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Trish Doller im Interview zu ihrem Roman »Du hast gesagt, es ist für immer«

Die begeisterte Seglerin Trish Doller nimmt die Leser*innen mit auf eine Reise voller Widersprüche – heilsam und aufregend zugleich.

Trish Doller
© Jesi Cason Photography https://jesicason.com/
Eine kurze Biografie:
Ich wurde in Berlin als Tochter einer Englischlehrerin und eines Polizisten geboren, doch wir siedelten in die USA über, als ich noch ein Baby war. Ich wuchs in Sandusky, Ohio, auf und studierte Journalismus an der Ohio State University. Mein Mann Phil und ich sind seit mehr als dreißig Jahren verheiratet, wir haben zwei erwachsene Kinder, Scott und Caroline. Ich habe als Reporterin für eine Zeitung gearbeitet, als Radiomoderatorin und Buchhändlerin.
Derzeit schreibe ich Vollzeit, während Phil und ich dabei sind, unser Segelboot für einen Törn in der Karibik fitzumachen.

Was ist Ihr gelernter Beruf bzw. üben Sie aktuell neben dem Schreiben noch eine weitere berufliche Tätigkeit aus?
Ich habe Journalismus an der Ohio State University studiert und war als Reporterin für die Zeitung meiner Heimatstadt tätig. Ich habe kurzzeitig als Produktionsleiterin/Texterin für einen Radiosender gearbeitet, bevor ich selbst auf Sendung ging und eine Morningshow moderierte. Fast ein Jahrzehnt verbrachte ich in einem Buchladen, bevor ich mich dazu entschied, hauptberuflich zu schreiben.

Würden Sie uns ein wenig von sich persönlich erzählen – von Ihren Hobbys, Ihrer aktuellen Lebenssituation, Ihrem Traum vom Glück …?
Zu meinen Hobbys gehören Segeln, Reisen und Camping, aber ebenso die Zeit mit meiner Familie, wenn wir alle mal an einem Ort zusammenkommen. Mein Sohn Scott arbeitet derzeit als Freiwilliger in einer Mission im mexikanischen Baja California. Im Sommer 2020 hat er seinen Jeep Wrangler aufgepeppt, um damit über Land von Florida bis nach Patagonien zu fahren. Wegen Covid-19 steckt er gegenwärtig in Mexiko fest, aber mit seiner Arbeit als Volunteer leistet er einen wichtigen Beitrag. Meine Tochter Caroline unterrichtet Englisch in Busan (Südkorea), und Phil ist der Leiter einer Hafenanlage in einem Resort auf den Bahamas. Die meiste Zeit verbringe ich also allein mit meiner Hündin Talaria; sie leistet mir beim Schreiben Gesellschaft, und wir gehen häufiger mal zusammen campen.

Womit kann man Sie wütend machen und richtig auf die Palme bringen?
Rassismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit, Hunger der Welt, Menschenhandel, weißer Nationalismus, jedwede Ungerechtigkeit gegen Menschen am Rande der Gesellschaft sowie Tierquälerei. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber 2020 war ich die meiste Zeit sehr wütend.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Das, was einem Lebensmotto am nächsten käme, ist ein Zitat von Joe Strummer von »The Clash«, der einmal sagte: »… Punkrock bedeutet vorbildliche Umgangsformen gegenüber seinen Mitmenschen.« Also versuche ich, so viel Punkrockerin wie möglich zu sein.

Wofür engagieren Sie sich? Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich beteilige mich an einer Organisation namens »Ewenity Farms Herding Dog Haven«. Sie holen Hütehunde aus Tötungsstationen im Südosten der USA, quartieren sie bei »Pflegeeltern« in Florida ein, bis jemand sie adoptiert. Ich selbst habe auch schon Tiere bei mir aufgenommen, und ich helfe oft dabei, die Hunde zu ihren Pflegefamilien zu bringen.

Verraten Sie uns bitte fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich habe nur ein Buch geschrieben, dass nicht veröffentlicht wurde.
2. Mein erstes Auto war ein VW Käfer Baujahr 1971.
3. Als Kind hatte ich einen imaginären Freund, einen Eisbären.
4. Meine Lieblingsstadt weltweit gesehen ist Berlin.
5. Mein Lieblingssong ist »Anna Begins« von den »Counting Crows«.
© Trish Doller
Beschreiben Sie bitte in wenigen Sätzen, wie ein normaler Tag, an dem Sie an Ihrem Buch schreiben, bei Ihnen aussieht? Haben Sie z.B. bestimmte Rituale, Angewohnheiten, Regeln etc.?
Als mein Sohn auszog, verwandelte ich sein Zimmer in ein Büro, aber bisher habe ich noch keinen komfortablen Schreibtischstuhl gefunden. Aus dem Büro wurde nach und nach ein Lagerraum, deshalb verbringe ich normalerweise meinen Tag auf dem komfortablen Denim-Sofa im Wohnzimmer, wo die Snacks nicht weit sind und ein Fenster Aussicht auf den Mangobaum in meinem Vordergarten bietet.
© Trish Doller
Wo machen Sie es sich am liebsten mit einem Buch gemütlich? Stellen Sie uns kurz Ihren Lieblingsleseort vor.
Ich mag es, im Bett zu lesen, und mein Schreibplatz auf dem Sofa ist oft auch mein Leseplatz, doch erst kürzlich habe ich eine Leseecke entworfen, mit einem Sessel aus weichem Leder und einer perfekt ausgerichteten Fußstütze.

Was sind Sie für ein Büchermensch? Verraten Sie uns, nach welchen Kriterien Sie Ihr Bücherregal sortieren (nach Farben, Genres, Autoren, oder gar nicht)?
Mein Bücherregal sollte eigentlich alphabetisch sortiert sein, aber meist ist es ein Durcheinander. Außerdem stehen darin die Tonkunstwerke, die meine Kinder in der Highschool gemacht haben, sowie die ausgedruckten Manuskripte aller meiner Bücher, von denen einige noch mit den Anmerkungen des Lektors versehen sind.
© Trish Doller
Was ist Ihr liebstes Reiseziel? Wie sieht Ihr schönstes Urlaubsfoto aus, das Sie Ihren Lesern gern zeigen würden?
Ich war an so vielen interessanten Orten, aber ein Ort hat mein Herz erobert: Les Anes-d’Arlet auf Martinique. Die ganze Insel strotzt vor Üppigkeit und Schönheit, und die Menschen dort sind wunderbar, ich könnte den Rest meines Lebens dort verbringen. Wenn wir dort sind, verbringen wir die meisten Tage am Strand, trinken Bier und lauschen der Reggea-Musik aus einem Restaurant in der Nähe. Wir haben Freundschaften dort geschlossen, und ich kann es kaum erwarten, dorthin zurückzukommen.
Das Foto, dass ich mitgesendet habe, zeigt meinen Mann, der mit einem kleinen Jungen »böser Pirat« spielt, den wir dort am Strand getroffen haben. Phil – der Pirat – spricht kein Französisch, und Lovan – der gute, der den Piraten gefangen nehmen will – spricht kein Englisch, und dennoch haben sie sich perfekt verstanden.
© Trish Doller
Haben Sie ein Haustier, das Ihnen beim Schreiben, im Alltag und auf Reisen Gesellschaft leistet? Falls ja, wie heißt es?
Talaria ist ein Mix aus Australian Cattle Dog und Border Collie, ich habe sie vor zwei Jahren adoptiert. Sie ist stets bei mir, und sie begleitet mich immer, sofern sie mitdarf. Mein Mann arbeitet auf den Bahamas, also habe ich sie selbst im Wasserflugzeug mitgenommen, als wir ihn das letzte Mal besucht haben. Sie liebt es, lange Spaziergänge in den Wäldern zu machen, am Strand entlang zu laufen und auf dem Beifahrersitz in meinem Jeep mitzufahren, vorzugsweise mit der Schnauze durchs offene Fenster im Wind.
Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich schreibe Geschichten, seit ich in der Lage bin, Wörter zu formen, und ich weiß ehrlich nicht warum. Schreiben ist ein Teil von mir, und die Vorstellung, nicht zu schreiben, ist undenkbar.

Was inspiriert Sie und wie finden Sie Ihre Themen?
Inspiration ist überall. Mich hat ein Marinesoldat inspiriert, den ich interviewt habe, als ich noch für die Zeitung gearbeitet habe. Ich habe eine interessante Stadt besucht und mir vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn ich als Teenagerin hierherkäme, in die Gemeinde, ohne meinen Platz zu kennen. Songs liefern besonders viel Inspiration, und einer meiner Bücher war ein Versuch, das Gefühl festzuhalten, dass ein bestimmtes Lied in mir ausgelöst hat. Ein anderes Buch von mir ist teilweise inspiriert von der rauen Schönheit von Floridas Inland, ein Teil, den Touristen nie zu sehen bekommen.

Bitte fassen Sie in wenigen Sätzen Ihr aktuelles Buch zusammen:
»Du hast gesagt, es ist für immer« ist die Story von Anna, deren Trauer sie dazu bringt, mit dem Boot in See zu stechen, auf dem sie eigentlich mit ihrem Verlobten segeln wollte. Als sie aus ihrem Tief heraus ist, sucht sie sich Hilfe beim ehemaligen Regattasegler Keane, der sie durch die Karibik geleitet, wie auch durch ihre Trauer.

Was bzw. welche Szene darin war am schwierigsten zu schreiben?
Es gibt eine Szene im Buch, als sich Anne zum ersten Mal so richtig mit ihrer Trauer auseinandersetzen muss. Sie ist auf einer verlassenen Insel, und sie hat einen totalen Nervenzusammenbruch, sie heult vor Wut und Traurigkeit darüber, was sie alles verloren hat. Ich wollte, dass der Leser wirklich mitfühlt, was in ihr vorgeht, deshalb habe ich viel Zeit auf die Szene verwendet, um sie richtig hinzubekommen.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Zu meinen Lieblingsszenen gehört jene in einem Haus von Keanes Freund in Montserrat, in der Anna und Keane sich unterhalten; sie sitzt auf dem geschlossenen Toilettendeckel, er ist in der Dusche, zwischen ihnen nur der Duschvorhang. Ein ziemlich merkwürdiger Ort für eine Unterhaltung, aber ich mag es, dass ihre Beziehung – von Anfang an – von jener Art ist, dass sie sich alles ehrlich sagen können, selbst an solchen Orten.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Keane Sullivan wird wohl immer meine Lieblingsfigur sein. Er ist charmant, lustig und freundlich, und ich mag den Gedanken, dass er sein Herz auf der Zunge trägt. Die erste Inkarnation von »Du hast gesagt, es ist für immer« war ein Roman für junge Erwachsene mit dem Namen »Second Wind«. Es kam kein Segelboot in der Geschichte vor, die Hauptfigur war nicht Anna, die Voraussetzungen waren anders, aber Keane existierte bereits. Er war ein neunzehnjähriger College-Student, dessen Interessen hauptsächlich Segeln, Girls und Guinness galten. »Second Wind« landete auf meinem Romanfriedhof, aber als ich mit dem Buch begann, aus dem schließlich »Du hast gesagt, es ist für immer« wurde, entschied ich mich dafür, Keane zehn Jahre älter und um einige Erfahrungen reicher zu machen und zu sehen, was für eine Art Mann aus ihm geworden war. Und wie sich herausstellte, ist aus ihm ein anständiger Kerl geworden.

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie und Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
»Du hast gesagt, es ist für immer« enthält einige Orte, die ich besucht habe und die ich liebe, darunter Bimini auf den Bahamas, Martinique, Tobago Cays und Grenada. Ich war drei Mal auf Grenada, und jedes Mal, wenn das Flugzeug landet, fühlt es sich an, als würde ich nach Hause kommen. Ich weine jedes Mal, wenn ich die Insel wieder verlasse.

Hat Ihr aktuelles Buch autobiografische Züge bzw. lassen Sie persönliche Erfahrungen in die Geschichte einfließen? Beruht Ihr Buch auf wahren Begebenheiten?
Zu den besten Schreibratschlägen gehört jener, ein Buch zu schreiben, dass man selbst lesen möchte. Es gibt so viele Erinnerungen und nicht-fiktionale Zeugnisse darüber, um die Welt zu segeln, aber ich wollte einen Roman lesen, mit Abenteuer, mit einer Romanze, und natürlich Segeln … also hab ich einen geschrieben. Nichts in »Du hast gesagt, es ist für immer« hat autobiografische Züge oder basiert auf wahren Begebenheiten, aber ich war bereits in der Karibik segeln und habe einmal ein »frisch aus dem Ozean«-Sashimi auf der Plicht [Anmerkung.: der offene Teil an Deck, an dem die Crew sitzen kann] eines Segelboots gegessen.

Wie haben Sie für ihr aktuelles Buch recherchiert?
Ich habe einige der Inseln besucht, an denen Anna während ihrer Reise Station macht, und wir haben ein Boot auf den Grenadinen gechartert. Ich habe viele Segelerinnerungen gelesen, mir viele YouTube-Videos angesehen von Leuten, die da gesegelt sind, und die Segeldistanzen auf einer Internetseite abgesteckt, die aber nicht mehr verfügbar ist. Ich habe so viel über jede einzelne Insel recherchiert, dass ich das Gefühl habe, ich hätte sie bereits einmal besucht. Ich habe mit einem Orthopädie-Mechaniker über die Art von Prothese gesprochen, die Keane braucht, wie auch über die Pflege der Prothese und der verbliebenen Gliedmaße.

Möchten Sie Ihren Lesern mit Ihrem aktuellen Buch eine bestimmte Botschaft mitgeben?
Neben der zentralen Romanze geht es in »Du hast gesagt, es ist für immer« auch über Verlust und Heilung. Sowohl Anna als auch Keane haben Traumata erlebt und sind in der Lage, dem anderen zu helfen, den Weg zu einem besseren Ort zu finden, buchstäblich als auch im übertragenen Sinne. Wie Anna im Buch sagt, verlaufen die Trauerstufen nicht linear. Es ist okay, Rückschläge zu erleben, und es ist okay, so viel Zeit zu nehmen, wie man braucht; aber es ist auch okay, sich von anderen Menschen helfen zu lassen.

Ein Gruß an Ihre Leser*innen:

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hatte immer ein Faible für Reiseromane. Stecken sie zwei Leute in ein Flugzeug, einen Zug, ein Auto oder einen VW Bus, und ich bin sofort mittendrin. Aber was ich lesen wollte, waren Reiseromane, die auf Segelbooten spielen, und ich habe nicht wirklich entsprechende gefunden. Also habe ich beschlossen, selbst einen zu schreiben, und heute kann ich kaum glauben, dass Sie dieses Buch in Ihren Händen halten!

Es hat viele Jahre gebraucht, um von dort bis hierhin zu kommen, und der Roman hat viele Male seine Gestalt gewandelt. Aber was immer gleich geblieben ist, waren Annas stilles Durchhaltevermögen und Keanes großes Herz. Ich hoffe, Sie lieben das Buch so sehr, wie ich es geliebt habe, es zu schreiben. Und ich hoffe, dass die Geschichte der beiden zu jenen gehört, die sie sich wieder und wieder aus dem Bücherregal ziehen.

Herzlich
Ihre Trish Doller


Ich habe Spotify-Playlists für »Du hast gesagt, es ist für immer«, darunter:
The „official” playlist
(hört man am besten in der exakten Reihenfolge)

Du hast gesagt, es ist für immer

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