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Vera Buck im Interview zu Ihrem Buch »Der Algorithmus der Menschlichkeit«

»Trendthema künstliche Intelligenz: Niemand erzählt ungewöhnliche Themen so unterhaltsam und mitreißend wie Vera Buck«

Bitte erzählen Sie uns etwas über sich:
Ich studierte Journalistik in Hannover und Scriptwriting auf Hawaii. Während des Studiums schrieb ich Texte für Radio, Fernsehen und Zeitschriften, später Kurzgeschichten für Anthologien und Literaturzeitschriften.

Ich erhielt zahlreiche Stipendien und veröffentlichte 2015 meinen Debütroman Runa, eine Mischung aus historischem Kriminalroman und Medizinthriller, im Limes Verlag. Für das Debüt wurde ich für den Friedrich-Glauser-Preis 2016 nominiert und erhielt Preise im In- und Ausland. Runa wurde ins Polnische und Niederländische übersetzt. 2018 erschien die Taschenbuchversion im Blanvalet Verlag unter dem Titel Runas Schweigen.

Im September 2018 erschien, ebenfalls im Limes-Verlag, mein zweiter Roman, Das Buch der vergessenen Artisten, ein Buch, das die Verschleppung der Jahrmarktartisten während des Nationalsozialismus behandelt. Es wurde ebenfalls ins Niederländische übersetzt.

Neben meiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeite ich als Schreibcoach und Mentorin. Ich spreche Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch und lebe in Zürich.

Würden Sie uns ein wenig von sich persönlich erzählen – von Ihren Hobbys, Ihrer aktuellen Lebenssituation, Ihrem Traum vom Glück …?
Zu meinen Hobbys gehören Fotografieren, Fremdsprachen und Outdoor-Sport. Ich liebe die Berge und eigentlich alles, was mit Wasser zu tun hat. Mein Traum vom Glück ist weiterhin als Autorin tätig sein zu können, weil es das ist, was ich immer tun wollte.

Womit kann man Sie wütend machen und richtig auf die Palme bringen?
Schmatzen

Haben Sie ein Lebensmotto?
Nein. Ich habe eine ganze Kühlschranktür voller Spruchkarten! 

Wofür engagieren Sie sich? Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich engagiere mich für Gleichstellung. Das hat als Jugendliche mit der Arbeit mir Behinderten begonnen und sich mit den Jahren auf alle erdenklichen Themenbereiche ausgeweitet: Gender, Homosexualität, Körperdiskriminierung, Rassismus. Meine Bücher und Texte geben oft Randgruppen eine Stimme, die andernfalls nicht für sich selbst sprechen können.
Ich unterstütze außerdem ein Tierschutzprojekt in Afrika.

Verraten Sie uns bitte fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
- Ich habe vier Masterabschlüsse, und es wären vermutlich noch einige mehr, wenn ich mir den Gang zur Uni nicht irgendwann selbst verboten hätte. (Zum Glück ist Online-Studieren noch erlaubt  - ich bin auf allen möglichen Plattformen angemeldet, und lerne etwas Neues, wann immer ich die Zeit dazu habe.)
- Ich habe auf einem Surfboard auf Hawaii geheiratet, den Wedding-Minister neben uns im Wasser. Am Morgen der Hochzeit haben mein Mann und ich noch einen Inselroadtrip gemacht und uns dann in der Umkleide des Surfshops umgezogen. Am Abend gab es für alle Burger vom besten Burger-Foodtruck der Insel. Das ist ein ziemlich repräsentatives Bild davon, wie ich gerne lebe.
- Zu den Dingen, die ich gemacht habe, um Geld zu verdienen zählen: Kindergesichter schminken, Hüpfburgen betreuen, Fan-T-Shirts Kanonen bedienen, Rodeobullen steuern und beim Baumstammwettsägen Verletzungen vereiteln.
- Ich bin ein Nacht- und Morgenmensch und ich liebe den Tag. Eigentlich mag ich alles, außer Schlafen. Schlafen war mir schon immer ein wenig zu langweilig.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich habe damit begonnen, Geschichten zu erfinden und aufzuschreiben, bevor ich in die Schule kam. Es war alles, was ich gern getan habe: Ich habe Geschichten aufgeschrieben, die Zettel zu Büchern zusammengeklebt und die Titelbilder gemalt. Wenn man mich gefragt hat, was ich machen wolle, wenn ich groß sei, habe ich geantwortet, dass ich Schriftstellerin werden würde.

Mein erster »Roman« war in der zweiten Klasse fertig, ein Kinderbuch über einen Jungen namens Theo. Im Anschluss daran, ich war neun Jahre alt, habe ich ironischerweise direkt mit einem Roman für junge Erwachsene begonnen, ein Geschichte, die von Frauenrechten in Pakistan handelte - ich weiß heute nicht mehr, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Ich habe schon damals sehr viel zu dazu recherchiert, bin in Büchereien gegangen, habe stapelweise Kopien angelegt und Kontakt zu Menschen aufgenommen, die vor Ort lebten und die mir ihre Geschichten erzählen konnten.
Solche umfassenden Recherchen sind etwas, das für mein Schreiben bis heute wohl typisch geblieben ist.

Was inspiriert Sie und wie finden Sie Ihre Themen?
Ich bin ein sehr visueller Mensch. Für den Schreibprozess brauche ich Bilder um mich herum: mein Büro, mein Schreibtisch, meine Wände, alles hängt voll mit Bildern. Ich suche gezielt nach ihnen.
Aber die Themen brauche ich nicht zu suchen. Sie finden mich, meistens noch während ich an einem anderen Text arbeite. Die Welt ist ja voller Themen. Man muss ihnen nur interessiert entgegenblicken, dann kommen sie von ganz allein.

Bitte fassen Sie in wenigen Sätzen Ihr aktuelles Buch zusammen:
In Der Algorithmus der Menschlichkeit geht es um das Wesen der Menschen aus Sicht einer künstlichen Intelligenz. Eine erstaunliche Anzahl von Firmen versucht derzeit, künstliche Partner für uns zu schaffen, scheinbar perfekte Traumfrauen und -männer mit künstlicher Intelligenz. Mari ist so ein Fembot. Sie wurde dazu gebaut, uns glücklich zu machen - eine undankbare Aufgabe, da der Mensch ja eigentlich selbst nicht so richtig weiß, was Glück bedeutet. Im Laufe der Geschichte wundert Mari sich immer wieder über all das Widersprüchliche und Chaotische, das unserem Verhalten anhaftet. Aber sie begreift auch, dass es da etwas Wunderbares gibt, das den Menschen ausmacht, und begibt sich auf die Suche nach dem, was uns glücklich macht.

Der Algorithmus der Menschlichkeit ist ein Buch für Leser von Ich und die Menschen oder Das Rosieprojekt. Es beschäftigt sich mit Fragen, die bei den derzeitigen Entwicklungen in der Gesellschaft wieder unheimlich wichtig werden: Was macht uns Menschen aus? Warum brauchen wir uns? Und warum brauchen wir eigentlich mehr voneinander, und weniger von den neuen Technologien, an denen wir ständig feilen?
Es ist ein Roman, der uns daran erinnert, wie wunderbar es ist, dass wir keine perfekten Maschinen sind, und daran, dass in einer Welt voller Hashtags, Likes und Algorithmen der Wert des Zwischenmenschlichen unersetzlich ist.

Was bzw. welche Szene darin war am schwierigsten zu schreiben?
Die größte Herausforderung an diesem Stoff war etwas, was mir letztendlich auch am meisten Spaß beim Schreiben gemacht hat: Mich in einen Charakter hineinzuversetzen, der ja eigentlich völlig anders denkt als ich selbst, und dadurch einen ganz anderen Blick auf das Verhalten von uns Menschen zu bekommen.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Die Anfangsszene zwischen Mari und Dr. Gottsein.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
In diesem Roman sind mir tatsächlich gleich mehrere Figuren ans Herz gewachsen: Die Störenfrida. Frau Schmitz. Und vor allem die fast reinrassige Therapiecouch Ödipus.

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie und Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Das Buch spielt in Berlin.

Möchten Sie Ihren Lesern mit Ihrem aktuellen Buch eine bestimmte Botschaft mitgeben?
Mari möchte dem Leser bestimmte Botschaften mitgeben. Eine ganze Liste davon findet der Leser im Anhang des Buches

Sind Sie für Ihr Werk bereits mit Preisen ausgezeichnet worden? Falls ja, mit welcher Auszeichnung und wann?
2016 Nominiert für Friedrich-Glauser-Debüt-Preis
2016 Skoutz Leser Award in der Kategorie Historische Romane
2015 »Buch des Monats September« bei Thalia, 2015
2012 Finalistin beim 20. Open Mike
2012 Publikumspreis des 11. Nordhessischen Literaturwettbewerbs
2011 Stipendiatin Sommerakademie ,Writing Science in Fiction‘, St. Johann
2008 Hawaii Pacific University Shortscript Contest 2008, Kategorie ,Original Screenplay‘

Mir wurde gesagt, Runahätte auch irgendeinen Preis in Polen gewonnen, aber vielleicht haben Sie da mehr Infos.

Möchten Sie Ihren Leser*innen noch etwas mitteilen:

Liebe Leser*innen,

wenn man als Autorin zwei historische Romane vorgelegt hat, dann wird irgendwie von einem erwartet, dass auch der dritte historisch ist. Und schon allein, um diese Regel ein wenig aufzumischen, freue ich mich vorwegnehmen zu können, dass dies mit dem Roman, den ihr in den Händen haltet, ganz und gar nicht der Fall ist.

Tatsächlich könnte Der Algorithmus der Menschlichkeit viel gegenwärtiger nicht sein. Er beschäftigt sich mit Fragen, die mir bei den derzeitigen Entwicklungen in unserer Gesellschaft unheimlich wichtig sind: Was macht uns Menschen aus? Warum brauchen wir uns? Und warum brauchen wir eigentlich mehr voneinander, und weniger von den neuen Technologien, an denen wir ständig feilen?

Auch diesmal hat die Geschichte wieder eine lange Reise hinter sich. Ich bin bis nach Japan geflogen, nur um letztendlich festzustellen, dass die Figuren dort keinen Boden finden. Dass sie in einer sehr viel näheren Stadt weitaus besser aufgehoben sind: Berlin.
Hier, in einem skurrilen, trashigen Nachtclub mit seiner verschrobenen Besitzerin, beginnt die Geschichte von Mari, einer künstlichen Intelligenz, die ihre ganz eigene Sicht auf uns Menschen entwickelt.

Es ist ein Roman, der uns daran erinnert, wie wunderbar es ist, dass wir keine perfekten Maschinen sind, und daran, dass in einer Welt voller Hashtags, Likes und Algorithmen der Wert des Zwischenmenschlichen unersetzlich ist.

Ich persönlich habe mich beim Schreiben in die Geschichte und ihre eigenwilligen Figuren verliebt und viel über mich selbst geschmunzelt - und ich hoffe, dass es euch beim Lesen auch so gehen wird.

Ihre
Vera Buck

Der Algorithmus der Menschlichkeit

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