt. Ist das eine Frau mit Mandelentzündung, oder ist das eine alleinerziehende Mutter, die gerade den Job verloren hat? Weint sie, weil ihr alles zu viel ist oder wegen der Halsschmerzen? Meist ist es ja beides. Im Behandlungsalltag wird die Psyche aber oft vergessen, sowohl vom Arzt als auch vom Patienten.



Sie behaupten, die Psyche sei ein Körperteil. Wie kommen Sie darauf?

Auf viele Menschen wirken Begriffe wie Psyche, Seele oder Geist abschreckend. Sie denken an Burnout-Kliniken oder Esoterik-Zirkel und wollen sich am liebsten gar nicht weiter damit beschäftigen. Man muss auch nicht für jede Erkältung die Psyche verantwortlich machen, aber bei einigen HNO-Beschwerden ist sie der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie.

Ich möchte zeigen, dass es sich bei dieser nebulösen Psyche um völlig normale biologische Prozesse handelt. Man kann auch einfach das Wort Psyche durch Gehirn ersetzen. Und das besteht – genau wie jedes andere Körperteil – aus unzähligen miteinander vernetzten Nervenzellen, die über Botenstoffe und elektrische Impulse miteinander kommunizieren. Gefühle wie Liebe, Hass, Trauer oder Angst sind letztlich nicht mehr als ein Neuronenfeuerwerk. Das klingt unromantisch, hilft aber dieses völlig unnötige Stigma der „psychischen Störung“ abzubauen.


Sie sind der Überzeugung, dass jeder der beste Experte für sich selbst ist. Wie wird man zu so einem Experten?

Zunächst muss man wissen und darauf vertrauen, dass unser schlauer Körper die meisten Probleme von ganz alleine löst. Braucht er Unterstützung, merken wir das normalerweise ziemlich schnell: irgendwas fühlt sich nicht gut an. Das kann eine ständig verstopfte Nase sein oder eine traumatische Schwindelattacke.

Die Kunst besteht nun darin, herauszufinden, welche Unterstützung unser Körper einfordert. Dazu muss man ihm ein wenig Aufmerksamkeit entgegenbringen und seine Signale ernst nehmen: Benötigte ich Medikamente oder nur Ruhe? Brauche ich eine kleinere Nase oder eine liebevollere Sicht auf mein Äußeres? Wird mein Ohrgeräusch lauter, wenn ich viel arbeite oder eher wenn die Partnerschaft kriselt? Bin ich nach der Yogastunde entspannter oder ist das nur ein Punkt mehr auf meiner endlosen To-do-Liste? Im besten Fall ist der Arzt dabei eine Art Coach, der gemeinsam mit seinen Patienten die passenden Antworten findet.

Ich sage meinen Patienten immer: Gut ist, was sich gut anfühlt – und nicht das, von dem andere sagen, es sei gut. Nur ist dieses Gefühl für sich selbst bei vielen von uns unter einem riesigen Haufen von Informationen, Regeln und Ratschlägen verschüttet. Mit diesem Buch möchte ich auf humorvolle Weise dazu beitragen, es wieder auszugraben.

Immer der Nase nach

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